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12. Dezember 2010

Öffentliche Institutionen setzen offensichtlich überdurchschnittlich auf Printanzeigen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern

Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati
Es gab Zeiten, da passte die Samstagsausgabe der NZZ kaum in den Briefkasten. Dank des Bundes mit den Stellenanzeigen war die Zeitung am Samstag besonders umfangreich. Das gilt natürlich auch für andere Zeitungen. Tempi passati - schon lange!

In der gestrigen Printausgabe der NZZ umfasst der Bund mit den Stellenanzeigen NZZ Executive gerade einmal 12 Seiten.

Aber mir geht es hier nicht um die Erosion der Erlöse im Anzeigengeschäft von Zeitungen, nein. Und ich möchte hier nicht die Vor- und Nachteile von Online- und Print - Anzeigen diskutieren, das habe ich vor über 15 Jahren schon getan und hier ist eigentlich längst alles gesagt.

Die Inserenten beurteilen offensichtlich ensprechende Online-Plattformen als vorteilhafter gegenüber Print. Jeder, der einmal Mitarbeiter oder einen Job oder einen Mieter oder eine Wohnung gesucht hat, wird dies bestätigen können. Man müsste sich eigentlich fragen, warum es überhaupt noch gedruckte Stellenanzeigen gibt ...

Was mir schon seit einiger Zeit auffällt ist die Tatsache, dass (gefühlt) die Stellenanzeigen öffentlicher Institutionen weit überrepräsentiert sind. Ich habe mir einmal die 12 Seiten vorgenommen und ausgezählt:


Insgesamt enthält der Bund 52 gedruckte Stellenanzeigen, davon

  • 11 aus dem Bereich Lehre und Bildung
  • 5 aus dem Gesundheitsbereich
  • 3 aus den Bereichen Kirche und Kultur
    (darunter auch zum wiederholten Mal die Anzeige des Kapuzinerordens)
  • 9 von Institutionen des Bundes, der Kantone und der Gemeinden.

Das macht zusammen 28 Anzeigen, die direkt oder indirekt durch uns Bürger finanziert werden, sei es z.B. als Steuerzahler oder als Patient bzw. Versicherter. Das sind also deutlich über 50% der Stellenanzeigen.

Viele der Anzeigen werden wohl auch Online erscheinen, z.B. auf nzzexecutive.ch, und ggf. auch auf weiteren Job-Portalen. Die NZZ verlangt 275 Fr. Aufpreis, wenn ein Printinserat für 30 Tage auch Online geschaltet wird (NZZ Executive Preisliste 2010, S. 11 (pdf)).

Ein Online-Inserat bei nzzexecutive.ch kostet 500 Fr. für 30 Tage. Bei ähnlichen Jobplattformen sind die Preise vergleichbar.

Und Print? Eine 1/8 Seite beginnt bei 2'815 Fr., 1/4 Seite bei 5'630 Fr. und 1/2 Seite gibt's ab 11'260 Fr.

Bei der Abwägung aller Vor- und Nachteile von Online- bzw. gedruckten Stelleninseraten darf die Frage erlaubt sein, warum vor allem öffentliche Institutionen offensichtlich überdurchschnittlich auf Printanzeigen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern setzen. 

Weitere Informationen zum Thema:
Beiträge zu den Stichworten Zeitungskrise und Zeitungen in diesem Blog


Bildquelle: flickr.com/katherine.a (CC Lizenz)

Kommentare:

carlo hat gesagt…

Bei diesen Inseratepreisen werden fast nur noch Vollzeit-Kaderstellen veröffentlicht, besonders in den Tageszeitungen.
Fast alle anderen müssen zuerst arbeitslos werden, damit sie auf ein Jobangebot via RAV stossen.

Kein Wunder gibts immer weniger Teilzeitjobs, Temporärarbeit, Jobs für nicht so gut Qualifizierte etc., wenn für diese kein StellenMARKT vorhanden ist.

gis hat gesagt…

"[...] darf die Frage erlaubt sein, warum vor allem öffentliche Institutionen offensichtlich überdurchschnittlich auf Printanzeigen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern setzen."

Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass so Internetausdrucker nach neuen Internetausdruckern suchen - also eine Frage der Organisationskultur und des Mindsets.

Hans-Dieter Zimmermann hat gesagt…

klartext.ch sagt dazu: "Auch eine Form staatlicher Presseförderung" (via Twitter)

Anonym hat gesagt…

Bei öffentlichen Stellenausschreibungen dieser Art könnte es Vorschriften geben, in welcher Form die Ausschreibung zu tätigen ist, u.a. möglicherweise in überregionalen Tageszeitungen.