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9. September 2009

Ein persönliches Fazit zur Lernenden Bibliothek 2009

Die Lernende Bibliothek 2009 ist vorbei, und es ist Zeit für ein ganz persönliches Feedback.

Was nehme ich mit?

Zunächst einmal, dass es äusserst aufwändig ist eine solche Tagung zu organisieren. Aber wenn alles so perfekt funktioniert wie in den letzten drei Tagen, dann lohnt der Aufwand sicher! Das gesamte Team des
Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft hat dazu beigetragen, herzlichen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen!

Was noch?

Nun, in einer Art Selbstversuch habe ich während der gesamten Tagung quasi
live gebloggt und getwittert; auch das ist anstrengend, verlangt Konzentration und natürlich Präsenz.

Und noch etwas?

Da sind dann noch die inhaltlichen
take aways und lessons learned. Vorträge, Diskussionen und Gespräche lassen einen Neues erfahren und stossen zum Nachdenken an.

Klar geworden ist, dass das Thema Plagiarismus von niemanden verneint oder verniedlicht wird – aber das lag wohl auch daran, dass sicher nur diejenigen zur Tagung kamen, die diese Sichtweise teilen.


Wie gross das Problem Plagiarismus ist, wurde meist nur am Rande diskutiert; viele sagten, dass die Zahl von ein Drittel plagiierter Arbeiten wohl eher zu hoch sei, aber verlässliche Zahlen gab es nicht – letztendlich ist das auch egal solange alle die Ernsthaftigkeit nicht in Frage stellen.


Auch über den Weg der Bekämpfung bzw. Vermeidung (Prävention) von Plagiarismus war man sich im Grundsatz einig: Information, Aufklärung, Abschreckung einerseits, konkrete Plagiatsprüfung andererseits. Aber wie? Das ist die Frage, auf die es viele Antworten gab, aber kaum ein umfassendes Gesamtkonzept. Ich stimme Urs Dahinden zu, der im Schlusspanel sagte er habe den grösseren Rahmen vermisst.

Zwar sprechen viele sehr engagiert von Bewusstseinsveränderungen und Sensibilisierung, die nötig sind, aber wie macht man das, vor allem wie macht man das nachhaltig? Und wenn es Aktivitäten gibt, die im Einzelfall alle löblich und bis weilen sehr beeindruckend sind, was nutzen sie konkret? Wie viel Plagiate hat ein Informationskompetenzkurs der Bibliothek X an der Hochschule Y, der seit z Jahren durchgeführt wird, verhindert? Bei wie vielen Studierenden – und auch Dozierenden - wurde die Einstellung zum Plagiarismus wirklich verändert? Hier ist noch viel Arbeit nötig!


Gewünscht hätte ich mir noch mehr Teilnehmer von ausserhalb des Bibliothekswesens; mehr Dozierende zum Beispiel, mehr Forschende, vielleicht sogar Studierende oder Schüler, mehr Fachfremde, die vielleicht noch mehr unbequeme Fragen gestellt oder eine alternative Sichtweise aufgezeigt hätten.


Mehrfach wurde angesprochen, dass verschiedene Schulstufen und die unterschiedlichen Typen von Bibliotheken besser zusammenarbeiten müssen. Absolut richtig! Wenn die Hochschule nicht weiss was die Mittelschule ausbildet und die Mittelschule die Erwartungen der Hochschule nicht kennt, dann wir der erhoffte Erfolg z.B. bzgl. Bewusstseinsveränderung und Sensibilisierung noch schwieriger. Dass entsprechende Massnahmen zur Prävention von Plagiarismus nicht erst in der Mittelschule, sondern besser schon in der Primarschule greifen müssen, scheint naheliegend. Vielleicht sind Aktivitäten wie
respect ©opyright! wegweisend.

Am Rande gab es Gespräche, die sich um die folgende Klausel drehten, die jeder Studierende mehrmals in seinem Studium unterschreibt:

Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig, ohne Mithilfe Dritter und nur unter Benutzung der angegebenen Quellen verfasst habe.“
Wir wissen alle irgendwie was gemeint ist, aber ist die Formulierung wirklich korrekt, präzise, zeitgemäss? ‚Ohne Mithilfe Dritter‘, ist das überhaupt realistisch? Was ist mir dem Input des Betreuers? Was ist mit den Diskussionen mit Kommilitonen? Was ist mit den Umformulierungen des Korrekturlesers? etc. pp.
Ähnliches gilt übrigens für wissenschaftliche Journals: Reviewer geben oft äusserst umfangreiche und detaillierte Hinweise für eine Überarbeitung – aber schon aufgrund des Reviewverfahrens – sofern es blind ist – hat der Autor nie die Möglichkeit, dem reviewer für den Input zu danken, ihn zu erwähnen, oder ähnliches. Wenn also ein Plagiat

die Vorlage fremden geistigen Eigentums […] als eigenes oder Teil eines eigenen Werkes
ist, wie verhält es sich dann mit den o.g. Beispielen?

Die erste Hauptfrage der Tagung war „
Was ist das Problem?“ Vordergründig scheint es der Plagiarismus zu sein, aber mit Distanz betrachtet geht es doch viel mehr um unsere grundsätzliche Haltung gegenüber ‚geistigem Eigentum‘ und den Unterschied in den Einstellungen im Umgang damit zwischen der Generation, Stichwort Digital Natives. Tenor der Tagung war implizit, dass die traditionellen Vorstellungen von geistigem Eigentum etc. nach wie vor die Messlatte sind, auch bei den Digital Natives. Ist dass das richtige Vorgehen? Ist es zeitgemäss? Ich habe auch keine abschliessende Antwort.

Es war eine tolle Tagung, die mir persönlich viele Anstösse gegeben hat, an der ich einiges gelernt habe, wie üblich mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet wurden und die sicher allen lange sehr positiv in Erinnerung bleiben wird!


Bildquelle und ©: pixelio.de/knipseline

1 Kommentar:

Hans-Dieter Zimmermann hat gesagt…

Inzwischen snd die Präsentationen im Rahmen des Fachprogramms abrufbar