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10. Mai 2017

re:publica 17 - ein persönlicher Rückblick


Meine letzte re:publica ist schon ein paar Jahre her, damals fand sie noch im Friedrichstadtpalast statt. Also war es längst einmal wieder Zeit - wenigstens zwei Tage war ich an der re:publica 17. Die re:publica ist erwachsen geworden, ein Bisschen jedenfalls. Nach wie vor ist die Konferenz anders als andere Konferenzen, schon die Location ist anders, und sie ist bunt, nicht nur das Logo, die das Motto Love Out Loud - als eine Antwort auf Hass im Netz - präsentiert, auch die Leute sind bunt, Anzugträger sucht man (fast) vergebens, dafür gibt’s aber Kinderwagen auf der re:publica.

Deutsche Bahn an der re:publica 17
Aber sie ist auch kommerzieller geworden seit meiner letzten Teilnahme, irgendwie im Mainstream angekommen, zumindest teilweise; vertreten sind Firmen wie Microsoft, Google, Daimler, Deutsche Bahn, Krankenkassen, Bundesländer oder Bundesministerien; die Sponsorenwand sieht aus wie bei einem Profi-Fussballclub.

Anders waren auch die Keynotes zur Eröffnung: Anstelle von irgendwelchen, vermeintlichen High Profile Promis lassen die Veranstalter vier Personen auftreten, die ganz persönlich mit Unfreiheit konfrontiert waren und sind (Video).

Besonders bewegend und berührend fand ich Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der türkischen Zeitung Cumhüriyet. Nach einem Enthüllungsartikel über Waffenexporte der Türkei, der offenbar nie dementiert wurde, landete er im Gefängnis und war seinen Job los. Ruhig und leise berichtete er von dieser Zeit, zeigte Fotos. “Turkey is the largest prison for journalists” sagte er. Sein Beitrag Brief aus dem Gefängnis wurde Ende 2015 im Spiegel publiziert.

Márton Gergely war stellvertretender Chefredakteur der ungarischen Tageszeitung Népszabadság, die am 8. Oktober 2016 eingestellt wurde und berichtete aus Ungarn. Ramy Raoof aus Ägypten erinnert an die Freiheit der Information, die eben in Ländern wie Ägypten oder der Türkei nicht existiert. Er selbst wurde Opfer der Unfreiheit: So wurde sein Mobilfunkgerät und sein Internetzugang gekappt, um seine Aktivitäten. Katarzyna Szymielewiczs fordert uns auf diejenigen Leute versuchen zu erreichen und mit ihnen in den Dialog zu treten, die Politiker, die solche Repressionen befürworten, wählen.

Thomas Wagenknecht präsentierte in der Sesssion Blockchange – How Science Revolutionizes Democracy, Work and Nature Using Blockchain drei spannende Ansätze zur Verwendung der Blockchain, eher abseits der typischen Beispiele: das Kunstprojekt terra0,  DAO (Decentralized Autonomous Organizatins) Democracy und Liquid HolocracyShermin Voshmgir vertiefte anschliessend das Thema der Blockchain-basierten DAOs: Disrupting Organizations: Decentralized Autonomous Organizations on the Blockchain: Money without banks. Companies without managers. Countries without politicians. Bitnation erwähnt sie als ein Beispiel. Zur Entwicklung in diesem Bereich sagte sie: It's like 1990 for the Internet - wir stehen hier noch ganz am Anfang. Mehr zum Thema gibt's hier: The promise of the blockchain: The trust machine. Alle präsentierten Ansätze sind auf ihre Art radikal und stehen etablierten Ansätzen diametral gegenüber. Selbst wenn die Technologien (demnächst) verfügbar sind, so braucht es weitaus mehr, damit diese Ansätze sich druchsetzen. Spannende Denkanstösse sind sie aber allemal!

Die Session zum Darknet zeigte wieder einmal auf, dass es Fluch und Segen zugleich ist: Einerseits ein perfekter Rückzugsort für Kriminelle, die man dort schlichtweg nicht aufspüren könne wie der Oberstaatsanwalt Andreas May sagte. Wenn es Verhaftungen gibt, dann deswegen, weil Kriminelle in der realen Welt oft leichtsinnig werden, sich zur Übergabe von illegal erworbenen Waren, wie Wafffen, persönlich mit Käufern treffen - und wenn diese von der Polizei sind, die immer wieder entsprechende Accounts übernimmt, werden Käufer auf frischer Tat ertappt. May sagte auch klar, dass die US Behörden wesentlich weitreichendere Befugnisse hätten.
Auf der anderen Seit dient das Darknet aber auch dem Schutz von Aktivisten in nicht-demokratischen Ländern. So berichtete Ahmad Alrifaee, wie er nur mit Hilfe des Darknets in Syrien journalistisch arbeiten und Berichte ausser Landes bringen konnte.

An einem Panel mit Klaus Kleber und weiteren ZDF Mitarbeitenden gin es um das Thema Fake News (Video). Kleber & Co beschworen die wichtige Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien. Diskutiert wurde u.a. die Rolle von sog. Faktenchecks. Einerseits sind sie durchaus notwendig, eine Gegenrede sei wichtig, aber es sollte vor allem auch die Zivilgesellschaft verstärkt gegen Fake News aufbegehren und den Job nicht nur den Profis überlassen. Andererseits wurde immer wieder erwähnt, dass die Aufarbeitung von Fake News nicht nur aufwändig ist, sondern im Zweifel auch dazu beiträgt, das Fake News eine grössere Aufmerksamkeit erlangen. Ausserdem wurde deutlich, das Fake News nicht gleich Fake News sind. Neben harmlosen, eher scherzhaften Falschmeldungen sind es vor allem Fake News von (mehr oder weniger) staatlichen Stellen, welche Gewisseheiten der Bevölkerung erschüttern sollen, ja diese sogar verwirren sollen, indem unterschiedliche Wahrheiten über ein und dasselbe Ereignis verbreitet werden. So lassen sich zweifelhafte Aktivitäten der Mächtigen relativieren und eine Einordnung durch die Bevölkerung erschweren. Interessant war auch zu erfahren, dass das ZDF Social Media als eine Art Kontrollinstanz wöhrend des Heute Journals beobachtet, um ggf. auf Falschmeldungen in der Sendung direkt reagieren zu können.

Verpasst habe ich leider den Vortrag Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung von Elisabeth Wehling. Hier ein Interview zum Thema.

Garry Kasparov
Zeitweise heiss her ging es in der unterhaltsamen Session "Hacking Democracy": Power and Propaganda in the Digital Age u.a. mit Garry Kasparov. Dass er Putin nicht wirklich gut leiden kann, wurde mehr als deutlich. Anhand der Freedom House Map of Press Freedom machte der deutlich, dass weniger als 30% der Weltbevölkerung in Ländern mit einer freien Presse leben. Auch er wiess auf die Strategie des Verschleinern und Verwirrens durch gezielte Falschinformationen hin, um kritisches Denken zu unterdrücken. Auch Kasparov ruft die Zivilgesellscaft auf, Fake News publik zu machen.

Claudio Guarnieri forderte - einmal mehr auf der re:publica - Medienkometenz ein: "Technology can't be trusted, it has to be understood".

Die Keynote von Gunter Dueck zum Thema Flachsinn - über gute und schlechte Aufmerksamkeit, wie man sie bekommt, wer gewinnt und wohin alles führt (Video) hat mir persönlich nicht besonders gefallen, mir fehlte der rote Faden, auch wenn ich Dueck und seine Art sonst mag. Phatische Kommunikation war einer der Begriffe, die man bei Dueck lernen konnte. Und auch er wiess zum Thema Filterblase darauf hin, dass nicht nur die anderen, über die man gerne urteilt, in ihrer Blase gefangen sind. Wahre Worte, wie ich finde.

Miriam Meckel
Äusserst empfehlenswert ist der Vortrag von Miriam Meckel Brainhacking: Auf dem Weg zum Neurokapitalismus? (Video) Fast druckreif präsentierte Meckel in ihrem halbstündigen Vortrag wie wir durch (nicht pharmakologisches) Neuroenhancement Gemützszustände per Knopfdruck verändern können oder wie Gedanken in Daten umgewandetl werden können, was dann die Vision von Telepathie real werden lässt. Sie berichtet von Selbstversuchen und Laborexperiementen, in denen sich die Hirme von Ratten über neuronale Netzwerke bereits heute eroglreich verbinden lassen. Stehen wir vor einer Neuro Divide? Hängt unsere zukünftige Hirnleistung davon ab, ob wir uns die entsprechende Technologie, z.B. Hirnimplantate, leisten können? Ein wirklich packender Vortrag mit der Aufforderung zum Schluss: Think - It's not illega yet. Das Magazin WIRED hat dazu einen aktuellen Artikel publiziert.

Die Session mit Andrea Nahles - Bedingungsloses Grundeinkommen – (K)eine Antwort auf den Digitalen Wandel (Video) - war zunächst sehr sachlich und eher brav, obwohl die grosse Mehrheit des Publikums einen gegenteilige Meinung zu Nahles hatte. Sie machte den Vorschlag des Erwerbstätigenkontos als Gegenentwurf zum Grundeinkommen.  Für meinen Geschmack war Nahles je länger desto mehr fast dogmatisch unterwegs, klassische sozialdemokratische Positionen wurden verteidigt, so u.a. der Glaube an die Zukunft der flächendeckenden Erwerbstätigkeitkeit und dem (unausgesprochenen) Paradigma der Vollbeschäftigung. Auch eine Entkopplung von Arbeit und Lohn wird es nicht geben. Auf Fragen zu den Folgen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt und Beschäftigungsverhältnisse reagierte sind zum Teil gereizt, sie wurde zur Klassenkämpferin als sie von den digitalen Kapitalisten sprach, die ja sowieso nichts Gutes im Schilde führen würden, wenn sie sich für ein Grundeinkommen einsetzen würden, und man schon deswegen dagegen sein müsse. Ihre anfänglich vorgebrachten vier Argumente gegen das Grundeinkommen fand ich persönlich alles andere als überzeugend.

Spanned war auch der Vortrag von Christoph KucklickDie digitale Konterrevolution: Wie Europa seine Bürger entmündigt. Seine These: Die EU-DSGVO wird dramatische Folgen für unsere alltägliche, digitale Kommunikation haben und sie faktisch unmöglich machen, da die Verordnung jeden normalen Nutzer unter diese Verordnung stelle.

Etwas enttäuscht war ich vom Vortrag von Andreas WeigendData for the People (Video),so auch der Titel seines Buches. Für einen Experten bleib er mir etwas zu sehr an der Oberfläche des Themas, vermischte staatliche mit privatwirtschaftlicher Dantensammelwut und warf China und Europa in einen Topf. Mehr zu seinem Vortrag bei ZEIT Online.


Love Out Loud!











25. April 2017

Angebliche Erbschaften als Betrugsmasche - fast perfekt! #Spam

(flickr.com/phossil, CC BY-NC-ND 2.0)
"Erbe dringend gesucht" - Mails mit solchen Inhalten erhalten wir fast täglich; meist landen sie im Spamordner. Dass es sich hier um Spam mit betrügerischen Absichten handelt, erkennt man eigentlich auf den ersten, spätestens zweiten Blick: Fehlerhaftes Deutsch, abstruse Inhalte. Darauf reinzufallen, braucht dann eine gehörige Portion Naivität, oder Leichtsinn - oder die leise Hoffnung auf leicht verdientes Geld. Aber offenbar lohnt es sich für die Absender dennoch, immer noch.

Vor einigen Tagen erhielt ich (wieder) ein solche Mail mit dem Betreff Bitte aufmerksam lesen. Es landete nicht im Spamordner. Als ich das Mail öffente, sah ich zuerst ein Logo, dann die förmliche Anrede. Beim ersten Lesen ein fast fehlerfreier Brief. Und für eine Sekunde dachte ich tatsächlich, dass kann doch kein Spam sein.

Aber selbstverständlich handelt es sich auch hier um Spam, aber (fast) perfekt!





Ich begann mich intensiver für das Mail zu interessieren.
Als erstes suchte ich nach der angeblichen Anwaltskanzlei, und tatsächlich es gibt sie - oder doch nicht? Die Coleman Law LLP hat eine Website: colemanllp.com.

Website "Coleman Law LLP", Screenshot 25.4.2017

Die Geschäftsadresse gibt es tatsächlich, ein Bürokomplex in Housten.

Und der Anwalt Coleman hat auch ein (auf den ersten Blick) seriöses Profil:

Website "Coleman Law LLP", Screenshot 25.4.2017

Aha, Herr Coleman hat etwas publiziert. Auf der Suche nach der Publikation die erste Ungereimtheit: Ein weiterer Anwalt aus Housten, Mark Womack, erwähnt die gleiche Publikation auf seiner Website. Aber viel verbüffender ist die Tatsache, dass Womacks Website der von Coleman gleicht:

Website "The Womack Law Firm", Screenshopt 25.4.2017

Und komischerweise haben die Herren Coleman und Womack den exakt identischen Lebenslauf!

Und während Coleman angeblich an der Adresse One Allen Center in Housten residiert, ist das Büro von Womack an Two Allen Center.

Dass bei Coleman etwas nicht stimmt, sieht man auch an den verwendeten Mail-Adressen: Die Absender-Adresse des Mails unterscheidet sich von derjenigen, die am Ende des Mails agegeben ist. Und auf der Website gibt es eine dritte Adresse.

Nach einer kurzen Recherche stelle ich fest, dass der Area Code von Colemans Telefonnummer, 940, für Anschlüsse im Norden von Texas ist, weit weg von Housten. Der Area Code von Womack, 281, ist tatsächlich aus Housten.

Sucht man nach dem Whois-Einträgen der Websites, fällt auf, dass der Eintrag von Colemen Law LLP eher suspekt wirkt für eine Anwaltskanzlei: die Domain ist seit Jan. 2017 registriert von Namecheap Inc in Panama. Ganz anders dagegen The Womack Law Firm.

Und zu guter letzt eine Suche im offiziellen Anwaltsverzeichnis des Staates Texas: Bei der Suche nach Ben Coleman: Your search has returned no result. Die Kanzlei Womack ist dort eingetragen.

Da hat sich jemand tatsächlich sehr viel Mühe gemacht - es scheint sich zun lohnen!


Whois Eintrag von colemannllp.com (25.4.2017)

Nachtrag 29.4.2017
Spätestens seit heute ist Coleman Law LLP vom Netz bzw. This website is currently undergoing maintenance ...

Website "Coleman Law LLP", Screenshot 29.4.2017



28. März 2017

Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati

Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati
Zum Thema der Zeitungskrise ist es in letzter Zeit eher ruhig geworden. Verleger und Verlage haben sich mit der Auflösung des klassischen Geschäftsmodell der Zeitung - notabene der Disaggregation von Content, Context und Infrastruktur* - längst abgefunden. Sie sind auf der Suche nach neuen, Online-basierten Geschäftsmodellen. Das Auffangen der dahin schmelzenden Erlöse aus dem Anzeigen- und Abo-Geschäft ist hierbei eine zentrale Zielsetzung.

Wie bereits Ende 2010 auf diesem Blog berichtet, zeigt sich die die Auflösung des alten Geschäftsmodells der Zeitung besonders deutlich bei den Stellenanzeigen. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit auf entsprechenden Onlineportalen nach Stellenanzeigen zu suchen. Da verwundert es eigentlich, dass auch im März 2017 immer noch gedruckte Stellenanzeigen erscheinen.

Wie bereits früher festgestellt, setzen vor allem öffentliche Institutionen weit überdurchschnittlich auf Printanzeigen. Nachdem ich seit Dezember 2010 immer wieder die Stellenanzeigen der NZZ am Samstag genauer angeschaut habe, habe ich dies am letzten Samstag wieder einmal getan:

Der Bund NZZexecutive besteht am 25.3.2017 aus noch 6 Seiten - 12 waren es noch im Dez. 2010 - aber nur auf 3 Seiten sind tatsächlich Stellenanzeigen zu finden, insgesamt gerade einmal 11 Anzeigen, ca. 50 waren es im Dezember 2010. Das entspricht einen Rückgang von etwa 80%! Drei Stellenanzeigen sind von privatwirtschaftlichen Unternehmen, die restlichen von im weitesten Sinne öffentlichen Institutionen, das sind immerhin 8 von 11 oder 73%; im Dezember 2010 waren es knapp über 50%. 5 Stellenanzeigen sind von Hochschulen. Tatsächlich setzten also öffentliche Institutionen nach wie vor auf die gedruckten Stellenanzeigen, auch wenn die absoluten Zahlen inzwischen verschwidend gering sind.

* „In the marketspace … content, context, and infrastructure can be disaggregated to create new ways of adding value, lowering costs, forging relationships with nontraditional partners and rethinking ‚ownership‘ issues.“ [Rayport/Sviokla 1994]
‘A New Framework for Managing in the Marketspace’
[Rayport/Sviokla 1994]



Weitere Beiträge zu den Stichworten Zeitungskrise und Zeitungen in diesem Blog


Bildquelle: flickr.com/katherine.a (CC Lizenz)


9. Dezember 2016

Wie Schild den Modehandel umkrempeln will - oder vom Ruf nach Erhalt der Pferdekutsche

Tagblatt 9.12.2016, S. 9
Im stgaller Tagblatt von heute liesst man einen Artikel (bisher nicht Online verfügbar) über die Veränderungen im Modehandel und insbesondere bei Schild. Man könnte den Artikel auch überschreiben mit “Schild glaubt weiter an die Pferdekutsche”.
Nur der physische Laden bietet dem Kunden ein Einkaufserlebnis und die Vorteile des direkten Kontakts
 wird der Chef von Schild zitiert.

Und wie macht Schild das? In dem man den Onlineshop in die Laden bringt. Im Ernst? Das soll den stationären Handel retten? In den Schild-Filialen werden grosse Bildschirme montiert, auf denen Kundenberater den Kunden das im Laden nicht verfügbare Sortiment zeigen. Und es hat sogar schon Bestellungen gegeben - der Schild-Chef spricht “von Erfolgen”. Ein überzeugendes Konzept hört sich anders an.
Warum um Himmels Willen soll ich in die Filiale gehen und dort - unter Anleitung - auf einem Bildschirm Sortimente anschauen, die nicht im Laden verfügbar sind? Ach so, die Beratung vor Ort. Aber wenn ich mir die diversen Onlineangebote im Modelhandel ansehe, von Zalando über AboutYou bis Outfittery, dann frage ich mich allen Ernstes, warum ich ausgerechnet in eine solche stationäre Filiale gehen soll. Und das Anprobieren wird als Argument genannt. Aber warum muss ich dazu in die Filiale gehen, wenn die Ware sowieso erst bestellt werden muss? Zuhause bin ich zeitlich flexibler, kann das neue Kleidungsstück gleich mit meinem restlichen Kleiderschrank zusammen ausprobieren, Partner und Familie in den Entscheid einbeziehen.

Wenn man sieht was Zalando, Amazon & Co. Online auf die Beine stellen und wie Amazon inzwischen auch den stationären Handel aufmischt, dann erinnern die genannten Konzepte des Modehandel tatsächlich an den Ruf nach dem Erhalt der Pferdekutsche. Aber die ist bekanntlich als Verkehrsmittel nicht mehr existent.

Schild Weblounge in der Filiale St. Gallen (2015)
PS. Das ist ja nicht der erste Versuch von Schild die Kunden in die Filiale zu locken: 2015 hat man das mit den Weblounges versucht, die aber offenbar längst wieder verschwunden sind ...
(ergänzt 10.12.2016)





Tagblatt 9.12.2016, S. 9

2. Dezember 2016

Business Models for the Digital Economy - AMCIS 2017 Minitrack

Inzwischen zum 18. Mal organisiere ich den Minitrack „Business Models for the Digital Economy“ im Rahmen der Americas Conference on Information Systems (AMCIS) vom 10.-12. August 2017 Boston, USA, .

Inhaltlich thematisiert der Minitrack vor allem neue und innovative Formen der Wertschöpfung in der Digital Economy:
"This minitrack serves as a forum for the presentation and discussion of new and innovative approaches of business models beyond e-commerce for coping with the challenges of the digital economy as well as digital transformation. We consider an economy based on the digitization of information and the respective information and communication infrastructure as digital economy. This new type of economy implies not only technological, but also and especially structural and process-related challenges and potential. The way in which economic value is created will change fundamentally in the digital economy and thus transform the structure of economies and societies."

Hier geht's zum Call for Papers.

Die Website enthält die publizierten Beiträge aller bisherigen Minitracks.

Hintergrund zur AMCIS:
"AMCIS, a preeminent information systems research conference, conducted under the auspices of the Association for Information Systems (AIS), attracts 1000 or more attendees from North America, as well as other regions of the world. The conference program includes research paper presentations, panel discussions, keynotes, doctoral student consortium, and a camp for early-stage IS faculty. This year’s theme, A Tradition of Innovation, reflects the program chairs’ desire to highlight IS studies that build on previously-reported research and IS studies that take innovative new methodological or theoretical directions and address emerging technology challenges to strengthen or extend existing theories and propose new theories."

 AMCIS 2017

Bildquelle: AMCIS 2017

26. November 2016

Eine seltsame Sicht: Open Access als Basis digitaler Wissenschaftskontrolle?

Das Thema Open Access hat mich auf diesem Blog schon mehrfach beschäftigt, und ich habe mich immer für eine differenzierte Sicht eingesetzt. Also Autor, Wissenschaftler und als Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift setze ich mich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema auseinander. Nachdem ich heute den Artikel Digitale Wissenschaftskontrolle bei faz.net gelesen habe, folgt nun ein weiterer Beitrag.

Der Autor des Artikels, der ganz offenbar Bibliothekar ist, hat ehrlich gesagt eine ziemlich verquere Sicht auf Open Access, die ich im Folgenden kommentiere:

1. Der Autor schreibt:
"Wenn die Wissenschaftler ihre Aufsätze nicht mehr in gedruckten Fachzeitschriften veröffentlichen würden, sondern digital auf Volltextservern ihrer Universitäten, müssten sie die Verwertungsrechte an ihren Veröffentlichungen nicht mehr an Verlage abtreten, die mit ebendiesen Rechten Geld verdienen."
Open Access gleich digital und Online, traditionelle Zeitschriften gleich analog und gedruckt? In welcher Welt lebt der Autor? Die Zeitschriften, die ich für meine Arbeit regelmässig nutze, sind allesamt Online verfügbar, und ob es sie auch gedruckt gibt, interessiert mich schlichtweg nicht. Und als Autor wie auch Nutzer wissenschaftlicher Publikationen stelle ich fest, dass Zeitschriften, die nicht Online im Volltext über ein mir zugängliches System verfügbar sind, faktisch heute nicht existieren.

2.  Wieso in aller Welt bedeutet Open Access gleich eine Monopolisierung durch den Staat? Das erschliesst sich mir schlichtweg nicht. Ein staatliches Publikationsmonopol die Wissenschaft - wie es der Autor sieht - ist sicher nicht die Konsequenz von Open Access.

3. Open Access bedeutet nicht automatisch die Ausschaltung der Verlage. Verlage unterstützen die Open Access Publikation im Rahmen des sog. goldenen Wegs von Open Access, wie dieses Beispiel deutlich macht. Das könnte der Autor eigentlich wissen ...

4. Der Markt der Wissenschaftsverlage ist ein globaler Markt. Und global gesehen gibt es wenige Verlage von Bedeutung, auf der anderen Seite sind vor allem Bibliotheken und Bibliotheksverbünde die Abnehmer. Einen echten Wettbewerb - wie der Autor es auf Seite der Verlage impliziert - gibt es hier nicht. Will eine Bibliothek eine bestimmte Fachzeitschrift abonnieren und seinen Nutzern zur Verfügung stellen, besteht schlichtweg keine Auswahl; die Zeitschrift wird von genau einem Verlag angeboten. Und dieser kann dann die allseits kritisierten hohen Preise verlangen; die Fachwelt spricht hier auch von der Zeitschriftenkrise. Open Access publizierte Artikel sind dagegen häufig über mehrere Online Repositories abrufbar, so auch im Rahmen der sog. Selbstarchivierung im Rahmen des grünen Wegs durch die Autoren selbst.

5. Und quasi nebenbei wird auch die Erfindung des Computers mehr oder weniger für das Böse verantwortlich gemacht:
"Er betreibt das Geschäft von „Kommunikation und Kontrolle".
[...] 
 Die Logik des Computers ist die einer Kontrolltechnik, die via Internet inzwischen weltweit operiert und dabei Welt-, Kommunikations- und Datenkontrolle zu Synonymen gemacht hat."
Ist es nicht der Mensch, der den Computer zur Kommunikation und Kontrolle nutzt?

Und wenn der Autor das Messen von Zitaten in diesem Kontext kritisiert, dann bleibt festzustellen, das man den sog. Impact Factor - und andere Kennzahlen wissenschaftlicher Qualität - tatsächlich kritisieren kann, aber dass alle diese Kennzahlen von Menschen entwickelt und verwendet werden; der Impact Factor bereits seit den 1960er Jahren, also lange bevor es Opena Access oder digitale Zeitschriften gab.

6. Der Autor folgert aus der Open Access Publikation ein Einfallstor für Wissenschafts- und Industriespionage. Dass das Rechercheverhalten von Nutzern missbraucht werden kann, einverstanden, darüber kann man diskutieren. Aber auch die genannten Firmen und Organisationen unterliegen dem Datenschutzrecht, das keinesfalls ein zahnloser Tiger ist. Und ob ich nach Open Access Artikeln oder nach traditionell publizierten Aufsätzen recherchiere , das macht für mich hier keinen Unterschied. Wer mein Rechercheverhalten beobachten will, interessiert sich kaum dafür nach welchem Modell ein Beitrag publiziert wurde, denn so oder so sind die Artikel digital und Online verfügbar. Oder habe ich nicht verstanden, was der Autor hier sagen will?
"Wir haben hier keine Instrumente vor uns, die für universitäre Kontrollzwecke und für die Wissenschafts- und Industriespionage missbraucht werden können, sondern Instrumente, zu deren Design die Kontrolle samt der Wissenschafts- und Industriespionage gehören.
"Damit ist die Logik der Kontrolle aber keineswegs erschöpft. Denn der von den Bibliotheken zu Open-Access-Konditionen ins Netz gestellte „Content“ wird zuletzt von jenen Akteuren angeeignet, die die Datenflüsse im Netz steuern und kontrollieren. Wobei der Staat hier weniger einen Anlass für eine Intervention sieht, sondern die Gelegenheit zu Kooperation, denn über die in amerikanischer Hand befindlichen Monopolisten vom Typ Google, Amazon und Facebook erfährt auch er, was seine Bürger denken und tun. "
7. Der Autor schreibt:
"Zugleich aber lassen sich die Download-Zahlen der Aufsätze und Bücher mit den Personendaten der Wissenschaftler verknüpfen, um die in den Naturwissenschaften seit langem schon verbreiteten bibliometrischen Zitationsindizes endlich auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften einzuführen."
Nun, Downloadzahlen gibt es bei jeder Form von Online publizierten Inhalten, ob Open Access oder nicht. Und die bibliometrischen Zitationsindizes bestehen, wie der Name schon sagt, auf Zitationen, und nicht auf Downloads. Dazu sei dieser Beitrag zur Lektüre empfohlen.  Ach ja, und die Zitationsindizes gibt es bereits in den Sozial- und Geisteswissenschaften.


Open Access ist sicher ein Thema, über das es zu diskutieren gibt, auch im Hinblick auf die Demokratisierung des Wissens. Aber leider hat der Artikel mehr von einer Verschwörungstheorie als von einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Open Access. Aber im postfaktischen Zeitalter ist wohl alles erlaubt. Und am Schluss meines Beitrages frage ich mich, ob es überhaupt Sinn macht, darauf zu reagieren ...

Bildquelle: flickr.com/Robert Couse-Baker (CC Lizenz)

2. November 2016

Bots - eine Bestandsaufnahme aus der Schweiz am #SMGZH

(Bildquelle: Michele M.F. @flickr)
Das Thema Bots finde ich extrem spannend und deshalb war es auch (wieder) ein Must zum heutigen Social Media Gipfel zu gehen - und es hat sich gelohnt.

Und was habe ich an Erkenntnissen mitgenommen?

Bots sind längst noch nicht im Mainstream angekommen, man befindet sich im Experimentierstadium: Die Tageswoche hat - lobenswerterweise - ein Bot-Experiment im Kontext Conversational Journalism lanciert, dies wird aber wieder eingestellt. Man habe viel gelernt, hören wir. Ziel war es die Rezipienten von Nachrichten dort zu treffen, wo sie schon sind, nämlich bei den diversen Messengern. Und Webrepublic nutzt einen Bot für das interne Informationsmanagement, für eher einfache Aufgaben, aber immerhin; man verzeichnet zwar positive Feedbacks von den Nutzern, aber eine Revolution sei es nun Mal nicht sagte Dorian Kind.

Ernüchternd war auch die Aussage, dass die deutschsprachigen Bots sprachlich noch eher unterentwickelt seien, ganz im Gegensatz zu den englischsprachigen. Englisch dominiert einmal mehr die Technologieweit.

Dorian Kind von Webrepublic zeigte drei Entwicklungsstufen von Bots auf. Die erste ist tatsächlich eher trivial, aber anfangen muss man ja irgendwo. Hier versendet der Bot z.B. regelmässig das aktuelle Wetter, etc. Auf der zweiten Stufe sieht er das Potential, dass Bots einen Nutzer bei seinem Workflow unterstützen. Und auf der dritten Ebene verortet er die echten Bots, die sich mehr oder weniger intelligent mit seinem Nutzer unterhalten.

Auch bei den Bots ist es wie so oft: Man hat kurzfristig zu hohe Erwartungen, aber das langfristige Potential - und hier reden wir von Jahrzehnten - wird, auch durch die kurzfristige Frustration, möglicherweise unterbewertet.

Gerade dort, wo Unternehmen und andere Organisationen mit dem normalen Nutzer interagieren, machen Bots, die eine natürlichsprachige Kommunikation erlauben, definitiv Sinn. Sei es der Conversational Commerce oder auch das Conversational eGovernment.

Noch müssen wir via Tastatur mit den Bots kommunizieren, Aber Apple, Google und Amazons Echo zeigen uns, dass wir bald schlichtweg mit den Applikationen sprechen werden und Aktionen anstossen, ohne ein physisches Interface wie eine Tastatur nutzen zu müssen. Wenn dann die Bots im Backend entsprechend gut, soll heissen intelligent sind, steht dem Conversational Commerce bzw. eGovernment Nichts mehr im Weg.

Mehr zum Thema auf bernetblog.ch, und hier gibt's ein Video zum SMGZH






27. September 2016

Digitalisierung im Weinhandel - Fallstudie und Flashback

(Harry Campell)
Jeder, der im Umfeld von eCommerce und eBusiness unterrichtet, weiss, dass die aktuellen Entwicklungen Fluch und Segen zugleich sind.
Fluch, weil man nie sicher sein kann, ob man alle relevanten Entwicklungen auch wirklich mitbekommen hat, aber auch Segen, weil es praktisch täglich Neues gibt, das es spannend macht und das man gut in die Vorlesung einbauen kann.

So habe ich in meinem aktuellen eBusiness Kurs an der FHS St. Gallen in der letzten Woche zum Auftakt begonnen, einige aktuelle Entwicklungen im eCommerce aufzuzeigen. U.a. habe ich mit den Studierenden die gerade frisch publizierten Umsatzzahlen der Schweizer Onlineshops besprochen.
Heute konnte ich daran anknüpfen Dank des heute aktualisierten Umsatzvergleichs der Einkaufszentren und der Onlineplattformen von Thomas Lang von Carpathia.

Darüber hinaus hat der morgendliche Blick in die NZZ gleich noch eine Fallstudie für die heutige Vorlesung hergegeben. In zwei Artikeln (hier und hier) wird die Digitalisierung im Schweizerischen Weinhandel thematisiert; dies anhand der Beispiele Mondovino vom Grossverteiler Coop, Martel aus St. Gallen (einer der grösseren Händler) und der Selection Schwander (ein eher kleiner, spezialisierter Händler).

Ich habe die Studierenden beauftragt aus der Perspektive der drei genannten Vertreter des Weinhandels die Marktsituation zu beschreiben sowie Herausfoderungen und Handlungsempfehlungen zu identifizieren. Als Basis dienten die beiden Artikel sowie die Websites der Anbieter.
Die Studierenden hatten ca. 40 Minuten Zeit und haben in kleinen Gruppen gearbeitet. Das Ergebnis habe ich dann wie folgt zusammengefasst (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):



Das Thema hat mich nicht nur wegen der Aktualität interessiert: Die Weinhandlung Martel gehört zu den Pionieren in Schweizerischen eCommerce. Bereits 1995 ging Martel mit einem eShop Online - zu der Zeit war Philipp Schwander Einkäufer bei Martel. Zusammen mit Andreas Göldi und Hans Meli haben wir Wolfram Martel davon überzeugt, dass Online die Zukunft ist (obwohl es nicht wirklich schwierig war, ihn zu überzeugen).

Dass aus der Gruppe, die damals den ersten Martel und weitere eShops realisierte, die heutige Namics wurde, ist Geschichte.


19. September 2016

Die Politik und der digitale Wandel - Error 404

Error 404 im Bundeshaus, so hat Philipp Loser heute im Tagesanzeiger seinen lesenswerten und vor allem nachdenkenswerten Beitrag überschrieben.

404 Not Found - diese Fehlermeldung kennen wir wohl alle. Sie bedeutet, dass eine aufgerufene Webseite auf einem Server nicht vorhanden ist. Aber egal wie mehr oder weniger ansprechend man den Error 404 kommuniziert, die Seite ist nicht vorhanden. So meint es wohl auch Philipp Loser in seinem Beitrag.

Sicher, die Politik tut nicht Nichts. Man scheint sich der Relevanz des Themas durchaus bewusst zu sein, es gibt eine Digitale Strategie und den Dialog "Digitale Schweiz", und es gibt viele einzelne Massnahmen. Aber den Entwurf, das Big Picture, dessen was man unter Informations- oder Wissensgesellschaft verstehen will, wo die Schweiz hier z.B. in 2025 stehen will und was das für uns alle als Konsumenten, Bürger, Arbeitnehmer, Patienten oder Unternehmer bedeutet, das wird viel zu wenig thematisiert.

Philipp Loser stellt in seinem Beitrag ganz zentrale Fragen für eine digitale Schweiz:
"Was bedeutet der digitale Wandel für unsere ­Gesellschaft?
Wie gehen wir mit künstlicher Intelligenz um?
Welchen Einfluss hat die fortschreitende Automatisierung auf den Werkplatz? 
Was bedeutet es für den Nationalstaat, wenn ­private Firmen immer grössere Macht über einen immer grösseren Teil der Menschen haben?"
... und fragt:
"Kann das politische Personal in Bern den digitalen Wandel bewältigen? 
Und weiss es überhaupt, was auf uns zukommt?"
Es braucht einen intensiven öffentlichen Diskurs hierüber; ein Denken jenseits der traditionenllen Denkschemata, die kaum mehr greifen im Zeitalter der Digitalisierung. Und nicht nur in den Feuilletons der Zeitungen oder bei Organisationen wie der Digitalen Gesellschaft.

Ich würde mir wünschen, über die digitale Gesellschaft Schweiz und ihre Gestaltungsoptionen würde ebenso intensiv diskutiert wie über so manchen politischen Dauerbrenner.

Aber da sind wir bei einem zentralen Problem: Min Li Marti nennt in dem Beitrag im Tagesanzeiger verschiedene Gründe, warum Netzpolitik (leider) kein Thema in Bundesbern ist. Einen Grund muss man noch ergänzen: Mit Positionen zur Netzpolitik lassen sich wohl kaum Wahlen entscheiden, da sind Themen wie schwarze SchafeDichtestress oder Masseneinwanderung wesentlich dankbarer.

Philipp Löpfe hat es anlässlich der Battle of Ideas im Rahmen des Digital Festivals vergangenen Freitag in Zürich auf den Punkt gebracht:

Sein neues Buch ist definitv auf meiner Leseliste.

24. August 2016

Study Tour to China with the Swiss 'Seeds for the Future' Program by Huawei

Huawei's 'Seeds for the Future' Pogram
I had the pleasure to be part of the Swiss delegation for the study tour to China with Huawei's Seeds for the Future program as a representative of FHS St. Gallen again (20.-30. Aug. 2016).

Nevertheless, my postings about the tour express my personal views only. And as the working language throughout the trip was English I decided to write this post in English as well.
"Telecom Seeds for the Future is Huawei's flagship CSR project launched in 2008 that aims at cultivating local ICT talent, promoting knowledge transfer, improving people's interest in and understanding of the telecom industry, and encouraging countries and regions to participate in the building of digital communities." (Source)
A warm welcome at the Huawei HQ
In my view this is really a great program and gives students - and professors - the unique opportunity to get to know a global company quite well and thus to get an insight of a global player in the high tech industry*.

The whole group of the trip comprises 16 students from various (IT/IS related) subjects from all over Switzerland, six professors and Axel Menning from Huawei Switzerland.

We arrived in Shenzhen on Sunday night after a transfer from Hongkong airport where we flew to out of Zurich. We are staying in a Hotel on the Huawei campus in Shenzhen.

Huawei Campus
On Monday morning we started off with a bus tour through parts of the campus, where up to 30'000 people are working.

We then had our first visit to one of the really impressive exhibition halls on the campus where we got an introduction into Huawei's business and key technologies as well as potential applications.






Simon Lacey
After lunch, Simon Lacey, Global Government Affairs - International Trade and the Digital Economy Leader, welcomed us in perfect Swiss-German and French to his introductory presentation about Huawei as a global high-tech player. Simon's CV is impressive: As an Australian, he studied law in Fribourg and thus speaks French and (Swiss) German pretty well. In total, he lived in Switzerland for 15 years. Before he joined Huawei a year ago he had jobs literally all over the world, e.g., in the US, South Africa, Indonesia, Singapore, and even China before.

Exhibition hall at the HQ in Shenzhen
Simon said at the beginning that Huawei might be "one of the biggest companies you've never heard of". Indeed, the company with 170'000+ employees working in 170+ countries is much bigger than its competitors such as Cisco or Ericsson.
Simon as well as our guides in the exhibition halls - we visited the exhibition hall for enterprise solutions in the afternoon - stressed Huawei's innovation power: 44% of the staff works in R&D, the research centers are distributed all over the globe. And especially in the exhibition halls, it was stressed the Huawei pursues a strategy focusing on cooperation as well. The term ecosystem was used several times.
In the Q&A session he said answering a student's question about more personal experiences: "... the great firewall is a big burden for all people living here".

William Lo summarizing his talk
On Tuesday William Lo introduced our group to some Management fundamentals at Huawei. As a Chinese, William was raised and worked outside. China Most of his Life and is with Huawei for 5 years now. He's working at the so called HR Committee, one of three committees linked directly to the board and dealing with all issues around management or how William phrased it: "everything what has to do with people". Huawei's way of management has also been a subject of some publications, e.g., in HBR or The European Business Review. In his presentation he focused on visionary leadership, share the wealth, dedication, as well as customer centricity.

In terms of "visionary leadership" the founder of the company, Ren Zhengfei, is always present. His management philosophy is guiding the company since it's inception in 1987. Although some of the management principles in terms of employees dedication at Huawei sound rather strange from a Swiss or European point of view - e.g., not claiming even the minimum of vacations days, working every 4th Saturday an extra day -, the company's success testifies that something must have done right, so far. But William also admits that due to an increasing globalization of the company's activities as well as different values of the young people some of the principles might be subject to change in the future.

William also addressed the leadership skills of Chinese in a global context comparing China to Japan and applying the tiger mother phenomenon. It's about a more directive way of raising kids and students which might result in very good engineers but might not educate real leaders and/or top CEOs.

Some further details William added: Huawei is China's largest non-government-owned company, it is 100% owned by its employees, the founder holds 1.42% of the shares.

Q&A with Hank
After a presentation about Huawei's cyber security strategy and lunch at the employee's canteen, we headed north of Shenzhen to Songshan Lake Science & Technology Industry Park to visit Huawei's automated logistic center and wireless production line. 

On Wednesday morning Hank Stokbroekx gave an introduction into marketing in general and at Huawei.

Before lunch, the students had the chance to prepare for the final presentation in Beijing on Monday. I had the pleasure to support the group dealing with marketing issues at Huawei as their coach.

Students preparing their presentations

In the afternoon we visited the Shenzhen Museum showing the impressive development of the city of Shenzhen and had the chance to further explore the city.

Bejing hot pot dinner
On Thursday we flew to Beijing where the group visited the Forbidden City in the afternoon and had a traditional Beijing style hot pot dinner in the evening.

Friday morning we visited Huawei's Beijing exhibition hall which is the largest of all exhibition halls of Huawei in China. This very representative building is targeted to welcome high-ranked representatives from politics and business. The architecture of the whole campus follows a Mediterranean style. During our guided walk through the large halls, we focused on 4.5G and 5G developments as part of Huawei's MBB 2020 vision as well as the Internet of Things.

One of the statements was that Huawei expects a long tail market in this area as there will be no killer application.  Without giving a specific time frame and meant more as a rough estimation Huawei expects a $2 trillion market in the area of IoT, 1 billion smart metering connections, and 2 billion connections in manufacturing.

Alex giving an overview
of Huawei's IoT activities
In the exhibition halls, Huawei showcases what kind of services might be possible applying especially next generation mobile technology such as 4.5 and 5G. For example, Huawei has developed LampSite, a "radio coverage solution that supports indoor multimode deployment in large- to medium-sized sites such as office buildings, venues, and transportation hubs and semi-enclosed sports stadiums" (source) thus expanding the mobile potential.
One application scenario might be hybrid shopping solutions in the retail area where consumers use mobile Apps inside the retail store to enhance customer experience and/or customer service.

Huawei IoT Business Solution
Framework
Whereas 5G mobile communication is still under development Huawei offers 4.5G solutions to carriers offering Experience 4.0 to consumers. Huawei clearly focuses on 4.5 and 5G mobile communication as a basis for future IoT applications as the carrier business is Huawei's most important business line. Nevertheless, carriers such as Swisscom provide IoT-networks based on the LoRa technology which follows a different approach and enables different business models. The LoRa technology can be deployed decentralized without any licenses; The Things Network  demonstrates how an IoT network can be established bottom up without high cost.

Huawei's services portfolio
(Huawei, 27.8.2016)
It was mentioned by our guide as well that Huawei changed its strategy: Instead of selling technological solutions now services come first. So far, most of the offered services are targeted to the carrier market. To be successful in the enterprise business I think it is absolutely necessary to offer (industry specific) services to be successful.

Before lunch, Alex from Huawei gave us an overview of Huawei's IoT activities.

Michael Waser, Swiss embassy
After a great lunch, we went to the Swiss embassy in Bejing. We were warmly welcomed by Michael Waser from the embassy. He gave us an overview of the embassy's activities in China. It is interesting to mention, that it is the largest Swiss embassy which sheds light on the importance of the Swiss-Chinese relationship. Also, the Swiss business hub in China is the biggest one.

Fabio Müller then gave his very interesting presentation about Doing Business in China. He elaborated some mega trends in China such as aging society, the end of low-cost China, urbanization, as well as rapidly growing middle class.
Of course, doing business with China has quite some challenges, e.g., the dimensions of the country, regulation which makes it still difficult to invest in China, cultural differences in terms of quality, contracts, penalty, risk, as well as the relationship of business and private, investor concerns, especially finding the right talents, and IPR, legal and regulatory issues.
But there are also a lot of opportunities in China for Swiss businesses, for example, in the area of E-Commerce. As buying Online - mostly over the mobile phone - has huge growth rates in China and mobile payment systems are well adapted selling Swiss products Online in China has a huge potential. (The Swiss-Chinese chamber of commerce in China may be a further source of information)

Apero time
Then, Samuel Baumgartner and Tengteng Li from Wenfei Law gave some interesting insights from a legal point of view. Samuel said answering a student's question: "you can not rely on the judiciary system". This summarizes quite well the presentation; Swiss businesses have to be aware of this situation and prepared accordingly.

Finally, we had the chance to meet a group of cyclists during the Apero in the embassy: They cycled 7800 km from Moscow to Beijing!

In the evening we got Beijing duck at a really great restaurant.

On Saturday, the students were preparing their reports and presentations.




Group presentation "Marketing"
Monday was the last day of our trip - and the big day for the students as they had to present their group work.
Each of the four groups comprised four students from four different universities; at the beginning of the trip, a topic and some expected deliverables have been assigned to the groups. So it was a kind of a challenge to come up with relevant and interesting results in a rather short period of time. Each group was coached by one or two professors. The topics were Management & HR, Cybersecurity, Marketing, and IoT.


Claudio Zoller, student of the
MScWirtschaftsinformatik program at
FHS St. Gallen
, receives the
Certificate of Honor for his participation
in the Swiss Seeds for the Future
program from Axel Menning,
Huawei Switzerland

In summary, it was a great and very intense trip with a lot of insights into Huawei as a global high-tech company with its roots in China as well as into the Chinese culture in general. A big thank you to Huawei making this possible.


What else is worth mentioning?
Well, in China there's always the issue of free Internet access. Technically, hotels, as well as many restaurants and shops, offer free wifi connection. But there's a challenge insofar as quite often an authentication is required either via WeChat and/or a Chinese mobile number, foreign mobile numbers are not supported. Luckily, I learned my lessons from last year and thus I opened a WeChat account already back home. In addition, our whole group got a Chinese SIM card provided by Huawei to enable easier communication within the group. As this SIM card also included 1 GB of data volume using our Smartphones on the go was possible without tremendous roaming charges.

Screenshot from www.huawei.com/cn
(30.8.2016)
As far as the access to websites and Social Media applications is concerned we faced some limitations. Services such as Facebook, Twitter, or Google search engine are not accessible at all. Gmail sometimes worked, sometimes not. Even this blog is not accessible in China as it uses blogger.com, which belongs to Google. Also, some other websites, especially news sites, are not accessible from time to time.
Despite the Chinese alternatives such as WeChat or Baidu there are quite many Chinese people which are actively using Gmail, Twitter, Facebook et al.
And also Huawei is using services such as Twitter and Facebook, for example, just in theses day when communicating from the global Huawei Connect 2016 meeting in Shanghai; there are frequent tweets sent through the official Twitter account @Huawei as well as from many other accounts of the company's divisions out of Shanghai. Furthermore, even the Chinese version of the corporate website contains links to services which are officially not accessible (see screenshot).

Of course, there are workarounds to access those sites also in China; the easiest way is to establish a VPN connection, but which reduces the performance. As a result, you have to think about which website or social media site you want to access. Experiencing this kind of censorship makes you aware what it means to have free Internet access without any restrictions.

Video surveillance in the public space is omnipresent, especially in Beijing. But this we can see in many US and European cities, e.g. in London, as well.

To enter the Beijing Metro your bags get screened like at the airport. Water bottles are being screened with a special tool, and it happened to me once that I had to take a sip out of my bottle to proof that it was water - and nothing else.

And if you want to enter the Tiananmen Square you can't just go there without screening your bags or backpacks. And in addition to checked bags and surveillance cameras, there are uninformed people everywhere as well. Obviously, the authorities are still afraid of any kind of protests.

By the way, Tiananmen means Gate of Heavenly Peace. This must be the Chinese way of interpreting the term peace.

On Tiananmen Square

On Tiananmen Square

On Tiananmen Square

An entrance to Tiananmen Square


* The trip has been sponsored through Huawei Switzerland for the students only as part of the Seeds for the Future program, but not for the accompanying professors.

(updated 31.8.2016) 



27. Juli 2016

Informations- und Medienkompetenz: eine Schlüsselqualifikation - auch und besonders für Nationalräte

Informationskompetenz und Medienkompetenz sind zwei zentrale Kompetenzen der Informationsgesellschaft, eine Schlüsselqualifikation.

Die Informationskompetenz beschreibt die Fähigkeit "mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen". Für den Nutzer "gelten daher als grundlegende Prinzipien der ethische und verantwortungsbewusste sowie der ökonomische, effiziente und effektive Umgang mit Information(en)".

Ein Aspekt ist die Bewertung von Informationen bzw. Informationsquellen. Auch unsere Studierenden lernen im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens u.a. wie sie die Qualität der diversen Quellen für ihre Arbeit bewerten können. Jeder, der Informationen nutzt, sollte, bevor er sie weiterverbreitet oder weiterverarbeitet, sich über die Qualität der Informationen und notabene der Quelle bewusst sein. Vor allem erwarte ich das von Personen, die qua Profession mit Informationen arbeiten und Menschen beeeinflussen {wollen|können|sollen}, also z.B. Journalisten, Finanzdienstleister, Wissenschaftler und natürlich Politiker. Sicher, auch Politiker sind keine Übermenschen, aber an sie habe ich besonders hohe Erwartungen bezüglich des Umgangs mit Informationen. Wie ein gewählter Volksvertreter diese Grundsätze beachtet hat, oder auch nicht, hat sich gestern Abend auf Twitter gezeigt.

Ein Vieltwitterer postet folgenden Tweet:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Immerhin 32 Retweets. Und zwei spontane Reaktionen, von @MarcelBaur und mir.

Die hier verbreitete Nachricht stammt aus einer Quelle, die nach kurzem Hinsehen mehr als zweifelhaft ist. Ein bekanntes Publikationsorgan scheint die Website nicht zu sein, jedenfalls nicht für mich. Von der Impressumspflicht haben die Betreiber der Website noch nicht gehört, nirgends ein namentlich Verantwortlicher oder eine Adresse. Die Redaktion sitzt nach eigenen Angaben in "Kolotschau/Kalocsa, Ungarn", das liegt etwa 100km südlich von Budapest.

Die Whois-Abfrage ergibt, dass die Domain in Russland registriert ist, als Kontakt lediglich eine Postfachadresse, kein Name.

Der Beitrag selbst, der hier verbreitet wurde, wurde (angeblich) auf der Website von Nouvelles de France zuerst publiziert, in französisch. Auch hier habe ich kein Impressum o.ä, entdeckt. Im Whois-Eintrag findet man als Kontakt den Namen Ano Nymous.

Egal wie perfekt die Nachricht auf solch einer Website in mein Weltbild passt, ich würde sie nicht weiterverbreiten, zu gross wären die Zweifel an der Seriosität der Quelle.

Nachdem also der Vieltwitterer offenbar selbst gemerkt hat, dass das vielleicht nicht die seriöseste Quelle war, legt er nach, addressiert an Marcel und mich:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Meine Reaktion blieb nicht aus: Das Berlin Journal ist ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Das Medium hat seinen Sitz in den USA, genauer gesagt in Lewes, Delaware. Auf Google Street View kann man sich den schmucken Firmensitz auch ansehen. Die angegebene Adresse ist der Sitz der Firma Harvard Business Services, Inc. mit der vielsagenden Webadresse delawareinc.com. Also eine typische Briefkastenfirma, vermute ich. In den Panama Papieren erscheint diese Adresse ebenfalls.

Im Whois-Eintrag der Domain ist als Kontakt ein Durty Harry angegeben.

Chefredaktuer ist ein Bodo Hering. Sucht man nach dem Chefredakteur im Web, findet man im Prinzip nichts, ausser einer Website mit einer Geschichte, die man leicht als Verschwöhrungstheorie einordnen könnte und der ich nicht über den Weg traue: Angeblich ist der Name des Chefredakteurs einer von mindestens zwei Fantasienamen eines ehemaligen Redakteurs der B.Z., der in Oranienburg leben soll und gegen den wegen Betrugs ermittelt wird/ wurde, und der Beziehungen haben soll zu einer zwielichtigen Gestalt aus Berlin, die Firmen um ihr Geld bringt in nicht ganz legaler Weise. Und: Angeblich beobachtet der deutsche Verfassungsschutz das Berlin Journal (oder hat beobachtet).
Von einem Journalisten, der sich als Chefredakteur einer Onlinepublikation ausgibt, sollten doch eigentlich ein paar mehr Informationen im Netz zu finden sein - allein dass das nicht so ist, würde mich schon stutzig machen.

Alles das kann man innerhalbt weniger Minuten über eine Quelle herausfinden, sollte man Zweifel an ihrer Seriosität haben - das Aufschreiben hat ein Vielfachen an Zeit gekostet (aber die war es mir wert).

Jeder urteile selbst, ob er solche Quellen weiterverbreiten würde.

Von einem Nationalrat erwarte ich, dass er seine Quellen seriös anschaut und nicht weiterverbreitet, nur weil sie gerade schön ins eigene Weltbild passen.


PS. Ich habe bewusst auf Links verzichtet, da ich diesen windigen Websites eigentlich keine weiteren Traffic beschren möchte.

Bildquelle: flickr.com/mellyjean (CC Lizenz)