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14. April 2018

Quellen der Klimaskeptiker - wen interessiert schon eine seriöse Recherche

In der BAZ Online erscheint gestern der Artikel Klimaskepsis am Ägerisee - Ein neues Forschungsinstitut tritt der These der vom Menschen verursachten Erderwärmung entgegen.

Wow, ein neues Forschungsinstitut zum Klimawandel, dazu noch in der Schweiz. Das muss ja seriös sein.

Und gewisse Politiker sehen einmal mehr ihre Skepsis gegenüber dem Klimawandel bestätigt. Und sie lassen die (Twitter-) Welt an ihren Erkenntnissen sogleich teilhaben. Retweets und Likes folgen prompt. Der Artikel passt ins Wetlbild, egal auf welchen Quellen er beruht. Augen zu und durch. Der immer gleiche Mechanismus.


Tweet von @ReneTruninger
(Screenshot 14.4.2018, 11:00)

Aber wer hat sich einaml tatsächlich mit den Hintergründen des Artikels beschäftigt? Offenbar nicht einmal der Autor des Beitrags. Denn dann wäre ihm so einiges aufgefallen, wass zumindest die Glaubwürdigkeit der Aussagen des erhabenen Instituts in Frage stellen könnte - ein seröser Beitrag sieht anders aus.

1. Das Institut ist eigentlich ein Netzwerk von Forschern, die offenbar zumindest teilweise anderswo unter Vertrag stehen:
"Wer beim Institut mitmacht, tut das – zumindest bisher – ehrenamtlich. Denn über wesentliche finanzielle Mittel verfügt dieses noch nicht. Dank mo­derner Kommunikation ist es für die Beteiligten auch nicht nötig, sich physisch am Ägerisee aufzuhalten. Das Institut ist eine Art Netzwerk gleichge­sinnter Forscher."
Wobei es gemäss Website lediglich zwei Wissenschaftler gibt: den Leiter des Instituts, Dr. Hans-J. Dammschneider, sowie Dr. habil. Sebastian Lüning. Von einem Netzwerk würde ich hier ehrlich gesagt noch nicht sprechen, aber seis drum.

2. Der Artikel suggeriet wissenschaftliche Argumente des Instituts, was haben die Forscher des Instituts also wissenschaftlich anerkannt publiziert?
Hans-J. Dammschneider hat gemäss Google Scholar genau 10 Einträge (!), wobei nicht alle die Person des Institutsleiters betreffen. Er findet also faktisch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht statt. Bei Sebastian Lüning sieht das tatsächlich anders aus; sein Score bei Researchgate ist in der Tat relativ beachtlich, was auf eine gewisse Relevanz seiner Arbeit schliessen lässt - die der allerdings nicht immer im Namen des Instituts publiziet.

3. Schaut man sich die Schriftenreihe des Instituts an, findet man dort 5 Publikationen, davon zwei (mit Zeitangabe 2017) "in Vorbereitung". Online ist eine dieser Publikationen. (pdf-Version) Ein Blick in die Publikation zeigt erstaunliches. Ganz am Anfang heisst es:
"Das Buch ist sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernimmt der Autor, der Verlag und der Herausgeber in keinem Fall für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler irgendeine Haftung". (Fettdruck nicht im Orignal enthalten)
Traut der Autor seiner eigenen Forschung nicht?

Und am Ende liesst man auf S. 35:
"Der Verfasser nimmt bewusst keine rechnerisch-statistischen Korrelationen zwischen den ozeanischen Zyklen und den Trends der europäischen Lufttemperaturen vor. Es erfolgt ausschliesslich eine rein grafische Gegenüberstellung des Verlaufs der kombinierten PDO/AMO (nach Zeitabschnitten) mit jenen der Lufttemperaturen festländischer Stationen in Europa bzw. Nordamerika.
[...]
Es erfolgt also, wie bereits betont, keine rechnerische Korrelation, sondern ein rein grafischer Vergleich … die „Enge“ einer Beziehung herzustellen, wird bewusst dem Auge des Betrachters überlassen.
Hiermit wird kein Ursache-Wirkung-Vergleich durchgeführt, sondern ausschliesslich dargestellt, dass es eine Beziehung zwischen den ozeanischen Zyklen und den Lufttemperaturen Europas gibt." (Fettdruck nicht im Orignal enthalten)
Heisst das jetzt, dass ich als Leser die Grafiken, deren Ursprung ich mangels Quellenangabe nicht nachvollziehen kann, optisch vergleichen und meine eigenen Schlüsse ziehen soll? Oder was habe ich da nicht verstanden?

Am Ende des Buchs findet man auf viereinhalb Seiten Literaturverweise, nur sind die allerwenigsten davon im Text selber referenzert. Im Text werden Grafiken ohne Quellenangaben verwendet. Und der Autor setzt sich intensiv mit einem Wikipediaeintrag auseinander, freilich ohne diesen zu referenzieren, insbesondere nicht die Version des Eintrags. Es wird der Nachrichtensender N24 zitiert, auch hier ohne Datumsangabe, der zugehörige Eintrag im Literaturverzeichnis fehlt aber. Etc. pp.

Sorry, aber mit Wissenschaft hat das rein gar nichts zu tun.

Wie steht so schön im Artikel:
"Denn nur, wer selber eine wissenschaftliche Leistung bringe, habe die Chance, ernst genommen zu werden."
4. Im Artikel wird erwähnt, dass das Institut nicht auf grosse finanzielle Mittel zurückgreifen kann. Ein Blick ins Handelsregister zeigt, womit der Institutsgründer in der Hauptsache seine Brötchen verdient. An der Adresse des Instituts sind zwei Firmen eingetragen: Interior Design Contract GmbH und My Swiss Made, Dr. Dammschneider. Beide haben offenbar mit Klimaforschung wenig zu tun.

Ein Ausweis für Qualitätsjournalismus ist dieser Artikel sicher nicht.

Letzendlich erweisst der Artikel den Skeptikern des Klimawandels ein Bärendienst.



(vgl. zum Thema auch den Beitrag Informations- und Medienkompetenz: eine Schlüsselqualifikation - auch und besonders für Nationalräte)
Bildquelle: flickr.com/mellyjean (CC Lizenz) 



20. August 2017

Informations- und Medienkompetenz und die Demokratie

(Photo by Avi Richards on Unsplash)
Im Bund Hintergrund der heutigen NZZ am Sonntag finden sich zwei Beiträge, die man durchaus im Zusammenhang sehen kann: Weshalb uns das Internet nicht schlauer macht und Es geht um nicht weniger als um unsere Demokratie.  

Im zweiten Beitrag postuliert der Autor die Mitbestimmung des Volkes als die Essenz der Schweiz und sieht sie von drei Seiten her akut bedroht. Neben den drei erähnten Punkten abserbelnder Föderalismus, expansive Rechtsprechung und Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts kann man, inspiriert durch den ersten Beitrag, durchaus einen vierten Aspekt hinzufügen: Die schwindende Medien- und Informationskompetenz.

Der Autor schreibt in seinem Beitrag u.a.:
"Im Kopf gespeichertes Wissen indes gibt uns einen Orientierungsrahmen, um jene Informationen einzuordnen, die uns aus dem Netz entgegensprudeln.
 Wissen ist mehr als auswendig gelernte Jahreszahlen. Es ist zum Beispiel ein Verständnis dafür, was im 20. Jahrhundert in Europa passiert ist, samt den komplexen Zusammenhängen.
 Natürlich wäre das auch im Netz erhältlich, nützt uns dort aber nichts in jenem Moment, in dem wir Neuigkeiten einordnen sollten. Wir wüssten nicht einmal, wonach wir googeln müssten."
 Dazu passend stellt ein Kommentar in der NZZ vom 16.8.2017 unter dem Titel Naive Natives die Frage:
"Was bewog Soziologen und Pädagogen dazu, Jugendlichen gleichsam angeborene Kenntnisse für eine Welt zuzuschreiben, die nicht diese selbst, sondern Erwachsene geschaffen hatten?"
Und ebenso passend dazu mein Beitrag aus dem Jahr 2009: Wer lehrt die Kinder googeln?

In Zeiten von FakeNews und Filterblasen, in der sich Menschen - und nicht nur junge - in ihrer Filterblase wohlfühlen, sich oberflächlich via Gratiszeitungen informieren und notabene das Gefühl haben, Wissen kann man ja googeln, sofern man es dann irgendwann braucht, in Zeiten, in denen klassische Tageszeitungen einen massiven Leserschwund zu verzeichnen haben und populistisches Gedankengut weltweit zunehmend Anhänger findet, geht es tätsächlich um die Bedrohung der Demokratie, und das nicht nur in der Schweiz.

(Quelle: werteundwandel.de)


27. Juli 2016

Informations- und Medienkompetenz: eine Schlüsselqualifikation - auch und besonders für Nationalräte

Informationskompetenz und Medienkompetenz sind zwei zentrale Kompetenzen der Informationsgesellschaft, eine Schlüsselqualifikation.

Die Informationskompetenz beschreibt die Fähigkeit "mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen". Für den Nutzer "gelten daher als grundlegende Prinzipien der ethische und verantwortungsbewusste sowie der ökonomische, effiziente und effektive Umgang mit Information(en)".

Ein Aspekt ist die Bewertung von Informationen bzw. Informationsquellen. Auch unsere Studierenden lernen im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens u.a. wie sie die Qualität der diversen Quellen für ihre Arbeit bewerten können. Jeder, der Informationen nutzt, sollte, bevor er sie weiterverbreitet oder weiterverarbeitet, sich über die Qualität der Informationen und notabene der Quelle bewusst sein. Vor allem erwarte ich das von Personen, die qua Profession mit Informationen arbeiten und Menschen beeeinflussen {wollen|können|sollen}, also z.B. Journalisten, Finanzdienstleister, Wissenschaftler und natürlich Politiker. Sicher, auch Politiker sind keine Übermenschen, aber an sie habe ich besonders hohe Erwartungen bezüglich des Umgangs mit Informationen. Wie ein gewählter Volksvertreter diese Grundsätze beachtet hat, oder auch nicht, hat sich gestern Abend auf Twitter gezeigt.

Ein Vieltwitterer postet folgenden Tweet:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Immerhin 32 Retweets. Und zwei spontane Reaktionen, von @MarcelBaur und mir.

Die hier verbreitete Nachricht stammt aus einer Quelle, die nach kurzem Hinsehen mehr als zweifelhaft ist. Ein bekanntes Publikationsorgan scheint die Website nicht zu sein, jedenfalls nicht für mich. Von der Impressumspflicht haben die Betreiber der Website noch nicht gehört, nirgends ein namentlich Verantwortlicher oder eine Adresse. Die Redaktion sitzt nach eigenen Angaben in "Kolotschau/Kalocsa, Ungarn", das liegt etwa 100km südlich von Budapest.

Die Whois-Abfrage ergibt, dass die Domain in Russland registriert ist, als Kontakt lediglich eine Postfachadresse, kein Name.

Der Beitrag selbst, der hier verbreitet wurde, wurde (angeblich) auf der Website von Nouvelles de France zuerst publiziert, in französisch. Auch hier habe ich kein Impressum o.ä, entdeckt. Im Whois-Eintrag findet man als Kontakt den Namen Ano Nymous.

Egal wie perfekt die Nachricht auf solch einer Website in mein Weltbild passt, ich würde sie nicht weiterverbreiten, zu gross wären die Zweifel an der Seriosität der Quelle.

Nachdem also der Vieltwitterer offenbar selbst gemerkt hat, dass das vielleicht nicht die seriöseste Quelle war, legt er nach, addressiert an Marcel und mich:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Meine Reaktion blieb nicht aus: Das Berlin Journal ist ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Das Medium hat seinen Sitz in den USA, genauer gesagt in Lewes, Delaware. Auf Google Street View kann man sich den schmucken Firmensitz auch ansehen. Die angegebene Adresse ist der Sitz der Firma Harvard Business Services, Inc. mit der vielsagenden Webadresse delawareinc.com. Also eine typische Briefkastenfirma, vermute ich. In den Panama Papieren erscheint diese Adresse ebenfalls.

Im Whois-Eintrag der Domain ist als Kontakt ein Durty Harry angegeben.

Chefredaktuer ist ein Bodo Hering. Sucht man nach dem Chefredakteur im Web, findet man im Prinzip nichts, ausser einer Website mit einer Geschichte, die man leicht als Verschwöhrungstheorie einordnen könnte und der ich nicht über den Weg traue: Angeblich ist der Name des Chefredakteurs einer von mindestens zwei Fantasienamen eines ehemaligen Redakteurs der B.Z., der in Oranienburg leben soll und gegen den wegen Betrugs ermittelt wird/ wurde, und der Beziehungen haben soll zu einer zwielichtigen Gestalt aus Berlin, die Firmen um ihr Geld bringt in nicht ganz legaler Weise. Und: Angeblich beobachtet der deutsche Verfassungsschutz das Berlin Journal (oder hat beobachtet).
Von einem Journalisten, der sich als Chefredakteur einer Onlinepublikation ausgibt, sollten doch eigentlich ein paar mehr Informationen im Netz zu finden sein - allein dass das nicht so ist, würde mich schon stutzig machen.

Alles das kann man innerhalbt weniger Minuten über eine Quelle herausfinden, sollte man Zweifel an ihrer Seriosität haben - das Aufschreiben hat ein Vielfachen an Zeit gekostet (aber die war es mir wert).

Jeder urteile selbst, ob er solche Quellen weiterverbreiten würde.

Von einem Nationalrat erwarte ich, dass er seine Quellen seriös anschaut und nicht weiterverbreitet, nur weil sie gerade schön ins eigene Weltbild passen.


PS. Ich habe bewusst auf Links verzichtet, da ich diesen windigen Websites eigentlich keine weiteren Traffic bescheren möchte.

Bildquelle: flickr.com/mellyjean (CC Lizenz) 

8. September 2009

Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? - Block 4, 1. Teil: Die Verantwortung der Bibliothek allgemein

Der vierte und letzte Teil der Tagung 'Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?' beschäftigt sich mit der Rolle der Bibliotheken in diesem Kontext.

Im ersten Teil wird die Perspetive der Bibliotheken allgemein eingenommen, davon berichtet dieser Blogbeitrag.
Im folgenden Blogbeitrag wird dann von der Verantwortung der wissenschaftlichen Bibliotheken berichtet.

Im Folgenden werden die fünf Kurzvorträge zusammengefasst:

Mediotheks-Führerschein
Margit Aschbacher, Andrea Baumgartner und Frieda Oberhofer, Handelsoberschule Bruneck, Mediothek KiWi (abstract)
Die drei Autorinnen vom KiWi - Kommunikation, Information, Wirtschaft, Informatik - stellen den Mediotheks-Führerschein vor. Die Teilnahem daran ist verpflichtender Teil im Lehrprogramm. Die Verbesserung der Informations-, Recherche- und Medienkompetenz ist das Ziel dieses Projektes. U.a. ist auch der korrekte Umgang mit Quellen Inhalt der Kurse. Verantwortet werden die entsprechenden Kurse vom Mediotheksteam. "Aus der Praxis für die Praxis" ist eines der zentralen Konzepte. Die Erwartungen an den Mediotheks-Führerschein wurden voll erfüllt.


Kurse zur Erstellung der Examensarbeit, direkt in der Bibliothek oder an einem anderen Ort
Patricia Luperi, Università di Pisa, Biblioteca di Lingue e letterature moderne 1, Sede di Filologia romanza e iberistica (abstract) [Vortrag in italienischer Sprache]
Die Bibliothek der Universität Pisa wird als Zentrum für informelles Lernen verstanden. Die Referentin stellt einige der Kurse vor, z.b. zur Information Literacy, die als e-learning - Kurse angeboten werden. Im Zusammenhang mit der Plagiatsvermeidung steht vor allen die Bewusstseinsbildung im Mittelpunkt. Sie hebt auch die Ausbildung der Mitarbeitenden der Bibliothek hervor, um auf dem Stand der aktuellen Entwicklungen zu bleiben.

Wie können die Universitäts- und Schulbibliotheken zum Umdenken bei der Verwendung von Texten beitragen?
Piero Cavaleri, Università Carlo Cattaneo – LIUC, Castellanza, Biblioteca «Mario Rostoni» (abstract) [Vortrag in italienischer Sprache]
Die Bibliothek bietet Kurse an, welche den bewussten Umgang mit Texten und immer komplexer und vielfältiger werdenden Informationen incl. der Recherche zum Ziel hat. Eine enge Betreuung der Studierenden durch die Bibliothek ist ein wichtiger Bestandteil.


«Das kurze Leben des S. B. Preuss» oder: Zitieren und Belegen in Bibliothekskursen
Detlev Dannenberg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, Fakultät Design, Medien, Information (abstract)
Das Thema Plagiate ist ist fester Bestandteil der Informationskompetenzkurse der Bibliothek. Anhand von drei konkreten Fragen, die vermeintlich einfache Zusammenhänge bzw. anerkanntes Wissen zeigen (z.B. war Einstein wirklich ein schlechter Schüler?), macht er auf die Wichtigkeit des Prüfens von Informationen aufmerksam: "Glaube nicht alles, was du liest!". Anschliessend zeigt er sehr plastisch die wunderliche Mutation einer Originalquelle - eine Vortrag von A. Einstein - durch die falsche Zitation verschiedener Autoren im Laufe der Jahre.


Information Literacy in der Bibliothek und freier Zugang zu Informationen: Die Qualität von Quellen einschätzen, neue Methoden des Information Retrieval anwenden und Kurse für mehrsprachige Nutzer planen
Ilaria Miceli, Libera Università di Bolzano, Biblioteca (abstract) [Vortrag in italienischer Sprache]
Die Autorin berichtet über die Rolle und Verantwortung der Bibliothek im Zusammenhang mit der Informationskompetenz-Ausbildung. Eine Herausforderung ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Bibliothek mit den Dozierenden, beide Gruppen ergänzen sich in ihren Kompetenzen. Weiter berichtet sie über die Information-Literacy - Kurse ihrer Bibliothek, in denen auch Plagiate und die Plagiatsprüfung sowie der Umgang mit Literaturverwaltungssystemen thematisiert werden. Interessant ist die Simulation Examensprüfung im Sinne einer Generalprobe, in der z.B. Studierende die Rolle des Prüfers übernehmen. Zum Schluss weisst sie auf die Notwendigkeit der Weiterbildung auch für die Bibliothekare hin.

28. Februar 2009

Standards zur Informationskompetenz - Diskussion im Hapke-Weblog

In seinem Weblog "Hapke-Weblog" setzt sich Thomas Hapke von der Universitätsbibliothek Hamburg-Harburg schwerpunktmässig mit dem Thema Informationskompetenz bzw. Information Literacy auseinander.

Der Eintrag vom 27. Feb. 2009 "Standards zur Informationskompetenz werden zu wichtig genommen" beschäftigt sich mit der Diskussion nationaler Standards zur Informationskompetenz in Deutschland. Ausführlich Stellung nimmt Hapke zu dem Vorschlag, eine Kurzform der “Standards der Informationskompetenz für Studierende” des Netzwerkes Informationskompetenz Baden-Württemberg (2006) als nationale Standards zu präsentieren.

Für Alle, die sich für das Thema Information Literacy interessieren, ist der Hapke-Weblog mit dem Untertitel "About information literacy, history, philosophy, education and beyond" eine wertvolle Ressource.

13. Januar 2009

"Wer lehrt die Kinder googeln?"

Die Notwendigkeit der Informations- und Medienkompetenz haben wir hier schon Mal thematisiert. Es geht um das rasante Wachstum des Internet, um das Internet als Leitmedium und um die veränderte Mediennutzung.
In den aktuellen Diskussionen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise werden auch Programme zum Ausbau der Telekommunikationsinfrastrukturen aufgelegt, in den USA wie in Europa. Das ist grundsätzlich absolut begrüssenswert, denn Informations- und Telekommunikationsionfrastrukturen sind in rohstoffarmen Wirtschaften wie der Schweiz oder Deutschalnd essentiell für die zukünftige Entwicklung.
Aber diese Infrastrukturen sind notwendig, aber längst nicht hinreichend! Die Datenautobahn allein reicht nicht, auch nicht viele wunderbare und weniger wunderbare Anwendungen.

Die Problematik einer mangelnden Informations- und Medienkompetenz von Schlülern zeigt der Autor Wolfram Kinzig in seinem F.A.Z. Artikel vom 7. Januar 2009 "
Wer lehrt die Kinder googeln?". Der sehr persönlich geschriebene Artikel zeigt plastisch, woran es heute mangelt. Schüler sind kaum in der Lage, das Internet und seine Anwendungen wie Suchmaschinen oder Wikipedia vernünftig zu nutzen. Offensichtlich - dass ist meine Interpretation - hat man es ihnen auch nicht beigebracht, möglicherweise mangels entsprechend geschulter Lehrkräfte, um es vorsichtig zu formulieren. Aber darüber hinaus fehlt es heute ganz offensichtlich auch um das Wissen und das Bewusstsein im Umgang mit Informationen. 'Im Internet ist doch alles frei verfügbar' scheint die Devise zu sein. Beim wissenschaftlichen Arbeiten im Kontext des Internet und neuer Medien scheinen manchmal alle bisher geltenden Regeln vergessen zu sein. Der Autor leitet aus seinen persönlichen Beobachtungen drei Forderungen ab:
  1. "Es bedarf, erstens, dringend einer Unterrichtseinheit, die den Umgang mit den großen Webportalen, vor allem Suchmaschinen und Internet-Enzyklopädien, behandelt und Fragen thematisiert wie: Woran erkenne ich Websites mit verlässlichen Informationen? Wie unterscheide ich Sinnvolles von Unnützem? Wie und was darf ich zitieren? Was ist geistiges Eigentum? Wann beginnt das Plagiat?"

  2. "Zweitens bräuchten die Schulen Zugang zu den Netzen der großen Universitätsbibliotheken, um es fortgeschrittenen Schülern zu ermöglichen, auf professionelle Datenbanken zurückzugreifen, damit sie nicht der informationellen Unübersichtlichkeit des Internets ausgeliefert sind."

  3. "... müsste es, drittens, zum Unterrichtsstandard gehören, dass bei der Ausgabe von Referaten Listen mit gedruckter Sekundärliteratur und mit geeigneten und geprüften Websites ausgegeben werden."
Dem kann ich mir nur anschliessen!

Die Fachkonferenz '
Lernende Bibliothek 2009' (6.-8. Sept. 2009 in Chur) hat sich dieser Themenstellung angenommen: "Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? - Aktuelle Herausforderungen für die Bibliothek und ihre Partner im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens" . Die Konferenz fragt daher nach

  1. einer genauen Beschreibung des Problems,
  2. nach den Verantwortlichen für die Situation,
  3. nach Lösungsansätzen zur Lösung des Problems und
  4. konkrett nach der Rolle der Bibliothek.



Bildquelle und
©: joujou/ PIXELIO

3. Dezember 2008

Das Internet wird definitiv zum Leitmedium

(blogs.faz.net, 3.12.2008)

Der Netzökonom berichtet von einer Umfrage des europäischen Online-Werbeverbandes EIAA. Ein Ergebnis für Deutschland: Während der Fernsehkonsum stagniert, wächst die Internetnutzung stetig an. Auch in der Altersgruppe der 25 bis 34 Jährigen hat das Internet das Fernsehen nahezu in der Nutzungsdauer überholt. Dabei stieg die Internet Nutzungszeit um 25% gegenüber dem Vorjahr. Weiterhin wird festgestellt, dass das TV zunehmend parallel zu anderen Medien genutzt wird, dass TV wird zum Begleitmedium. Zahlen aus der Schweiz wurden in der Untersuchung leider nicht erhoben.

In einer ebenfalls in diesem Beitrag zitierten Untersuchung von Allensbach wird festgestellt, dass das Internet als Informationsmedium den klassischen Medien den Rang abläuft. Während die klassischen Medien wie Zeitung, TV oder Zeitschriften in der Bedeutung abnehmen, steigt das Internet massiv an. Dies betrifft vor allem die Altersgruppe der 20-29 Jährigen.
Im Grundsatz sind diese Entwicklungen nicht wirklich überraschend; aber sie belegen die Geschwindigkeit, aber auch die Nachhaltigkeit der Veränderungen im Bereich der Medien und Mediennutzung. Unweigerlich kommen einem - neben vielen anderen Fragen - auch die Frage der Informations- und Medienkompetenz in den Sinn. Während die etwas Älteren unter uns mehr oder weniger allmählich an die klassischen Medien wie Zeitung oder TV herangeführt wurden - ich selbst bin mit drei TV Kanälen aufgewachsen, die um werktags ab 17:00 gesendet haben, die Tageszeitung war eine Selbstverständlichkeit -, sind Kinder und Jugendliche dem Internet oft 'ungeschützt' ausgesetzt, da Eltern wie auch Lehrer oft selbst den Umgang mit dem Internet und seiner Möglichkeiten nie gelernt haben und im Wissen um das Internet den Kindern oft hinterher hinken.