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7. April 2020

Die Digitalwirtschaft in der Krise !?

Jede Krise hat Gewinner und Verlierer, das gilt auch für die Digitalwirtschaft. Auch Digitalunternehmen sind in Lieferketten und Ökosysteme unserer vernetzten Wirtschaft eingebettet und erfahren dementsprechend unterschiedliche Auswirkungen der aktuellen Krise.
Wie die von uns während unserer virtuellen Studienreise besuchten Firmen der Digitalwirtschaft in Berlin die Krise aus geschäftlicher Sicht erleben, ist im Folgenden zusammengefasst:

Für Innoscale ist es eher ambivalent:Vor allem bei den Kunden aus dem produzierenden Gewerbe zeichnen sich gewissen Herausforderungen ab: Lieferketten sind unterbrochen, Aufträge brechen weg. Ganz anders sieht es im Bereich des Handels aus: Da der Onlinehandel aktuell einen regelrechten Schub erfährt, sind Kompetenzen im Stammdatenmanagement mehr als wertvoll.

Optiopay sieht die Krise als grosse Chance nach dem Motto 'jetzt erst recht': Viele Unternehmen wird bewusst, dass sie digitale Plattformen und vor allem digitale Kundenschnittstellen benötigen. Ausserdem wird Optiopays Technologie auch ganz aktuell für Projekte zur Unterstützung des (lokalen) Handels eingesetzt (z.B. hilfelokal.de)

Bei Nosto stellt sich die Situation ebenfalls differenziert dar: Während gewisse (Online-) Händler jetzt erst recht digital aktiv werden und entsprechende Services zur Optimierung der Customer Experience nutzen wollen, sind andere regelrecht in eine Art Schockstarre gefallen.

Bei der Weather Company sind die Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen spürbar: Durch das Wegfallen der meisten Flüge fehlen Wetterdaten aus der Höhe, was negative Auswirkungen auf Prognosen haben kann. Und im Vertrieb der Services entfallen aktuell Möglichkeiten, auf Messen etc. mit Kunden in Kontakt zu kommen. In Branchen wie z.B. der Automobilwirtschaft, die faktisch stillsteht, sind Aktivitäten zur Serviceverbesserung, auch auf Basis von Wetterdaten, aktuell weitgehend pausiert. 

Bei CeleraOne gibt bisher keine negativen Einflüsse, eher im Gegenteil: Da die Nachfrage nach Informationen stark zugenommen hat, werden auch die Systeme von CeleraOne intensiver genutzt. Mittelfristig ist davon auszugehen, dass das Interesse an digitalen Lösungen wie digitale Abos zunehmen wird. Kaum absehbar ist das langfristige Neukundengeschäft, das auch von der Dauer des Lockdown in den jeweiligen Ländern und somit von der wirtschaftlichen Entwicklung der Medienhäuser abhängig ist. 


Bildquelle: flickr.com/familytorres, CC BY-NC 2.0

6. April 2020

Eine virtuelle Studienreise nach Berlin

Eigentlich wollte ich heute und die nächsten Tag in Berlin sein. Nein, nicht zum Vergnügen, sondern zusammen mit 30 Studierenden der Wirtschaftsinformatik an der FHS St. Gallen. Es war geplant, im Rahmen einer dreitägigen Studienreise Firmen der Digitalwirtschaft in Berlin zu besuchen - Exploring Digital Business Berlin (EDBB). Aufgrund der bekannten Umstände ist dies leider nicht möglich.
Aber freundlicherweise haben sich die meisten Firmen spontan bereit erklärt, uns per Videokonferenz heute und morgen einen Einblick in ihre jeweiligen Firmen zu geben. Dies trotz der Krise, die auch diese Firmen in Atem hält, und trotz der Tatsache, dass ein Onlinemeeting kaum einen persönlichen Firmenbesuch wirklich ersetzen kann. 
Deswegen bin ich überaus dankbar, dass wir die folgenden Firmen heute und morgen Online besuchen können:

(Bildquelle flickr.com/cambodia4kidsorg, CC BY 2.0)

30. November 2019

Business Models for the Digital Economy - AMCIS 2020 Mini-Track


Der Minitrack Business Models for the Digital Economy findet im Rahmen der Americas Conference on Information Systems (AMCIS) 2020 bereits zum 21. Mal statt. Die AMCIS 2020 findet vom 12.-16. August 2020 in Salt Lake City, Utah, USA, statt.

Inhaltlich thematisiert der Minitrack vor allem neue und innovative Formen der Wertschöpfung in der Digital Economy:
"This minitrack serves as a forum for the presentation and discussion of new and innovative approaches of business models for coping with the challenges of the digital economy as well as digital transformation. We consider an economy based on the digitization of information and the respective information and communication infrastructure as digital economy. These developments are creating and are requiring new types of business models. Value creation processes and structures will be altered radically, new type of products and services are emerging. Therefore, this minitrack addresses all topics concerned with the analysis, design, development, implementation, and control of future business models for the creation of economic value in the digital economy from a communication, organizational, business, economic, and managerial perspective applying a theoretical, conceptual, or practical approach."

Hier geht's zum Call for Papers.

Die Website enthält die publizierten Beiträge aller bisherigen Minitracks.

Hintergrund zur AMCIS:
"The annual Americas Conference on Information Systems (AMCIS) is viewed as one of the leading conferences for presenting the broadest variety of research done by and for IS/IT academicians. Every year its papers and panel presentations are selected from over 700 submissions, and the AMCIS proceedings are in the permanent collections of libraries throughout the world." (aisnet.org)

19. September 2009

20 Jahre Institut für Wirtschaftsinformatik an der HSG

"20 Jahre an der Spitze der Wirtschaftsinformatik-Forschung"

so übertitelt das
IWI-HSG (Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen HSG) ganz selbstbewusst die Ankündigung der Feiern zum 20-jährigen Bestehen des IWI-HSG am 18. September 2009.

Entsprechend eindrücklich war nicht nur das ganztägige Programm der Geburtstagsfeier incl. einem Abendprogramm (Flyer), sondern auch die Liste der ca. 350 angemeldeten Gäste. Ehemalige Studierende, Assistenten, Habilitanden, aber auch viele Vertreter der vielen Projektpartner des IWI-HSG der letzten 20 Jahren sowie weitere dem IWI-HSG verbundene Gäste waren gekommen, darunter auch etliche Professoren der Wirtschaftsinformatik.

Unter dem Hashtag #iwi20jahre war der Tag auch via Twitter zu verfolgen, am Nachmittag gab's auch eine Liveübertragung ins Web, dazu später mehr.

Das Programm begann am Vormittag mit Vorträgen der fünf IWI-HSG Professoren, die aus ihrem jeweiligen Forschungsfeldern berichteten.

Robert Winter thematisierte sein Thema, das Business Engineering. In der aktuellen Diskussion auch und besonders in der Wirtschaftsinformatik diskutierte Winter die Positionierung des Business Engineering zwischen Rigour und Relevance - und mit einem kleinen Seitenhieb auf diese Diskussion stellt er fest, dass diese Diskussion vor 20 Jahren noch nicht notwendig war. Nach Winter ist Business Engineering keine Theorie-bildende Disziplin, sondern entwickelt einerseits Methoden und Modelle mit dem Ziel der generischen Problemlösung auf der Basis von erklärender Theorie (Design Research) und wendet diese andererseits in konkreten Kontexten an und entwickelt somit konkrete Problemlösungen (Solution Engineering). Eine zentrale methodische Fragestellung ist demnach auch die Frage nach der Schnittstelle zwischen genereischen und projektspezifischen Problembeschreibungen und Methoden.

"Business Engineering funktioniert nur in der Kooperation mit der Praxis".
Rigour und Relevance interpretiert Winter dann aus seiner Sicht so:
Rigour bezieht sich auf eine saubere Erkenntnismethodik ("auch das Bauen hat Rigour"), Relevance auf die konkrete Problemlösungsunterstützung.

Hubert Oesterle beschäftigte sich durchaus kritisch mit seinem Steckenpferd, den Geschäftsprozessen. So stellte er fest, dass es bei der Optimierung der Geschäftsprozesse und -modelle letztendlich immer um die Optimierung des Unternehmes gehe. Es muss aber um die Optimierung des Komforts für den Kunden gehen betont er, was aber ein massives Umdenken erfordere. Er zeigt dies am Beispiel des Independet Living - the Next Big Thing für Oesterle - auf und fragt zugleich nach den Geschäftsmodellen.

"Es mangelt nicht an Technologie, es mangelt an Kreativität und Phantasie"
resümiert er zum Schluss - und stellt fest, dass es letztendlich doch wieder um Geschäftsmodelle und Prozesse geht.

Andrea Back (@aback, BACKonTheFUTURE) gestaltete ihren Beitrag zum Thema 'Business 2.0' eher zweinullig und setzte so einen gewissen Kontrapunkt zu den übrigen Vorträgen. Anhand von Beispielen und Videoausschnitten machte sie deutlich, dass es ihr einerseits um das Verstehen 'des Bauplans bzw. der DNA' des Web 2.0 geht, aber auch darum, Web 2.0-Konzepte zu nutzen, zu entwickeln und umzusetzen. Sie machte auch klar, dass auch sie noch keine fertigen Konzepte und Lösungen habe. Anhand des Videos "Stone and Stone Wheel" machte sie deutlich, wo wir heute bzgl. Business 2.0 stehen. Sie verwies im Übrigen auf ihre Folien im Netz.

Walter Brenner thematisiert das Informationsmanagement an sich; ein Thema, dass ihn auch schon Anfang der neunziger Jahre als Postdoc am IWI-HSG beschäftigt hat. Brenner fokussiert u.a. auf das Spannungsfeld des Informationsmanagements zwischen dem Streben nach Effizienz einerseits und Innovation andererseits.

"Wenn Sturm aufkommt, haben die einen Angst und die anderen bauen Windmühlen"
war eines seiner plakativen Bilder. Ein weiterer Schwerpunkt war die 'Industrialisieurng' des Informationsmanagements durch Übernahme von Wissen und Erfahrungen aus der Fertigungsindustrie - auch das ein Thema, das die Wirtschaftsinformatik schon seit vielen Jahren verfolgt. Brenner wendet hier vor allem den Design Thinking - Ansatz der Stanford University an.

Reinhard Jung
beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Übertragbarkeit von CRM-Konzepten auf Universitäten. Er diskutiert die Parallelen, aber auch die Unterschiede zwischen Unternehmen und Universitäten u.a. anhand der Aspekte Kundenprozess, One-Stop-Shopping und Kundenwert. Sein Fazit: CRM-Konzepte finden bisher kaum Beachtung an Universitäten, Student Relationship Management (SRM) befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium.


Nach der zweistündigen Lunch- bzw. Networkingpause und einer Keynote von Jürgen Laartz, McKinsey, fanden dann am Nachmittag parallele Workshops in zwei Sessions statt. Ich entschied mich für die beiden Web 2.0-Workshops von Andrea Back.

Der erste Workshop mit dem Titel 'Web 2.0 im Unternehmen' war echt zweinullig:
Die Diskussion war durchaus kontrovers, Unternehmesvertreter fragten immer wieder nach dem Nutzen und dem Sinn von Facebook, Twitter & Co für das Unternehmen. Eine Teilnehmerin liess sich sogar zu der Bemerkung hinreissen, dass das Web 2.0 sowieso keine Zukunft hätte. Aus den USA kam von @agoeldi der Kommentar dazu: "In Deutschland diskutiert man OB man es machen soll, in USA WIE man damit Geld verdienen kann".

Der zweite Workshop war dann wieder etwas 'traditioneller', es ging um die Frage 'Web based Open Innovation and Collective Intellgence'. Andrea Back zeigte zunächst Beispiele für das Crowd Sourcing, anschliessend diskutierten die Teilnehmer die Frage, wie man mit Hilfe von Crowd Sourcing ein Buch schreiben könne. Thomas Walter (@ToWal) gab dazu einige interessante Inputs.


Ich selbst bin natürlich gerne zur Geburtstagsfeier gekommen, nachdem ich immerhin über sechs Jahre am IWI-HSG am Lehrstuhl von Beat Schmid gearbeitet habe - bevor ich 1998 mit Beat Schmid an das =mcminstitute gewechselt bin.