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28. März 2017

Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati

Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati
Zum Thema der Zeitungskrise ist es in letzter Zeit eher ruhig geworden. Verleger und Verlage haben sich mit der Auflösung des klassischen Geschäftsmodell der Zeitung - notabene der Disaggregation von Content, Context und Infrastruktur* - längst abgefunden. Sie sind auf der Suche nach neuen, Online-basierten Geschäftsmodellen. Das Auffangen der dahin schmelzenden Erlöse aus dem Anzeigen- und Abo-Geschäft ist hierbei eine zentrale Zielsetzung.

Wie bereits Ende 2010 auf diesem Blog berichtet, zeigt sich die die Auflösung des alten Geschäftsmodells der Zeitung besonders deutlich bei den Stellenanzeigen. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit auf entsprechenden Onlineportalen nach Stellenanzeigen zu suchen. Da verwundert es eigentlich, dass auch im März 2017 immer noch gedruckte Stellenanzeigen erscheinen.

Wie bereits früher festgestellt, setzen vor allem öffentliche Institutionen weit überdurchschnittlich auf Printanzeigen. Nachdem ich seit Dezember 2010 immer wieder die Stellenanzeigen der NZZ am Samstag genauer angeschaut habe, habe ich dies am letzten Samstag wieder einmal getan:

Der Bund NZZexecutive besteht am 25.3.2017 aus noch 6 Seiten - 12 waren es noch im Dez. 2010 - aber nur auf 3 Seiten sind tatsächlich Stellenanzeigen zu finden, insgesamt gerade einmal 11 Anzeigen, ca. 50 waren es im Dezember 2010. Das entspricht einen Rückgang von etwa 80%! Drei Stellenanzeigen sind von privatwirtschaftlichen Unternehmen, die restlichen von im weitesten Sinne öffentlichen Institutionen, das sind immerhin 8 von 11 oder 73%; im Dezember 2010 waren es knapp über 50%. 5 Stellenanzeigen sind von Hochschulen. Tatsächlich setzten also öffentliche Institutionen nach wie vor auf die gedruckten Stellenanzeigen, auch wenn die absoluten Zahlen inzwischen verschwidend gering sind.

* „In the marketspace … content, context, and infrastructure can be disaggregated to create new ways of adding value, lowering costs, forging relationships with nontraditional partners and rethinking ‚ownership‘ issues.“ [Rayport/Sviokla 1994]
‘A New Framework for Managing in the Marketspace’
[Rayport/Sviokla 1994]



Weitere Beiträge zu den Stichworten Zeitungskrise und Zeitungen in diesem Blog


Bildquelle: flickr.com/katherine.a (CC Lizenz)


20. Februar 2014

Eine Analyse der digitalen Revolution in der Medienbranche aus den USA

Die heutige NZZ publiziert einen interessanten Beitrag zur digitalen Revolution in der Medienbranche: Auf der Suche nach dem Ei des Kolumbus. Interessanterweise erscheint der Beitrag im Bund International, und nicht etwa im Medien-/Digitalteil der NZZ.

Der Autor Peter Winkler fasst in dem Beitrag eine umfangreichere Studie von Pew Research zusammen (auf die leider nicht direkt verlinkt wird):  Nonprofit Journalism: A Growing but Fragile Part of the U.S. News System, publiziert im Juni 2013.
"Das Pew Research Center identifizierte für einen Bericht über diese schillernde Szene digitaler Medien 172 Neulancierungen seit 1987. Fast 70 Prozent von ihnen wurden während oder nach der Rezession von 2008 gegründet, als traditionelle Medienunternehmen im grossen Stil «journalistische Kapazität abbauten»" (mehr zur Methode der Studie)
Auch wenn die Studie sich auf die USA bezieht, sind die Erkenntnisse durchaus interessant.
Einige der Kernaussagen:

  • Focus auf lokale bzw. regionale Themen: "Von den 172 Internet-Neugründungen bedienen rund drei Viertel das Interesse an Nachrichten auf lokaler oder gliedstaatlicher Ebene." 
  • Fokus auf einzelnen Themen: "Als typische Nischenprodukte beschränken sich ebenfalls rund 75 Prozent auf ein Thema oder auf einige wenige Themenschwerpunkte." 
  • Der Qualitätsjournalismus lebt offenbar: "Erstaunlicherweise ist der investigative Journalismus mit 21 Prozent die populärste Nische."
  • Durchaus überraschend ist die Aussage, "dass die Internetmedien bedeutend weniger häufig aktuelle Nachrichtenbeiträge publizierten als traditionelle Medienunternehmen" - was mit den fehlenden Ressourcen begründe wird: viele der Neugründungen arbeiten mit Freiwilligen
  • Aber: Ein nachhaltiges Ertragsmodell fehlt den meisten Neugründungen bisher: "Rund zwei Drittel werden von einer anderen Organisation gesponsert, nur das restliche Drittel kann als einigermassen unabhängig bezeichnet werden". Es bestehen notabene Abhängigkeiten von Mäzenen und Sponsoren. Aber letztendlich bestehen Abhängigkeiten (mehr oder weniger explizit) auch bei traditionellen Medienhäusern
  • Insbesondere innovative, Internet-typische Ertragsmodelle fehlen weitgehend. Neugründungen wie traditionelle Medienhäuser suchen also gleichermassen nach Ertragsmodellen. 
  • Und: "Soziale Medien gelten derzeit für den Aufbau engagierter Nutzergemeinschaften als unabdingbar." Als innovative Beispiele werden hier u.a. die Projekte impaq.me und First Look Media, genannt. 
Weitere Details sind in der Originalstudie dokumentiert (pdf). 

Weitere Beiträge zum Thema Zeitungen auf diesem Blog.


26. November 2012

Die Zeitungskrise und das Internet, der Qualitätsjournalismus und das Geschäftsmodell Zeitung

Ja, auch meine Two Cents zur aktuellen Zeitungskrise, die vielfach diskutiert wurde (wie z.B. drüben bei Peter Hogenkamp).

Und heute hat sich auch Frank Schirrmacher zur Zukunft des Journalismus: Das heilige Versprechen geäussert, mit verschiedenen Repliken wie hier  oder hier oder hier. (und es kommen sicher noch Dutzende dazu)

Ein Frage kommt mir dabei in den Sinn:
Hat sich der sog. Qualitätsjournalismus eigenlich je selbst finanziert? Oder war es nicht vielmehr das Geschäftsmodell der Zeitung als Ganzes, das den Qualitätsjournalismus ermöglichte: Anzeigenerlöse finanzieren (zu einem grossen Teil) Journalisten, Redakteure und Korrespondenten?

Mir fällt bei der Diskussion zur Zeitungskrise der letzten Tage (und Monate, und Jahre) ein Artikel ein, aus dem ich hier zitieren möchte:

"One of the profound consequences of the ongoing information revolution is its influence on how economic value is created and extracted.
[...]
The traditional marketplace interaction between physical seller and physical buyer has been eliminated. In fact, everything about this new kind of transaction - what we call a marketspace transaction - is different from what happens in the marketplace.
[...]
Companies that don’t understand the marketspace will miss opportunities even as they build information-defined relationships with their customers.
[...]
For example, a newspaper is an aggregated collection of content (news, business, sports, weather, as well as other information), context (format, organization, logo, editorial style, and rhetorical tone), and infrastructure (printing plant and physical distribution system, including trucks, door-to-door delivery, as well as newsstand sales). In order to create value for consumers, publishers must aggregate all content, context, and infrastructure activities into a single value proposition.
[...]
In the marketspace, however, content, context, and infrastructure can be disaggregated to create new ways of adding value, lowering costs, forging relationships with nontraditional partners, and rethinking “ownership” issues. In the new arena of the marketspace, content, context, and infrastructure are easily separated. Information technology adds or alters content, changes the context of the interaction, and enables the delivery of varied content and a variety of contexts over different infrastructures."
Woher diese Zitate stammen? Ganz einfach, aus einem Artikel aus der Harvard Business Review von 1994.

Weitere Beiträge zum Thema Zeitungen auf diesem Blog.  


10. Juli 2011

Tageszeitungen bald ohne Stellenanzeigen?


Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati
Ende letzten Jahres habe ich mich in zwei Beiträgen (hierhier) mit der Rolle von Stellenanzeigen im Geschäftsmodell von Tageszeitungen beschäftigt.

Dazu möchte ich heute eine weitere Beobachtung ergänzen: Der Stellenbund der NZZ vom Samstag, 9.7.2011, umfasst gerade einmal zehn Seiten; davon bestehen drei Seiten aus redaktionellem Text, bleiben also sieben Seiten für die Stellenanzeigen. Zum Vergleich: Das samstägliche Feuilleton umfasst 14 Seiten!
Am vergangenen Samstag, 2.7.2011, war mir dies - aus welchem Grund auch immer - bereits das erste Mal aufgefallen.

Wie in den o.g. Beiträgen aus dem Dez. 2010 erwähnt, kann ich mich an Zeiten erinnern, in denen der Stellenbund der NZZ weit umfangreicher war als der gesamte Rest der samstäglichen Zeitung. Dies betrifft natürlich nicht nur die NZZ, sondern alle Tageszeitungen gleichermassen, wie zu vermuten ist.

Es stellt sich somit die Frage, wann gedruckte Stellenanzeigen ganz aus den Tageszeitungen verschwunden sind.

Das Hauptthema der Beiträge aus dem Dezember 2010 war aber die Feststellung, dass öffentliche Institutionen offensichtlich überdurchschnittlich auf Printanzeigen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern setzen. Das Ergebnis von diesem Wochenende war schnell gezählt: Von den 30 gedruckten Stellenanzeigen (im Dez. waren es je über 50) kommen 17 (=57%) aus den Bereichen Lehre & Bildung (8), Gesundheit (1), Kirche & Kultur (1) und Behörden auf Ebenen Bund, Kantone und Gemeinden (7). Damit ist der Anteil leicht höher als im Dezember 2010.

18. Dezember 2010

Nachtrag - Öffentliche Institutionen setzen offensichtlich überdurchschnittlich auf Printanzeigen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern

Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati
Nach dem grossen Interesse am Post Öffentliche Institutionen setzen offensichtlich überdurchschnittlich auf Printanzeigen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern vom letzten Wochenende - incl. der Verlinkung bei 6 vor 9 - habe ich in der heutigen Ausgabe der NZZ nochmals die Anzeigen im Bund NZZ Executive gezählt. Dies, um auszuschliessen, dass es sich in der letzten Woche nicht um eine zufällige Häufung von Printanzeigen öffentlicher Institutionen gehandelt hat. 

Insgesamt enthält der Bund NZZ Excutive heute 55 gedruckte Stellenanzeigen, davon
  • 12 aus dem Bereich Lehre und Bildung
  • 2 aus dem Gesundheitsbereich
  • 1 aus den Bereichen Kirche und Kultur 
  • 7 von Institutionen des Bundes, der Kantone und der Gemeinden.
Das macht zusammen 22 Stellenanzeigen von Institutionen, die über Mittel von uns Bürgern, z.B. als Steuerzahler oder Prämienzahler, finanziert werden. Das sind somit 40% der gesamten Stellenanzeigen und ist damit in etwa auf dem gleichen Niveau wie vor einer Woche (54%).  

Bildquelle: flickr.com/katherine.a (CC Lizenz)

12. Dezember 2010

Öffentliche Institutionen setzen offensichtlich überdurchschnittlich auf Printanzeigen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern

Gedruckte Stellenanzeigen - Tempi Passati
Es gab Zeiten, da passte die Samstagsausgabe der NZZ kaum in den Briefkasten. Dank des Bundes mit den Stellenanzeigen war die Zeitung am Samstag besonders umfangreich. Das gilt natürlich auch für andere Zeitungen. Tempi passati - schon lange!

In der gestrigen Printausgabe der NZZ umfasst der Bund mit den Stellenanzeigen NZZ Executive gerade einmal 12 Seiten.

Aber mir geht es hier nicht um die Erosion der Erlöse im Anzeigengeschäft von Zeitungen, nein. Und ich möchte hier nicht die Vor- und Nachteile von Online- und Print - Anzeigen diskutieren, das habe ich vor über 15 Jahren schon getan und hier ist eigentlich längst alles gesagt.

Die Inserenten beurteilen offensichtlich ensprechende Online-Plattformen als vorteilhafter gegenüber Print. Jeder, der einmal Mitarbeiter oder einen Job oder einen Mieter oder eine Wohnung gesucht hat, wird dies bestätigen können. Man müsste sich eigentlich fragen, warum es überhaupt noch gedruckte Stellenanzeigen gibt ...

Was mir schon seit einiger Zeit auffällt ist die Tatsache, dass (gefühlt) die Stellenanzeigen öffentlicher Institutionen weit überrepräsentiert sind. Ich habe mir einmal die 12 Seiten vorgenommen und ausgezählt:


10. September 2010

Journal 21 - die Rettung des Qualitätsjournalismus?

Heute kurz vor Mittag lass ich die ersten Tweets zur neuen Online-Tageszeitung mit Namen Journal21 (sh. Screenshot weiter unten).

Um 13:21 erscheint auf NZZ Online ein Artikel mit der Überschrift "Rettung des Qualitätsjournalismus" - notabene ohne Fragezeichen.
Und die ersten Blogbeiträge sind auch schon Online: Abt. Happy Welcome! – heute: Journal21,

arnold hottinger hat jetzt auch eine eMail adresse: www.journal21.ch.

Ich habe mir die Seite angeschaut, und die ersten spontanen Gedanken dazu dokumentiere ich hier, ganz webzweinullig also.

23. Dezember 2009

Zeitungskrise - und (k)ein Ende ?


Eine Nachricht von gestern  hat mich fast schon irritiert: Da gibt es doch tatsächlich Pläne, in der Innerschweiz eine neue Zeitung zu gründen - so berichte jedenfalls der Klein Report vom 21. Dez. 2009: "Neue Zeitung in Nid- und Obwalden geplant". Verschiedene regionale Zeitungen wie die Jungfrau Zeitung oder ZISCH - Neue Nidwaldener Zeitung berichten ebenfalls darüber. Dazu wurde die 'ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG' gegründet. Der Focus liegt auf der regioanlen Berichterstattung, eine Redaktion pflegt sieben Tage in der Woche die aufzubauende Online-Plattform, eine gedruckte Zeitung soll zwei Mal pro Woche erscheinen. 
"Zweimal wöchentlich erscheint dieser permanente Newsfluss auf Zeitungspapier."
... schreibt die Jungfrau Zeitung dazu. 

Die neue Firma will die neue Online-Plattform für die Kantone Obwalden und Nidwalden aufbauen, diese wird frei zugänglich sein. Die gedruckte Zeitung sol im Abonnement vertrieben werden. Dabei soll die ONZ als sog. Mikrozeitung nach dem Vorbild der Jungfrau Zeitung aufgebaut werden. Mikrozeitung - Konzept für die Welt der Kleinen ist ein Konzept der Gossweiler Media AG in Brienz, dass an Partner lizensiert wird.
Über den Erfolg des Konzept lieest man bei Gossweiler Media AG:
"Dass dieses Konzept funktioniert, beweist die Jungfrau Zeitung, welche die Gattung Mikrozeitung begründet hat. Bereits nach drei Jahren hat sie sich in ihrem lokalen Markt etabliert. Sie erreicht 67 Prozent der Bevölkerung und ist die stärkste abonnierte Zeitung im Mikrokosmos Jungfrau (vergleiche Mediadaten). Gleichzeitig trotzt die Jungfrau Zeitung im Inseratenmarkt dem Branchentrend und weist von Jahr zu Jahr steigende Anzeigenerträge aus."
Auf jeden Fall kann man der neuen ONZ viel Glück wünschen. Es ist durchaus mutig, in diesen Zeiten eine neue Zeitung zu gründen! 

Oder ist die Zeitungskrise denn schon vorbei? Bisher las man doch fast nur von Zeitungen, die schliessen müssen oder zumindest den Umfang der Berichterstattung reduzieren müssen.

Ein Blick auf www.newspaperdeathwatch.com zeigt dann doch wieder die Realität. Im Beitrag "Premature Exec Elation" vom 18. Dez. 2009 wird eine Studie von Kubas Consultants zitiert, in der 500 zeitungsmanager in den USA Licht am Ende des Tunnels sehen und spätestens für 2011 ein Waxhstum prognostizieren. Der Blogbeitrag bezeichnet dies allerdings als 'blind optimism', ebenso die Prognose des US Bureau of Labor Statistics, das ...

Ein düsteres Bild wird da gezeichnet. 

1. Dezember 2009

Medientalk: Der heikle Umgang mit Nachrichten für Print und Online

Der "Medientalk: Zur Zukunft der Leitmedien" fand heute zum vierten und letzten Mal statt - und zum ersten Mal war ich persönlich dabei. 
"Die Medientalk-Veranstaltungsreihe von NZZ Campus beschäftigt sich mit dem Globalthema Medien, Markt und Publikum." 
Thema heute war der "heikle Umgang mit Nachrichten für Print und Online". Die Diskussionsteilnehmer waren René Zeller, NZZ-Inlandressortleiter, Tagesleiter, Bindeglied zwischen Online und Print (nach eigener Aussage) und Frank Esser, Professor für  Publizistik- und Kommunkationswissenschaft, IPMZ, Uni Zürich. Moderiert wurde die Diskussion von Michael Baumann, Redaktor NZZ. 


In seinem Eingangsstatement formulierte Zeller drei Fragen bzw. Diskussionspunkte:


1. Braucht eine Zeitung wie die NZZ eine Online Plattform?
Diese sei Fluch und Segen zugleich sagte Zeller: Segen, da man so als Zeitung omnipräsent sein kann, und Fluch, weil man kein oder nur kaum Geld verdienen kann. Da war es also, das zentrale Argument, ca. zwei Minuten nach dem Start der Veranstaltung. 


Zellers klare These lautet in diesem Kontext: Es gibt keinen Weg zurück. Ansonsten wäre der Verlag NZZ in 10 Jahren tot!


2. Das NZZ Modell ist erfolgreich.
Das Modell der NZZ ist ein integriertes, das Print und Online integriert. Zeller erwähnte u.a., dass am letzten (Abstimmungs-) Sonntag ein Allzeithoch bzgl. Klicks auf der NZZ Site zu verzeichnen war.


3. NZZ Online könnte noch erfolgreicher sein, wenn man sich stärker Richtung Boulevard öffnen würde - dass aber wird es nicht geben, journalistische Qualität geht bei der NZZ über page views. 

Esser thematisierte in seinem Statement u.a., dass Journalismus notwendig sei für die demokratische Meinungsbildung der Bevölkerung. Er sagte klar, dass Medienhäuser dem Zwang sich zu ändern unterliegen, dass es neue Akteure wie Blogger und Bürgerjournalisten gibt und dass das Verständnis von Nachrichten viel kollaborativer und partizipativer wird.  


Er machte klar, dass für ihn ein bestimmter Typus von Journalismus aktuell in Gefahr ist, und meinte damit den Qualitätsjournalismus, denn, so Esser, dessen Finanzierung nicht mehr funktioniert. Für Esser geht es deswegen in der aktuellen Diskussion nicht um die Rettung der Medienhäuser - "die können von mir aus den Bach runter gehen" - sondern um die Rettung des Qualitätsjournalismus. Auf heftige Intervention von Zeller relativierte Esser dann später, das er provozieren wollte und er ausser den traditionellen Medienhäusern eigentlich zumindest mittelfristig keinen anderen Retter sieht, denn nur diese können die schlagkräftige Organisation bieten, die der Qualitätsjournalismus benötigt. 


Ebenfalls in der Diskussion sagte Esser dann auch, dass auch grundlegend falsche Verlegerentscheide einen Teil der Medienkrise mit verursacht haben, ohne aber Beispiele zu nennen.


Nach dem anfänglichen Statements und auch von der Diskussion ergab sich der Eindruck einer sehr traditionellen Sicht: Qualitätsjournalismus kann nur im Print erfolgen, Online ist für die schnelle, aktuelle Information gut und richtig, aber mehr eben nicht. Und oft gäbe es bei den Online News Portalen zu geringe Sicherungen zur Vermeidung von Falschmeldungen, es fiel auch der Begriff 'Billigjournalismus'. Der Umkehrschluss, den so freilich niemand formulierte, müsste dann lauten, dass es Online keinen Qualitätsjournalismus geben kann. 


Für einen Wissenschaftler und einen Ressortleiter doch eine sehr verzerrte bzw. selektive Wahrnehmung der Onlienwelt und der Medienrealität und eine fast beängstigede Schwarz-Weiss - Denke. 
Wer hat eigentlich vor kurzem den Hans Bausch Mediapreis erhalten? 


In diesen Duktus passte dann auch die Aussage von Esser, dass die Finanzierung des Qualitätsjournalismus eine gesellschaftliche Frage werden muss und letztendlich jeder einen minimalen Beitrag leisten solle zur Erhaltung des Qualitätsjournalismus. 
"Ich sehe nichts anderes als eine gesellschaftliche Lösung" - 
diese Aussage wird später in der Diskussion abgeschwächt. Auch aus dem Publikum wurden Lösungen wie Stiftungen, Genossenschaften oder Sponsoring vorgbracht. 


Die abschliessende Langfristperspektive von Esser für die NZZ lautete - analog der Prognose für die NYT in Google Epic 2015


"Die NZZ wird es in 20 Jahren noch geben, aber viel teuer sein und eine kleinere Auflage haben, und nur noch von einer Elite gelesen werden."
_______
Nachtrag 3.12.2009: Beitrag zur Veranstaltung auf bernetblog.ch
Bildquelle: flickr.com / cookieevans5

5. Juli 2009

Überleben der Zeitungen = Paid Content + Ultra Targeted Ads ?

Über die aktuellen Entwicklungen rund um Zeitungen haben wir auch in diesem Blog immer wieder berichtet. Nachdem die Werbeeinnahmen drastisch zurück gehen und ein funamentaler Strukturwandel sich abzeichnet, versuchen Zeitungen Paid Content - Modelle als Ausweg aus der Krise zu etablieren. 

Am 16.6.2009 berichtete
handelszeitung.ch darüber, dass auch die NZZ darüber nachdenkt. Auf netzwertig.com hat sich am 10. Juni 2009 in einem lesenswerten Beitrag Andreas Göldi ausführlich und fundiert zum Thema geäussert: "Was werden die Newsmedien der Zukunft kosten?". Und Andreas kommt nach seiner Analyse zu dem Schluss:
"Aber ab einem gewissen Punkt werden wir uns daran gewöhnen müssen, für hochwertige News wieder zu bezahlen. [...]
Das wird ein paar Jahre dauern, aber früher oder später so passieren."
Diese Erkenntnis scheint die Zeitungen offensichtlich in ihrem Tun zu unterstützen und anzutreiben. Allerdings scheinen Aussagen wie die von Barry Diller, CEO von IAC, dann doch etwas naiv zu sein:
"People will pay for content. They always have, I absolutely believe the Internet is passing from its free phase into a paid system." (Quelle)
Jon Fine (Fine On Media) berichtet in seiner BusinessWeek-Kolumne Media Centric (Printausgabe vom 6. Juli 2009) unter dem Titel "Charging for Content Gets Closer" über einen neuen Ansatz. Traum der Zeitungsmacher ist demnach ein hybrides Modell: Die kostenlosen Inhalte werden (weitgehend) beibehalten, zusätzlich werden Bezahlinhalte in einem Abonnementmodell angeboten, und mit den dann gewonnen Nutzungsdaten soll dann "ultra-targeted - and thus higher-priced - advertising" verkauft werden; Stichwort ' behavioral targeting'.

Fine sagt klar, dass die Zeitungsmacher mit dem Rücken an der Wand stehen und es probieren müssen:

"But given the state of things in certain precincts of the media world, there isn't much choice but to try."
Und in seinem Blog Fine On Media ergänzt er:
"I strongly suspect that we’re going to see much broader experimentation and implementation of ways to cadge fees from online users. I’m much less sure that it’s going to be easy to get those users to go along."
Und die notwendigen Tools zur Umsetzung dieses Hybridansatz stehen demnach auch schon bereit, Journalism Online und ViewPass, dass u.a. hier oder hier vorgestellt wird. Jon Fines Kommentar dazu:
"Will any of these moonshots actually work? For the ViewPass strategy to work, publishers would have to agree on a platform, consumers would have to use it, and then, most importantly, companies would have to buy ads. This is a complicated approach for an online environment that has typically rewarded simplicity. But we're well past the point where simple solutions would get the job done."


Bildquelle: pixelio.de/BirgitH

19. April 2009

Medienkonzentration, lokale Medien und Bürgerdemokratie - empirische Befunde

Im Rahmen der Diskussion um die Zeitungskrise und das Zeitungssterben wird als ein Aspekt immer wieder der Zusammenhang zwischen lokalen Medien bzw. lokaler Medienberichterstattung und der Wahrnehmung demokratischer Rechte durch die Bürger. Z. B. hier: " 'The Public Press" - neues Geschäftsmodell zur Vermeidung eines Demokratiedesasters ?'. Allerdings stehen häufig eher vordergründige Motive im Vordergrund, selten empirisch belegt.

In seinen Beiträgen "Lokale Medien in Not - ist der Patient zu retten?" und "Einheitsbrei statt Vielfalt" (NZZ 15. April 2009) liefert der Autor Felix Oberholzer-Gee, Professor an der Harvard Business School mit Doktortitel von der Universität Zürich, u.a. empirische Befunde für die Zusammenhänge von politischem Engagement von Bürgern und lokaler Medien und ihrer Konzentration. Er beschäftigt sich mit der Frage:
"Ist die Förderung lokaler und regionaler Massenmedien in einer globalisierten Medienwelt noch sinnvoll? Ist nicht das Internet mit seinen sozialen Netzwerken und Bloggern ein perfektes Substitut für lokale Zeitung und Fernsehen? Soll der Staat den Konsumentinnen und Konsumenten lokale Nachrichten aufdrängen, wenn diese globale Inhalte vorziehen? Dies sind einige der Fragen, welcher sich die jüngste wissenschaftliche Forschung ernsthaft angenommen hat."
Das erste Beispiel:
"Die Leserinnen und Leser aber, die vom «Fargo Forum» zur «New York Times» wechselten, gewannen wohl Einsichten über die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika – einer der Schwerpunkte der Berichterstattung der «New York Times» –, doch verloren sie gleichzeitig an lokalem Wissen, das es ihnen erlaubt hätte, am politischen und sozialen Leben in Fargo teilzunehmen.
Schätzungen [...] deuten darauf hin, dass die Stimmbeteiligung gebildeter Wählerinnen und Wähler in Lokalwahlen um 6 Prozentpunkte nachgibt, wenn die lokale Verbreitung der «New York Times» um 1 Prozentpunkt steigt. Wissen über Afrika ist nicht besonders nützlich, wenn es darum geht, einen lokalen Repräsentanten zu wählen."
Und eine weiterer empirischer Befund:
"Die entscheidende Frage ist deshalb, ob lokale Nachrichten, wie man sie gesetzlich fordert und fördert, selbst im Zeitalter von Fernsehen und Internet noch einen positiven Einfluss haben auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Um diese Frage zu beantworten, studierten mein Kollege Joel Waldfogel und ich, wie sich die Einführung spanischen Lokalfernsehens auf die Stimmbeteiligung spanischsprechender Bürgerinnen und Bürger in den USA auswirkte."

"Die Grafik zeigt, dass die Stimmbeteiligung in jenen Gebieten, die zwischen 1994 und 2002 neu Lokalnachrichten in spanischer Sprache erhielten, besonders stark anstieg. Und die Steigerung ist nach 1998 ebenso gross wie in der früheren Periode – lokale Nachrichten können also auch im Zeitalter des Internets die politische Beteiligung nachhaltig fördern."
Und auch für die Schweiz gibt es empirische Daten:
"Ähnliche Effekte lassen sich für die Schweiz finden. In einer aufschlussreichen Arbeit zeigt Christine Benesch (Universität Zürich), dass die hiesige Einführung des Lokalfernsehens die Stimmbeteiligung signifikant gehoben hat. Der Effekt ist besonders ausgeprägt bei weniger gebildeten Bürgerinnen und Bürgern, die lieber fernsehen als Zeitung lesen. Wie diese Forschungsresultate zeigen, bleiben traditionelle Medien auch im Internetzeitalter wichtig."
Oberholzer-Gee diskutiert dann auch noch die Implikationen der Ergebnisse auf die Medienstrukturplolitik der Staaten. Die aktuelle Medienpolitik vieler Staaten bewertet e mit einem "Gut gemeint, aber ...". Eine seiner Schlussfolgerungen lautet:
"Beschränkungen der Medienkonzentration, so zeigen zumindest die Ergebnisse für den amerikanischen Medienmarkt, sind allerdings das falsche Mittel, die Meinungsvielfalt nachhaltig zu fördern.
Die Vergabe von Radio- und Fernsehkonzessionen an Unternehmen, die in jedem Markt nur gerade einen Sender betreiben dürfen, führt zu einem Einheitsbrei an Inhalten, der gerade Minderheiten mit besonderen Interessen schlecht schmeckt."

Weiterführende Literatur:


Bildquelle: Flickr.com/xinyoureye

17. März 2009

"The Public Press" - neues Geschäftsmodell zur Vermeidung eines Demokratiedesasters ?

Über die diversen Versuche zur Rettung traditioneller Zeitungen haben wir hier des öfteren berichtet.

Nun gibt es ein weiteres Beispiel aus den USA, Spiegel Online berichtet darüber am 16.2.2009: "Experiment in San Francisco: Bürger sollen den Zeitungstod stoppen".
"San Francisco droht zur ersten US-Großstadt ohne seriöse Tageszeitung zu werden. Mit "The Public Press" rüstet sich eine unabhängige Redaktion für das mögliche Demokratiedesaster - und will mit einem neuen Geschäftsmodell die freie Presse retten."
Nicht gerade ein bescheidener Anspruch!

Der Hintergrund: Der drohende Untergang des San Francisco Chronicle (vgl. Eintrag "
Mediennutzung - Zeitungen in den USA").
"Der "Chronicle", Auflage 339.000, ist die größte Zeitung der acht Millionen Einwohner umfassenden Metropolregion. [...]
2008 hat der "Chronicle" jeden Monat mehr als eine Million Dollar verloren. Der Hearst-Verlag, dem die Zeitung gehört, erklärte, falls es keinen Ausweg aus dem Kostenstrudel gebe, "werden wir keine andere Wahl haben, als schnell einen Käufer für den 'Chronicle' zu finden oder ihn ganz einzustellen" [...]
In der Redaktion des "Chronicle" herrscht Endzeitstimmung."
Der Chronicle ist bei weitem nicht die einzige US Zeitung, die vom Untergang bedroht ist:
" "Bis 2009 oder 2010 werden manche Ein-Zeitungs-Märkte Null-Zeitungs-Märkte sein", prognostiziert Mike Simonton, Analyst für den Printsektor bei der Ratingagentur Fitch."
(vgl. auch Landkarte der US Zeitungspleiten)
Und die Folge?
" "Der Tod des 'Chronicle' wäre eine Katastrophe", sagt "Public Press"-Chef Stoll. [...] "Es wäre ein demokratisches Desaster"."
Ob es die traditionellen Massenmedien tatsächlich braucht und welche Rolle sie (heute) spielen, wird u.a. hier kontrovers diskutiert.

Einspringen will hier jetzt "The Public Press", ein Projekt von Michael Stoll, auch wenn Stoll "The Public Press" (noch?) nicht als Ersatz einer traditionellen Tageszeitung wie den Chronicle sieht. Stoll ist Dozent für Journalistik an der School of Journalism and Mass Communications der San Jose State University und Initiator dieses Projekts:
"... er selbst ein Medium schaffen, das seinen ambitionierten Qualitätsvorstellungen gerecht wird - und er will ein Geschäftsmodell etablieren, mit dem eine gedruckte Zeitung im Umfeld bröckelnder Anzeigen überleben kann.
Er plant eine Tageszeitung, die keine Anzeigen druckt, die lokal fokussiert ist und auf Boulevardthemen weitgehend verzichtet."
Im FAQ des Projektes liesst es sich dann so:
"A concept for a noncommercial daily newspaper.
It’s owned and operated as a nonprofit charitable organization. 2) It accepts no (or very little!) advertising."
Stoll will das Projekt ausschliesslich über kostenpflichtige Abos, Straßenverkauf und Finanzspritzen philantropischer Wohltäter finanzieren.
"Wenn 50.000 Leser ein Jahresabo zu 100 Dollar kaufen, haben wir fünf Millionen Dollar zur Verfügung, Spenden nicht eingerechnet", sagt Stoll. "Eine schlanke Lokalzeitung ließe sich damit schreiben, drucken und ausliefern."
Damit verabschiedet sich Stoll klar von einer weitgehend durch Werbung finanzierten Zeitung. Wie soll das funktionieren? Sind die 50.000 Vertreter des Milieus der Informationsbohème, wie es Miriam Meckel hier formuliert hat, welche die Zeitung retten soll? Es schreint fast so.
"Stoll hofft darauf, dass Redakteure und Reporter seine journalistischen Ideale honorieren und ihm Starthilfe geben. "Es gibt schon heute massenweise Profi-Journalisten, die ihren Job verloren haben, die aber dennoch darauf brennen, die Geschichte der Stadt zu erzählen", sagt er."
Die Journalisten müssen aber zunächst ohne Lohn arbeiten! Bisher hat "The Public Press" Spenden in Höhe von 26'000$ erhalten - wohl kaum eine Basis für eine erfolgreiche Zeitung, oder doch? Stoll ist jedenfalls von seinem Konzept überzeugt.
Explizit wird es bei "The Public Press" aber keinen 'citizen journalism' (Bürgerjournalismus) geben (insofern ist die Spiegel Online Überschrift etwas irreführend), aber "the paper should reverse-publish selected Web comments, blog posts and reporting." - sagt der FAQ.
" "Die Krise kann Innovationen beschleunigen", sagt er. "Und das jetzige Geschäftsmodell von Tageszeitungen ist definitiv gescheitert." "
Recht hat er!
Also bleibt uns nur, Michael Stoll viel Glück zu wünschen und ein weiteres Projekt auf die Liste der Versuche, die Zeitungen zu retten, zu setzen. Sie wird länger und länger ...

Und der letzte Beitrag auf http://www.public-press.org vom 16.3.2009, 11:22pm, beschäftigt sich mit dem Chronicle: "Public forum on Chronicle to focus on impact of possible closure".




Bildquelle: The Public Press

27. Februar 2009

Zeitungen als “Bannwald der Demokratie schützen” !?

Ein Beitrag zur Zeitungs- und Medienkrise ist heute, 27. Feb. 2009, in der NZZ erschienen:


Den Bannwald der Demokratie schützen – Ein Beitrag zur Debatte um die Zeitungs- und Medienkrise“.
Autor ist Norbert Neininger-Schwarz, Verleger und Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten.

In dem Beitrag geht es insbesondere um die Presseförderung und damit notabene um den Ruf nach dem Staat zur Erhaltung der Qualitätspresse. Der Autor knüpft an die Prognosen des NZZ Beitrags von Rainer Stadler vom 21. Feb. 2009 an und kommt – anders als Stadler – zum Schluss, dass zur Rettung der Medienvielfalt (auch) der Staat eingreifen müsse. Weiterhin suggeriert der Beitrag (zumindest indirekt), dass es nur dank staatlich gefestigter Medienvielfalt einen informierten und mündigen Bürger geben kann, der wiederum Basis ist für die direkte und föderalistische Demokratie der Schweiz.


"Was für das Gemeinwesen wichtig ist, muss erhalten werden“
so seine Forderung.
Neininger-Schwarz beklagt, dass im Gegensatz zu anderen Ländern in der Schweiz „strukturelle Vergünstigungen [...] rigoros gekürzt“ wurden.
Aufhorchen lassen den interessierten Beobachter sowohl die Analyse als auch die Vorschläge einer indirekten staatlichen Unterstützung:


„Zum einen muss mit einem anhaltenden Rückgang der Inserateeinnahmen gerechnet werden, zum anderen bedrängen Werbe- und Informationsalternativen das klassische Geschäftsmodell.“
Aha. Auch Stadler schrieb schon vor wenigen Tagen „Die klassischen Erwerbsmöglichkeiten der Medienhäuser scheinen höchst gefährdet.“ Werbe- und Informationsalternativen, gefährdetes Geschäftsmodell? Die Diskussion ist allerdings kaum eine neue! Wie schon im Beitrag „"Der Untergang der alten Medien-Schweiz" - ein kritischer Blick von Rainer Stadler“ angemerkt, sind diese Fragen seit mindestens 15 Jahren ein Thema, z.B. in der wissenschaftlichen Literatur.
Und ich kann mich an ein spannendes Gespräch mit dem Verleger eines regionalen Anzeigenblattes in der Ostschweiz erinnern, in dem der Verleger eben jene Entwicklungen kommen sah – das Gespräch hat 1994 stattgefunden!


Als Unterstützungsmassnahmen des Staates schlägt der Autor u.a. vor:
Unterstützung der Ausbildungsinstitute“: Wer immer damit gemeint ist, als Mitarbeiter einer Bildungseinrichtung kann ich Investitionen in Bildung nur begrüssen. Aber wie stützt das die Medienvielfalt?

Unterstützung der Leserschaftsforschung“: Was soll diese herausfinden, was den Zeitungen wirklich hilft? Dass die Menschen tatsächlich weniger die gedruckte Zeitung lesen und Online-Formate – seien es ‚Zeitungen‘ oder andere Formate – bevorzugen? Über die Mediennutzung in diesem Kontext haben ich auch an dieser Stelle des Öfteren berichtet.


Unterstützung qualitätsfördernder Institutionen“: Ohne zu wissen, was hiermit konkret gemeint ist, bleibt festzustellen, dass das Thema ‚Qualität‘ schön des Öfteren als Rezept vorgeschlagen und thematisiert wurde (Stichwort Qualitätsjournalismus), aber bisher nicht klar wird, mit welchem Geschäftsmodell diese Qualität erreicht und nachhaltig gesichert werden soll.


Auch Miriam Meckel hat sich schon um den Untergang des Informationsbohème (die dürfte wohl dem von Neininger-Schwarz zitierten „wohlinformierten Bürgertum“ ein Stück weit entsprechen) gesorgt ("Zukunft der Zeitung: Das epische Medium"), aber sie hat auch unmissverständlich festgestellt: Wenn bei den Zeitungen alles bleibt wie es ist, dann sind sie tatsächlich dem Untergang geweiht.

Und das scheint die Crux zu sein. Auch der Beitrag von Neininger-Schwarz geht offensichtlich vom Erhalt einer traditionellen Medienlandschaft aus:

Zum einen kommt der Begriff Online erst gar nicht im Beitrag vor
(oder nur indirekt als ‚Informationsalternative‘) und damit auch nicht die Auseinandersetzung mit den Online-Medien; Medienvielfalt scheint also nur Offline möglich zu sein.

Zum anderen deuten Vorschläge für die indirekten staatlichen Eingriffe wie „Verbilligung der Zeitungszustellung“ deutlich darauf hin.


Bei aller Sympathie einer vielfältigen Medienlandschaft – auch in Printform, aber solange man im Jahr 2009 noch so tut, als wären gewisse Phänomene neu und im Übrigen der Finanz- und Wirtschaftskrise eine (Teil-) Schuld an den Entwicklungen zuweist, erweist man der Erhaltung der Medienvielfalt einen Bärendienst.

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