Seiten

Posts mit dem Label #WahlCH15 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label #WahlCH15 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2. Oktober 2015

Wahlvideos im Kurzcheck

Beim regionalen Ostschweizer TV Sender TVO hatte ich gestern die Gelegenheit mich im Interview  zu einigen Wahlviedeos äussern zu dürfen. Der Beitrag ist hier Online verfügbar.

Nachdem die Videos nur in kurzen Ausschnitten zu sehen waren, möchte ich an dieser Stelle die kompletten Videos vorstellen und kurz zusammenfassen.

Dass Video der Welcome to SVP (ca. 658'500 Aufrufe bis heute) wurde bereits breit in den Medien diskutiert. Aus meiner Sicht schiesst dieses Video über das Ziel hinaus - sofern man das Ziel verfolgt, Wähler zu gewinnen. Das Video ist hoch professionell produziert und wird richtigerweise auch als Musikvideo bezeichnet. Sicherlich kann man mit dem Video die eigenen Anhänger motivieren und mobilisieren; ob sich unentschlossene Wähler dadurch überzeugen lassen, ist fraglich. Denn die politischen Aussagen im Video sind praktisch nicht vorhanden. Das Video wird auf der Website der Partei und darüber hinaus entsprechend beworben.

Das Video 08.06 Egger Mike  (ca. 8300 Aufrufe bis heute) versucht ebenfalls mit Musik die Wähler zu erreichen. Ungeschickt ist, nur dass der unbedarfte Zuseher bis zum Schluss nicht erfährt, wer Mike Egger, der besingen wird, eigentlich ist, für welche Partei er kandidiert. Und man erfährt im mit knapp vier Minuten recht langen Video auch nicht, wer da eigentlich singt - vielleicht doch der Kandidat selbst? -, wer die Statisten, die sich zum Teil etwas hilflos bewegen, sind. Die politischen Aussagen sind eher plakativ, bedienen Klischees. Dass rechts im Video ein Papierkorb teilweise eingeblendet ist, ist dann eher eine Nebensächlichkeit. Und das Video selbst ist nicht wirklich in ein Gesamtkonzept eingebettet.

Im Video Linus Thalmann: Der St. Galler Unternehmer für Bern! (ca. 3920 Aufrufe bis heute) präsentiert sich der Kandidat in seiner beruflichen Umgebung mit einer klaren Botschaft. Das Video ist erfrischend kurz (0:43). Die Inszenierung in der Küche - "mehr Pfeffer", "gut bürgerlich" - ist durchaus eine nette Idee. Die im Video transportierte Botschaft findet sich auch in den sonstigen Online-Auftritten des Kandidaten, und vermutlich auch bei den sonstigen Werbemitteln.

Das abschliessende Video EVP Thurgau Nationalratswahlen 2015 (ca. 1025 Aufrufe bis heute) kann man durchaus als Scherz auffassen. Oder ist es wirklich ein Wahlvideo einer Partei? Ja, tatsächlich. In 23 Sekunden versuchen die Kandidierenden ihre Botschaft zu kommunizieren, allerdings misslingt das total. Die Inszenierung mit einer Tür macht nicht wirklich Sinn, darüber hinaus lenkt sie ab von den wenigen inhaltlichen Botschaften. Die Botschaften selbst finden sich in der durchaus prägnanten Form nicht in Medien. Und das äusserst sommerliche Outfit der Protagonisten wirkt auf mich nicht wirklich vertrauensbildend. Von Kandidierenden, die ernsthaft ins nationale Parlament gewählt werden wollen, erwarte ich durchaus ein Mindestmass an Kleiderordnung, auch im Hochsommer.

Braucht es überhaupt Videos für den Wahlkampf? Ja und Nein.

Warum Ja?
Wer sich wirklich aus einer inneren Überzeugung für ein Video entscheidet, dazu noch eine klare Botschaft für seine Zielgruppe hat, die ins Gesamtkonzept des eigenen Wahlkampfes passt,  und dazu eine zündende Idee für die Inszenierung hat, welche die Botschaft hervorhebt und nicht den Zuschauer wegen anderer Effekte davon ablenkt oder gar zum lachen bringt, der sollte es wagen, ein potentieller Youtube-Star zu werden. Aber nur, wenn er oder ein Mitstreiter auch das Handwerk einer Videoproduktion einigermassen im Griff haben.

Warum Nein?
Wenn nur eine dieser Voraussetzungen nicht vorhanden ist, sollte man es lieber bleiben lassen und sich auf andere Medien konzentrieren bzw. erst einmal seine Hausaufgaben machen.

Apropos Zielgruppe:
Dei eigenen Anhänger zu motivieren und zu mobilisieren, ist sicher eine legitime Motivation für den Wahlkampf an sich. Videos wie auch andere On- wie Offline Medien können helfen, den Wiedererkennungswert zu steigern. Darüber hinaus möchten Kandidierende aber auch unentschlossene Wähler bzw. Wähler anderer Parteien für sich gewinnen.

Immer wieder wird betont, dass Youtube-Filme ebenso wie der Einsatz anderer sozialer Medien zur Ansprache junger Wähler dienen soll. In der Tat, schaut man sich an wie junge Mensche sich heute informieren und dies auf den Wahlkampf überträgt, ist es dringend anzuraten Online- und Social Media aktiv zu nutzen.

Gemäss der aktuellen Studie Jugendbarometer 2015 informieren sich Jugendliche zwischen 16 und 25 aus folgenden Quellen: 22% Internet: Newsseiten/ Zeitungsseiten, 21% via News-Apps auf dem Smartphone, 6% via Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien, sowie 22% aus Gratiszeitungen. TV (8%) und Radio (11%) sind dagegen deutlich im Hintertreffen als Informationsquellen, ebenso die bezahlten Tageszeitungen (5%). (Quelle: Jugendbarometer 2015, 41) Andere Studien kommen zu ähnlichen Aussagen.

Hier gilt also der klare Leitsatz Meet the people where they are and not where you want them to be.

Soziale Medien sollten also durchaus zum Repertoire im Wahlkampfmix dazu gehören - aber nicht verordnet, sondern gelebt! Authentisch eben.


Passend zum Thema: Social Media und Wahlkampf - Nachlese zum 16. Social Media Snack




30. September 2015

Social Media und Wahlkampf - Nachlese zum 16. Social Media Snack

Social Media und Wahlkampf, so lautete das Thema des 16. Social Media Snacks am 17. September 2015 in St. Gallen. Für einmal mehr trafen einen Monat vor den Wahlen drei Politiker aufeinander, die allesamt für einen Sitz im Nationalrat kandidieren – aber diesmal nicht um über Politik zu diskutieren, sondern über Social Media.

Die drei Kandidierenden präsentierten aus einer persönlichen Perspektive, welche Social Media Kanäle sie wie und warum für ihren Wahlkampf nutzen. Auch kritische Töne kamen nicht zu kurz.

Drüben bei socialmediasnck.ch habe ich die drei Beiträge zusammengefasst. 

Mein Fazit: Alle drei Kandidierenden setzen Social Media durchaus überlegt und durchdacht ein, für alle drei sind Social Media – mit unterschiedlicher Gewichtung -Teil eines gesamthaften Mix verschiedener Kanäle, und alle drei legen Wert auf Authentizität.



9. August 2015

Social Media im Wahlkampf

Am 18. Oktober sind Nationalratswahlen – aber auch im Jahr 2015 ist der Einsatz von Social Media im Wahlkampf längst noch keine Selbstverständlichkeit. Mich selbst hat das Thema Online- und Social Media in der politischen Kommunikation und insbesondere im Wahlkampf immer wieder beschäftigt; aus meiner - eher subjektiven - Brille habe ich verschiedentlich Social Media Aktivitäten von Kandidierenden im Wahlkampf beobachtet und kommentiert.

Auf ihrem Blog hat Marie-Christine Schindler im März diesen Jahres verschiedene Arten der Social Media Nutzung im Wahlkampf dokumentiert, ebenfalls basierend auf ihren Beobachtungen einer Veranstaltung, bei der es um dieses Thema ging. 

Zu den bevorstehenden Nationalratswahlen haben wir in St. Gallen einen Social Media Snack organisiert zum Thema Social Media und Wahlkampf. Drei Kandidierende von drei Parteien, die bisher nicht im Nationalrat vertreten sind, kandidieren für einen Sitz im Nationalrat. Vier Wochen vor der Wahl, am 17.9.,  werden sie von ihren bisherigen Erfahrungen aus einer persönlichen Sicht berichten - wir können sehr gespannt sein. 

Aufgrund meines Interesses an dem Thema und der Online- bzw. Social Media - Kommunikation im Allgemeinen ist mir natürlich eine ganz spezielle Kampagne nicht entgangen. 

Seit einigen Tagen sieht man in St. Gallen ein Plakat, das auf orangen Hintergrund lediglich die Worte Wo ist Beda? sowie einen QR Code zeigt. Zuerst dachte ich an eine Werbekampagne, die mich als Konsumenten neugierig machen soll; und ich fing an zu grübeln, welche Marke, welches Produkt, welcher Hersteller denn vor einem möglichen (Re-) Launch stehen könnte. Habe ich eine Ankündigung verpasst?


Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)
Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)



Scannt man den QR Code ein, kommt man auf eine Webseite, die auch nicht viel mehr zeigt. 

Screenshot woistbeda.ch (8.8.2015)

Erst nach ein Gespräch mit einem Studierenden, der sich in seiner Masterarbeit ebenfalls mit dem Thema Social Media und Wahlen beschäftigen wird, konkretisierte sich der Gedanke, dass es sich um eine politische Kampagne im Zusammenhang mit den Nationalratswahlen 2015 handeln könnte - aber eine Bestätigung gibt es bisher nicht. Auch die Googlesuche nach "Wo ist Beda" führt bis heute zu keinem relevanten Treffer.

Suche nach "wo ist beda"
bei google.ch am 9.8.15

Die Kombination der Farbgebung und des Namens lassen eine bestimmte Vermutung zu. Aber wie auf der Webseite zu lesen ist: wir erfahren es in Kürze ... nun denn. 

Mein Zwischenfazit zu dieser Kampagne:
  • Das Plakat hat meine Aufmerksamkeit erhalten - wahrscheinlich aber nur aus professioneller Neugier heraus.
  • Eine politische Kampagne habe ich nicht dahinter vermutet. 
  • Mit etwas Neugier, Kenntniss und Geschick lässt sich zumindest eine Vermutung anstellen, was die Kampagne will und er dahinter stecken könnte. 
  • Die Kampagne ist sicherlich in ihrer Art kreativer als viele andere (politische) Kampagnen. 
  • Die Gestaltung der Kampagne bisher (8.9.2015) erscheint mir aber zu abstrakt, als dass sie beim Wähler bzw. Konsumenten genügend Aufmerksamkeit generiert. 
  • Meine Vermutung ist, dass sehr wenige Leute den QR Code gescannt haben.
  • Wer den QR Code scannt, ist durchaus enttäuscht, denn er erfährt Online nur unwesentlich mehr als beim Lesen des Plakats. 
  • Ob die Kampagne ein Erfolg oder eher ein Rohrkrepierer wird, werden wir sehen. 

Update 10.8.2015, 08:00
Inzwischen wurde das Geheimnis um Beda gelüftet. Heute morgen, pünktlich zum Ende der Schulferien, begrüsst uns ein eher typisches Wahlplakat:

Plakat am stgaller Bahnhof
(10.8.2015)
Und wiederum ist ein QR Code aufgedruckt; er führt zur Website beda-mit-sicherheit.ch:

Screenshot beda-mit-sicherheit.ch
(10.8.2015)

Dort sind links zu finden auf die zugehörige Facebook Seite sowie zum Twitter Account @bedasartory.

Die Website woistbeda.ch ist nach wie vor unverändert aktiv.

Ob sich diese Kampagne Online- wie Offline noch weiter entwickelt? Wir werden sehen.