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9. Juli 2016

Reiseerlebnisse mit der Deutschen Bahn - die 1001.

Eigentlich sollte es eine ganz entspannte Reise zurück von Leipzig nach St. Gallen werden. Der Plan: Mit der S-Bahn von Leipzig HB zum Flughafen, ab 09:23, an 09:37.
Es gab weder Schnee, noch Regen, noch Sturm, noch war es besonders heiss, aber die S-Bahn hatte bereits bei Abfahrt 5 Minuten Verspätung. Ok, alles im grünen Bereich, dachte ich, nur mit Handgepäck reisend, Boarding 10:20, Abflug 10:45. Also mindestens 40 Minuten von (geplanter) Ankunft der S-Bahn bis Beginn des Boardings.

Dann, nach wenigen Minuten Fahrt, bleibt die S-Bahn auf offener Strecke stehen. Eine Durchsage gab es nach längerem Warten, angeblich sei eine Signalanlage defekt. Derweil fahren rechts und links andere Züge vorbei. Auch die 2. Durchsage liess verlauten, dass eine Signalstörung vorliege. Dann die dritte Durchsage: Weichenstörung. Inzwischen waren mehr als eine halbe Stunde vergangen. Langsam wurde ich nervös. Dann die Mitteilung: Der Zug fährt ein Stück zurück, um dann auf ein neues Gleis zu wechseln. 

Mit schlussendlich 63 Minuten kam die S-Bahn am Flughafen an. 

Ich spurtete zum Schalter der Lufthansa, es war ca. 10:45, eine Mitarbeiterin rief sofort am Gate an, aber das Boarding war bereits abgeschlossen, “doors closed”. Mein Ticket ist nicht umbuchbar. Shit. 

Dann zum Schalter der Deutschen Bahn: Man können da nichts machen ausser mir die Verspätung zu bescheinigen - darin hat man ja Routine - und mir ein Formular mitzugeben, um meine entstandenen Mehrkosten erstatten zu lassen. 

Mit dieser Information machte ich mich auf die Suche nach einer Flugverbindung: Leipzig - Zürich via München, Abflug 12:45, Ankunft Zürich 16:15 - anstatt 12:00 wie geplant. Und zusätzliche ca. 350 CHF - mein Originalticket hatte ca. 200 CHF gekostet. Ich gehe ganz einfach einmal davon aus, dass die Deutsche Bahn mit das Ticket erstattet! Den verlorenen Nachmittag zuhause kann ich eh abschreiben.

Meinem Ärger und Unmut habe ich über Twitter Luft gemacht, aber seitens der Deutschen Bahn bisher keine Äusserung zum Fall. Man ist wohl im Wochenende

Update 11.7.2016
Drüben bei Twitter gab's bis heute keinerlei Reaktion auf meine diversen Tweets seitens der Bahn. Auf der Facebookseite von Deutsche Bahn Personenverkehr gab's neben einer halbherzigen Entschuldigung vor allem Belehrungen!

Screenshot 10.7.2016

Dass es auch anders geht, zeigt die Swiss.

... to be continued

PS. Im übrigen bin ich überzeugter Bahnfahrer, besitze aktuell das GA der SBB, besass lange Zeit die Bahncard 50 und war Vielfahrer (bahn.bonus comfort-Status) der Deutschen Bahn.


25. Juni 2016

Staaten bauen die Massenüberwachung aus

"Ein Staat schafft sich selbst die gesetzliche Grundlage für sein Handeln, und damit ist es dann legal, ob Vorratsdatenspeicherung oder Staatstrojaner."
So habe ich es im Beitrag Überwachung und Vorratsdatenspeicherung - Differenzierung tut Not formuliert.

Egal, ob die Schweiz, Frankreich, die USA oder Deutschland, viele Staaten schaffen aktuell die legalen Grundlagen zu potentiell mehr Überwachung.

Als weiteres aktuelles Anschaungsbeispiel dienen die entsprechenden Gesetzgebungsverfahren in Deutschland und Russland, von der die heutige NZZ berichtet: Anti-Terror-Paket im Bundestag: Mehr Daten für die Partner und Auf Orwells Spuren: Umstrittene neue Anti-Terror-Gesetze in Russland

NZZ 25.6.2016, S.7

Und kürzlich lasen wir: E-Government in Schweden: Der Staat als Datenkrake (NZZ 17.6.2016)

Und auch Frankreich macht es schon längst:
"Der Verfassungsrat gab am Donnerstag grünes Licht für die Massnahmen, die unter anderem das Abhören von Telefonen und den Einsatz versteckter Kameras auch ohne richterliche Genehmigung erlauben." (NZZ 24.7.2015)

1. Juni 2016

Überwachung und Vorratsdatenspeicherung - Differenzierung tut Not

Quelle: flickr/democracychronicles 
(CC BY 2.0)
Die Themen Umgang mit unseren privaten Daten, der Schutz der Privatsphäre und die Überwachung können nicht genug intensiv diskutiert werden. Wir müssen uns dringend mit den Folgen der Digitalisierung auseinandersetzen, um das Beste für unsere Gesellschaft daraus zu machen. Aber es muss fair und ausgewogen bleiben. Wir benötigen dringend eine positive Strategie für das digitale Zeitalter.

Der Autor des Beitrages Regeln für die digitale Welt: Die algorithmische Person (faz.net, 1.6.2016) spricht von der globaler Vorratsdatenspeicherung und vermischt leichtfertig staatliche mit privatwirtschaftlichen Aktivitäten. Aber genau hier muss man genau differenzieren*:
Ein Staat schafft sich selbst die gesetzliche Grundlage für sein Handeln, und damit ist es dann legal, ob Vorratsdatenspeicherung oder Staatstrojaner.
Ein Unternehmen dagegen  unterliegt durchaus rechtlichen Rahmenbedingungen wie auch der Börsenaufsicht und notabene dem Markt. Sicherlich sind die hier gemeinten Unternehmen keine Waisenknaben und kämpfen mit harten Bandagen, aber letztlich sind sind sie von uns Nutzern abhängig. Was hatte man für eine Angst vor Microsofts beherrschender Stellung im Browsermarkt - und was ist daraus geworden? Und nicht nur Goolge hat zig Dienste mangels Akzeptanz wieder einstellen müssen. Und nicht zuletzt hat auch Google - wie andere Techgiganten ebenfalls - sich mehrfach dem Recht beugen müssen, sei es bei Streetview oder dem Löschen von Einträgen in der Suchmaschine.

Aus diesen Gründen ist es dringend geboten, die Aktivitäten von Staaten und privatwirtschaftlichen Unternehmen in diesem Kontext klar zu differenzieren. Zu den Diensten der Unternehmen gibt es durchaus Alternativen, zum Staat nicht*.

* vgl. auch mein Beitrag Der unaufhaltsame Weg zur digitalen Totalüberwachung !?


9. Mai 2016

Logistik ist Key - aber nicht immer! Erfahrungen mit Aliexpress.com

Logistik ist Key - das ist das Credo allenthalben im Distanz- bzw. Onlinehandel. Next Day Delivery  ist quasi Standard im inländischen Onlinehandel. Same Day Deilvery ist das aktuelle Spielfeld für immer neue Konzepte, um dem Kunden seine Online bestellten Waren so schnell wie möglich zu liefern.  Jüngstes Beispiel ist Steg Computer, die eine Lieferung innerhalb von drei Stunden versprechen.

Gleichzeitig drängen zunehmend ausländische Onlineanbieter auf den Schweizer Markt. Aber offenbar ist uns Kunden hier die Lieferzeit weniger wichtig als andere Kriterein, vor allem wohl der Preis. Der starke Franken wirkt sich nicht nur auf den stationären, sondern offenbar auch auf den nationalen Onlinehandel aus. Aber auch wenn Amazon, Zalando und Co. an der schnelleren Lieferung in die Schweiz arbeiten, so dauert sie heute noch einiges länger, next day ist (noch) ein Wunschtraum.

Lassen wir uns gar aus dem fernen Ausland beliefern, beläuft sich die Lieferzeit eher auf Wochen als auf Tage. Trotzdem erfreuen sich Alibaba und Co. offenbar zunehmender Beliebtheit bei Schweizer Konsumenten. So schrieb die Handelszeitung am 20. Januar 2016: Alibaba und Co. sorgen für «Päckliflut» aus China. Für Aufsehen hat (auch) gesorgt, dass gerade Lieferungen aus China offenbar von uns Allem subventioniert werden. Schweizer Händler finanzieren chinesischen Online-Handel schrieb der Verband des Schweizerischen Versandhandels VSV am 22. Januar 2016 dazu.

Was ist dran am vermeintlich so günstigen Onlineshopping in China? Probieren geht über Studieren!

Quelle: aliexpress.com
Am 24. März habe ich bei zwei verschiedenen Anbietern bei aliexpress.com bestellt, jeweils für ca. 20 Euro, keine Lieferkosten! Dank Bestellung via App gab es nochmals Rabatt, auf den ich via Webseite aufmerksam gemacht wurde. Die angegebenen Lieferzeiten betrugen 15-34 Tage - Geduld war also angesagt.

Um es kurz zu machen: Keines der beiden bestellten Produkte kamen je bei mir an.

Im ersten Fall wurde das Paket angeblich beim Zoll aufgehalten und wurde zurück geschickt. Am 10. April (!) war eine Nachricht in meiner Message Box:
"We were informed from our post office that your package has been returned to us by the custom as it failed to get through the security inspection. We are sorry about this."
Da es offenbar keine eMail-Benachrichtigung gibt,  habe ich die Nachricht erst einige Tage später gelesen. Warum ein einfacher Adapter nicht durch den Zoll ging, konnte mir niemand beantworten. Bei der Schweizerischen Post war die Sendung mit der von aliexpress.com angegebenen Trackingnummer unbekannt.

Im zweiten Fall war das Paket einfach verschwunden: Trackingnummer unbekannt, und auch der Lieferant konnte keine Angaben machen. Diese Information erhielt ich erst auf Nachfrage am 25. April (!).
"Maybe your package is lost in transit, in this situation, we will refund."

Quelle: aliexpress.com
In beiden Fällen gab es eine 100%-ige Rückerstattung des Kaufpreises. Um an sein Geld zu gelangen muss man zunächst per Klick einen Dispute eröffnen, anschliessend kann man dann einen Refund beantragen. Dies ist durchaus sehr kundenfreundlich gestaltet (vgl. Abb.).

Es mag Zufall gewesen sein, dass die Lieferung in beiden Fällen schief ging, aber ich persönlich habe keine grosse Lust mehr, bei Aliexpress.com zu bestellen.





Meine Bestellungen bei aliexpress.com vom 24.3.2016

Bildquelle: Eigenes Photo



26. April 2016

Der Einsatz von Social Media auf Gemeindeebene

Toggenburger Tagblatt, 26.4.2016
Das Themenfeld Politik 2.0 beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Themen rund um die Nutzung des Social Web bzw. Web  2.0 in der Politik, bei Abstimmungs- und Wahlkämpfen oder im Rahmen von eParticipation - Aktivitäten behandle ich in der Aus- und Weiterbildung sowie in Projekten im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit an der FHS St. Gallen.

Im Rahmen des Zertifikatskurses (CAS)  Gemeindeentwicklung der FHS St. Gallen habe ich die Freude im Modul Medien und Politik den Teil der neuen Medien mit den Teilnehmern zu behandeln. Nach wie vor stossen die Themen wie die Nutzung von Social Media in der politischen Gemeindearbeit verbreitet auf Skepsis. Man scheut das Neue, fürchte den Aufwand oder stellt den Nutzen in Frage.

Im heutigen Beitrag Nur Lichtensteig ist medial sozial kommt Ruben Schönenberger vom Toggenburger Tagblatt zu einem ähnliche, duirchaus ernüchternden Ergebnis. Er untersucht den Social Media Auftritt von Toggenburger Gemeinden - und lediglich Lichtensteig verfügt über einen Facebook-Auftritt (einen Link von der Homepage auf die Facebookseite sucht man allerdings vergeblich).
Bei der Vorbereitung des Beitrag durfte ich meine Einschätzung zur Nutzung von Social Media in Gemeinden abgeben:
"«Mit Social Media kann man die Bürger dort erreichen, wo sie sowieso sind.» Hans-Dieter Zimmermann, Dozent für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule St. Gallen, ist vom Nutzen von Social Media wie Facebook überzeugt. «Die Kultur der direkten Demokratie erfordert es, den Puls der Bevölkerung zu spüren.» Das werde schwierig, wenn man nicht die Medien nutze, die von den Bürgern genutzt würden."

14. April 2016

"Kaufen Sie auch im Internet?"

"Kaufen Sie auch im Internet?"
St. Galler Nachrichten,
14.4.16, S. 14
* (Titel angepasst 19.4.16, vgl. Fussnote)
In der gedruckten Ausgabe der St. Galler Nachrichten vom 14. April 2016 hat die innerstädtische Vereinigung von Unternehmen des Detailhandels Pro City St. Gallen auf der Seite  14 diverse  Anzeigen stgaller Detailhändler geschaltet (vgl. unten). Dies unter der Überschrift JA zur Schweiz. So weit so gut.

Im rechten oberen Rand der Seite wird seitens der Redaktion die Frage gestellt: Kaufen Sie auch im Internet? * (Formulierung angepasst 19.4.16, vgl. Fussnote)

Ich fühle mich irgendwie angesprochen, eine Antwortmöglichkeit gibt es aber nicht; deswegen antworte ich gerne auf die gestellten Fragen hier öffentlich. Ich hoffe nur, ich habe sie auch richtig verstanden.


Wann hat Ihnen das Internet zuletzt einen Job angeboten?
Das Internet? Wer oder was ist das Internet? Sie meinen wohl Anbieter und Plattformen, die das World Wide Web, einem Dienst des Internets, nutzen. Nun, ich bin nicht auf Stellensuche, aber ich bekomme jedes Mal, wenn ich auf LinkedIn, XING oder auch ResearchGate bin, Jobs angezeigt, die zu mir passen. 

Wo werden Sie arbeiten, wenn es Ihren Arbeitgeber nicht mehr gibt, weil das Internet ihn vernichtet hat?
Was ist denn das für eine mar­ti­a­lische Wortwahl? Also der IS vernichtet Kulturgüter. Aber das Internet? Ja, es gibt einen Strukturwandel in der Wirtschaft und im Handel, wenn das gemeint sein soll, und zwar einen tiefgreifenden. Deswegen sprechen wir auch von der vierten industriellen Revolution, Industrie 4.0, Industrie 2025Digitalisierung oder Transformation. Und Strukturwandel gab es schon immer und wird es immer geben. Sich dem zu verschliessen, den Kopf in den Sand zu stecken, das Internet als Feind des Detailhandels zu verstehen, das ist töricht und dumm. 
Eigentlich könnte man heute, im Frühjar 2016, wissen, dass es ein Miteinander von On- und Offline gibt, die verschiedenen Kanäle werden miteinander kombiniert - das Stichwort ist hier Cross-Channel. Sicher, Veränderungen sind oft schmerzhaft, aber bieten viele neue Chancen! Oder wie der Kollege Gerrit Heinemann schreibt: Online-Handel ist nichts für Warmduscher. Ja, es verschwinden Unternehmen und Berufe, so wie der Kutscher, der Hufschmied oder der Heizer bei der Eisenbahn. Aber es entstehen auch faszinierende neue Berufe und Berufsfelder! Sollen wir Elektro- und selbstfahrende Autos verhindern, nur damit der traditionelle Automechaniker auch zukünftig noch seinen Job hat?
Im Übrigen hatte ich die Freude und Ehre bereits im Februar 2012 vor etwa hundert Vertretern des stagaller Gewerbes ein Referat zum Thema Social Media - Herausforderungen und Chancen für das Gewerbe zu halten.  

Aber zur Frage zurück: Als Lehrender und Forschender bietet mir das Internet viele spannende Möglichkeiten, meinen Job auszuführen. Ich behaupte sogar, dass ich meinen Job mit all seinen Facetten und Anforderungen ohne das Internet kaum mehr ausüben könnte. Und die Nachfrage nach solchen Tätigkeiten ist gerade in Zeiten des Wandels hoch! 

Wie viele Jugendliche aus Ihrer Region haben einen Ausbildungsplatz im Internet bekommen? 
Das vermag ich nicht zu sagen; aber ich weiss, dass Jugendliche auf der Suche nach einer Schnupperlehre oder Lehrstelle intensiv im Internet recherchieren,  z.B. bei www.berufsberatung.ch, www.lehrstellenboerse.ch, lehr-stelle.ch/region/st-gallen, www.berufsberatung.sg.ch etc. sowie auf den Websites der Firmen, und sich teilweise auch Online bei den jeweiligen Firmen bewerben. 

Wie viele Steuern zahlt das Internet für Ihre Gemeinde?
Nun, das Internet zahlt ebenso wenig Steuern wie das Nationalstrassennetz. Aber es gibt viele Firmen in unserer Region, die dank des Internets vielen Menschen einen spannenden und hochqualifizierten Job bieten können. Vielleicht verrät das Steueramt, wie viele Steuern diese Firmen abliefern.

Wann hat Sie das Internet vor Ort kompetent und schnell beraten?
Vor Ort, also an dem Ort wo ich mich gerade aufhalte, zuhause, im Büro, unterwegs? Oh, sehr oft, eigentlich täglich. 

Haben Sie schon mal vom Internet einen Auftrag erhalten?
Kaum zu glauben, aber über das Internet, oder besser von Firmen und Organisationen, die das Internet nutzen, habe ich schon so manche Anfrage oder gar Auftrag erhalten.

Vielleicht kann diese Frage aber auch die Firma Pius Schäfler beantworten, die auf genau der Seite, auf der auch dieser Fragebogen abgedruckt ist, für ihren Onlineshop Werbung macht. 

Wie würde Ihre Stadt aussehen, wenn es keine lokalen Geschäfte mehr gibt? Wollen Sie in einer Geisterstadt leben?
Nein, sicher nicht. Und ich trage meinen Teil als Konsument wie auch in meinem Job dazu bei, dass aus St. Gallen keine Geisterstadt wird; aber wenn die lokalen Geschäfte lieber den Kopf in den Sand stecken als sich mit dem Wandel zu beschäftigen, dann ist das wohl vergebliche Liebesmüh. 

Wie sieht Ihre Umgebung aus, wenn es keine Unternehmen und Geschäfte mehr gibt, die Steuern zahlen? 
Der beste Weg keine Steuern mehr zahlen zu müssen können, ist sich dem Wandel zu verschliessen. Wie gesagt, eine Geisterstadt St. Gallen möchte ich nicht. 

Ich möchte ein lebendiges, innovatives St. Gallen, in dem der Wandel mit allen seinen Begleiterscheinungen als Chance begriffen wird!

Solche Fragen, die hier gestellt werden, schüren lediglich Angst, bedienen Vorurteile und sind sicher nicht dazu geeignet, die Zukunft und damit notabene den Wandel zu gestalten.

ergänzt 19.4.2016:
* Der hier thematisierte Fragebogen erweckt den Anschein, als sei er von Pro City St. Gallen entworfen worden; dies war auch meine Wahrnehmung. In einem Telefonat mit dem Präsidenten von Pro City St. Gallen, Herr Bleuer, hat dieser nun richtig gestellt, dass der Fragebogen nicht von Pro City St. Gallen stammt, sondern ein redaktioneller Beitrag der St. Galler Nachrichten ist, wie die Redaktion auf Anfrage per eMail bestätigte:
"Zudem möchten wir betonen, dass dies kein „Fragebogen“ ist, den es zu beantworten oder auszufüllen gibt. Diese Fragen sind lediglich ein Gedankenanstoss in einer Zeit, in der mehr und mehr Geschäfte im Internet anstatt „lokal - nebenan“ getätigt werden."
Herr Bleuer betonte mir gegenüber, dass Pro City St. Gallen sehr wohl die Herausforderungen der Digitalisierung im Handel annehme und eine Darstellung des Internets als Sündenbock nicht der Intention von Pro City St. Gallen entspricht. 


St. Galler Nachrichten,
14. April 2016, S. 14





10. April 2016

ePartizipation - nicht nur Partizipation

eParticipation*
In der Ostschweiz am Sonntag vom 10. April 2016 widmen sich die Seiten 2 und 3 dem Thema Partizipation: Bürger können mitwirken (Onlineversion). Das ist sicher lobenswert, denn Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern an der Gestaltung ihres Gemeinwesens sollte selbstverständlich sein, gerade in der Schweiz mit seiner direktdemokratischen Tradition.
"Die Gemeinden beziehen Bürger früher und öfters in politische Prozesse ein. Partizipation hat auf kommunaler Ebene Konjunktur."
In einem Beitrag aus Weinfelden wird auch die Partizipation von Jugendlichen thematisiert.
"Mitgestalten soll in Weinfelden auch die jüngere Generation. Für sie findet im Juni ein Mitwirkungstag statt; im April ein Informationsabend. Und auch hier gelte: Betroffene zu Beteiligten machen. Dazu müssen die Jugendlichen erreicht werden, die weder Zeitung noch Mitteilungsblatt lesen. «Deshalb haben wir einen Jugendlichen mit der Gestaltung des Flyers beauftragt», sagt Häfner."
Allerdings fällt auf, das sämtliche erwähnte Partizipationsprojekte auf traditionelle, analoge Mittel setzen. In der heutigen Zeit aber, in der wir nicht müde werden von Informationsgesellschaft, Digitalisierung oder Industrie 4.0 zu reden, sollte durchaus auch Raum sein für Partizipationsverfahren, welche die Mittel der digitalen Kommunikation und Interaktion berücksichtigen. Nicht dass ich falsch verstanden werde, es geht nicht um eine Ablösung traditioneller Partizipationsmethoden, sondern um einen neuen Mix der angewendeten Mittel und Verfahren.
Gerade bei der jüngeren Generation gehören Smartphones und Apps zum Alltag. Gleichzeitig hören wir immer wieder, dass sich die junge Generation nicht für Politik interessiere und Wahlen und Abstimmungen fern bleibe. Da liegt es doch eigentlich nahe, die Partizipation zur ePartizipation zu erweitern. Im Beitrag eParticipation für Kinder und Jugendliche - Motivation aus Sicht der Forschung habe ich mich damit bereits vor einiger Zeit beschäftigt. Ebenso im Beitrag Zur Rolle und Ausgestaltung der Kinder- und Jugendpartizipation.

Gemeindeblatt März 2016, S. 17
Die Gemeinde Grabs im stgaller Rheintal führt hierzu ein vom Bundesamt für Sozialversicherungen und dem Kanton St. Gallen unterstütztes Projekt durch, das von der FHS St. Gallen wissenschaftlich begleitet wird (vgl. hier)  Ich selbst habe die Freude, hieran mitzuarbeiten.
Ziel des Projektes ist es einen Leitfaden zu entwickeln, der es anderen Gemeinden ermöglicht, ePartizipationsprojekte insbesondere für Kinder und Jugendliche umzusetzen. In der Gemeinde Grabs wird ein entsprechender Pilot durchgeführt. Der digitale Kanal ist auch hier kein Ersatz der traditionellen Mitwirkung, sondern digitale und analoge Instrumente werden komplementär eingesetzt. Im Werdenberger & Obertoggenburger - der zum Tagblatt gehört - wurde im November 2015 über das Projekt berichtet. Das Grabser Gemeindeblatt hat in seiner Märzausgabe 2016 ebenfalls wieder darüber berichtet.

Der nationale Dacherband der Jugendparlamente DSJ hat die Onlineplattform engage.ch entwickelt, die es lokalen und regionalen Jugendparlamenten ermöglicht, auch Online aktiv zu werden.


* "... verstanden als die Teilhabe von natürlichen und juristischen Personen (und ihrer Gruppierungen) an politisch-administrativen Prozessen der Entscheidungsfindung mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)" [Albrecht et al, 2008, S. 3]

4. April 2016

Blogs von Studierenden als Teil einer Lehrveranstaltung im FS 2016

Auch im laufenden Frühjahrssemester 2014 führen die Studierenden im Rahmen meiner Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur einen thematischen Blog zu ihren Themen über das ganze Semester; diesmal in Gruppen von zwei bzw. vier Studierenden.

Als übergeordnetes Thema für das Frühjahrssemester 2016 habe ich die sogenannte vierte industrielle Revolution gewählt. Ziel ist es, nicht nur auf betriebswirtschaftliche, informationstechnische und produktionstechnische Aspekte zu fokussieren, sondern die vierte industrielle Revolution wesentlich breiter zu verstehen und notabene auch als eine zentrale gesellschaftliche und politische Gestaltungsaufgabe zu verstehen. Dementsprechend wurden die Themen der Blogs definiert und von den Studierenden interpretiert.
Neben den Blogs, die über ein Semester geführt werden, führen die Studierenden auch eine Lektion zu einem ausgewählten Aspekt ihres Themas durch.


Hier eine Auflistung aller Blogs:

Arbeitswelt 4.0

Individuum 4.0

Staat 4.0: Der Überwachungsstaat

Lebensräume 4.0: SmartHomies

Wirtschaft 4.0

Gesundheitswesen 4.0: eHealth

Gesundheitswesen 4.0: Digitales Altern

Informationsethik 4.0: Ethik in der digitalen Revolution

Selbstverständlich freuen sich die Studierenden über Feedbacks, Kommentare und Likes !

Zugehörige Tweets haben den Hashtag #igep

Weitere Beiträge auf diesem Blog sind unter dem Stichwort IGEP zu finden. 
Bildquelle: flickr.com / alamodestuff (CC Lizenz)

24. Februar 2016

IECER 2016 Research Track: Digital Business Transformation

iecer-conference.org
Vom  7.-9. September 2016 findet an der HTW Chur die 14. Interdisciplinary European Conference on Entrepreneurship Research IECER statt.

Im Rahmen der Konferenz organisiere ich den Research Track Digital Business Transformation.

Ziel ist es das Thema vor allem auch der Perspektive der KMU zu beleuchten. Neben full papers sind auch ausdrücklich short papers (work-in-progress) erwünscht. Weitere Details sind hier zu finden.

Einreichungen sind bis zum 29. Mai 2016 möglich, die Autoren werden bis zum 30. Juni benachrichtigt.

Call for Papers als pdf-Datei



20. Januar 2016

Beiträge zum Themenkomplex "Digitalisierung der Wirtschaft" bzw. "Industrie 4.0"

Das Thema der Digitalisierung der Wirtschaft bzw. Industrie 4.0 ist aktuell viel diskutiert und in den Medien fast omnipräsent. Nicht zuletzt beschäftigt sich auch das WEF schwerpunktmässig mit dem Thema (vgl. z.B. hier und hier).

Anlässlich der Veranstaltung Digitalisierung kennt keine Grenzen am 15. Januar in Konstanz war ich eingeladen einige Gedanken aus meiner Sicht zum Thema zu präsentieren. Nachdem mich das Thema seit vielen Jahren beschäftigt, bin ich der Einladung  gerne nachgekommen.


Auf suedkurier.de erschein ein Bericht zur Veranstaltung, ebenso bei der HTWG

Ein paar Tage später, am 19. Januar, hat dann das Ostschweizer Fernsehen TVO das Thema im Zusammenhang mit dem beginnenden WEF thematisiert und wollte dazu ein paar Statements haben. Auch dieser Einladung bin ich gerne nachgekommen. 


Die von mir erwähnten Initiativen für die KMU sind einerseits die angekündigten IBH Labs, andererseits die in Konstanz offiziell lancierte Bodensee-Plattform Innovation 4.0
Wie sich die beiden Projekte entwickeln werden, bleibt abzuwarten. 





8. Januar 2016

Digitale Transformation bei Konsumentenprodukten: "Produkte mit Zusatznutzen dank App"

Die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist aktuell in aller Munde, der Begriff wird inzwischen inflationär gebraucht und könnte bald zum Unwort werden. Unabhängig von Begriffen finden tatsächlich grundlegende Veränderungen statt.

Mich selbst beschäfitgt das Thema ebenfalls bereits seit jetzt mehr als zwei Jahrzehnten.
In meinen Lehrveranstaltungen zum eBusiness und eCommerce diskutiere ich die Implikationen der Digitalisierung und die sich daraus ergebenden Herausforderungen anhand der Teilaspekte

  • der (inter-organisatorischen) Wertschöpfungsstrukturen,
  • der (inter-organisatorischen) Wertschöpfungsprozesse,
  • der Produkten und Dienstleistungen und
  • der Infrastrukturen, verstanden im Sinne der technischen Infrastruktur, aber auch der notwendigen Marktplattformen und Marktdienste.
Alle vier Aspekte haben jeweils wechselseitige Einflüsse. 
Mit Hilfe dieser Betrachtungsweise lassen sich sowohl die grundlegenden Veränderungen sichtbar machen und einordnen als auch die konkreten Herausforderungen für das einzelne Unternehmen ableiten. 

Bei der täglichen Lektüre im Web wie auch Online bin ich natürlich immer auf der Suche nach aktuellen Beispielen, die ich in der Lehre einsetzen kann. 

Im Bereich der Produkte und Dienstleistungen haben 2015 die mit dem WLAN verbundene Barbiepuppe oder der die privaten Gespräche mithörende smarte TV-Apparat für einigen Gesprächsstoff gesorgt; und es sind nur zwei Beispiele für die neuen Möglichkeiten - und Herausforderungen - der Verschmelzung der Online- mit der Offlinewelt bei Produkten für uns Konsumenten. 

Bei der gestrigen Lektüre der NZZ - via App auf dem Tablet - habe ich auch die Beilage von Galaxus.ch durchgeblättert. Und auf den Seiten 20 und 21 habe ich weitere wunderbare Beispiele für Konsumentenprodukte gefunden, welche das Zusammenwachsen von On- und Offline deutlich machen: Produkte mit Zusatznutzen dank App

Dass unsere Digitalkamera, die Fitnessuhr und das Babyfon mit dem Netz bzw. einer App kommunizieren kann, wissen wir längst. 

Aber es gibt noch mehr: den Staubsauger, die Waschmaschine, den Schnellkochtopf oder das drahtlose Pflanzenüberwachungsgerät.

Welcome to the smart home!


Prospekt von galaxus.ch, Januar 2016





7. Januar 2016

Business Models for the Digital Economy - AMCIS 2016 Minitrack

Zum 17. Mal findet im Rahmen der Americas Conference on Information Systems (AMCIS) vom 11.-13. August 2016 in San Diego der Minitrack „Business Models for the Digital Economy“ statt.

Inhaltlich thematisiert der Minitrack vor allem neue und innovative Formen der Wertschöpfung in der Digital Economy.

Hier geht's zum Call for Papers.

Die Website enthält die publizierten Beiträge aller bisherigen Minitracks.

Hintergrund zur AMCIS:
"AMCIS is a preeminent research conference in the information systems discipline conducted under the auspices of AIS.  Each year, AMCIS attracts up to a thousand or more attendees principally from North America but increasingly from other regions of the world as well.  The conference program includes research paper presentations, research panels, keynotes, CIO panels, doctoral consortiums, and camps for junior IS faculty."