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19. September 2016

Die Politik und der digitale Wandel - Error 404

Error 404 im Bundeshaus, so hat Philipp Loser heute im Tagesanzeiger seinen lesenswerten und vor allem nachdenkenswerten Beitrag überschrieben.

404 Not Found - diese Fehlermeldung kennen wir wohl alle. Sie bedeutet, dass eine aufgerufene Webseite auf einem Server nicht vorhanden ist. Aber egal wie mehr oder weniger ansprechend man den Error 404 kommuniziert, die Seite ist nicht vorhanden. So meint es wohl auch Philipp Loser in seinem Beitrag.

Sicher, die Politik tut nicht Nichts. Man scheint sich der Relevanz des Themas durchaus bewusst zu sein, es gibt eine Digitale Strategie und den Dialog "Digitale Schweiz", und es gibt viele einzelne Massnahmen. Aber den Entwurf, das Big Picture, dessen was man unter Informations- oder Wissensgesellschaft verstehen will, wo die Schweiz hier z.B. in 2025 stehen will und was das für uns alle als Konsumenten, Bürger, Arbeitnehmer, Patienten oder Unternehmer bedeutet, das wird viel zu wenig thematisiert.

Philipp Loser stellt in seinem Beitrag ganz zentrale Fragen für eine digitale Schweiz:
"Was bedeutet der digitale Wandel für unsere ­Gesellschaft?
Wie gehen wir mit künstlicher Intelligenz um?
Welchen Einfluss hat die fortschreitende Automatisierung auf den Werkplatz? 
Was bedeutet es für den Nationalstaat, wenn ­private Firmen immer grössere Macht über einen immer grösseren Teil der Menschen haben?"
... und fragt:
"Kann das politische Personal in Bern den digitalen Wandel bewältigen? 
Und weiss es überhaupt, was auf uns zukommt?"
Es braucht einen intensiven öffentlichen Diskurs hierüber; ein Denken jenseits der traditionenllen Denkschemata, die kaum mehr greifen im Zeitalter der Digitalisierung. Und nicht nur in den Feuilletons der Zeitungen oder bei Organisationen wie der Digitalen Gesellschaft.

Ich würde mir wünschen, über die digitale Gesellschaft Schweiz und ihre Gestaltungsoptionen würde ebenso intensiv diskutiert wie über so manchen politischen Dauerbrenner.

Aber da sind wir bei einem zentralen Problem: Min Li Marti nennt in dem Beitrag im Tagesanzeiger verschiedene Gründe, warum Netzpolitik (leider) kein Thema in Bundesbern ist. Einen Grund muss man noch ergänzen: Mit Positionen zur Netzpolitik lassen sich wohl kaum Wahlen entscheiden, da sind Themen wie schwarze SchafeDichtestress oder Masseneinwanderung wesentlich dankbarer.

Philipp Löpfe hat es anlässlich der Battle of Ideas im Rahmen des Digital Festivals vergangenen Freitag in Zürich auf den Punkt gebracht:

Sein neues Buch ist definitv auf meiner Leseliste.

27. Juli 2016

Informations- und Medienkompetenz: eine Schlüsselqualifikation - auch und besonders für Nationalräte

Informationskompetenz und Medienkompetenz sind zwei zentrale Kompetenzen der Informationsgesellschaft, eine Schlüsselqualifikation.

Die Informationskompetenz beschreibt die Fähigkeit "mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen". Für den Nutzer "gelten daher als grundlegende Prinzipien der ethische und verantwortungsbewusste sowie der ökonomische, effiziente und effektive Umgang mit Information(en)".

Ein Aspekt ist die Bewertung von Informationen bzw. Informationsquellen. Auch unsere Studierenden lernen im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens u.a. wie sie die Qualität der diversen Quellen für ihre Arbeit bewerten können. Jeder, der Informationen nutzt, sollte, bevor er sie weiterverbreitet oder weiterverarbeitet, sich über die Qualität der Informationen und notabene der Quelle bewusst sein. Vor allem erwarte ich das von Personen, die qua Profession mit Informationen arbeiten und Menschen beeeinflussen {wollen|können|sollen}, also z.B. Journalisten, Finanzdienstleister, Wissenschaftler und natürlich Politiker. Sicher, auch Politiker sind keine Übermenschen, aber an sie habe ich besonders hohe Erwartungen bezüglich des Umgangs mit Informationen. Wie ein gewählter Volksvertreter diese Grundsätze beachtet hat, oder auch nicht, hat sich gestern Abend auf Twitter gezeigt.

Ein Vieltwitterer postet folgenden Tweet:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Immerhin 32 Retweets. Und zwei spontane Reaktionen, von @MarcelBaur und mir.

Die hier verbreitete Nachricht stammt aus einer Quelle, die nach kurzem Hinsehen mehr als zweifelhaft ist. Ein bekanntes Publikationsorgan scheint die Website nicht zu sein, jedenfalls nicht für mich. Von der Impressumspflicht haben die Betreiber der Website noch nicht gehört, nirgends ein namentlich Verantwortlicher oder eine Adresse. Die Redaktion sitzt nach eigenen Angaben in "Kolotschau/Kalocsa, Ungarn", das liegt etwa 100km südlich von Budapest.

Die Whois-Abfrage ergibt, dass die Domain in Russland registriert ist, als Kontakt lediglich eine Postfachadresse, kein Name.

Der Beitrag selbst, der hier verbreitet wurde, wurde (angeblich) auf der Website von Nouvelles de France zuerst publiziert, in französisch. Auch hier habe ich kein Impressum o.ä, entdeckt. Im Whois-Eintrag findet man als Kontakt den Namen Ano Nymous.

Egal wie perfekt die Nachricht auf solch einer Website in mein Weltbild passt, ich würde sie nicht weiterverbreiten, zu gross wären die Zweifel an der Seriosität der Quelle.

Nachdem also der Vieltwitterer offenbar selbst gemerkt hat, dass das vielleicht nicht die seriöseste Quelle war, legt er nach, addressiert an Marcel und mich:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Meine Reaktion blieb nicht aus: Das Berlin Journal ist ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Das Medium hat seinen Sitz in den USA, genauer gesagt in Lewes, Delaware. Auf Google Street View kann man sich den schmucken Firmensitz auch ansehen. Die angegebene Adresse ist der Sitz der Firma Harvard Business Services, Inc. mit der vielsagenden Webadresse delawareinc.com. Also eine typische Briefkastenfirma, vermute ich. In den Panama Papieren erscheint diese Adresse ebenfalls.

Im Whois-Eintrag der Domain ist als Kontakt ein Durty Harry angegeben.

Chefredaktuer ist ein Bodo Hering. Sucht man nach dem Chefredakteur im Web, findet man im Prinzip nichts, ausser einer Website mit einer Geschichte, die man leicht als Verschwöhrungstheorie einordnen könnte und der ich nicht über den Weg traue: Angeblich ist der Name des Chefredakteurs einer von mindestens zwei Fantasienamen eines ehemaligen Redakteurs der B.Z., der in Oranienburg leben soll und gegen den wegen Betrugs ermittelt wird/ wurde, und der Beziehungen haben soll zu einer zwielichtigen Gestalt aus Berlin, die Firmen um ihr Geld bringt in nicht ganz legaler Weise. Und: Angeblich beobachtet der deutsche Verfassungsschutz das Berlin Journal (oder hat beobachtet).
Von einem Journalisten, der sich als Chefredakteur einer Onlinepublikation ausgibt, sollten doch eigentlich ein paar mehr Informationen im Netz zu finden sein - allein dass das nicht so ist, würde mich schon stutzig machen.

Alles das kann man innerhalbt weniger Minuten über eine Quelle herausfinden, sollte man Zweifel an ihrer Seriosität haben - das Aufschreiben hat ein Vielfachen an Zeit gekostet (aber die war es mir wert).

Jeder urteile selbst, ob er solche Quellen weiterverbreiten würde.

Von einem Nationalrat erwarte ich, dass er seine Quellen seriös anschaut und nicht weiterverbreitet, nur weil sie gerade schön ins eigene Weltbild passen.


PS. Ich habe bewusst auf Links verzichtet, da ich diesen windigen Websites eigentlich keine weiteren Traffic bescheren möchte.

Bildquelle: flickr.com/mellyjean (CC Lizenz) 

9. August 2015

Social Media im Wahlkampf

Am 18. Oktober sind Nationalratswahlen – aber auch im Jahr 2015 ist der Einsatz von Social Media im Wahlkampf längst noch keine Selbstverständlichkeit. Mich selbst hat das Thema Online- und Social Media in der politischen Kommunikation und insbesondere im Wahlkampf immer wieder beschäftigt; aus meiner - eher subjektiven - Brille habe ich verschiedentlich Social Media Aktivitäten von Kandidierenden im Wahlkampf beobachtet und kommentiert.

Auf ihrem Blog hat Marie-Christine Schindler im März diesen Jahres verschiedene Arten der Social Media Nutzung im Wahlkampf dokumentiert, ebenfalls basierend auf ihren Beobachtungen einer Veranstaltung, bei der es um dieses Thema ging. 

Zu den bevorstehenden Nationalratswahlen haben wir in St. Gallen einen Social Media Snack organisiert zum Thema Social Media und Wahlkampf. Drei Kandidierende von drei Parteien, die bisher nicht im Nationalrat vertreten sind, kandidieren für einen Sitz im Nationalrat. Vier Wochen vor der Wahl, am 17.9.,  werden sie von ihren bisherigen Erfahrungen aus einer persönlichen Sicht berichten - wir können sehr gespannt sein. 

Aufgrund meines Interesses an dem Thema und der Online- bzw. Social Media - Kommunikation im Allgemeinen ist mir natürlich eine ganz spezielle Kampagne nicht entgangen. 

Seit einigen Tagen sieht man in St. Gallen ein Plakat, das auf orangen Hintergrund lediglich die Worte Wo ist Beda? sowie einen QR Code zeigt. Zuerst dachte ich an eine Werbekampagne, die mich als Konsumenten neugierig machen soll; und ich fing an zu grübeln, welche Marke, welches Produkt, welcher Hersteller denn vor einem möglichen (Re-) Launch stehen könnte. Habe ich eine Ankündigung verpasst?


Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)
Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)



Scannt man den QR Code ein, kommt man auf eine Webseite, die auch nicht viel mehr zeigt. 

Screenshot woistbeda.ch (8.8.2015)

Erst nach ein Gespräch mit einem Studierenden, der sich in seiner Masterarbeit ebenfalls mit dem Thema Social Media und Wahlen beschäftigen wird, konkretisierte sich der Gedanke, dass es sich um eine politische Kampagne im Zusammenhang mit den Nationalratswahlen 2015 handeln könnte - aber eine Bestätigung gibt es bisher nicht. Auch die Googlesuche nach "Wo ist Beda" führt bis heute zu keinem relevanten Treffer.

Suche nach "wo ist beda"
bei google.ch am 9.8.15

Die Kombination der Farbgebung und des Namens lassen eine bestimmte Vermutung zu. Aber wie auf der Webseite zu lesen ist: wir erfahren es in Kürze ... nun denn. 

Mein Zwischenfazit zu dieser Kampagne:
  • Das Plakat hat meine Aufmerksamkeit erhalten - wahrscheinlich aber nur aus professioneller Neugier heraus.
  • Eine politische Kampagne habe ich nicht dahinter vermutet. 
  • Mit etwas Neugier, Kenntniss und Geschick lässt sich zumindest eine Vermutung anstellen, was die Kampagne will und er dahinter stecken könnte. 
  • Die Kampagne ist sicherlich in ihrer Art kreativer als viele andere (politische) Kampagnen. 
  • Die Gestaltung der Kampagne bisher (8.9.2015) erscheint mir aber zu abstrakt, als dass sie beim Wähler bzw. Konsumenten genügend Aufmerksamkeit generiert. 
  • Meine Vermutung ist, dass sehr wenige Leute den QR Code gescannt haben.
  • Wer den QR Code scannt, ist durchaus enttäuscht, denn er erfährt Online nur unwesentlich mehr als beim Lesen des Plakats. 
  • Ob die Kampagne ein Erfolg oder eher ein Rohrkrepierer wird, werden wir sehen. 

Update 10.8.2015, 08:00
Inzwischen wurde das Geheimnis um Beda gelüftet. Heute morgen, pünktlich zum Ende der Schulferien, begrüsst uns ein eher typisches Wahlplakat:

Plakat am stgaller Bahnhof
(10.8.2015)
Und wiederum ist ein QR Code aufgedruckt; er führt zur Website beda-mit-sicherheit.ch:

Screenshot beda-mit-sicherheit.ch
(10.8.2015)

Dort sind links zu finden auf die zugehörige Facebook Seite sowie zum Twitter Account @bedasartory.

Die Website woistbeda.ch ist nach wie vor unverändert aktiv.

Ob sich diese Kampagne Online- wie Offline noch weiter entwickelt? Wir werden sehen.




9. Juli 2013

Diskussion zur Jugendbeteiligung am IBK Jugenddialog

(http://www.bodenseekonferenz.org)
Am vergangenen Freitag, 6. Juli 2013, fand in Lindau der IBK Jugenddialog statt.

Als Vertreter des Projekts eSociety Bodensee 2020 hatte ich die Chance als Beobachter daran teilzunehmen.

Seitens der Politik waren u.a. anwesend die Minister und Regierungsräte Beate Merk (Bayern), Gisela Erler (Baden-Württemberg), Claudius Graf-Schelling (TG), Adrian Hasler (FL), Stefan Suter (AI), Ernst Stocker (ZH), Elmar Stegmann (Lkr. Lindau).

Die teilnehmenden  Jugendlichen konnten sich für den Anlass bewerben; notabene waren vor allem diejenigen Jugendlichen anwesend, die sich auch sonst engagieren, z.B. in Jugendparlamenten.

Eröffnung des IBK Jugenddialogs durch Ministerin Merk

Eines der Themen, dass zwischen Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren diskutiert wurde, war Jugendbeteiligung. Während einer Stunde diskutierten ca. 10 Jugendliche mit Staatsrätin Gisela Erler (Wikipedia) zum Thema.
Staatsrätin Gisela Erler im Gespräch mit Jugendlichen

Einige persönliche Wahrnehmungen aus der Diskussion (die natürlich Momentaufnahmen darstellen):

Insbesondere von den deutschen Schülern in der Gruppe wurde bemängelt, dass in den Schulen zu wenig informiert werde. Der Prozess des demokratischen Diskurses wird nicht wirklich geübt.

Eine Jugendliche sagte: "Ich traue mich nicht abzustimmen, weil ich mich nicht informiert fühle".

Ein Schweizer Schüler berichtete dagegen, dass die Themen der vierteljährlichen Volksabstimmungen auch im Unterricht behandelt werden, wenn auch nicht allumfassend.

Für die Jugendlichen ist wichtig, dass sie einen Bezug zu den Themen haben, zu denen sie mitreden sollen bzw. wollen. Dies beginnt bereits in der Schule, wo es z.B. um die Aufstellung von Getränkeautomaten geht. Aber es geht auch genauso um Themen mit globaler Reichweite, wie z.B. Natur- oder Umweltschutz.

Deutlich wurde auch, dass Jugendliche erwarten, dass ihre Meinungen und ggf. Entscheidungen auch ernst genommen werden. Und wenn Entscheidungsprozesse dann ein oder zwei Jahre dauern und kaum etwas voran geht -wie in einem Beispiel einer deutschen Schülerin dargestellt -, dann ist das nicht die Erwartung, die Jugendliche haben.

Deutlich wurde auch die unterschiedliche Wahrnehmung von Politik: Frau Erler zielte mit ihren Fragen und Antworten immer wieder auch auf die Institutionen der Politik wie z.B. Parteien. Die Jugendlichen dagegen wollen sich vor allem mit den sachlichen Themen beschäftigen, Parteipolitik schien für sie keine Rolle zu spielen.

Hier sehe ich durchaus eine wichtige und grundsätzliche Entwicklung: Beteiligung findet zu Sachthemen statt und wird nicht primär durch politische Institutionen und Strukturen abgebildet. Wenn Jugendliche sich also nicht (mehr) in Parteien organisieren (wollen), dann heisst das nicht notwendigerweise, dass sie nicht politisch interessiert sind.
Es stellt sich dann aber u.a. die Frage, wie dass durch Parteien dominierte parlamentarische System zukünftig geeignet ist, die Gesellschaft in allen ihren Facetten abzubilden und Entscheidungen für die Gesellschaft zu treffen. Alternative Formen der Partiziption - jenseits der Wahlen - spielen also für die demokratische Entwicklung unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle - Stichwort offene gesellschaftliche Innovation.  Die Schweiz mit ihrer Tradition der direkten Demokratie ist hier deutlich weiter entwickelt als andere Länder, wie auch die Diskussionen am IBK Jugenddialog gezeigt haben.

Und wenn man die Herkunft des Begriffs Politik anschaut, liegen die Jugendlichen hier durchaus näher am Kern: Politik verstanden als Begriff für diejenigen Tätigkeiten, Gegenstände und Fragestellungen, die das Gemeinwesen betreffen. Trotzdem sagte ein Schweizer Schüler, das man Politik spannender machen müsse.

Und für Schüler und Jugendliche sind nun einmal die Frage der Eintrittspreise für das Freibad der Gemeinde ein wichtiges Anliegen, das mit Parteipolitik nichts zu tun hat - dies war nur eines der Beispiele, die von den Jugendlichen genannt wurden.

... und auch dies wurde gesagt:

Und erstaunlich war durchaus auch dies:
Nicht einmal umschreibend wurden von den Jugendlichen Social Media, Internet oder Facebook erwähnt - und Frau Erler hat auch nicht danach gefragt. Lediglich Frau Erler erwähnte einmal, dass sie Opfer eines Shitstorms geworden sein, aber auch dies ohne weitere Nachfragen oder Diskussionen.

Positiv wurden von den Jugendlichen bewertet, dass sie ganz normal mit den Politikern reden konnten, die in der Tat erstaunlich locker drauf waren am IBK Jugenddialog.

Medienmeldungen zum Event gibt es u.a. bei schwaebische.de und regierung.li; Pressemitteilung der IBK.

Photoalbum und Video zum Jugenddialog (ergänzt 15.7.13)


Gruppenphoto der Teilnhemer am IBK Jugenddialog

17. Oktober 2011

Social Media Einsatz im Wahlkampf 2011 - kaum überzeugend


In einer Woche sind die National- und Ständeratswahlen bereits entschieden. Eine Woche davor – die heisse Schlussphase des Wahlkampfes. Tatsächlich auch auf allen Kanälen?

Social Media und Politik – das müsste eigentlich eine Liebesheirat sein! Im Grunde müsste es doch ein Bedürfnis der von uns gewählten und die uns vertretenden Politiker sein, möglichst regelmässig einen Dialog mit dem Wahlvolk zu führen. Erst recht gilt dies, so könnte man meinen, für Kandidaten, die gewählt werden wollen.

Dazu wären auf den Dialog ausgerichtete Social Media prädestiniert – aber trotzdem ist auch im aktuellen Wahlkampf die Nutzung von Social Media durch Kandidaten kaum wirklich spürbar.
Zu diesem Thema hatte ich kürzlich Gelegenheit im DRSRegionaljournal Ostschweiz einige Gedanken zu diskutieren (link zur Sendung).

Aber woran liegt es, dass auch im Jahr 2011 Social Media eher links liegen gelassen und fast, so könnte man den Eindruck haben, als lästig empfunden werden?

25. Februar 2011

Causa Guttenberg - es gibt nur Verlierer

Zum Wochenausklang habe ich mich entschlossen - auch wenn schon vieles von so vielen gesagt wurde - meine Gedanken - eben meine two cents -  zur Causa Guttenberg, die mir durch den Kopf gehen, subjektiv und als Nicht-Jurist, aber als jemand, der seit fast 20 Jahren im internationalen Wissenschaftsbetrieb tätig ist, aufzuschreiben.

Zwei Aspekte beschäftigen mich dabei: 1. Die politische (Un-) Kultur und 2. die Rolle der Gutachter bzw. der Uni Bayreuth.

In meinem Beitrag vom 17. Feb. hatte ich die leise Hoffnung, dass nun endlich eine sachliche Diskussion in der breiten Öffentlichkeit über Themen wie den Diebstahl geistigen Eigentums und dem Urheberrecht im digitalen Zeitalter stattfindet. Weit gefehlt (... wie insgeheim befürchtet).

3. Februar 2011

Studie: Wie deutsche Abgeordnete Facebook nutzen - oder eben nicht

Deutsche Abgeordnete: Offline Facebook
Nationalratswahlen in der Schweiz, Superwahljahr in Deutschland - da könnte man meinen, dass im Jahr 2011 die Nutzung von Social Media auch in der Politik etwas Normales sein sollte.
Weit gefehlt - wie jetzt eine Bachelorarbeit von Linette Heimrich an der TU Ilmenau bei Prof. Schweiger ans Licht brachte
(vgl. zum Thema auch hier und hier in diesem Blog).

Untersucht wurde die Facebook-Kommunikation von Bundes- und Landtagsabgeordneten. Klares Ergebnis:

"Die Wähleransprache über soziale Netzwerke ist bisher die Ausnahme. Nur ein kleiner Teil der Politiker kommuniziert aktiv mit seinen Anhängern in Facebook." (Quelle)

Gerade einmal 23% der Bundestagsabgeordneten haben ein offizielles Facebook-Profil. In den untersuchten Landtagen sieht es noch düsterer aus: So haben in Schleswig-Holstein nur 6% der Abgeordneten ein Account auf Facebook.

1. Februar 2011

Gibt es eine Social Media Revolution? #egypt

Immer wieder wird in diesem Tagen davon gesprochen und geschrieben, dass Social Media die Revolutionen in Nordafrika auslösen.
Stürzen Twitter, Facebook und Mobiltelefone Mubarak?“ schrieb gestern die Basler Zeitung.

Die Antwort ist klar wie einfach: Nein!

Wenn jemand in diesem Tagen jemanden stürzt oder ein Regime zum einstürzen bringt, dann sind es Menschen, die nach Freiheit verlangen. Und um sich zu informieren, zu artikulieren, zu organisieren, zu koordinieren und um ihre Botschaften in die Welt hinauszutragen nutzen sie Medien jeder Art – das taten schon Revolutionäre vor ihnen so. Und heute eben auch elektronische Medien und insbesondere Social Media.

24. April 2009

Von Bürgern und Staaten und ihren wechselseitigen Beziehungen in Ost und West

Bürger stehen zu ihren Staaten, in den denen sie leben, in einer bestimmten Beziehung, als Gesellschaften übernehmen sie bestimmte Rollen, geprägt u.a. durch die historischen Entwicklungen eines Landes sowie den in den Gesellschaften verwurzelten Menschenbildern und dem entsprechenden Verständnis für die Rolle des Staates un der Bürger.

In gleich zwei Artikeln beschäftigt sich die NZZ vom 23. April 2009 mit dieser Themenstellung im Angesicht der aktuellen Krisen:


Der Berliner Korrespondent der NZZ, Ulrich Schmid, berichtet im Artikel auf der Seite 7 "
Vom erodierenden Reiz der Folgsamkeit in Deutschland - Die Schweiz als Objekt linken Unmuts und bürgerlicher Träume von Selbstverantwortung und Eigenständigkeit" (es ist die gekürzte Fassung eines Vortrages) von den Befindlichkeiten der deutschen Volksseele, ihren 'Dogmen' und stellt dies der Schweizerischen Gesellschaft gegenüber. Dieser Artikel ist vor allem auch durch die aktuellen politischen Diskussionen zwischen beiden Ländern geprägt und thematisiert in diesem Zusammenhang auch die aktuelle Wirtschaftskrise einschliesslich der Diskussion um hohe Managergehälter.
"Hat man sich nicht eben noch lautstark über Menschen beklagt, deren Lohn in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung stand? Auch ich gehöre zu denen, die finden, eine Entkoppelung von Leistung und Lohn sei unanständig und frivol – immer, nicht nur im Falle der Börsianer und Banker. Im deutschen Sozialstaat allerdings gilt diese Überzeugung nichts. Bedürftige haben viele Rechte, aber kaum Pflichten; wer Leistung von ihnen verlangt, setzt sich dem Verdacht aus, er sei ein rechter Hardliner."
Und zum Hang der Deutschen zur perfekten Regulierung aller Lebenslagen schreibt der Autor:
"Zu viele ahnen, dass Überregulierung im Namen von Gerechtigkeit nicht nur die Demokratie, sondern auch den Wohlstand erwürgt und dass die Finanzkrise an diesen Grundsätzen nicht einmal schwach gerüttelt hat."
Und zur 'Indianer - Kavallerie' - Diskussion zwischen Deutschland und der Schweiz:
"Die Entwicklung der Reaktionen in Deutschland ist durchaus symptomatisch für den Zustand des Landes. Und damit wären wir wieder beim Thema der Folgsamkeit. Denn machen wir uns nichts vor: Nach den Verbalattacken Steinbrücks herrschte Genugtuung in Deutschland, und zwar in fast allen Lagern. Geschuldet ist dies in erster Linie wieder der Überzeugung, nur eine sehr soziale Gesellschaft sei eine gute Gesellschaft. Der Begriff «Gerechtigkeit» wird fast ausschliesslich zielorientiert diskutiert – wie stelle ich Gerechtigkeit her? Was grundsätzlich gerecht ist, was das Wesen der Gerechtigkeit ausmacht, das steht nicht mehr zur Debatte."
Und weiter:
"Woher dieser wohltuende Widerspruch? Meine These: Aus einem tiefsitzenden Gefühl des Respekts für die direkte Demokratie. Sowenig die Deutschen über Schweizer Politik wissen mögen: Dass wir pausenlos abstimmen, das wissen sie. Sie wissen auch, dass sie das selber nicht tun. Sie wissen, dass unser politisches System auf einem grossen Mass regionaler Eigenständigkeit und auf der Eigenverantwortung des Bürgers basiert – das ihre nicht."
Im Artikel "Asien und der verlorene Glauben an die Überlegenheit des Westens Rechtfertigen von Staatsgläubigkeit und «asiatischen Modellen» im Zuge der Finanzkrise" von Manfred Rist im Teil 'Fokus der Wirtschaft' (S. 27) wird u.a. die Renaissance der Staatsgläubigkeit in Asien und das damit zusammenhängende Verhältnis zum Westen thematisiert. Es geht um die Asienkrise, die Hinwendung vieler asiatischer Länder hin zum Westen:
"Nach der Asienkrise, als der Westen höchstes Ansehen genoss, musste man beinahe zwingend an amerikanischen oder britischen Universitäten studieren, und die meisten wollten bei internationalen Unternehmen Karriere machen; man vertraute westlichen Finanzgurus und legte sich gar ausländische Akzente zu. Ob Köche oder Designer, was aus dem Westen Eingeflogene hervorbrachten, war zum Vorneherein spezieller, authentischer, teurer (und deshalb besser) als Lokales, und blindlings vertraute man natürlich auf Marken und Logos."
Basierend auf dieser starken Orientierung am Westen ist die Ursachenforschung zur aktuellen Krise einfach:
"In einem Befund ist man sich deshalb rasch einig: Die Krise ist nicht (wie damals) hausgemacht, ihr Epizentrum liegt vielmehr im Westen. [...] Dass man etwa in den westlichen Hauptstädten nun ordnungspolitisch einiges über Bord wirft, dürfte hier und dort gar Genugtuung auslösen. Der ordnenden unsichtbaren Hand des Marktes vertraute man in diesen Breitengraden ja nie ganz.[...] Dass nun der Staat als Rückzugsgebiet und Hort der Stabilität gesehen wird, der es schon richten wird, ist aus dieser Perspektive naheliegend. [...] Über allem steht der tief in den meisten asiatischen Gesellschaften verwurzelte Hang zu Ordnung und Kontrolle. Ferner zu tradierten Prinzipien wie Gemeinschafts- und Sparsinn sowie Unterordnung und Autoritätsglaube – Faktoren, die stärker sind als Ideologien. Da haben ausgeklügelte Derivate, deregulierte Märkte, die Zelebrierung des individuellen Erfolgs oder westliche Freiheiten ganz allgemein wenig Platz."

Bildquelle: Flickr.com/Wolfgang Wildner