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20. August 2017

Informations- und Medienkompetenz und die Demokratie

(Photo by Avi Richards on Unsplash)
Im Bund Hintergrund der heutigen NZZ am Sonntag finden sich zwei Beiträge, die man durchaus im Zusammenhang sehen kann: Weshalb uns das Internet nicht schlauer macht und Es geht um nicht weniger als um unsere Demokratie.  

Im zweiten Beitrag postuliert der Autor die Mitbestimmung des Volkes als die Essenz der Schweiz und sieht sie von drei Seiten her akut bedroht. Neben den drei erähnten Punkten abserbelnder Föderalismus, expansive Rechtsprechung und Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts kann man, inspiriert durch den ersten Beitrag, durchaus einen vierten Aspekt hinzufügen: Die schwindende Medien- und Informationskompetenz.

Der Autor schreibt in seinem Beitrag u.a.:
"Im Kopf gespeichertes Wissen indes gibt uns einen Orientierungsrahmen, um jene Informationen einzuordnen, die uns aus dem Netz entgegensprudeln.
 Wissen ist mehr als auswendig gelernte Jahreszahlen. Es ist zum Beispiel ein Verständnis dafür, was im 20. Jahrhundert in Europa passiert ist, samt den komplexen Zusammenhängen.
 Natürlich wäre das auch im Netz erhältlich, nützt uns dort aber nichts in jenem Moment, in dem wir Neuigkeiten einordnen sollten. Wir wüssten nicht einmal, wonach wir googeln müssten."
 Dazu passend stellt ein Kommentar in der NZZ vom 16.8.2017 unter dem Titel Naive Natives die Frage:
"Was bewog Soziologen und Pädagogen dazu, Jugendlichen gleichsam angeborene Kenntnisse für eine Welt zuzuschreiben, die nicht diese selbst, sondern Erwachsene geschaffen hatten?"
Und ebenso passend dazu mein Beitrag aus dem Jahr 2009: Wer lehrt die Kinder googeln?

In Zeiten von FakeNews und Filterblasen, in der sich Menschen - und nicht nur junge - in ihrer Filterblase wohlfühlen, sich oberflächlich via Gratiszeitungen informieren und notabene das Gefühl haben, Wissen kann man ja googeln, sofern man es dann irgendwann braucht, in Zeiten, in denen klassische Tageszeitungen einen massiven Leserschwund zu verzeichnen haben und populistisches Gedankengut weltweit zunehmend Anhänger findet, geht es tätsächlich um die Bedrohung der Demokratie, und das nicht nur in der Schweiz.

(Quelle: werteundwandel.de)


19. September 2016

Die Politik und der digitale Wandel - Error 404

Error 404 im Bundeshaus, so hat Philipp Loser heute im Tagesanzeiger seinen lesenswerten und vor allem nachdenkenswerten Beitrag überschrieben.

404 Not Found - diese Fehlermeldung kennen wir wohl alle. Sie bedeutet, dass eine aufgerufene Webseite auf einem Server nicht vorhanden ist. Aber egal wie mehr oder weniger ansprechend man den Error 404 kommuniziert, die Seite ist nicht vorhanden. So meint es wohl auch Philipp Loser in seinem Beitrag.

Sicher, die Politik tut nicht Nichts. Man scheint sich der Relevanz des Themas durchaus bewusst zu sein, es gibt eine Digitale Strategie und den Dialog "Digitale Schweiz", und es gibt viele einzelne Massnahmen. Aber den Entwurf, das Big Picture, dessen was man unter Informations- oder Wissensgesellschaft verstehen will, wo die Schweiz hier z.B. in 2025 stehen will und was das für uns alle als Konsumenten, Bürger, Arbeitnehmer, Patienten oder Unternehmer bedeutet, das wird viel zu wenig thematisiert.

Philipp Loser stellt in seinem Beitrag ganz zentrale Fragen für eine digitale Schweiz:
"Was bedeutet der digitale Wandel für unsere ­Gesellschaft?
Wie gehen wir mit künstlicher Intelligenz um?
Welchen Einfluss hat die fortschreitende Automatisierung auf den Werkplatz? 
Was bedeutet es für den Nationalstaat, wenn ­private Firmen immer grössere Macht über einen immer grösseren Teil der Menschen haben?"
... und fragt:
"Kann das politische Personal in Bern den digitalen Wandel bewältigen? 
Und weiss es überhaupt, was auf uns zukommt?"
Es braucht einen intensiven öffentlichen Diskurs hierüber; ein Denken jenseits der traditionenllen Denkschemata, die kaum mehr greifen im Zeitalter der Digitalisierung. Und nicht nur in den Feuilletons der Zeitungen oder bei Organisationen wie der Digitalen Gesellschaft.

Ich würde mir wünschen, über die digitale Gesellschaft Schweiz und ihre Gestaltungsoptionen würde ebenso intensiv diskutiert wie über so manchen politischen Dauerbrenner.

Aber da sind wir bei einem zentralen Problem: Min Li Marti nennt in dem Beitrag im Tagesanzeiger verschiedene Gründe, warum Netzpolitik (leider) kein Thema in Bundesbern ist. Einen Grund muss man noch ergänzen: Mit Positionen zur Netzpolitik lassen sich wohl kaum Wahlen entscheiden, da sind Themen wie schwarze SchafeDichtestress oder Masseneinwanderung wesentlich dankbarer.

Philipp Löpfe hat es anlässlich der Battle of Ideas im Rahmen des Digital Festivals vergangenen Freitag in Zürich auf den Punkt gebracht:

Sein neues Buch ist definitv auf meiner Leseliste.

26. Juli 2013

Publikation: Die Net Generation als Leitbild der modernen Informationsgesellschaft - zwischen Mythos und Wirklichkeit

Nachdem ich im letzten Jahr bei der Jahrestagung der SVJ/SSDPM (Schweizerische Vereinigung für Jugendstrafrechtspflege) im September einen Vortrag zum Thema "Die Net Generation als Leitbild der modernen Informationsgesellschaft - zwischen Mythos und Wirklichkeit", ist nun die schriftliche (Kurz-) Fassung im Sammelband zur Tagung in gedruckter Form erschienen:

Die Net Generation als Leitbild der modernen Informationsgesellschaft - zwischen Mythos und Wirklichkeit.

Erschienen in:
Schweizerische Vereinigung für Jugendstrafrechtspflege SVJ (Hrsg.): Kommunikation ohne Grenzen - Begrenzte Information, Zürich, 2013, S. 5-16.

Der Tagungsband ist beim SVJ erhältlich. 

Das Inhaltsverzeichnis des Bandes:






3. Juni 2013

Stell dir vor wir leben in der Informationsgesellschaft und keiner kann sie weiterentwickeln

Schüler an der FHS eBusiness Challenge 
Wir leben in der Informations-gesellschaft, ohne Zweifel, unser tägliches Leben als Bürger, Patient, Arbeitnehmer, Konsument, Studierender, Lehrender, etc. ist ohne die Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) kaum mehr vorstellbar.

Ein Leben ohne IKT, das hiesse ein Leben ohne Handy und Smartphone, keine Apps, kein Googlen, kein Billetautomat, kein MP3 Player, keine Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation, keine moderne Heizungssteuerung, keine Verkehrssteuerung, kein modernes und sicheres Auto, kein moderner Kaffeevollautomat oder moderne Waschmaschine, keine moderne Maschine in den Unternehmen, kein ... you name it.
Wir alle nutzen die IKT, aber kaum mehr jemand will die Anwendungen auch entwickeln.

Seit Jahren beklagt die Branche einen grossen Mangel an Fachkräften. Deswegen wurde 2008 das Jahr der Informatik ausgerufen, mit mässigem Erfolg. Und im März 2013 hat eine Gruppe von St.Galler IT-Unternehmen gemeinsam mit der Standortförderung der Stadt St.Gallen die Kampagne «IT St.Gallen rockt!» gestartet. ("St. Gallen soll Silicon Valley werden", "St. Gallen putzt sich raus für IT-Spezialisten").

Ein Kritikpunkt ist die mangelhafte Berücksichtigung der IKT bereits in den Lehrplänen der Schulen. Informatikkenntnisse: Software nicht nur brauchen, sondern machen schreibt heute die NZZ und greift das Thema Informatik in der Schule auf. "Die Informatik verändert, was unter Allgemeinbildung zu verstehen ist" sagt der emeritierter ETH-Professor Carl August Zehnder ebenfalls in der NZZ und fordert einen Ausbau der Informatik an den Gymnasien.

Und auch in Deutschland beschäftigt das Thema aktuell die Medien: Streit über Schul-Informatik: "Wir machen eine Rolle rückwärts". Informatik ist in lediglich drei Bundesländern ein Pflichtfach in der Schule.

Es kommt nicht von ungefähr, dass praktisch alle grossen IT Unternehmen, deren Anwendungen wir kaum missen möchten und doch über sie und ihr Verhalten gerne klagen, nicht aus Europa kommen. (Sicher, die Gründe hierfür sind vielfältiger als schulische Lehrpläne.)

Das Erlernen der Grundlagen und Möglichkeiten der IKT sowie der verantwortungsbewusste Umgang mit den Mitteln der IKT - Stichwort Medienkompetenz - gehören deswegen auf jeden Lehrplan. 



21. Oktober 2012

"Digital gefordet" - Schulen und Hochschulen tun sich schwer im Umgang mit der IKT

Dass die modernen Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) unser tägliches Leben in weiten Teilen durchdrungen haben und kaum mehr wegzudenken sind, ist offensichtlich. Schaut man sich aber an Schulen und Hochschulen um, sind die IKT noch lange nicht im Mainstream angekommen, weder bei den Lernenden noch bei den Lehrenden - das kann ich nicht zuletzt aus eigener Erfahrung bestätigen.

Und immer hört man in diesem Zusammenhang das Argument, die Studierenden seien doch alle sowieso Digital Natives und seien deswegen quasi automatisch auch medienkompetent.

Dass man es sich mit der - naiven - Unterscheidung in Digital Natives und Digital Immigrants etwas zu einfach macht und auch die Realität nicht abbildet, kann man wissen, wenn man will - und wird von der Realität täglich bestätigt.

In der heutigen NZZ am Sonntag widmet sich die 15-seitige Beilage Bildung dem Thema  Digital gefordert:
"Die Informationstechnologien verändern die Welt im Eiltempo – die Schule hinkt hinterher. Warum sich Pädagogen oft schwer tun mit Computern. Und wie der Unterricht der Zukunft aussehen könnte."


1. September 2011

Zwanzig Jahre


Dieser Blog beschäftigt sich mit Fragen der Informationsgesellschaft. Und vielen von uns geht es doch so, dass uns die Veränderungen der letzten Jahre auf dem Weg zur Informationsgesellschaft kaum mehr bewusst sind und wir vieles für selbstverständlich betrachten. Ein Blick zurück hilft da manchmal zu erkennen, was wir erreicht haben. Zum Beispiel indem man sich an bestimmte Daten und Ereignisse erinnert. Für mich ist so ein Datum der 1. September 1991 - heute vor zwanzig Jahren.

An diesem Tag begann ich meine Tätigkeit als Assistent am Institut für Wirtschaftsinformatik an der HSG: Hätte mir damals jemand erzählt, was in den kommenden (20) Jahren passiert, ich hätte es kaum geglaubt.

16. Mai 2011

"Mehr Demokratie durch Informationstechnologie" - Preisausschreibung der Integrata-Stiftung

Die Integrata Stiftung setzt sich für die humane Nutzung der Informationstechnologie ein und somit für die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen.

Im Rahmen der Aktivitäten der Stiftung wird regelmässig der Wolfgang-Heilmann-Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie ausgeschrieben. (Bericht über die Preisverleihung 2010)

Die aktuelle Ausschreibung 2011 hat das Schwerpunkt-Thema


Aus dem Ausschreibungstext (pdf):

"Gesucht sind Beispiele für den Einsatz von Informationstechnologie zur Partizipation der Bürger an der politischen Gestaltung oder zur Bürgerbeteiligung. Es geht um die Stärkung unserer Demokratie oder des Einflusses auf unsere öffentliche Verwaltung, indem die Bürger mit Hilfe von IT besser informiert und/oder besser eingebunden werden. Dazu gehören neben der Transparenz von politischen Vorgängen selbstverständlich auch die Stärkung einer fundierten Meinungsbildung bei den Bürgern oder die Möglichkeiten zur Abstimmung über politische Vorhaben."

Die Integrata-Stiftung ist selbst am Projekt PolitAktiv.org aktiv beteiligt (vgl. auch hier).

Hinweis: Ich selbst bin Mitglied des Fachbeirats der Integrata-Stiftung .

(Der Beitrag erscheint ebenfalls auf dem FHS eSociety Blog)

17. Februar 2011

Plagiate - weder ein Kavaliersdelikt noch nur ein Problem der Wissenschaft

Etwas Gutes hat die Diskussion um den Plagiatsverdacht beim deutschen Minister zu Guttenberg schon jetzt, unabhängig vom Ausgang: Das Thema plagiieren und Plagiate ist plötzlich in der breiten Öffentlichkeit! Und das ist auch gut so! Denn es ist ein gesellschaftliches Thema! 
Auf wie vielen Websites finden sich beispielsweise Texte oder Bilder, die man irgendwo im Netz gefunden hat, ohne dass man sich um eine korrekte und faire Quellennennung bzw. Verlinkung kümmert?

Bisher haben es kaum Plagiatsfälle in die breite (Medien-) Öffentlichkeit geschafft. Und der breiten Öffentlichkeit war wohl bis vor ein paar Tagen die Begriffe Plagiat bzw. plagiieren kaum wirklich geläufig. 


In der Wirklichkeit der Hochschulen und der Wissenschaft beschäftigt uns dieses Thema schon lange wie z.B. auch die Tagung „Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?“ im September 2009 in Chur gezeigt hat. (vgl. ausführliche Dokumentation in diesem Blog)

13. November 2010

Enabling Social Innovation - Besuch bei The Hub Zurich mit Zurich Creative Mornings

Michel Bachmann, The Hub Zurich
Idealistische Weltverbesserer, die gibt es immer wieder - und das ist gut so. Sie braucht es, um uns alle immer wieder daran zu erinnern, was wir tun können und müssen, um unsere Welt lebenswert zu erhalten und nachhaltig zu verbessern.
Aber tatsächlich bewegen können sie letztendlich (zu) wenig.

Das globale Netzwerk The Hub ist angetreten, um Ideen und Menschen, welche die Welt besser machen wollen, zu unterstützen - dies aber auf einer klar unternehmerischen Basis:
"We're a social enterprise with the ambition to inspire and support imaginative and enterprising initiatives for a better world". (Quelle)
Gestern fand der Zurich Creative Mornings Event bei The Hub Zurich zum Thema Collaborative Innovation statt. Eine Zusammenfassung gibt's auf der Facebook Seite von Zurich Creative Mornings.


26. September 2010

Der Alpenraum auf dem Weg zur innovativen eRegion in Europa (Vortrag)

Am vergangenen Freitag habe ich auf der Fachtagung "Informationsgesellschaft und Infrastrukturpolitik im Alpenraumder ArgeAlp einen Vortrag mit dem Thema "Der Alpenraum auf dem Weg zur innovativen eRegion in Europa" gehalten (Ankündigung). 


Einen ausführlichen Bericht zur Tagung gibt es auf dem FHS eSociety Blog


Bereits 1994/95 habe ich mich selbst mit dem Einsatz von IKT zur Unterstützung regionaler, politischer Ziele in der Region Bodensee beschäftigt. In dem grenzüberschreitenden Projekt Electronic Mall Bodensee (Literaturquellen) sollten mit Hilfe der damals sehr neuen Internettechnologie die politischen Ziele der regionalen Regierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, nämlich die Grenzen in der Region Bodensee zu überwinden und die Menschen näher zusammenzuführen, unterstützt werden. Ziel war die Schaffung eines elektronischen Marktplatzes im Sinne der antiken Agora. Die Plattform emb.net ging im Juni 1995 als einer der ersten elektronischen Marktplätze in Europa Online. 

8. September 2010

Beitrag zur ArgeAlp Fachtagung 2010 - Informationsgesellschaft und Infrastrukturpolitik im Alpenraum

Antennenanlage auf dem
Hohen Kasten
Im Rahmen der ArgeAlp Fachtagung 2010 - Informationsgesellschaft und Infrastrukturpolitik im Alpenraum am 23.-24.9.2010 in Chur werde ich am Schluss der Tagung einige Gedanken zum Thema "Der Alpenraum auf dem Weg zur innovativen eRegion in Europa" präsentieren.
Die Präsentation wird weitgehend auf dem gleichnamigen Paper basieren, das hier in einer ersten Version bereits verfügbar machen möchte. Die finale Version wird dann nach Abschluss der Tagung publiziert.

9. Juli 2010

Mehr Lebensqualität durch IT! - 1. Kongress der Integrata-Stiftung

Am 14. Oktober 2010 findet in Karlsruhe der 1. Kongress der Integrata-Stiftung zum Thema Mehr Lebensqualität durch IT! statt.


Das Programm startet mit drei Keynotes aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft, u.a. mit den Referenten Andreas Meier, Professor an der Universität Freiburg (Schweiz) ("eDemocracy & eGovernment: Entwicklungsstufen einer demokratischen Wissensgesellschaft") und  Professor Herman Maurer von der TU Graz ("Intelligente Computer oder Symbiose Mensch-Computer?"). 

2. Juni 2010

Social Media goes Mainstream!

Christian Lüdi erläutert die Social
Media Aktivitäten der Swiss
Dass die digitalen Medien unser aller Leben in der einen oder andreren Art und Weise beeinflussen und gar prägen, bezweifelt wohl niemand mehr ernsthaft. Das Web, E-Mail, eCommerce und eBusiness sind feste Bestandteile in unseren Leben, beruflich wie privat.

Die seit 2005 als „Web 2.0“ bezeichneten Entwicklungen rund um das WWW haben Social Software und Social Media hervorgebracht. Die Skepsis gegenüber diesen Errungenschaften des sozialen Webs sind aber noch sehr verbreitet, insbesondere auch in der Unternehmenswelt. Noch allzu oft werden Verfechter der Social Media als Nerds oder Freaks gesehen.

Dass aber Social Media längst auch in der Welt der etablierten Unternehmen angekommen ist, zeigen vier aktuelle, zufällige Beispiele:

22. Februar 2010

“Think Global – Act Local” – Wie die Informationsgesellschaft greifbar werden kann

Freie Netze. Freies Wissen.” ist ein Sammelband, der sich einerseits mit den globalen Entwicklungen der Informationsgesellschaft beschäftigt – think global. Gleichzeitig werden in dem Werk aber ganz konkrete Projekte und Projektideen für die lokale Umsetzung globaler Konzepte vorgestellt und besprochen – act local.

Der Sammelband wird herausgegeben von Leonhard Dobusch und Christian Forsterleitner und ist 2007 erschienen; entstanden ist er Band als Beitrag für das Europäische Kulturhauptstadtjahr Linz 2009.

Eine Besprechung habe ich unter gleichem Titel auf dem FHS eSociety Blog veröffentlicht.

11. Februar 2010

30 Jahre „Wissen in Aktion“ - Abschiedsvorlesung von Rainer Kuhlen

Am 10. Februar 2010 hielt Professor Rainer Kuhlen (Eintrag bei Wikipedia) seine Abschiedsvorlesung an der Universität Konstanz (Pressemitteilung).
Rainer Kuhlen hatte den Lehrstuhl für Informationswissenschaft - den ersten Lehrstuhls seiner Art in Deutschland - seit dem Oktober 1980. Schon die isi 2009 wurden Kuhlen zu Ehren in Konstanz veranstaltet.
Zum Verständnis der Konstanzer Informationswissenschaft lesen wir auf der Homepage des Lehrstuhls:
"Das Leitbild der Konstanzer Informationswissenschaft bezieht sich auf den pragmatischen Primat bei der Sicht auf Information: Information ist handlungsrelevantes Wissen oder - formelartig - Information ist Wissen in Aktion. Die (sozialen, kognitiven, politischen, ökonomischen, ethischen und kulturellen) Rahmenbedingungen der Nutzung und die Handlungsrelevanz von Information ergänzen die ansonsten häufig dominierende technische Sicht auf Information."

29. Januar 2010

FHS eSociety Blog ist Online

Seit wenigen Tagen ist der FHS eSociety Blog Online!

Der Weblog des interdisziplinären Forschungsbereichs eSociety der FHS St. Gallen ("Leuchtturm") hat das Ziel, einerseits die aktuellen Aktivitäten im Kontext eSociety an der FHS vorstellen und bekannt machen, andererseits über interessante und aktuelle Entwicklungen aus dem Bereich eSociety zu informieren, sie zu diskutieren und zu kommentieren. Dazu wird der Weblog sukzessive ausgebaut und erweitert.

Der interdisziplinäre Forschungsbereich eSociety der FHS St. Gallen will zu den Herausforderungen der Informationsgesellschaft seinen Beitrag leisten startete im Herbst 2009 unter Federführung des Instituts IPM-FHS.

Unter Einbezug aller vier Fachbereiche an der FHS – Gesundheit, Soziale Arbeit, Technik und Wirtschaft – werden Fragestellungen interdisziplinär und institutsübergreifend bearbeitet, Antworten entwickelt. Innovative Lösungen für die Entwicklung der Informationsgesellschaft sind per se interdisziplinär und können deswegen kaum sinnvoll von nur einer fachlichen Disziplin entwickelt werden. Mehr zum Profil hier.

Der Leuchtturm eSociety twittert auch unter FHS_esociety.


Bildquelle: flickr.com/ wasser1963 (CC Lizenz)

10. November 2009

3. e-inclusion Tagung - eine subjektive Rückschau

Nach 2007 und 2008 fand heute die dritte e-inclusion Tagung des Netzwerks "Digitale Integration Schweiz" zum Thema „Die neuen Medien kompetent nutzen – Voraussetzungen, Bedürfnisse, Massnahmen“ am 10. Nov. 2009 in Solothurn statt. (Ankündigung des BAKOM)

Philipp Metzger, Vizedirektor des BAKOM, eröffnete die Tagung als Vertreter des Gastgebers BAKOM. Er erinnerte daran, dass die Tagung im Rahmen der e-society Strategie des Bundes stattfindet. Ziele der e-society Strategie des Bundes sind nach Metzger den Wohlstand zu fördern und die Nachhaltigkeit zu sichern, die Umsetzung soll rasch, koordiniert und zum Nutzen aller erfolgen. An der Tagung soll die Befähigung der Menschen thematisiert werden – Stichwort Medienkompetenz -,,nachdem im letzten Jahr der „Zugang für Alle“ das Thema war.



5. November 2009

Studie "Die nächsten 20 Jahre der Informationsgesellschaft" veröffentlicht

Im Rahmen der Tagung des Münchner Kreises "Die nächsten 20 Jahre der Informationsgesellschaft" am 5. und 6. November 2009 in Berlin werden die Ergebnisse der internationalen Delphistudie „Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien“ vorgestellt (Pressemitteilung).

Eine Kurzfassung der Studie (20 Seiten) ist hier erhältlich, die komplette Studie (302 Seiten) hier. In der Langversion werden die Ergebnisse in 37 Kapiteln aufbereitet.

Die Studie analysiert die Branchentrends bis 2030 und wagt somit einen weiten Blick in die Zukunft einer sich schnell entwickelnden Branche. Bedenkt man, dass das Web gerade einmal 20 Jahre alt ist, macht der Blick um 20 weitere Jahre voraus neugierig. Wer hat vor 20 Jahren die Entwicklungen, die wir bis heute erlebt haben, tatsächlich vorausgesehen?

Insgesamt wurden 551 Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu den zentralen Entwicklungen ihrer Branchen für die kommenden zwanzig Jahre befragt. Die Studie wurde von TNS Infratest im Auftrag von Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom, TNS Infratest sowie den Förderern und Unterstützern Siemens, Focus, Vodafone, VDE, SAP, Google, IBM durchgeführt und im Rahmen des IT-Gipfelprozesses vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützt.

In der Executive Summary werden die Ergebnisse in fünf Kernbotschaften zusammengefasst.

In der ersten Botschaft wird festgestellt, dass die Entwicklungen zur Informationsgesellschaft unumkehrbar sind und die Durchdringung aller Lebensbereiche mit IKT weiter zunehmen wird. Dabei wird insbesondere ein Gleichlauf technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen angemahnt. Gefordert werden die Verbesserung von Informations- und Medienkompetenz bei Bürgern und insbesondere Kindern und Jugendlichen sowie vor allem ein Bewusstseinswandel bezüglich der Rollle und der Wirkungen der IKT in allen Lebensbereichen. U.a. wird ein Fach 'Medienkunde' an den Schulen gefordert.

In Botschaft zwei werden Akzeptanz und Vertrauen der Bürger thematisiert; man geht davon aus, dass in 6 bis 10 Jahren digital vernetzte Assistenten weit verbreitet sein werden, aber die Herausforderungen des Umgangs mit (multiple) digitalen Identitäten nach wie vor nicht gelöst sind. So werden die Implementierung "weltweit geeignete Massnahmen der IT-Sicherheit" sowie ein "einfach handhabbares Identitätsmanagement" gefordert.

Botschaft drei fordert den Ausbau einer leistungsfähigen Kommunikationsinfrastrukturen als Basis der Informationsgesellschaft. Dadurch soll Innovation und Nachhaltigkeit ermöglicht werden und neue Märkte erschlossen werden.

Die Botschaft vier widmet sich dem mobilen Internet und seiner herausragenden Bedeutung in der Zukunft.

Schlussendlich beschäftigt sich Botschaft fünf mit der Dynamik der IKT und den Auswirkungen auf die Wirtschaft durch entsprechende Innovationen. Die soll u.a. in den deutschen Schlüsselindustrien auch durch den Open Innovation - Ansatz erreicht werden.


Anschliessend werden die Themenblöcke zusammengefasst. Eine ausführliche, detaillierte und grafische aufbereitete Darstellung der Ergebnisse findet man in der 302-seitigen Langversion. Die beschriebenen Entwicklungen bleiben - zumindest in der Executive Summary - eher allgemein und vage. Zum Identitätsmanagement und der informatiellen Selbstbestimmung liesst man z.B.:
"Dies wird es frühestens ab dem Jahr 2020, möglicherweise aber auch noch deutlich später oder nie geben."
Für Deutschland wird es
"als Utopie angesehen, dass der Einzelne die vollständige Kontrolle über die Verwendung seiner persönlichen Daten im Internet hat bzw. diese gewährleistet ist".
Es wird prognostiziert, dass ab dem Jahr 2020 die Bevölkerung in Europa
"ein multimediales mobiles Endgerät als verbindendes Element der klassischen Medien wie Buch, Zeitung und Zeitschrift, Fernsehen und Internet zur Darstellung von Texten, Bildern, Musik und Videos nutzen."
Frühestens im Jahr 2020 kommt das weltweit einsetzbare 'mobile wallet'.
Es folgen Aussagen zur Innovationspolitik und Infrastrukturentwicklung; IPv6 wird ab 2019 verbreitet sein und das Internetprotokoll als solches wird frühestens ab 2030 abgelöst. Das semantische Web ist ab 2019 integraler Bestandteil des Internet.

Auch wenn das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer 1 werden wird, verändert sich der Medienkonsum kaum, Kurzformate wie Videoclips oder User Generated Content werden keinesfalls dominieren. Und die öffentliche demokratische Meinungsbildung wird auch zukünftig den staatliche, öffentlich-rechtlichen Medien obliegen. Klassische Medien wie Zeitungen und Zeitschriften werden "konvergent erweitert", wesentliches ändert sich aber nicht. Ab 2020 werden 75% der Bevölkerung individualisierte E-Tageszeitungen nutzen, dies aber parallel zu den Printversionen. Ab 2015 wird es für eine Mehrheit normal sein, für "professionell erstellte Medieninhalte" zu bezahlen. Dies wird die Medienindustrie sicher freuen, sollte es so kommen. Insgesamt scheinen die Aussagen zur Entwicklung im Medienbereich doch eher konservativ zu sein und bewegen sich entlang eher traditioneller Vorstellungen.

Die "Rund-um-die-Uhr" Betreuung von auf Hilfe angewiesener Menschen mit Hilfe von IKT-Systemen wird 2024 "medizinischer Versorgunsstandard" sein.

Auch wenn das Auto sicherer und effizienter wird, so wird das autonome Fahren frühestens ab 2030 Realität werden.

Soweit einige Erkenntnisse der Studie. Was soll man davon halten? Alles, was hier beschreiben wird, kennen wir bereits heute, von Green IT über Ambient Assisted Living AAL bis hin zu Location Based Services. Es werden im Prinzip keinerlei Entwicklungen oder Szenarien skizziert, die über das heute bereits zumindest in den Köpfen vorhandene hinausgeht. Man findet nichts wirklich überraschendes, das ungläubige Stauen bleibt aus. Die Studie bewegt sich weitgehend in den heutigen Denkschemata. War denn heute vor 20 Jahren auch alles das, was wir heute kennen, bereits angedacht und thematisiert? Kaum vorstellbar ehrlich gesagt. Spontan fallen mir hier z.B. die Aussagen zur maximalen Datenübertragungsrate über Kupferkabel ein ... Und es gibt weitere Beispiele die deutlich machen, wie man vor 20 Jahren nicht im Traum an Dinge dachte, die wir heute selbstverständlich nutzen und erleben.

Wird die Zukunft denn wirklich so wenig überraschend ...?


Bildquelle und ©: flickr.com/ henning (CC Lizenz)




12. Oktober 2009

Ein Jahr HD's Two Cents - mit neuem Namen ins zweite Jahr

In diesen Tagen wird dieser Blog ein Jahr alt: Mit einem kurzen Eintrag erblickte dieser Blog am 12. Oktober 2008 das Licht der Welt.

Mein Ziel war und ist es, zu Themen, die mich beschäftigen, im Rahmen des Blogs zu thematisieren, zu dokumentieren und zu kommentieren - eben meine Two Cents zur Diskussion beizusteuern. Natürlich kommen diese Themen aus dem beruflichen Alltag, aber nicht nur.


Mit dem Start ins zweite Jahr habe ich mich entschlossen den Blog umzubenennen:
‚HD's Two Cents - Themen rund um die Informationsgesellschaft‘.
Warum dies? Letztendlich geht es um die Bezeichnung: Der Name des Blogs soll stärker mit meinem neuen Tätigkeitsbereich korrespondieren. An der FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, werde ich mich zukünftig vor allem um den ‚Leuchtturm e-Society‘ kümmern. Dieser Leuchtturm soll interdisziplinär und somit institutsübergreifend unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessen und verfügbarer Kompetenzen Fragestellungen zum Thema Informationsgesellschaft aufgreifen und Lösungsansätze mit dem Ziel der Nachhaltigkeit entwickeln. Unter diesem Aspekt habe ich auch die Schlagworte im Untertitel des Blogs angepasst und ergänzt. Welche ich davon konkret aufgreifen werde wird die Zeit und Interessenlage zeigen.


Die Blogbeiträge haben sich bisher vor allem mit der Nutzung und Verbreitung von Wissen sowie der Entwicklung der Medien und Medienmärkte beschäftigt. Die Tag Cloud des Blogs gibt hierzu Auskunft. Dieser thematischen Linie werde ich sicherlich weitgehend treu bleiben, aber selbstverständlich werde auch neue Themen hinzu kommen, sei es durch die Arbeit im Leuchtturm oder wodurch auch immer.

Und natürlich freue ich mich über jegliches Feedback aus dem Kreis der Interessierten zu diesem Thema! Sei es als Kommentar hier im Blog, sei es via Twitter oder anderer Social Media Plattformen – oder auch ganz einfach Face-to-Face!
Bildquelle: pixelio/RainerSturm

3. März 2009

Webciety - die CeBIT entdeckt das Thema 'Internet und Gesellschaft'

1991 veröffentlichte Marc Weiser (1952-1999) (Weisers homepage) seine Vison der Computer in dem viel zitierten Aufsatz im Scientifc American "The Computer for the 21st Century".
"The most profound technologies are those that disappear. They weave themselves into the fabric of everyday life until they are indistinguishable from it. "
Der Begriff des Ubiquitous Computing war geboren. Seitdem sind die Ideen und Visione von Weiser vielfältig benannt und in Teilen auch realisiert wordern. Synonyme bzw. ähnliche Begriffe sind z.B. Ambient Computing, Pervasive Computing (vgl. auch "Pervasive Computing/ Ubiquitous Computing" von Friedemann Matern). Dass die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) heute in sehr viele Bereiche unseres Arbeits- und Privatlebens vorgedrungen ist, ist offensichtlich. Die Online- und die reale Welt verschmelzen immer mehr miteinander, in Informationsumgebungen sind technische und soziale Elemente kaum mehr voneinander zu trennen. Ob berührungslose Skipässe, RFID Chips in Büchern oder Preisetiketten - oft ist es uns gar nicht mehr bewusst, dass wir mit Technologie interagieren. Die Computer bzw. die Computerleistung verschwindet in die Welt um uns herum - Marc Weiser Vision erfüllt sich langsam. Dass die IKT unsere Welt verändert, ist jetzt auch bei der IT-Messe schlechthin, der CeBIT, angekommen. In Zeiten der Krise versucht die CeBIT (3.-8.3.2009) mit dem Schwerpunktthema „Webciety“ neue Zielgruppen zu gewinnen. Oder anders formuliert: Man trägt den Entwicklungen der Zeit Rechnung! Willkommen in der Gegenwart!
"Das Thema der CeBIT 2009 heißt Webciety, eine Wortschöpfung aus den Begriffen web und society. Hinter dem neuen Wort steht die derzeit wichtigste technische Entwicklung: wie keine Technologie zuvor greift das Internet in alle Lebensbereiche ein, verändert die Spielregeln und verschiebt das Gefüge der Kräfte. Wirtschaft ist heute ohne das Netz ebenso wenig denkbar wie Bildung, Infrastruktur oder Administration. Die Netzgesellschaft ist fast 20 Jahre nach den ersten grundlegenden Gedanken zum World Wide Web Realität. Und es steht jetzt vor einer weiteren Entwicklungsstufe." (CeBIT 2009)
"Hinter dem Kunstwort Webciety steckt die Frage nach den tiefgreifenden Auswirkungen des Webs auf die Gesellschaft."
(heise online CeBIT special 2009)
"Auf der disjährigen CeBIT dreht sich alles um Internet und Gesellschaft"
.... lässt uns die nette Dame auf der webciety Seite wissen, wenn sie erzählend durch das Lgo wandert.

Die Ideen für diesen Messeschwerpunkt lieferten der Webvermarktungsexperte Sascha Lobo und die Agentur Ce und Co; im Tagesschau Interviw verrät Lobo dann auch "
Das Internet wird zum Herzen der Gesellschaft"; und hier erklärt Lobo das webciety Konzept.

Das zugehörige
webciety Veranstaltungsprogramm macht neugierig: Neben "*.* 2.0" (von 'Tourismus 2.0' bis 'Fund Raising 2.0') findet man aber auch so etwas wie 'Wein 2.0' und gar eine 'Twitter Weinverkostung' und - gerade in diesen Tagen nicht uninteressant - 'Social Banking'. Wie wird Banking sozial? Wir sind gespannt auf viele spannende Berichte von der (neuen) CeBIT. Das Handelsblatt spricht noch vom "Experiement Webciety". Viel Spass beim experimentieren!

Bildquelle: CeBIT homepage