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28. November 2014

Business Models for the Digital Economy - AMCIS 2015 Minitrack


Zum 16. Mal findet im Rahmen der Americas Conference on Information Systems (AMCIS) vom 13.-15. August 2015 in Puerto Rico der Minitrack „Business Models for the Digital Economy“ statt.

Inhaltlich thematisiert der Minitrack vor allem neue und innovative Formen der Wertschöpfung in der Digital Economy.

Hier geht's zum Call for Papers.

Die Website enthält die publizierten Beiträge aller bisherigen Minitracks.

Hintergrund zur AMCIS:
"AMCIS is a preeminent research conference in the information systems discipline conducted under the auspices of AIS.  Each year, AMCIS attracts up to a thousand or more attendees principally from North America but increasingly from other regions of the world as well.  The conference program includes research paper presentations, research panels, keynotes, CIO panels, doctoral consortiums, and camps for junior IS faculty."



Bildquelle: AMCIS 2015

14. November 2014

The origins of the term 'business model'

"It is the customer who determines what a business is.  It is the customer alone whose willingness to pay for a good or service converts economic resources into wealth, things into goods. What the business thinks it produces is not of first importance – especially not to the future of the business and to its success.
[...]
What the customer thinks he/she is buying, what he/she considers value, is decisive – it determines what a business is, what it produces and whether it will prosper. And what the customer buys and considers value is never a product. It is always utility, that is, what a product or service does for him.
[...]
The customer is the foundation of a business and keeps it in existence."
Peter Drucker, 1974



12. November 2014

Zur Rolle und Ausgestaltung der Kinder- und Jugendpartizipation

Im Sommer 2013 berichtete ich  von der Diskussion zur Jugendbeteiligung am IBK Jugenddialog. Zur Rolle der traditionellen Mechanismen in der politischen Beteiligung schrieb ich:
"Deutlich wurde auch die unterschiedliche Wahrnehmung von Politik: Frau Erler zielte mit ihren Fragen und Antworten immer wieder auch auf die Institutionen der Politik wie z.B. Parteien. Die Jugendlichen dagegen wollen sich vor allem mit den sachlichen Themen beschäftigen, Parteipolitik schien für sie keine Rolle zu spielen.
Hier sehe ich durchaus eine wichtige und grundsätzliche Entwicklung: Beteiligung findet zu Sachthemen statt und wird nicht primär durch politische Institutionen und Strukturen abgebildet." 
Gestern wurden die ersten Ergebnisse der Studie "Von der Stimme zur Wirkung" in den Medien publiziert. Die Studie zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Rieker, Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich, im Auftrag von UNICEF Schweiz im Zeitraum 2012 bis 2014 durchgeführt.

Der Titel des NZZ Beitrags lautet Kinder leben Mitbestimmung anders aus - diese Schlussfolgerung wird in verschiedenen Aussagen in den publizierten Ergebnissen durchaus deutlich:
"Je älter ein Kind wird, desto weniger partizipiert es in Schule und Gemeinde. Dies könnte darauf hindeuten, dass entsprechende bestehende Partizipationsangebote zu wenig an den jugendtypischen Lebenswelten ausgerichtet sind. Ist nämlich ein individuelles Interesse vorhanden, wird rege partizipiert. [...] Partizipation hängt zudem davon ab, ob und wie Erwachsene die Mitwirkung der Heranwachsenden aktiv anstreben und unterstützen." (Quelle)
Daraus ergeben sich entsprechende Konsequenzen:
"«Die Ergebnisse zeigen, dass Beziehungen so gestaltet werden müssen, dass Kinder und Jugendliche von sich aus und aus eigener Initiative partizipieren», sagt Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin von UNICEF Schweiz. «Sie müssen erleben, dass sie durch ihr Handeln und Tun eine Wirkung erzeugen können. Dazu braucht es die entsprechende Haltung und Geduld der beteiligten Erwachsenen sowie Plattformen und Gefässe, bei welchen sich Kinder und Jugendliche auf einfachem, unbürokratischem Weg „Gehör verschaffen“, ihre Anliegen und Ideen diskutieren und in altersgerechten Formen darüber verhandeln können.»"   (Quelle)
Zentral scheint mir, das Partizipation  - nicht nur von Kindern und Jugendlichen - Wirkung zeigt und diese vorab klar und transparent artikuliert und kommuniziert wird.

Die Begriffe Plattformen und Gefässe geben einen Hinweis auf den Einsatz neuer Medien:
"Genauere Analysen zeigen dabei, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen der Nutzung neuer Medien als Kommunikationsplattform durch Kinder und Jugendliche und ihrer durchschnittlichen Partizipation in den untersuchten Handlungsfeldern gibt. Werden neue Medien hingegen vorwiegend als Plattform für Spiele und für den Konsum von Filmen benutzt, so besteht kein Zusammenhang hinsichtlich ihrer durchschnittlichen Partizipation." (Quelle, S: 9f.)
Daraus kann man interpretieren, das die Nutzung von eMail, Chat und Messaging einen positiven Effekt auf die Partizipation haben. Nur konsequent ist es dann, diese Formen der Kommunikation als Plattform und Gefäss für die Kinder- und Jugendpartizipation einzusetzen.

Genau diese Form der eParticipation - der IKT-gestützten Kinder- und Jugendpartizipation - steht im Zentrum eines Projektes einer mittelgrossen stgaller Gemeinde, das ich im Rahmen meiner Tätigkeit an der FHS St. Gallen zusammen mit einer Kollegin im kommenden Jahr begleiten werde.

Deutlich wird in den bisher publizierten Ergebnissen der Studie, dass Kinder- und Jugendliche sehr wohl partizipieren wollen, aber eben anders. Solange aber die Erwachsenen nicht müde werden auf die traditionellen Mechanismen zu bauen, wird die Kinder- und Jugendpartizipation sicherlich nicht intensiviert werden können.

Im Sommer 2013 stellte ich dazu in meinem Beitrag fest:
"Es stellt sich dann aber u.a. die Frage, wie dass durch Parteien dominierte parlamentarische System zukünftig geeignet ist, die Gesellschaft in allen ihren Facetten abzubilden und Entscheidungen für die Gesellschaft zu treffen. Alternative Formen der Partizipation - jenseits der Wahlen - spielen also für die demokratische Entwicklung unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle - Stichwort offene gesellschaftliche Innovation."

Bildquelle: undpeuropeandcis on flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

25. September 2014

ISSN für Blogs?!

issn.org
Im Rahmen meiner Lehrveranstaltung IGEP (Informationsgesellschaft, -ethik und -politik) an der HTW Chur - in dessen Rahmen die Studierenden bloggen - beschäftigen sich die Studierenden zu Beginn des Semesters mit der Blogosphäre mit Hilfe bestimmter Fragestellungen. Im Rahmen der Diskussion kam von einem Studierenden die Frage auf, ob auch in der Schweiz Blogs ISSN Nummern erhalten (können).

Die Deutsche Nationalbibliothek macht dies seit 2013:
"Anwendung finden sollen dabei die allgemeinen Kriterien für die Zuteilung einer ISSN für fortlaufende Sammelwerke. Dies bedeutet, dass die Blogs entweder den Kriterien einer wissenschaftlichen Publikation entsprechen oder von allgemeinem Interesse sein müssen. Für Blogs, die nicht unter die Sammelpflicht einer Nationalbibliothek fallen, kann die Zuteilung einer ISSN verweigert werden." (Quelle Newsletter der DNB (pdf)). 
Die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität präsentiert in einem Beitrag die Kriterien, die ein Blog erfüllen muss, um eine ISSN zu erhalten. Auf dem Blog von hypotheses - mit ISSN - werden die Vorteile diskutiert. Der sicher interessanteste Aspekt der Vergabe eine ISSN an Blogs stellt die formale Gleichstellung mit allen anderen fortlaufenden Publikationen (elektronisch oder gedruckt) dar.

Und in der Schweiz? Per Tweet fragte ich bei der Schweizerischen Nationalbibliothek, die auch prompt antwortete.
"Wissenschaftliche Blogs oder solche von allgemeinem Interesse können grundsätzlich in allen Ländern eine ISSN erhalten."
Bezüglich der Bedingungen verweist die SNB auf issn.org. Ebenfalls findet man dort den Beitrag The ISSN for electronic media.

Gemäss Auskunft der SNB  gibt es in der Schweiz bisher genau einen Blog mit ISSN: drgoulu.com - ISSN 2297-0150.


22. September 2014

Customer Support im eCommerce - oder wie man es nicht machen sollte

Sicher, das ist nur ein unbedeutender Einzelfall - aber es ist ein Fall, für mich als Kunde, mit Konsequenzen. Denn der nächste Online Shop ist gerade einmal einen Klick weit weg.

Aber der Reihe nach.

Am 12.6.2014 bestellte ich Laufschuhe bei Keller Sports. Nachdem ich mich beim letzten Kauf in einem Sportgeschäft habe beraten lassen und dort gekauft habe, entscheid ich mich, das Ersatzpaar Schuhe beim Schweizer Ableger eines deutschen Onlinehändlers zu bestellen.

Bei der Überprüfung meiner Kreditkartenabrechnung einige Wochen nach dem Kauf fiel mir auf, dass der Betrag für die Schuhe zweimal belastet wurde. Ein Blick in mein Paypal Account bestätigte dies. Hier ist wohl ein Fehler passiert, vielleicht bei mir (habe ich vor lauter Ungeduld doppelt geklickt?) oder auch nicht bei mir...

Am 24.7.2014 schreib ich ein erstes eMail an Keller Sports mit der Bitte um Klärung der doppelten Belastung. Umgehend kam die automatische Bestätigung.

Bestätigung Keller Sports vom 24.7.2014
Und dann... dann passierte Nichts, weder nach 48 Stunden noch in den Wochen danach.
Ich vergass die Angelegenheit auch gleich wieder.

Erst am 19.8.2014 kam mir der Fall wieder in den Sinn, und ich schickte ein erneutes eMail, wieder kam promt die automatisierte Bestätigung.

Und diesmal kam eine Rückfrage nach den Details - die ich alle in meinem ersten Mail bereits geschickt hatte.

Rückfrage vom 20.8.2014

Ich schickte brav nochmals die Details, incl. Kopien meiner Paypal Abbuchungen und der Kreditkartenabrechnung. Und dann .... dann passierte wieder Nichts.

Langsam wurde ich ärgerlich. Nächste Eskalationsstufe: Ein Fax senden. Und ein erster Tweet. Vielleicht reagiert das deutsche eCommerce Unternehmen ja wenigstens auf Papier oder gar Twitter... Manchmal wirkt so ein Tweet ja Wunder. Das sechsseitige Fax, mit allen Kopien und Details, ging am 8.9.2014 raus.

Und dann? Wieder Nichts, keine Reaktion.

Ok, dann eben anrufen. Aber dummerweise ist die auf der Bestellbestätigung angegebene Telefonnummer nur während der Bürozeiten besetzt... ok, dann endlich am Montag, 15.9.2014, während der Bürozeiten, erwische ich einen Mitarbeiter. Aber offenbar kam er nicht wirklich draus, oder war neu, oder das CRM System war einfach nicht optimal... Jedenfalls dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Sachverhalt geklärt war. Ich musste wieder die Details der Transaktion heraussuchen und durchgeben, trotz zweier eMails und einem Fax.
Aber immerhin sagte mir der Mitarbeiter die umgehende Prüfung des Falls zu! Aber etwas wie "tut uns leid" oder "entschuldigen Sie" etc. pp. - Fehlanzeige.

Aber dann hörte ich wieder Nichts, und wurde noch etwas ärgerlicher, und ärgerlicher.

Und auch via @kellersportsde keinerlei Reaktion. Entweder funktioniert das Social Media Monitoring nicht, oder man fährt hier die Strategie Aussitzen.

Und dann, am Freitag, 19.9.2014, kam unverhofft die Ankündigung einer Gutschrift! Aber mehr auch nicht.

Ankündigung der Gutschrift vom 19.9.2014

Die Zahlung wird dann sicher auch bald eintreffen, sicher rechtzeitig für die Online Weihnachtseinkäufe.

Fehler passieren überall, aber was (bei mir) hängen bleibt ist Art und Weise, wie eine Reklamation erledigt wird. Dieser Fall war (für mich) klar ein Negativbeispiel. Und der nächste Online Shop ist gerade einmal einen Klick weit weg.

Meine Ankündigung vom 16.9.2014 mache ich hiermit wahr.

Nachtrag 11.10.2014
Nachdem ich die Gutschrift immer noch nicht erhalten hatte, habe ich am 5.10.2014 erneut per eMail nachgefragt.
Nach einem erneuten eMail Austausch und der Mitteilung vom 8.10.2014:
"Wir haben nochmal unser Paypalkonto geprüft und tatsächlich wurde die Zahlung von Paypal nicht durchgeführt, auch wenn wir die Auszahlungsmeldung bekommen haben. Wir haben nun das Geld manuell auf Ihr Paypalkonto ausgezahlt. "
war das Geld dann tatsächlich am 10.10.2014 auf meinem Paypal Konto.

Nach 78 Tagen: Ende einer (fast) unendlichen Geschichte.


15. September 2014

Blogs in der Lehre - Feedback von Studierenden (FS 2014)

Im vergangenen Frühjahrssemester 2014 haben die Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur wieder je einen thematischen Blog zu ihren jeweiligen Themen über das ganze Semester geführt.

Wie schon in vorangegangenen Veranstaltungen habe ich nach Abschluss des Semesters eine anonyme Umfrage durchgeführt. Die Auswertung präsentiere ich hier zusammenfassend.

Die Erhebung wurde Online via Unipark durchgeführt. Insgesamt konnte ich 17 Fragebögen auswerten, der Kurs hatte 28 Teilnehmer, 80% der Studierenden waren weiblich. Die Studierenden sind berufsbegleitend Studierende und in Bezug auf das Alter überwiegend Angehörige der Net-Generation.

Es folgen einige Bemerkungen im Vergleich zu den Ergebnisse vom Herbstsemester (HS) 2013, die komplette Auswertung ist im Foliensatz am Ende des Beitrags dokumentiert:

  • Das Aufsetzen des Blogs wurde von Niemanden mehr als (sehr) schwierig bewertet. 
  • Das Erstellen des ersten Blogbeitrages fanden mehr Studierende (Sehr) einfach, aber auch (sehr) schwierig. Insgesamt ist das Bild hier eher heterogen.  
  • Gleiches gilt auch für den Zeitbedarf für das Bloggen während des Semesters. 
  • Die Erfahrungen mit der thematischen Auseinandersetzung über ein Semester hinweg wurden wieder grundsätzlich positiv beurteilt.
  • Das Format der Lehrveranstaltung wurde wiederum grundsätzlich positiv bewertet.
  • Die überwiegende Zahl der Studierenden hält das Führen eines Blogs wiederum für ein (sehr) gut geeignetes Instrument für einen Leistungsnachweis. 
Die komplette Auswertung ist in der folgenden Präsentation dokumentiert:


Weitere Beiträge hier sind unter dem Stichwort IGEP zu finden. 
Bildquelle: flickr.com / alamodestuff (CC Lizenz)


10. Juli 2014

Angemerkt: "Exclusiv im Ersten: Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird"

Dank Twitter bin ich kürzlich auf den ARD Beitrag Exclusiv im Ersten: Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird (Erstausstrahlung 7.7.2014). 
Es geht um einen Selbstversuch zweier Journalisten - bei dem der eine der Gejagte, der Tyrannisierte, die andere die Jagende ist - zur Frage "Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man selbst im Internet gehackt wird?"

Sicher ist die Intention eine Gute: Man will aufzeigen, was uns Internetnutzern blühen kann, wenn unsere Daten ausspioniert werden. Und in der Tat erinnert der Selbstversuch eher an eine Folge einer x-beliebigen CSI Serie als eine dokumentierte, real stattgefundene Begebenheit.

Aber als öffentlich-rechtliches Fernsehen hätte die ARD etwas mehr Sorgfalt und Sachlichkeit walten lassen sollen:
Sicher, es geht ums Hacken, und das ist (in diesem Fall ganz sicher) illegal - aber das wird im halbstündigen Film nicht ein einziges Mal erwähnt. Es werden explizit illegale Aktionen durchgeführt - diese aber nicht als solche klar dargestellt: Es werden Passwörter geklaut, Trojaner eingeschleust und mit Hilfe geklauter Fingerabdrücke sogar Fingerabrucksensoren überlistet.

Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek

Zwischen den klar illegalen Aktionen werden dann aber auch für jedermann frei verfügbare Quellen angezapft, wie z.B. das Online Telefonbuch oder die Google Suche.

Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
In einem Atemzug werden also banale, in jedem (Online- wie Offline-) Telefonbuch nachlesbare Informationen mit illegal gehackten Informationen genannt.

Nur zur Erinnerung: Heute haben wir Kunden das Recht selbst zu entscheiden, ob wir mit Telefonnummer und Adresse im (Online-) Telefonbuch stehen wollen. Zu Zeiten der staatlichen Telekom-Monopolisten waren wir verpflichtet, unsere Daten im Telefonbuch zu publizieren.

Der Profiler im Team der Journalistin kommt dann zu weisen Erkenntnissen: "Dass er ein sehr kritischer Journalist ist".
Screenshot mit Untertiteln, Quelle: ARD Mediathek
Es liegt wohl in der Natur des Berufs des Journalisten, dass ich kein Hacker sein muss, um die Haltung eines Journalisten herausfinden zu können ...

Im Beitrag wird nicht differenziert zwischen illegalen und notabene strafbaren Aktionen und völlig harmlosen Abfragen. Für den eher unbedarften Zuschauer könnte so ein äusserst diffuses, Angst machendes Bild entstehen: Wer googlen kann, der kann auch meine eMail lesen, meine Flugbuchung canceln und meine Kreditkarte sperren. Und ganz nebenbei werden auch noch sämtliche Clouddienste verteufelt.

Sicher ist es richtig uns Nutzer zu sensibilisieren, was den Umgang mit persönlichen Daten angeht und auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Aber man sollte auch klar und deutlich sagen, was illegal und strafbar ist.

Und der Film zeigt auch deutlich was es an Spezialwissen benötigt, um unsere Daten derart konsequent illegal zu hacken und zu missbrauchen.

Eher indirekt wurde im Film deutlich, dass es vor allem Staaten bzw. staatliche Institutionen wie Geheimdienste sind, die sich diese Art von illegalem Zugang zu unseren Daten erlauben können! Uns also hacken, unsere Daten speichern, Profile erstellen und uns verfolgen. Bekannte Stichworte sind u.a. Vorratsdatenspeicherung, Online Überwachung bzw. Staatstrojaner, BÜPF, etc. Staaten wollen diese Aktivitäten mit Hilfe von Gesetzen - die uns angeblich schützen sollen! - legalisieren.

Als einfacher Bürger oder auch als Unternehmen müssen wir uns - früher oder später - mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem Gericht verantworten, würden wir das tun, was in dem ARD Beitrag gemacht wird (Nein, nicht das googlen im Telefonbuch ...).  Ein Unternehmen, das sich derart kriminell Daten beschafft, würde wohl einen existenziellen Reputationsverlust erleiden.

Aber Geheimdienste, Regierungen, etc, vor wem müssen sie sich verantworten?

Nicht das Netz ist der Gegener - wie der Titel der Sendung sagt - sondern diejenigen, die es missbrauchen, an vorderster Front staatlich Institutionen - angeblich zu unserem Schutz... Und wir als Steuerzahler bezahlen diese Aktionen gegen uns auch noch...

21. Juni 2014

Workshop "Gemeindepräsident gesucht: Wie unterstützen neue Medien die Suche nach neuen Kandidatinnen und Kandidaten?" an der 4. Ostschweizer Gemeindetagung

Gestern fand an der FHS St. Gallen die 4. Ostschweizer Gemeindetagung zum Thema "Gemeindepräsident/in gesucht" (Programm) statt. Eine Sammlung der Tweets zur Tagung findet sich bei Storify.

Einer der vier Workshops mit dem Mit neuen Medien politische Talente mobilisieren wurde von mir moderiert. Zielsetzung war, die Teilnehmer für die Rolle neuer Medien und insbesondere Social Media zu sensibilisieren.

Zunächst habe ich einen ca. zehn-minütigen Input: Gemeindepräsident gesucht: Wie unterstützen neue Medien die Suche nach neuen Kandidatinnen und Kandidaten? gegeben, den ich mit drei Thesen abgeschlossen habe:
  • Transparenz schafft Neugier und Interesse: Open Government/ Offenens Verwaltungshandeln als Trend
  • Neue Medien/ Social Media ermöglichen Transparenz, Feedback und Dialog – niederschwellig und zeitnah
  • Transparenz geschaffen durch neue Medien motiviert mehr Bürger und Bürgerinnen, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen

Anschliessend waren die Teilnehmer aufgefordert ihre Gedanken, Ideen, Pro- und Kontra-Argumente auf Kärtchen zu schreiben. Nach einer ersten Clusterung haben wir diese dann gemeinsam diskutiert. 

Aus der Kartenabfrage und der anschliessenden Diskussion hier einige Hauptaussagen:

Der Generationen Clash, wie es auf einer Karte formuliert war: Es ging hier um die eher pauschalierende und undifferenzierte Aussage, dass vor allem die junge Generation empfänglich sei für Social Media - was durchaus den Fakten widerspricht. 
Positiv wurde erwähnt, dass man neue Zielgruppen erreichen könne. 

Es wurde auch darauf hingewiesen, dass Social Media als Ergänzung zu sehen seien und dass es ein Miteinander von On- und Offline benötige. 

Grundsätzlich war ein grosser Respekt, um nicht zu sagen Angst, bzgl. Social Media zu spüren. Sehr häufig wurden Aspekte wie Shitstorm, Manipulationsmöglichkeiten, Skandalisierung, Oberflächlichkeit oder auch Betroffenheitsdemokratie genannt. 

Es steht ausser Frage, dass Social Media gewisse Meinungen und Aussagen schneller und mit höherer Reichweite verbreiten können. Aber dies ist einerseits nicht nur ein Problem elektronischer Medien, sondern eher ein Phänomenon unserer Zeit, wenn man an die reisserischen Beiträge mancher Boulevard- und Gratiszeitungen denkt; eine differenzierte und eher nüchterne Berichterstattung ist kaum mehr gefragt. Andererseits weiss man, dass die richtige Reaktion auf Shitstorms dessen Wirkung durchaus verpuffen lassen kann. Und sofern ein Shitstorm tatsächlich auf unberechtigt Argumenten basiert, wird dieser durchaus mit gleicher Intensität durch die Netzbenutzer ausgehebelt. 

Auch die sog. Betroffenheitsdemokratie ist kein Problem der Social Media; dass Menschen sich dann empören und zur Wehr setzen, wenn Sie direkt betroffen sind, gehört zur täglichen Erkenntnis jeden Kommunalpolitikers. 

Erkannt wurde durchaus auch, dass die Nutzung von Social Media eine Form des quasi permanenten Monitorings bedarf und notabene die traditionelle Kommunikation von Teilzeitpolitikern - welche Gemeindepolitiker in der Schweiz mehrheitlich sind - vor Herausforderungen stellt. In diesem Zusammenhang wurde dann auch das Kosten-Nutzen Verhältnis thematisiert. 

Nur selten wurde erwähnt, dass Social Media auch eine Chance sind, Feedback von der Basis zu erhalten, neue Chancen der Vernetzung ermöglichen oder vor allem die kleine, informelle Kommunikation ermöglichen. Eine Karte lautete dazu Stammtisch Meinungen kommen an die Oberfläche (worauf ein Teilnehmer spontan sagte "Was interessieren mich die Stammtischmeinungen" ...). 

Das Thema vermehrte Transparenz wurde grundsätzlich durchaus positiv kommentiert: Transparenz schafft Vertrauen oder Einblick in Alltag von Gemeinderat/Verwaltung waren hier Äusserungen. 
Aber auch Nachdenkliches wie Erschlagen von Transparenz wurde erwähnt, ein durchaus bedenkenswerter Aspekt (lesenswert dazu das Buch von Byung-Chul Han: „Transparenzgesellschaft“). 

Als Fazit des zweimal durchgeführten Workshop bleibt festzuhalten, die die Teilnehmer zwar grundsätzlich die Potentiale von Social Media sehen und erkennen, andererseits einen (noch zu) grossen Respekt vor deren Nutzung haben. Dies mag durchaus auch mit der mangelnden Erfahrung und dem Wissen rund um Social Media zu tun haben. 







27. Mai 2014

Die Open Access Debatte zwischen Polemik und Sachlichkeit - revisited

Von "ideologischen Forderungen der Open-Access-Aktivisten" habe ich bereits 2009 berichtet, und hier an eine differenzierten Diskussion appelliert.

Aber auch im Jahr 2014 scheint eine sachliche Debatte über Open Access noch nicht (überall) möglich zu sein, nicht einmal im Feuilleton einer angesehen Qualitätszeitung. Der Beweis: Der Artikel Der Nationalfonds kapituliert: «Open Access» von ujw. in der heutigen NZZ. Hier schreibt der Autor von Ideologien und Verblendungen, und vom "Ungeist der Zeit", er benutzt Wörter wie grotesk und kapituliert - gemeint sind Open Access und seine Befürworter. Und wohl gemerkt, das ist ein redaktioneller Beitrag und kein Beitrag im Bund Meinung der NZZ, wie ich zuerst dachte.

Mit Sätzen wie
"Schwingt im Losungswort «Open Access» derlei Erlösungshoffnung mit? Wollen seine Verkünder einen Heilsweg bahnen? Wollen sie den Geist durch Digitalisierung von der Materie der Bücher befreien und die Leser gleich mit? Schweben ihnen eine Transsubstantiation vor und eine Überwindung aller Grenzen zwischen «gelehrter» und «breiter» Öffentlichkeit? Wenn dies gelänge: Wäre Google dann Gott – und die Wissenschaftsverwaltung zugleich die Heilsverwaltung?
disqualifiziert der Autor sich selber. Das ist kein Beitrag zu einer sachlichen Debatte.

Ich habe mich verschiedentlich zu Open Access geäussert und werde das hier nicht wiederholen.

Nur so viel: Als Wissenschaftler bin ich Konsument und Autor von wissenschaftlichen Publikationen, und als Mitherausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift habe ich grundsätzlich und auch ganz operativ mit dem Thema Open Access et al. zu tun; ich behaupte, aus der ganz banalen Alltagspraxis heraus ein wenig vom Thema zu verstehen. Und der Beitrag von ujw. liefert schlichtweg keinerlei Antwort auf tatsächlich bestehende Fragen.
Bildquelle: flickr.com/Robert Couse-Baker (CC Lizenz)





10. Mai 2014

eDemokratie - umgesetzt in einer Unterrichtseinheit

Wahlkampf Flyer
Gerade läuft in der Schweiz das mit viel Aufwand inszenierte Demokratie Projekt «Ich, die Mehrheit» - das allerdings Demokratie mit Fremdbestimmung verwechselt und erheblicher Kritik ausgesetzt ist (vgl. z.B. hier oder hier).

Das man man das Thema Demokratie und neue Medien auch ganz anders präsentieren und aufbereiten kann, haben gestern zwei Studentinnen in meinem Kurs IGEP - Informationsgesellschaft, -ethik und -politik gezeigt.

Die Studierenden des Kurses gestalten im Laufe des Semesters eine Unterrichtseinheit von 45 Minuten; dabei geht es nicht um die abschliessende und umfassende Präsentation eines Themas, sondern um die Aufbereitung eines ausgewählten Aspekts.

Die beiden Autorinnen des Blogs eDemocracy in der Schweiz - die neue Art der Mitsprache hatten sich zum Ziel gesetzt, in ihrer Lektion
  • einen Wahlkampf zwischen zwei (fiktiven) Kandidaten via Facebook nachzustellen, 
  • dann per clevervote den Wählern - die Kommilitonen und Kommilitoninnen in der Klasse - eine  individuelle Wahlempfehlung zu präsentieren - auf Basis eine Onlineumfrage - 
  • und anschliessend ein eVoting - basierend auf Doodle - durchzuführen. 

Und gedruckte Wahlkampf Flyer gab es auch.

Und der Wahlsieg von Frau Ligerhans wurde anschliessend mit einem kleinen Apero gefeiert.

Die beiden Kandidaten waren Hans-Erni Willisegger und Sina Momo Ligerhans, zwei fiktive Profile. Das Online Magazin QUICK-Online  hat laufend über die Kandidaten berichtet, einschliesslich einer Affäre.

Während des Wahlkampfs wurden laufend neue Meldungen bei den beiden Kandidaten und dem Online Magazin freigeschaltet, die geliked und kommentiert werden konnten.

Eine ganz tolle Idee wie ich finde und hervorragend vorbereitet und umgesetzt von den Studierenden. Die Lektion war sicher gut geeignet um die Potentiale von Onlinemedien für politische Aktivitäten aufzuzeigen.

Leider war es aufgrund der fehlenden Zeit anschliessend nicht mehr möglich, das Verhalten der Wähler genauer zu hinterfragen: Warum wurde oder wurde nicht geliked oder kommentiert?

Einige Screenshots:













9. Mai 2014

Blogs von Studierenden als Teil einer Lehrveranstaltung - FS 2014

Auch im laufenden Frühjahrssemester 2014 führen die Studierenden im Rahmen meiner Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur einen thematischen Blog zu ihren Themen über das ganze Semester; diesmal in Gruppen von bis zu drei Studierenden.


Hier eine Auflistung aller Blogs:
Selbstverständlich freuen sich die Studierenden über Feedbacks, Kommentare und Likes !

Weitere Beiträge hier sind unter dem Stichwort IGEP zu finden. 
Bildquelle: flickr.com / alamodestuff (CC Lizenz)

20. März 2014

Blogs in der Lehre - Feedback von Studierenden (HS 2013)

Im vergangenen Herbstsemester 2013 haben die Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur wieder je einen thematischen Blog zu ihren jeweiligen Themen über das ganze Semester geführt.

Wie schon in vorangegangenen Veranstaltungen habe ich nach Abschluss des Semesters eine anonyme Umfrage durchgeführt. Die Auswertung präsentiere ich hier zusammenfassend.

Die Erhebung wurde Online via Unipark durchgeführt. Insgesamt konnte ich 11 Fragebögen auswerten, der Kurs hatte 15 Teilnehmer, zwei Drittel der Studierenden sind weiblich. Die Studierenden sind Vollzeitstudierende und in Bezug auf das Alter überwiegend Angehörige der Net-Generation.

Es folgt ein Vergleich der Ergebnisse zum Herbstsemester (HS) 2012 (%-Angaben jeweils in Klammern), die komplette Auswertung ist im Foliensatz am Ende des Beitrags dokumentiert:

Vorherige Blog Erfahrungen 
Die vorherigen Erfahrungen mit Blogs waren geringfügig stärker ausgeprägt, einen eigenen Blog haate bis dato niemand geführt.

Aufsetzen des Blogs (technisch)
Das Aufsetzen des Blogs wurde insgesamt als etwa gleich schwierig bewertet.

Als Blogsystem wurde ausschliesslich Wordpress genutzt (33%), also eine deutliche Verschiebung.  

Start des Blogs (inhaltlich)
Der Start des Bloggens an sich wurde etwas einfacher empfunden. Sehr schwierig war es für keinen der Teilnehmer.   

Führen des Blogs (zeitlich)
Der Zeitaufwand für's Bloggen über das Semester hat sich etwas stärker reduziert, bei keinem Teilnehmer hat er zugenommen.

Die Erfahrungen mit der thematischen Auseinandersetzung über ein Semester hinweg wurden wieder grundsätzlich positiv beurteilt.

Auch der Wissenszuwachs durch das Bloggen über ein Semester hinweg wurde wiederum überwiegend als sehr positiv beurteilt. 

Zumindest ein Teilnehmer möchte den Blog weiterführen, 82% /17%) sagen "eher nicht", und 9% (67%) "auf keinen Fall". Hieraus lässt sich ein gewisser Trend 

Das IGEP Format
Die Eignung für die Lehrveranstaltung einschliesslich Leistungsnachweis bewerten die Studierenden etwas positiver als im HS 2012; 78% (67%) finden das Format "gut" oder "sehr gut" geeignet.

In Bezug zum Wissenszuwachs im Vergleich zu einer klassischen Hausarbeit sind die Teilnehmer etwas kritischer: 36% (0%) geben an, sie hätten durch eine Hausarbeit mehr Wissenszuwachs gehabt. Weniger Wissenszuwachs durch eine Hausarbeit hätten 36% (34%) gehabt.

Die komplette Auswertung ist in der folgenden Präsentation dokumentiert:




Bildquelle: flickr.com/DonnaGrason