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25. September 2014

ISSN für Blogs?!

issn.org
Im Rahmen meiner Lehrveranstaltung IGEP (Informationsgesellschaft, -ethik und -politik) an der HTW Chur - in dessen Rahmen die Studierenden bloggen - beschäftigen sich die Studierenden zu Beginn des Semesters mit der Blogosphäre mit Hilfe bestimmter Fragestellungen. Im Rahmen der Diskussion kam von einem Studierenden die Frage auf, ob auch in der Schweiz Blogs ISSN Nummern erhalten (können).

Die Deutsche Nationalbibliothek macht dies seit 2013:
"Anwendung finden sollen dabei die allgemeinen Kriterien für die Zuteilung einer ISSN für fortlaufende Sammelwerke. Dies bedeutet, dass die Blogs entweder den Kriterien einer wissenschaftlichen Publikation entsprechen oder von allgemeinem Interesse sein müssen. Für Blogs, die nicht unter die Sammelpflicht einer Nationalbibliothek fallen, kann die Zuteilung einer ISSN verweigert werden." (Quelle Newsletter der DNB (pdf)). 
Die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität präsentiert in einem Beitrag die Kriterien, die ein Blog erfüllen muss, um eine ISSN zu erhalten. Auf dem Blog von hypotheses - mit ISSN - werden die Vorteile diskutiert. Der sicher interessanteste Aspekt der Vergabe eine ISSN an Blogs stellt die formale Gleichstellung mit allen anderen fortlaufenden Publikationen (elektronisch oder gedruckt) dar.

Und in der Schweiz? Per Tweet fragte ich bei der Schweizerischen Nationalbibliothek, die auch prompt antwortete.
"Wissenschaftliche Blogs oder solche von allgemeinem Interesse können grundsätzlich in allen Ländern eine ISSN erhalten."
Bezüglich der Bedingungen verweist die SNB auf issn.org. Ebenfalls findet man dort den Beitrag The ISSN for electronic media.

Gemäss Auskunft der SNB  gibt es in der Schweiz bisher genau einen Blog mit ISSN: drgoulu.com - ISSN 2297-0150.


22. September 2014

Customer Support im eCommerce - oder wie man es nicht machen sollte

Sicher, das ist nur ein unbedeutender Einzelfall - aber es ist ein Fall, für mich als Kunde, mit Konsequenzen. Denn der nächste Online Shop ist gerade einmal einen Klick weit weg.

Aber der Reihe nach.

Am 12.6.2014 bestellte ich Laufschuhe bei Keller Sports. Nachdem ich mich beim letzten Kauf in einem Sportgeschäft habe beraten lassen und dort gekauft habe, entscheid ich mich, das Ersatzpaar Schuhe beim Schweizer Ableger eines deutschen Onlinehändlers zu bestellen.

Bei der Überprüfung meiner Kreditkartenabrechnung einige Wochen nach dem Kauf fiel mir auf, dass der Betrag für die Schuhe zweimal belastet wurde. Ein Blick in mein Paypal Account bestätigte dies. Hier ist wohl ein Fehler passiert, vielleicht bei mir (habe ich vor lauter Ungeduld doppelt geklickt?) oder auch nicht bei mir...

Am 24.7.2014 schreib ich ein erstes eMail an Keller Sports mit der Bitte um Klärung der doppelten Belastung. Umgehend kam die automatische Bestätigung.

Bestätigung Keller Sports vom 24.7.2014
Und dann... dann passierte Nichts, weder nach 48 Stunden noch in den Wochen danach.
Ich vergass die Angelegenheit auch gleich wieder.

Erst am 19.8.2014 kam mir der Fall wieder in den Sinn, und ich schickte ein erneutes eMail, wieder kam promt die automatisierte Bestätigung.

Und diesmal kam eine Rückfrage nach den Details - die ich alle in meinem ersten Mail bereits geschickt hatte.

Rückfrage vom 20.8.2014

Ich schickte brav nochmals die Details, incl. Kopien meiner Paypal Abbuchungen und der Kreditkartenabrechnung. Und dann .... dann passierte wieder Nichts.

Langsam wurde ich ärgerlich. Nächste Eskalationsstufe: Ein Fax senden. Und ein erster Tweet. Vielleicht reagiert das deutsche eCommerce Unternehmen ja wenigstens auf Papier oder gar Twitter... Manchmal wirkt so ein Tweet ja Wunder. Das sechsseitige Fax, mit allen Kopien und Details, ging am 8.9.2014 raus.

Und dann? Wieder Nichts, keine Reaktion.

Ok, dann eben anrufen. Aber dummerweise ist die auf der Bestellbestätigung angegebene Telefonnummer nur während der Bürozeiten besetzt... ok, dann endlich am Montag, 15.9.2014, während der Bürozeiten, erwische ich einen Mitarbeiter. Aber offenbar kam er nicht wirklich draus, oder war neu, oder das CRM System war einfach nicht optimal... Jedenfalls dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Sachverhalt geklärt war. Ich musste wieder die Details der Transaktion heraussuchen und durchgeben, trotz zweier eMails und einem Fax.
Aber immerhin sagte mir der Mitarbeiter die umgehende Prüfung des Falls zu! Aber etwas wie "tut uns leid" oder "entschuldigen Sie" etc. pp. - Fehlanzeige.

Aber dann hörte ich wieder Nichts, und wurde noch etwas ärgerlicher, und ärgerlicher.

Und auch via @kellersportsde keinerlei Reaktion. Entweder funktioniert das Social Media Monitoring nicht, oder man fährt hier die Strategie Aussitzen.

Und dann, am Freitag, 19.9.2014, kam unverhofft die Ankündigung einer Gutschrift! Aber mehr auch nicht.

Ankündigung der Gutschrift vom 19.9.2014

Die Zahlung wird dann sicher auch bald eintreffen, sicher rechtzeitig für die Online Weihnachtseinkäufe.

Fehler passieren überall, aber was (bei mir) hängen bleibt ist Art und Weise, wie eine Reklamation erledigt wird. Dieser Fall war (für mich) klar ein Negativbeispiel. Und der nächste Online Shop ist gerade einmal einen Klick weit weg.

Meine Ankündigung vom 16.9.2014 mache ich hiermit wahr.

15. September 2014

Blogs in der Lehre - Feedback von Studierenden (FS 2014)

Im vergangenen Frühjahrssemester 2014 haben die Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur wieder je einen thematischen Blog zu ihren jeweiligen Themen über das ganze Semester geführt.

Wie schon in vorangegangenen Veranstaltungen habe ich nach Abschluss des Semesters eine anonyme Umfrage durchgeführt. Die Auswertung präsentiere ich hier zusammenfassend.

Die Erhebung wurde Online via Unipark durchgeführt. Insgesamt konnte ich 17 Fragebögen auswerten, der Kurs hatte 28 Teilnehmer, 80% der Studierenden waren weiblich. Die Studierenden sind berufsbegleitend Studierende und in Bezug auf das Alter überwiegend Angehörige der Net-Generation.

Es folgen einige Bemerkungen im Vergleich zu den Ergebnisse vom Herbstsemester (HS) 2013, die komplette Auswertung ist im Foliensatz am Ende des Beitrags dokumentiert:

  • Das Aufsetzen des Blogs wurde von Niemanden mehr als (sehr) schwierig bewertet. 
  • Das Erstellen des ersten Blogbeitrages fanden mehr Studierende (Sehr) einfach, aber auch (sehr) schwierig. Insgesamt ist das Bild hier eher heterogen.  
  • Gleiches gilt auch für den Zeitbedarf für das Bloggen während des Semesters. 
  • Die Erfahrungen mit der thematischen Auseinandersetzung über ein Semester hinweg wurden wieder grundsätzlich positiv beurteilt.
  • Das Format der Lehrveranstaltung wurde wiederum grundsätzlich positiv bewertet.
  • Die überwiegende Zahl der Studierenden hält das Führen eines Blogs wiederum für ein (sehr) gut geeignetes Instrument für einen Leistungsnachweis. 
Die komplette Auswertung ist in der folgenden Präsentation dokumentiert:


Weitere Beiträge hier sind unter dem Stichwort IGEP zu finden. 
Bildquelle: flickr.com / alamodestuff (CC Lizenz)


10. Juli 2014

Angemerkt: "Exclusiv im Ersten: Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird"

Dank Twitter bin ich kürzlich auf den ARD Beitrag Exclusiv im Ersten: Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird (Erstausstrahlung 7.7.2014). 
Es geht um einen Selbstversuch zweier Journalisten - bei dem der eine der Gejagte, der Tyrannisierte, die andere die Jagende ist - zur Frage "Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man selbst im Internet gehackt wird?"

Sicher ist die Intention eine Gute: Man will aufzeigen, was uns Internetnutzern blühen kann, wenn unsere Daten ausspioniert werden. Und in der Tat erinnert der Selbstversuch eher an eine Folge einer x-beliebigen CSI Serie als eine dokumentierte, real stattgefundene Begebenheit.

Aber als öffentlich-rechtliches Fernsehen hätte die ARD etwas mehr Sorgfalt und Sachlichkeit walten lassen sollen:
Sicher, es geht ums Hacken, und das ist (in diesem Fall ganz sicher) illegal - aber das wird im halbstündigen Film nicht ein einziges Mal erwähnt. Es werden explizit illegale Aktionen durchgeführt - diese aber nicht als solche klar dargestellt: Es werden Passwörter geklaut, Trojaner eingeschleust und mit Hilfe geklauter Fingerabdrücke sogar Fingerabrucksensoren überlistet.

Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek

Zwischen den klar illegalen Aktionen werden dann aber auch für jedermann frei verfügbare Quellen angezapft, wie z.B. das Online Telefonbuch oder die Google Suche.

Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
In einem Atemzug werden also banale, in jedem (Online- wie Offline-) Telefonbuch nachlesbare Informationen mit illegal gehackten Informationen genannt.

Nur zur Erinnerung: Heute haben wir Kunden das Recht selbst zu entscheiden, ob wir mit Telefonnummer und Adresse im (Online-) Telefonbuch stehen wollen. Zu Zeiten der staatlichen Telekom-Monopolisten waren wir verpflichtet, unsere Daten im Telefonbuch zu publizieren.

Der Profiler im Team der Journalistin kommt dann zu weisen Erkenntnissen: "Dass er ein sehr kritischer Journalist ist".
Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
Es liegt wohl in der Natur des Berufs des Journalisten, dass ich kein Hacker sein muss, um die Haltung eines Journalisten herausfinden zu können ...

Im Beitrag wird nicht differenziert zwischen illegalen und notabene strafbaren Aktionen und völlig harmlosen Abfragen. Für den eher unbedarften Zuschauer könnte so ein äusserst diffuses, Angst machendes Bild entstehen: Wer googlen kann, der kann auch meine eMail lesen, meine Flugbuchung canceln und meine Kreditkarte sperren. Und ganz nebenbei werden auch noch sämtliche Clouddienste verteufelt.

Sicher ist es richtig uns Nutzer zu sensibilisieren, was den Umgang mit persönlichen Daten angeht und auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Aber man sollte auch klar und deutlich sagen, was illegal und strafbar ist.

Und der Film zeigt auch deutlich was es an Spezialwissen benötigt, um unsere Daten derart konsequent illegal zu hacken und zu missbrauchen.

Eher indirekt wurde im Film deutlich, dass es vor allem Staaten bzw. staatliche Institutionen wie Geheimdienste sind, die sich diese Art von illegalem Zugang zu unseren Daten erlauben können! Uns also hacken, unsere Daten speichern, Profile erstellen und uns verfolgen. Bekannte Stichworte sind u.a. Vorratsdatenspeicherung, Online Überwachung bzw. Staatstrojaner, BÜPF, etc. Staaten wollen diese Aktivitäten mit Hilfe von Gesetzen - die uns angeblich schützen sollen! - legalisieren.

Als einfacher Bürger oder auch als Unternehmen müssen wir uns - früher oder später - mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem Gericht verantworten, würden wir das tun, was in dem ARD Beitrag gemacht wird (Nein, nicht das googlen im Telefonbuch ...).  Ein Unternehmen, das sich derart kriminell Daten beschafft, würde wohl einen existenziellen Reputationsverlust erleiden.

Aber Geheimdienste, Regierungen, etc, vor wem müssen sie sich verantworten?

Nicht das Netz ist der Gegener - wie der Titel der Sendung sagt - sondern diejenigen, die es missbrauchen, an vorderster Front staatlich Institutionen - angeblich zu unserem Schutz... Und wir als Steuerzahler bezahlen diese Aktionen gegen uns auch noch...

21. Juni 2014

Workshop "Gemeindepräsident gesucht: Wie unterstützen neue Medien die Suche nach neuen Kandidatinnen und Kandidaten?" an der 4. Ostschweizer Gemeindetagung

Gestern fand an der FHS St. Gallen die 4. Ostschweizer Gemeindetagung zum Thema "Gemeindepräsident/in gesucht" (Programm) statt. Eine Sammlung der Tweets zur Tagung findet sich bei Storify.

Einer der vier Workshops mit dem Mit neuen Medien politische Talente mobilisieren wurde von mir moderiert. Zielsetzung war, die Teilnehmer für die Rolle neuer Medien und insbesondere Social Media zu sensibilisieren.

Zunächst habe ich einen ca. zehn-minütigen Input: Gemeindepräsident gesucht: Wie unterstützen neue Medien die Suche nach neuen Kandidatinnen und Kandidaten? gegeben, den ich mit drei Thesen abgeschlossen habe:
  • Transparenz schafft Neugier und Interesse: Open Government/ Offenens Verwaltungshandeln als Trend
  • Neue Medien/ Social Media ermöglichen Transparenz, Feedback und Dialog – niederschwellig und zeitnah
  • Transparenz geschaffen durch neue Medien motiviert mehr Bürger und Bürgerinnen, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen

Anschliessend waren die Teilnehmer aufgefordert ihre Gedanken, Ideen, Pro- und Kontra-Argumente auf Kärtchen zu schreiben. Nach einer ersten Clusterung haben wir diese dann gemeinsam diskutiert. 

Aus der Kartenabfrage und der anschliessenden Diskussion hier einige Hauptaussagen:

Der Generationen Clash, wie es auf einer Karte formuliert war: Es ging hier um die eher pauschalierende und undifferenzierte Aussage, dass vor allem die junge Generation empfänglich sei für Social Media - was durchaus den Fakten widerspricht. 
Positiv wurde erwähnt, dass man neue Zielgruppen erreichen könne. 

Es wurde auch darauf hingewiesen, dass Social Media als Ergänzung zu sehen seien und dass es ein Miteinander von On- und Offline benötige. 

Grundsätzlich war ein grosser Respekt, um nicht zu sagen Angst, bzgl. Social Media zu spüren. Sehr häufig wurden Aspekte wie Shitstorm, Manipulationsmöglichkeiten, Skandalisierung, Oberflächlichkeit oder auch Betroffenheitsdemokratie genannt. 

Es steht ausser Frage, dass Social Media gewisse Meinungen und Aussagen schneller und mit höherer Reichweite verbreiten können. Aber dies ist einerseits nicht nur ein Problem elektronischer Medien, sondern eher ein Phänomenon unserer Zeit, wenn man an die reisserischen Beiträge mancher Boulevard- und Gratiszeitungen denkt; eine differenzierte und eher nüchterne Berichterstattung ist kaum mehr gefragt. Andererseits weiss man, dass die richtige Reaktion auf Shitstorms dessen Wirkung durchaus verpuffen lassen kann. Und sofern ein Shitstorm tatsächlich auf unberechtigt Argumenten basiert, wird dieser durchaus mit gleicher Intensität durch die Netzbenutzer ausgehebelt. 

Auch die sog. Betroffenheitsdemokratie ist kein Problem der Social Media; dass Menschen sich dann empören und zur Wehr setzen, wenn Sie direkt betroffen sind, gehört zur täglichen Erkenntnis jeden Kommunalpolitikers. 

Erkannt wurde durchaus auch, dass die Nutzung von Social Media eine Form des quasi permanenten Monitorings bedarf und notabene die traditionelle Kommunikation von Teilzeitpolitikern - welche Gemeindepolitiker in der Schweiz mehrheitlich sind - vor Herausforderungen stellt. In diesem Zusammenhang wurde dann auch das Kosten-Nutzen Verhältnis thematisiert. 

Nur selten wurde erwähnt, dass Social Media auch eine Chance sind, Feedback von der Basis zu erhalten, neue Chancen der Vernetzung ermöglichen oder vor allem die kleine, informelle Kommunikation ermöglichen. Eine Karte lautete dazu Stammtisch Meinungen kommen an die Oberfläche (worauf ein Teilnehmer spontan sagte "Was interessieren mich die Stammtischmeinungen" ...). 

Das Thema vermehrte Transparenz wurde grundsätzlich durchaus positiv kommentiert: Transparenz schafft Vertrauen oder Einblick in Alltag von Gemeinderat/Verwaltung waren hier Äusserungen. 
Aber auch Nachdenkliches wie Erschlagen von Transparenz wurde erwähnt, ein durchaus bedenkenswerter Aspekt (lesenswert dazu das Buch von Byung-Chul Han: „Transparenzgesellschaft“). 

Als Fazit des zweimal durchgeführten Workshop bleibt festzuhalten, die die Teilnehmer zwar grundsätzlich die Potentiale von Social Media sehen und erkennen, andererseits einen (noch zu) grossen Respekt vor deren Nutzung haben. Dies mag durchaus auch mit der mangelnden Erfahrung und dem Wissen rund um Social Media zu tun haben. 







27. Mai 2014

Die Open Access Debatte zwischen Polemik und Sachlichkeit - revisited

Von "ideologischen Forderungen der Open-Access-Aktivisten" habe ich bereits 2009 berichtet, und hier an eine differenzierten Diskussion appelliert.

Aber auch im Jahr 2014 scheint eine sachliche Debatte über Open Access noch nicht (überall) möglich zu sein, nicht einmal im Feuilleton einer angesehen Qualitätszeitung. Der Beweis: Der Artikel Der Nationalfonds kapituliert: «Open Access» von ujw. in der heutigen NZZ. Hier schreibt der Autor von Ideologien und Verblendungen, und vom "Ungeist der Zeit", er benutzt Wörter wie grotesk und kapituliert - gemeint sind Open Access und seine Befürworter. Und wohl gemerkt, das ist ein redaktioneller Beitrag und kein Beitrag im Bund Meinung der NZZ, wie ich zuerst dachte.

Mit Sätzen wie
"Schwingt im Losungswort «Open Access» derlei Erlösungshoffnung mit? Wollen seine Verkünder einen Heilsweg bahnen? Wollen sie den Geist durch Digitalisierung von der Materie der Bücher befreien und die Leser gleich mit? Schweben ihnen eine Transsubstantiation vor und eine Überwindung aller Grenzen zwischen «gelehrter» und «breiter» Öffentlichkeit? Wenn dies gelänge: Wäre Google dann Gott – und die Wissenschaftsverwaltung zugleich die Heilsverwaltung?
disqualifiziert der Autor sich selber. Das ist kein Beitrag zu einer sachlichen Debatte.

Ich habe mich verschiedentlich zu Open Access geäussert und werde das hier nicht wiederholen.

Nur so viel: Als Wissenschaftler bin ich Konsument und Autor von wissenschaftlichen Publikationen, und als Mitherausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift habe ich grundsätzlich und auch ganz operativ mit dem Thema Open Access et al. zu tun; ich behaupte, aus der ganz banalen Alltagspraxis heraus ein wenig vom Thema zu verstehen. Und der Beitrag von ujw. liefert schlichtweg keinerlei Antwort auf tatsächlich bestehende Fragen.
Bildquelle: flickr.com/Robert Couse-Baker (CC Lizenz)





10. Mai 2014

eDemokratie - umgesetzt in einer Unterrichtseinheit

Wahlkampf Flyer
Gerade läuft in der Schweiz das mit viel Aufwand inszenierte Demokratie Projekt «Ich, die Mehrheit» - das allerdings Demokratie mit Fremdbestimmung verwechselt und erheblicher Kritik ausgesetzt ist (vgl. z.B. hier oder hier).

Das man man das Thema Demokratie und neue Medien auch ganz anders präsentieren und aufbereiten kann, haben gestern zwei Studentinnen in meinem Kurs IGEP - Informationsgesellschaft, -ethik und -politik gezeigt.

Die Studierenden des Kurses gestalten im Laufe des Semesters eine Unterrichtseinheit von 45 Minuten; dabei geht es nicht um die abschliessende und umfassende Präsentation eines Themas, sondern um die Aufbereitung eines ausgewählten Aspekts.

Die beiden Autorinnen des Blogs eDemocracy in der Schweiz - die neue Art der Mitsprache hatten sich zum Ziel gesetzt, in ihrer Lektion
  • einen Wahlkampf zwischen zwei (fiktiven) Kandidaten via Facebook nachzustellen, 
  • dann per clevervote den Wählern - die Kommilitonen und Kommilitoninnen in der Klasse - eine  individuelle Wahlempfehlung zu präsentieren - auf Basis eine Onlineumfrage - 
  • und anschliessend ein eVoting - basierend auf Doodle - durchzuführen. 

Und gedruckte Wahlkampf Flyer gab es auch.

Und der Wahlsieg von Frau Ligerhans wurde anschliessend mit einem kleinen Apero gefeiert.

Die beiden Kandidaten waren Hans-Erni Willisegger und Sina Momo Ligerhans, zwei fiktive Profile. Das Online Magazin QUICK-Online  hat laufend über die Kandidaten berichtet, einschliesslich einer Affäre.

Während des Wahlkampfs wurden laufend neue Meldungen bei den beiden Kandidaten und dem Online Magazin freigeschaltet, die geliked und kommentiert werden konnten.

Eine ganz tolle Idee wie ich finde und hervorragend vorbereitet und umgesetzt von den Studierenden. Die Lektion war sicher gut geeignet um die Potentiale von Onlinemedien für politische Aktivitäten aufzuzeigen.

Leider war es aufgrund der fehlenden Zeit anschliessend nicht mehr möglich, das Verhalten der Wähler genauer zu hinterfragen: Warum wurde oder wurde nicht geliked oder kommentiert?

Einige Screenshots:













9. Mai 2014

Blogs von Studierenden als Teil einer Lehrveranstaltung - FS 2014

Auch im laufenden Frühjahrssemester 2014 führen die Studierenden im Rahmen meiner Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur einen thematischen Blog zu ihren Themen über das ganze Semester; diesmal in Gruppen von bis zu drei Studierenden.


Hier eine Auflistung aller Blogs:
Selbstverständlich freuen sich die Studierenden über Feedbacks, Kommentare und Likes !

Weitere Beiträge hier sind unter dem Stichwort IGEP zu finden. 
Bildquelle: flickr.com / alamodestuff (CC Lizenz)

20. März 2014

Blogs in der Lehre - Feedback von Studierenden (HS 2013)

Im vergangenen Herbstsemester 2013 haben die Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur wieder je einen thematischen Blog zu ihren jeweiligen Themen über das ganze Semester geführt.

Wie schon in vorangegangenen Veranstaltungen habe ich nach Abschluss des Semesters eine anonyme Umfrage durchgeführt. Die Auswertung präsentiere ich hier zusammenfassend.

Die Erhebung wurde Online via Unipark durchgeführt. Insgesamt konnte ich 11 Fragebögen auswerten, der Kurs hatte 15 Teilnehmer, zwei Drittel der Studierenden sind weiblich. Die Studierenden sind Vollzeitstudierende und in Bezug auf das Alter überwiegend Angehörige der Net-Generation.

Es folgt ein Vergleich der Ergebnisse zum Herbstsemester (HS) 2012 (%-Angaben jeweils in Klammern), die komplette Auswertung ist im Foliensatz am Ende des Beitrags dokumentiert:

Vorherige Blog Erfahrungen 
Die vorherigen Erfahrungen mit Blogs waren geringfügig stärker ausgeprägt, einen eigenen Blog haate bis dato niemand geführt.

Aufsetzen des Blogs (technisch)
Das Aufsetzen des Blogs wurde insgesamt als etwa gleich schwierig bewertet.

Als Blogsystem wurde ausschliesslich Wordpress genutzt (33%), also eine deutliche Verschiebung.  

Start des Blogs (inhaltlich)
Der Start des Bloggens an sich wurde etwas einfacher empfunden. Sehr schwierig war es für keinen der Teilnehmer.   

Führen des Blogs (zeitlich)
Der Zeitaufwand für's Bloggen über das Semester hat sich etwas stärker reduziert, bei keinem Teilnehmer hat er zugenommen.

Die Erfahrungen mit der thematischen Auseinandersetzung über ein Semester hinweg wurden wieder grundsätzlich positiv beurteilt.

Auch der Wissenszuwachs durch das Bloggen über ein Semester hinweg wurde wiederum überwiegend als sehr positiv beurteilt. 

Zumindest ein Teilnehmer möchte den Blog weiterführen, 82% /17%) sagen "eher nicht", und 9% (67%) "auf keinen Fall". Hieraus lässt sich ein gewisser Trend 

Das IGEP Format
Die Eignung für die Lehrveranstaltung einschliesslich Leistungsnachweis bewerten die Studierenden etwas positiver als im HS 2012; 78% (67%) finden das Format "gut" oder "sehr gut" geeignet.

In Bezug zum Wissenszuwachs im Vergleich zu einer klassischen Hausarbeit sind die Teilnehmer etwas kritischer: 36% (0%) geben an, sie hätten durch eine Hausarbeit mehr Wissenszuwachs gehabt. Weniger Wissenszuwachs durch eine Hausarbeit hätten 36% (34%) gehabt.

Die komplette Auswertung ist in der folgenden Präsentation dokumentiert:




Bildquelle: flickr.com/DonnaGrason

20. Februar 2014

Eine Analyse der digitalen Revolution in der Medienbranche aus den USA

Die heutige NZZ publiziert einen interessanten Beitrag zur digitalen Revolution in der Medienbranche: Auf der Suche nach dem Ei des Kolumbus. Interessanterweise erscheint der Beitrag im Bund International, und nicht etwa im Medien-/Digitalteil der NZZ.

Der Autor Peter Winkler fasst in dem Beitrag eine umfangreichere Studie von Pew Research zusammen (auf die leider nicht direkt verlinkt wird):  Nonprofit Journalism: A Growing but Fragile Part of the U.S. News System, publiziert im Juni 2013.
"Das Pew Research Center identifizierte für einen Bericht über diese schillernde Szene digitaler Medien 172 Neulancierungen seit 1987. Fast 70 Prozent von ihnen wurden während oder nach der Rezession von 2008 gegründet, als traditionelle Medienunternehmen im grossen Stil «journalistische Kapazität abbauten»" (mehr zur Methode der Studie)
Auch wenn die Studie sich auf die USA bezieht, sind die Erkenntnisse durchaus interessant.
Einige der Kernaussagen:

  • Focus auf lokale bzw. regionale Themen: "Von den 172 Internet-Neugründungen bedienen rund drei Viertel das Interesse an Nachrichten auf lokaler oder gliedstaatlicher Ebene." 
  • Fokus auf einzelnen Themen: "Als typische Nischenprodukte beschränken sich ebenfalls rund 75 Prozent auf ein Thema oder auf einige wenige Themenschwerpunkte." 
  • Der Qualitätsjournalismus lebt offenbar: "Erstaunlicherweise ist der investigative Journalismus mit 21 Prozent die populärste Nische."
  • Durchaus überraschend ist die Aussage, "dass die Internetmedien bedeutend weniger häufig aktuelle Nachrichtenbeiträge publizierten als traditionelle Medienunternehmen" - was mit den fehlenden Ressourcen begründe wird: viele der Neugründungen arbeiten mit Freiwilligen
  • Aber: Ein nachhaltiges Ertragsmodell fehlt den meisten Neugründungen bisher: "Rund zwei Drittel werden von einer anderen Organisation gesponsert, nur das restliche Drittel kann als einigermassen unabhängig bezeichnet werden". Es bestehen notabene Abhängigkeiten von Mäzenen und Sponsoren. Aber letztendlich bestehen Abhängigkeiten (mehr oder weniger explizit) auch bei traditionellen Medienhäusern
  • Insbesondere innovative, Internet-typische Ertragsmodelle fehlen weitgehend. Neugründungen wie traditionelle Medienhäuser suchen also gleichermassen nach Ertragsmodellen. 
  • Und: "Soziale Medien gelten derzeit für den Aufbau engagierter Nutzergemeinschaften als unabdingbar." Als innovative Beispiele werden hier u.a. die Projekte impaq.me und First Look Media, genannt. 
Weitere Details sind in der Originalstudie dokumentiert (pdf). 

Weitere Beiträge zum Thema Zeitungen auf diesem Blog.


3. Februar 2014

IT Sicherheitsrichtlinien und ihre Work Arounds in der täglichen Arbeit

Aus Gründen  musste ich heute mehrere Dateien eher dringend an jemand senden, der bei einem grossen Schweizer Dienstleistungsunternehmen arbeitet. Es waren ca. 20 Dateien im Umfang von 50 MB, vor allem eingescannte Unterlagen.

Naiv wie ich war lud ich die Files auf meine Dropbox und verschickte den Link. Denkste!


Ok, Dropbox nicht erlaubt - aber es gibt ja einen Work Around ... - man weiss sich ja zu helfen ...

Da dieses Vorgehensweise doch recht umständlich ist, wollte ich die Dateien per zip-File an die Firmenadresse senden, das dann immer noch ca. 25 MB hatte. Mit dem Ergebnis: 


Fazit:
IT Sicherheitsrichtlinien verbieten die Nutzung von Tools zur Arbeitserleichterung und bürden dem Mitarbeiter Mehrarbeit auf; dies vor allem ohne entsprechende Alternativen anzubieten. Jeder IT Mitarbeiter oder sonstige Verantwortliche sollten einmal für eine Woche an einem Arbeitsplatz arbeiten müssen, den er aus der Ferne administriert und für den er Richtlinien festlegt.Selbstverständlich ohne Work Arounds!

Für uns beide hat der Vorgang weit mehr Zeit benötigt als notwendig; und die Dokumente haben auch ohne Dropbox die sichere Schweiz verlassen und vermutlich den Globus umrundet, schon allein weil ich sie via Gmail versendet habe; und dies wäre selbst dann der Fall gewesen, wenn ich die Dateien selbst einzeln bzw. in kleinenern Pakten an die Firmenadresse versendet hätte.

... aber Dropbox wurde nicht benutzt, immerhin wurde diese Richtlinie eingehalten.

Bildquelle:  Flickr.com - European Parliament Technology - DG ITEC (CC Lizenz)

26. Januar 2014

Bekommen wir Technik, die wir nicht verstehen, mit Technik in den Griff, die wir ebenso wenig verstehen?

Am vergangenen Wochenende entschied die Jury über die Preisträger des Wolfgang-Heilmann-Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie 2013/2014 der Integrata Stiftung. Das Thema der Ausschreibung lautete Privatheit in der eSociety.
Der/die Preisträger werden im Rahmen des Integrata Kongresses 2014 im September 2014 in Stuttgart ausgezeichnet.

Als Mitglied der Jury war es äussert spannend die eingereichten Arbeiten zu bewerten und letztendlich über den/die Preisträger mit zu entscheiden.

Ich möchte an dieser Stelle einige Gedanken zu den eingereichten Arbeiten aufschreiben, die mir im Rahmen der vorgänggien Beschäftigung mit den Einreichungen und während der Jury-Sitzung in den Sinn kamen. Und diese Gedanken betreffen bei weitem nicht nur die evaluierten Arbeiten!

Aufgefallen ist mir eine gewisse Technikgläubigkeit in vielen - längst nicht allen - Beiträgen. Diese basiert auf der implizit oder auch explizit Annahme, dass das Internet böse sei. Damit meine ich folgendes:

Nicht selten werden in den Beschreibungen der Projekte Szenarien aufgezeigt, die mit der meist diffusen Angst der Menschen vor Missbräuchen im Internet spielt und dabei Begriffe wie Privatheit, Datenschutz oder Identität kaum differenziert betrachtet oder gar vermischt. Vergessen wird auch der Hinweis, das bei einigen der aufgezeigten Missbrauchs-Szenarien diese nach geltendem Recht schlichtweg illegal wären, Unternehmen also bewusst das Recht brechen würden. Man gewinnt den Eindruck, dass Unternehmen aus diesen Verunsicherungen der Internetnutzer Kapital schlagen wollen.

Denn das was Unternehmen (und andere Organisationen) im Rahmen der eingereichten Arbeiten vorschlagen ist ein Stück Technik - ein Stück Technik, dass die aufgezeigten Löcher und Missbrauchspotentiale des Internets stopfen soll.

In der Quintessenz bedeutet das aber, dass wir Technik, die wir nicht verstehen, mit Technik, die wir genauso wenig verstehen (können), in den Griff bekommen wollen. Die Anbieter sagen also in der Konsequenz, dass man dem Internet und den diversen Diensten und Anbietern nicht vertrauen dürfe, aber die daraus resultierenden Probleme mit der eigens entwickelten Technik in den Griff bekommen kann - und notabene sollen und können wir dieser Technik und deren Anbietern vertrauen.


Und die Anbieter dieser Technik in Form von Softwaretools beteuern, dass der Nutzer keine zusätzliche Kompetenz benötige, um die Tools zu nutzen, dass die Benutzung ganz einfach sei.

Deswegen Technikgläubigkeit - man versucht erst gar nicht, z.B. mit Hilfe von Technik, den Menschen in die Lage zu versetzen, zu verstehen was er tut, z.B. in sozialen Netzwerken oder beim eCommerce, Bewusstsein zu entwickeln, oder gar zu lernen, neue Kompetenzen - Stichwort Medienkompetenz - zu entwickeln. Halten diese Anbieter den Nutzer für so lernunfähig, lernunwillg, oder gar ...?