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20. August 2017

Informations- und Medienkompetenz und die Demokratie

(Photo by Avi Richards on Unsplash)
Im Bund Hintergrund der heutigen NZZ am Sonntag finden sich zwei Beiträge, die man durchaus im Zusammenhang sehen kann: Weshalb uns das Internet nicht schlauer macht und Es geht um nicht weniger als um unsere Demokratie.  

Im zweiten Beitrag postuliert der Autor die Mitbestimmung des Volkes als die Essenz der Schweiz und sieht sie von drei Seiten her akut bedroht. Neben den drei erähnten Punkten abserbelnder Föderalismus, expansive Rechtsprechung und Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts kann man, inspiriert durch den ersten Beitrag, durchaus einen vierten Aspekt hinzufügen: Die schwindende Medien- und Informationskompetenz.

Der Autor schreibt in seinem Beitrag u.a.:
"Im Kopf gespeichertes Wissen indes gibt uns einen Orientierungsrahmen, um jene Informationen einzuordnen, die uns aus dem Netz entgegensprudeln.
 Wissen ist mehr als auswendig gelernte Jahreszahlen. Es ist zum Beispiel ein Verständnis dafür, was im 20. Jahrhundert in Europa passiert ist, samt den komplexen Zusammenhängen.
 Natürlich wäre das auch im Netz erhältlich, nützt uns dort aber nichts in jenem Moment, in dem wir Neuigkeiten einordnen sollten. Wir wüssten nicht einmal, wonach wir googeln müssten."
 Dazu passend stellt ein Kommentar in der NZZ vom 16.8.2017 unter dem Titel Naive Natives die Frage:
"Was bewog Soziologen und Pädagogen dazu, Jugendlichen gleichsam angeborene Kenntnisse für eine Welt zuzuschreiben, die nicht diese selbst, sondern Erwachsene geschaffen hatten?"
Und ebenso passend dazu mein Beitrag aus dem Jahr 2009: Wer lehrt die Kinder googeln?

In Zeiten von FakeNews und Filterblasen, in der sich Menschen - und nicht nur junge - in ihrer Filterblase wohlfühlen, sich oberflächlich via Gratiszeitungen informieren und notabene das Gefühl haben, Wissen kann man ja googeln, sofern man es dann irgendwann braucht, in Zeiten, in denen klassische Tageszeitungen einen massiven Leserschwund zu verzeichnen haben und populistisches Gedankengut weltweit zunehmend Anhänger findet, geht es tätsächlich um die Bedrohung der Demokratie, und das nicht nur in der Schweiz.

(Quelle: werteundwandel.de)


20. Juli 2017

Wirtschafts- und Medienkompetenz anstatt staatlicher Regulierungswut

In den letzten Tagen wurde wieder eine neue Sau durch's Dorf getrieben, oder besser durch die Dörfer im Neuland. Diesmal sind es die Online Vergleichsportale. Und so kommt was kommen muss, der Ruf nach dem Staat:
"Verbraucherschützer warnen vor vorgegaukelter Unabhängigkeit bei Web-Vergleichsportalen. In Deutschland sind auch Politik und Justiz alarmiert." (NZZ 19.7.2017)
Vor allem in Deutschland reibt man sich immer wieder die Augen, wenn Online-Unternehmen durch den Staat gezwungen werden sollen, den Kern ihres Geschäftsmodells offen zu legen. Das kennen wir ja z.B. schon von den Forderungen an Google. So fordert es jetzt der Verbraucherzentrale
Bundesverband e.V.:

VZBV, 19.7.2017

Muss es immer gleich der Staat sein, der uns Bürger und Konsumenten zunehmend bevormundet? Und der dadurch den Unternehmern die Lust nimmt, Firmen zu gründen? Traut man uns denn gar nichts mehr zu? Gilt Eigenverantwortung nichts mehr?

Es gäbe andere Ansatzpunkte:
Investition in die Bildung in Sachen Medien- und Wirtschaftskompetenz! Die Menschen befähigen, damit sie eigrnverantwortlich entscheiden können. Sie zu kompetenten und mündigen Bürgern und Konsumenten machen.

Dass Schüler sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz zu wenig über Wirtschaft wissen, ist eigentlich bekannt (vgl. z.B. hier oder hier). Gleiches gilt für die Medien- und Informationskompetenzenz.

Also, die erste Lektion in Sachen Wirtschaftskompetenz lautet: "There ain’t no such thing as a free lunch" (TANSTAAFL) - Nichts ist umsonst. 

Ein Vergleichsportal wird von einem Unternehmen betrieben, und Unternehmen müssen Geld verdienen, selbst im Neuland Internet. Damit bezahlen sie ihre Kosten, z.B. die Löhne der Mitarbeitenden, und durch die Aussicht auf einen Gewinn werden sie motiviert, ihre Leistung überhaupt erst anzubieten. Und woher kommt das Geld? Nicht von uns Konsumenten; wir nehmen die Leistungen selbstredend unentgeltlich in Anspruch. Aber es kommt beispielsweise von denjenigen, die ihre Leistungen via dem Portal anbieten, indem sie dafür zahlen. Und wer nicht zahlt, ist nicht im Portal. Eine weitere Option ist die Werbung, oder der Verkauf von gesammelten Daten. 
Wer dieses ökonomische Grundverständnis kennt, fällt auch kaum auf vermeintliche objektive Vergleiche und Empfehlungen herein, wie es die Verbraucherschützer formulieren, weder Online noch Offline. Denn beispielsweise auch ein Versicherungsmakler bietet uns lediglich diejenigen Versicherungen an, die ihm eine Provision zahlen. Und je höher die Provision ist, desto mehr wird er die Versicherung anpreisen. 

Davon unbenommen ist sicherlich die Tatsache, dass Vergleichsportale mit harten Bandagen kämpfen; hier hat der Staat klar dafür zu sorgen, dass sich alle an die Spielregeln halten. Das heisst aber sicher nicht, dass sich der Staat anmasst, das Geschäftsmodell diktieren zu wollen. 

Ergänzung 21.7.2017
In einem Beitrag zum Umgang von Gesellschaft und Politik mit Algorithmen bei faz.net vom 20.7.2017 schreibt der Autor zum Schluss:
"Statt von einer Offenlegung der Algorithmen wird man eher über ihre Spielregeln und Grenzen reden müssen. Unternehmen werden belegen müssen, dass ein System so funktioniert wie behauptet. Datenauswahl und Datenbasis von Algorithmen sind zu diskutieren, und man wird auch über eine Zweckbindung von Daten nachdenken."
Wie bereits gesagt, es muss Spielregeln geben und deren Einhaltung muss überprüft werden können, nicht mehr und nicht weniger.


Bildquelle: pixabay.com



18. Juli 2017

Faktencheck als erste Bürgerpflicht

Winnie in the dark, fact checking!
Im Zeitalter von sog. Fake News sind Faktenchecks aktuell en vogue, für viele Medien gehören sie inzwischen zum guten Ton, denn zu Tun gibt es viel.

Aber das ist längst nicht genug:
An der re:publica 17 wiess Klaus Kleber darauf hin, dass auch und vor allem die Zivilgesellschaft verstärkt gegen Fake News aufbegehren muss und den Job nicht nur den Journalisten überlassen darf. In der Tat, eine Demokratie braucht aufmerksame, aktive, interessierte, kritische und engagierte Bürger:
"Es gibt in jeder Gesellschaft, gerade in einer demokratisch verfassten, eine Verantwortung des Einzelnen, die der Staat nicht übernehmen kann. Demokratie ist die edelste Staatsform, aber es ist eine Staatsform, die nicht nur Freiheit gewährt und schützt, sondern auch Verantwortung verlangt. Demokratie verlangt Engagement und zwar über Wahlen hinaus. Sie verlangt Meinungsbildung, Beschäftigung mit den Themen, die das Gemeinwesen prägen und verändern." (faz.net 9.7.2017)
Das bedeutet im Zusammenhang mit Medien, dass jeder Einzelne sich aktiv und kritisch mit den Medien, die er oder sie konsumiert, auseinandersetzt. Vorausgesetzt natürlich, der Bürger oder die Bürgerin verfügt über die o.g. Eigenschaften und will sich auch engagieren - und nicht unkritisch in seiner Filterblase verharren, in der man es sich gemütlich einrichtet und - frei nach Pipi Langstrumpf - die Welt so sieht, wie sie einem gefällt, Fakten hin oder her.
"Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt." (Wikipedia

Dazu ein kleines, aktuelles Beispiel:

Heute entdeckte ich zufällig eine Meldung auf Twitter mit dem Titel "Dank Viktor Orbán: Ungarn gehört mit zu den 15 sichersten Ländern der Welt"; gemäss Google Suche wurde der zugehörige Beitrag einer deutschen Website weit über 200 Mal auf weiteren Websites und Blogs geteilt und kopiert, nicht zuletzt auch von Pegida und einer G+ Community Freunde der AfD.

Der Teaser zum Text:
"Diese Nachricht wird vielen EU-Regierungschefs und Mainstreammedien gar nicht schmecken: Ungarn ... rangiert laut der jährlichen Studie über die sichersten Länder des Erdballs des »Global Peace Index« auf Rang 15." *
Und weiter im Text:
"Neben Tschechien, der Slowakei und Polen gehört Ungarn zu den EU-Ländern, die sich mit aller Kraft gegen die von  der Merkel-Regierung aufgezwungene „Willkommens- und Verteilungskultur“ für „Flüchtlinge“ aus aller Welt zur Wehr setzen." *
Die In­si­nu­a­ti­on des Textes wird bereits mit diesem zwei Zitaten deutlich: Die rigorose Flüchtlingspolitik Ungarns macht das Land sicher, Merkels Politik dagegen bewirkt das Gegenteil.

Quelle: Global Peace Index
Leider versäumt es der Artikel wie auch alle Kopien und zugehörige Tweets die Originalquelle zu verlinken, oder gar Werte gegenüber zu stellen. Aber dies ist noch die kleinste Hürde für einen Faktencheck: Global Peace Index.

Ungarn ist tatsächlich auf dem 15. Platz, aber direkt dahinter Deutschland. Schaut man sich die Werte des Indexes an, so liegt Ungarn bei einem Wert von 1494, Deutschland bei 1500, das sind 0.4% Differenz. Die Nr. 1, Island, liegt übrigens bei 1111, und das Schlusslicht Syrien bei 3814, auf Position 163. Ach ja, Tschechien liegt auf Position 6, die Slowakei auf 26 und Polen auf Position 33.

Somit relativiert sich die insinuierte Aussage des Textes gewaltig, Deutschland und Ungarn sind faktisch gleichauf, was den Index angeht.

Interessant wird es, wenn man die 23 Indikatoren, die den Index ergeben, einzeln anschaut. Darunter sind Indikatioren wie Perceptions of Criminality (wahrgenommene Kriminalität), Homicide (absichtliche Tötungen), oder Incarceration (Gefängnisinsassen je 100'000 Einwohner) - bei diesen, und weiteren, Werten schneidet Ungarn deutlich schlechter ab als Deutschland. Natürlich gibt es auch Indikatioren, bei denen es umgekehrt aussieht, z.B. bei Opfern von Terroranschlägen.

Wie die Autoren dazu kommen, dass die Position Ungarns Victor Orban zu verdanken sei, bleibt deren Geheimnis, aus der angegebenen Quelle geht dies selbstverständlich nicht hervor.

Hier werden auf der Basis einer durchaus seriösen Quelle mit einem objektiven Index, der für alle Länder die gleichen Quellen zur Berechnung der Indikatoren heranzieht, abenteurliche Schlussfolgerungen gezogen und sie so notabene scheinbar legitimiert, somit für das Klientel der eigenen Filterblase missbraucht.

Und alle Indikatioren wie auch den gesamten Index kann man bis zum Jahr 2008 zurück abrufen. Dabei ergibt sich für den Gesamtindex für die Länder Deutschland, Ungarn und die Schweiz folgendes Bild:




Bildquelle: flickr / Seth Dodson (CC BY-NC 2.0)

* Quelle: philosophia-perennis.com/2017/07/17/viktor-orban-ungarn, 18.7.2017


10. Mai 2017

re:publica 17 - ein persönlicher Rückblick


Meine letzte re:publica ist schon ein paar Jahre her, damals fand sie noch im Friedrichstadtpalast statt. Also war es längst einmal wieder Zeit - wenigstens zwei Tage war ich an der re:publica 17. Die re:publica ist erwachsen geworden, ein Bisschen jedenfalls. Nach wie vor ist die Konferenz anders als andere Konferenzen, schon die Location ist anders, und sie ist bunt, nicht nur das Logo, die das Motto Love Out Loud - als eine Antwort auf Hass im Netz - präsentiert, auch die Leute sind bunt, Anzugträger sucht man (fast) vergebens, dafür gibt’s aber Kinderwagen auf der re:publica.

Deutsche Bahn an der re:publica 17
Aber sie ist auch kommerzieller geworden seit meiner letzten Teilnahme, irgendwie im Mainstream angekommen, zumindest teilweise; vertreten sind Firmen wie Microsoft, Google, Daimler, Deutsche Bahn, Krankenkassen, Bundesländer oder Bundesministerien; die Sponsorenwand sieht aus wie bei einem Profi-Fussballclub.

Anders waren auch die Keynotes zur Eröffnung: Anstelle von irgendwelchen, vermeintlichen High Profile Promis lassen die Veranstalter vier Personen auftreten, die ganz persönlich mit Unfreiheit konfrontiert waren und sind (Video).

Besonders bewegend und berührend fand ich Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der türkischen Zeitung Cumhüriyet. Nach einem Enthüllungsartikel über Waffenexporte der Türkei, der offenbar nie dementiert wurde, landete er im Gefängnis und war seinen Job los. Ruhig und leise berichtete er von dieser Zeit, zeigte Fotos. “Turkey is the largest prison for journalists” sagte er. Sein Beitrag Brief aus dem Gefängnis wurde Ende 2015 im Spiegel publiziert.

Márton Gergely war stellvertretender Chefredakteur der ungarischen Tageszeitung Népszabadság, die am 8. Oktober 2016 eingestellt wurde und berichtete aus Ungarn. Ramy Raoof aus Ägypten erinnert an die Freiheit der Information, die eben in Ländern wie Ägypten oder der Türkei nicht existiert. Er selbst wurde Opfer der Unfreiheit: So wurde sein Mobilfunkgerät und sein Internetzugang gekappt, um seine Aktivitäten. Katarzyna Szymielewiczs fordert uns auf diejenigen Leute versuchen zu erreichen und mit ihnen in den Dialog zu treten, die Politiker, die solche Repressionen befürworten, wählen.

Thomas Wagenknecht präsentierte in der Sesssion Blockchange – How Science Revolutionizes Democracy, Work and Nature Using Blockchain drei spannende Ansätze zur Verwendung der Blockchain, eher abseits der typischen Beispiele: das Kunstprojekt terra0,  DAO (Decentralized Autonomous Organizatins) Democracy und Liquid HolocracyShermin Voshmgir vertiefte anschliessend das Thema der Blockchain-basierten DAOs: Disrupting Organizations: Decentralized Autonomous Organizations on the Blockchain: Money without banks. Companies without managers. Countries without politicians. Bitnation erwähnt sie als ein Beispiel. Zur Entwicklung in diesem Bereich sagte sie: It's like 1990 for the Internet - wir stehen hier noch ganz am Anfang. Mehr zum Thema gibt's hier: The promise of the blockchain: The trust machine. Alle präsentierten Ansätze sind auf ihre Art radikal und stehen etablierten Ansätzen diametral gegenüber. Selbst wenn die Technologien (demnächst) verfügbar sind, so braucht es weitaus mehr, damit diese Ansätze sich druchsetzen. Spannende Denkanstösse sind sie aber allemal!

Die Session zum Darknet zeigte wieder einmal auf, dass es Fluch und Segen zugleich ist: Einerseits ein perfekter Rückzugsort für Kriminelle, die man dort schlichtweg nicht aufspüren könne wie der Oberstaatsanwalt Andreas May sagte. Wenn es Verhaftungen gibt, dann deswegen, weil Kriminelle in der realen Welt oft leichtsinnig werden, sich zur Übergabe von illegal erworbenen Waren, wie Wafffen, persönlich mit Käufern treffen - und wenn diese von der Polizei sind, die immer wieder entsprechende Accounts übernimmt, werden Käufer auf frischer Tat ertappt. May sagte auch klar, dass die US Behörden wesentlich weitreichendere Befugnisse hätten.
Auf der anderen Seit dient das Darknet aber auch dem Schutz von Aktivisten in nicht-demokratischen Ländern. So berichtete Ahmad Alrifaee, wie er nur mit Hilfe des Darknets in Syrien journalistisch arbeiten und Berichte ausser Landes bringen konnte.

An einem Panel mit Klaus Kleber und weiteren ZDF Mitarbeitenden gin es um das Thema Fake News (Video). Kleber & Co beschworen die wichtige Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien. Diskutiert wurde u.a. die Rolle von sog. Faktenchecks. Einerseits sind sie durchaus notwendig, eine Gegenrede sei wichtig, aber es sollte vor allem auch die Zivilgesellschaft verstärkt gegen Fake News aufbegehren und den Job nicht nur den Profis überlassen. Andererseits wurde immer wieder erwähnt, dass die Aufarbeitung von Fake News nicht nur aufwändig ist, sondern im Zweifel auch dazu beiträgt, das Fake News eine grössere Aufmerksamkeit erlangen. Ausserdem wurde deutlich, das Fake News nicht gleich Fake News sind. Neben harmlosen, eher scherzhaften Falschmeldungen sind es vor allem Fake News von (mehr oder weniger) staatlichen Stellen, welche Gewisseheiten der Bevölkerung erschüttern sollen, ja diese sogar verwirren sollen, indem unterschiedliche Wahrheiten über ein und dasselbe Ereignis verbreitet werden. So lassen sich zweifelhafte Aktivitäten der Mächtigen relativieren und eine Einordnung durch die Bevölkerung erschweren. Interessant war auch zu erfahren, dass das ZDF Social Media als eine Art Kontrollinstanz wöhrend des Heute Journals beobachtet, um ggf. auf Falschmeldungen in der Sendung direkt reagieren zu können.

Verpasst habe ich leider den Vortrag Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung von Elisabeth Wehling. Hier ein Interview zum Thema.

Garry Kasparov
Zeitweise heiss her ging es in der unterhaltsamen Session "Hacking Democracy": Power and Propaganda in the Digital Age u.a. mit Garry Kasparov. Dass er Putin nicht wirklich gut leiden kann, wurde mehr als deutlich. Anhand der Freedom House Map of Press Freedom machte der deutlich, dass weniger als 30% der Weltbevölkerung in Ländern mit einer freien Presse leben. Auch er wiess auf die Strategie des Verschleinern und Verwirrens durch gezielte Falschinformationen hin, um kritisches Denken zu unterdrücken. Auch Kasparov ruft die Zivilgesellscaft auf, Fake News publik zu machen.

Claudio Guarnieri forderte - einmal mehr auf der re:publica - Medienkometenz ein: "Technology can't be trusted, it has to be understood".

Die Keynote von Gunter Dueck zum Thema Flachsinn - über gute und schlechte Aufmerksamkeit, wie man sie bekommt, wer gewinnt und wohin alles führt (Video) hat mir persönlich nicht besonders gefallen, mir fehlte der rote Faden, auch wenn ich Dueck und seine Art sonst mag. Phatische Kommunikation war einer der Begriffe, die man bei Dueck lernen konnte. Und auch er wiess zum Thema Filterblase darauf hin, dass nicht nur die anderen, über die man gerne urteilt, in ihrer Blase gefangen sind. Wahre Worte, wie ich finde.

Miriam Meckel
Äusserst empfehlenswert ist der Vortrag von Miriam Meckel Brainhacking: Auf dem Weg zum Neurokapitalismus? (Video) Fast druckreif präsentierte Meckel in ihrem halbstündigen Vortrag wie wir durch (nicht pharmakologisches) Neuroenhancement Gemützszustände per Knopfdruck verändern können oder wie Gedanken in Daten umgewandetl werden können, was dann die Vision von Telepathie real werden lässt. Sie berichtet von Selbstversuchen und Laborexperiementen, in denen sich die Hirme von Ratten über neuronale Netzwerke bereits heute eroglreich verbinden lassen. Stehen wir vor einer Neuro Divide? Hängt unsere zukünftige Hirnleistung davon ab, ob wir uns die entsprechende Technologie, z.B. Hirnimplantate, leisten können? Ein wirklich packender Vortrag mit der Aufforderung zum Schluss: Think - It's not illega yet. Das Magazin WIRED hat dazu einen aktuellen Artikel publiziert.

Die Session mit Andrea Nahles - Bedingungsloses Grundeinkommen – (K)eine Antwort auf den Digitalen Wandel (Video) - war zunächst sehr sachlich und eher brav, obwohl die grosse Mehrheit des Publikums einen gegenteilige Meinung zu Nahles hatte. Sie machte den Vorschlag des Erwerbstätigenkontos als Gegenentwurf zum Grundeinkommen.  Für meinen Geschmack war Nahles je länger desto mehr fast dogmatisch unterwegs, klassische sozialdemokratische Positionen wurden verteidigt, so u.a. der Glaube an die Zukunft der flächendeckenden Erwerbstätigkeitkeit und dem (unausgesprochenen) Paradigma der Vollbeschäftigung. Auch eine Entkopplung von Arbeit und Lohn wird es nicht geben. Auf Fragen zu den Folgen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt und Beschäftigungsverhältnisse reagierte sind zum Teil gereizt, sie wurde zur Klassenkämpferin als sie von den digitalen Kapitalisten sprach, die ja sowieso nichts Gutes im Schilde führen würden, wenn sie sich für ein Grundeinkommen einsetzen würden, und man schon deswegen dagegen sein müsse. Ihre anfänglich vorgebrachten vier Argumente gegen das Grundeinkommen fand ich persönlich alles andere als überzeugend.

Spanned war auch der Vortrag von Christoph KucklickDie digitale Konterrevolution: Wie Europa seine Bürger entmündigt. Seine These: Die EU-DSGVO wird dramatische Folgen für unsere alltägliche, digitale Kommunikation haben und sie faktisch unmöglich machen, da die Verordnung jeden normalen Nutzer unter diese Verordnung stelle.

Etwas enttäuscht war ich vom Vortrag von Andreas WeigendData for the People (Video),so auch der Titel seines Buches. Für einen Experten bleib er mir etwas zu sehr an der Oberfläche des Themas, vermischte staatliche mit privatwirtschaftlicher Dantensammelwut und warf China und Europa in einen Topf. Mehr zu seinem Vortrag bei ZEIT Online.


Love Out Loud!











27. Juli 2016

Informations- und Medienkompetenz: eine Schlüsselqualifikation - auch und besonders für Nationalräte

Informationskompetenz und Medienkompetenz sind zwei zentrale Kompetenzen der Informationsgesellschaft, eine Schlüsselqualifikation.

Die Informationskompetenz beschreibt die Fähigkeit "mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen". Für den Nutzer "gelten daher als grundlegende Prinzipien der ethische und verantwortungsbewusste sowie der ökonomische, effiziente und effektive Umgang mit Information(en)".

Ein Aspekt ist die Bewertung von Informationen bzw. Informationsquellen. Auch unsere Studierenden lernen im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens u.a. wie sie die Qualität der diversen Quellen für ihre Arbeit bewerten können. Jeder, der Informationen nutzt, sollte, bevor er sie weiterverbreitet oder weiterverarbeitet, sich über die Qualität der Informationen und notabene der Quelle bewusst sein. Vor allem erwarte ich das von Personen, die qua Profession mit Informationen arbeiten und Menschen beeeinflussen {wollen|können|sollen}, also z.B. Journalisten, Finanzdienstleister, Wissenschaftler und natürlich Politiker. Sicher, auch Politiker sind keine Übermenschen, aber an sie habe ich besonders hohe Erwartungen bezüglich des Umgangs mit Informationen. Wie ein gewählter Volksvertreter diese Grundsätze beachtet hat, oder auch nicht, hat sich gestern Abend auf Twitter gezeigt.

Ein Vieltwitterer postet folgenden Tweet:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Immerhin 32 Retweets. Und zwei spontane Reaktionen, von @MarcelBaur und mir.

Die hier verbreitete Nachricht stammt aus einer Quelle, die nach kurzem Hinsehen mehr als zweifelhaft ist. Ein bekanntes Publikationsorgan scheint die Website nicht zu sein, jedenfalls nicht für mich. Von der Impressumspflicht haben die Betreiber der Website noch nicht gehört, nirgends ein namentlich Verantwortlicher oder eine Adresse. Die Redaktion sitzt nach eigenen Angaben in "Kolotschau/Kalocsa, Ungarn", das liegt etwa 100km südlich von Budapest.

Die Whois-Abfrage ergibt, dass die Domain in Russland registriert ist, als Kontakt lediglich eine Postfachadresse, kein Name.

Der Beitrag selbst, der hier verbreitet wurde, wurde (angeblich) auf der Website von Nouvelles de France zuerst publiziert, in französisch. Auch hier habe ich kein Impressum o.ä, entdeckt. Im Whois-Eintrag findet man als Kontakt den Namen Ano Nymous.

Egal wie perfekt die Nachricht auf solch einer Website in mein Weltbild passt, ich würde sie nicht weiterverbreiten, zu gross wären die Zweifel an der Seriosität der Quelle.

Nachdem also der Vieltwitterer offenbar selbst gemerkt hat, dass das vielleicht nicht die seriöseste Quelle war, legt er nach, addressiert an Marcel und mich:

Screenshot 27.7.2016, 20:00
(Originalquelle)
Meine Reaktion blieb nicht aus: Das Berlin Journal ist ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Das Medium hat seinen Sitz in den USA, genauer gesagt in Lewes, Delaware. Auf Google Street View kann man sich den schmucken Firmensitz auch ansehen. Die angegebene Adresse ist der Sitz der Firma Harvard Business Services, Inc. mit der vielsagenden Webadresse delawareinc.com. Also eine typische Briefkastenfirma, vermute ich. In den Panama Papieren erscheint diese Adresse ebenfalls.

Im Whois-Eintrag der Domain ist als Kontakt ein Durty Harry angegeben.

Chefredaktuer ist ein Bodo Hering. Sucht man nach dem Chefredakteur im Web, findet man im Prinzip nichts, ausser einer Website mit einer Geschichte, die man leicht als Verschwöhrungstheorie einordnen könnte und der ich nicht über den Weg traue: Angeblich ist der Name des Chefredakteurs einer von mindestens zwei Fantasienamen eines ehemaligen Redakteurs der B.Z., der in Oranienburg leben soll und gegen den wegen Betrugs ermittelt wird/ wurde, und der Beziehungen haben soll zu einer zwielichtigen Gestalt aus Berlin, die Firmen um ihr Geld bringt in nicht ganz legaler Weise. Und: Angeblich beobachtet der deutsche Verfassungsschutz das Berlin Journal (oder hat beobachtet).
Von einem Journalisten, der sich als Chefredakteur einer Onlinepublikation ausgibt, sollten doch eigentlich ein paar mehr Informationen im Netz zu finden sein - allein dass das nicht so ist, würde mich schon stutzig machen.

Alles das kann man innerhalbt weniger Minuten über eine Quelle herausfinden, sollte man Zweifel an ihrer Seriosität haben - das Aufschreiben hat ein Vielfachen an Zeit gekostet (aber die war es mir wert).

Jeder urteile selbst, ob er solche Quellen weiterverbreiten würde.

Von einem Nationalrat erwarte ich, dass er seine Quellen seriös anschaut und nicht weiterverbreitet, nur weil sie gerade schön ins eigene Weltbild passen.


PS. Ich habe bewusst auf Links verzichtet, da ich diesen windigen Websites eigentlich keine weiteren Traffic bescheren möchte.

Bildquelle: flickr.com/mellyjean (CC Lizenz) 

26. Januar 2014

Bekommen wir Technik, die wir nicht verstehen, mit Technik in den Griff, die wir ebenso wenig verstehen?

Am vergangenen Wochenende entschied die Jury über die Preisträger des Wolfgang-Heilmann-Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie 2013/2014 der Integrata Stiftung. Das Thema der Ausschreibung lautete Privatheit in der eSociety.
Der/die Preisträger werden im Rahmen des Integrata Kongresses 2014 im September 2014 in Stuttgart ausgezeichnet.

Als Mitglied der Jury war es äussert spannend die eingereichten Arbeiten zu bewerten und letztendlich über den/die Preisträger mit zu entscheiden.

Ich möchte an dieser Stelle einige Gedanken zu den eingereichten Arbeiten aufschreiben, die mir im Rahmen der vorgänggien Beschäftigung mit den Einreichungen und während der Jury-Sitzung in den Sinn kamen. Und diese Gedanken betreffen bei weitem nicht nur die evaluierten Arbeiten!

Aufgefallen ist mir eine gewisse Technikgläubigkeit in vielen - längst nicht allen - Beiträgen. Diese basiert auf der implizit oder auch explizit Annahme, dass das Internet böse sei. Damit meine ich folgendes:

Nicht selten werden in den Beschreibungen der Projekte Szenarien aufgezeigt, die mit der meist diffusen Angst der Menschen vor Missbräuchen im Internet spielt und dabei Begriffe wie Privatheit, Datenschutz oder Identität kaum differenziert betrachtet oder gar vermischt. Vergessen wird auch der Hinweis, das bei einigen der aufgezeigten Missbrauchs-Szenarien diese nach geltendem Recht schlichtweg illegal wären, Unternehmen also bewusst das Recht brechen würden. Man gewinnt den Eindruck, dass Unternehmen aus diesen Verunsicherungen der Internetnutzer Kapital schlagen wollen.

Denn das was Unternehmen (und andere Organisationen) im Rahmen der eingereichten Arbeiten vorschlagen ist ein Stück Technik - ein Stück Technik, dass die aufgezeigten Löcher und Missbrauchspotentiale des Internets stopfen soll.

In der Quintessenz bedeutet das aber, dass wir Technik, die wir nicht verstehen, mit Technik, die wir genauso wenig verstehen (können), in den Griff bekommen wollen. Die Anbieter sagen also in der Konsequenz, dass man dem Internet und den diversen Diensten und Anbietern nicht vertrauen dürfe, aber die daraus resultierenden Probleme mit der eigens entwickelten Technik in den Griff bekommen kann - und notabene sollen und können wir dieser Technik und deren Anbietern vertrauen.


Und die Anbieter dieser Technik in Form von Softwaretools beteuern, dass der Nutzer keine zusätzliche Kompetenz benötige, um die Tools zu nutzen, dass die Benutzung ganz einfach sei.

Deswegen Technikgläubigkeit - man versucht erst gar nicht, z.B. mit Hilfe von Technik, den Menschen in die Lage zu versetzen, zu verstehen was er tut, z.B. in sozialen Netzwerken oder beim eCommerce, Bewusstsein zu entwickeln, oder gar zu lernen, neue Kompetenzen - Stichwort Medienkompetenz - zu entwickeln. Halten diese Anbieter den Nutzer für so lernunfähig, lernunwillg, oder gar ...?



3. Juni 2013

Stell dir vor wir leben in der Informationsgesellschaft und keiner kann sie weiterentwickeln

Schüler an der FHS eBusiness Challenge 
Wir leben in der Informations-gesellschaft, ohne Zweifel, unser tägliches Leben als Bürger, Patient, Arbeitnehmer, Konsument, Studierender, Lehrender, etc. ist ohne die Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) kaum mehr vorstellbar.

Ein Leben ohne IKT, das hiesse ein Leben ohne Handy und Smartphone, keine Apps, kein Googlen, kein Billetautomat, kein MP3 Player, keine Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation, keine moderne Heizungssteuerung, keine Verkehrssteuerung, kein modernes und sicheres Auto, kein moderner Kaffeevollautomat oder moderne Waschmaschine, keine moderne Maschine in den Unternehmen, kein ... you name it.
Wir alle nutzen die IKT, aber kaum mehr jemand will die Anwendungen auch entwickeln.

Seit Jahren beklagt die Branche einen grossen Mangel an Fachkräften. Deswegen wurde 2008 das Jahr der Informatik ausgerufen, mit mässigem Erfolg. Und im März 2013 hat eine Gruppe von St.Galler IT-Unternehmen gemeinsam mit der Standortförderung der Stadt St.Gallen die Kampagne «IT St.Gallen rockt!» gestartet. ("St. Gallen soll Silicon Valley werden", "St. Gallen putzt sich raus für IT-Spezialisten").

Ein Kritikpunkt ist die mangelhafte Berücksichtigung der IKT bereits in den Lehrplänen der Schulen. Informatikkenntnisse: Software nicht nur brauchen, sondern machen schreibt heute die NZZ und greift das Thema Informatik in der Schule auf. "Die Informatik verändert, was unter Allgemeinbildung zu verstehen ist" sagt der emeritierter ETH-Professor Carl August Zehnder ebenfalls in der NZZ und fordert einen Ausbau der Informatik an den Gymnasien.

Und auch in Deutschland beschäftigt das Thema aktuell die Medien: Streit über Schul-Informatik: "Wir machen eine Rolle rückwärts". Informatik ist in lediglich drei Bundesländern ein Pflichtfach in der Schule.

Es kommt nicht von ungefähr, dass praktisch alle grossen IT Unternehmen, deren Anwendungen wir kaum missen möchten und doch über sie und ihr Verhalten gerne klagen, nicht aus Europa kommen. (Sicher, die Gründe hierfür sind vielfältiger als schulische Lehrpläne.)

Das Erlernen der Grundlagen und Möglichkeiten der IKT sowie der verantwortungsbewusste Umgang mit den Mitteln der IKT - Stichwort Medienkompetenz - gehören deswegen auf jeden Lehrplan. 



18. April 2012

Wissen was die Wikipedia kann und ist - ein Beispiel

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob die Wikipedia als wissenschaftliche Quelle erlaubt ist, zuletzt z.B. im Artikel in Wissenschaftler fassen Vertrauen in die Wikipedia bei ZEIT Online. Meine eigene Sicht habe ich vor längerer Zeit hier formuliert.
Und immer wieder bin ich erstaunt, wie wenig die Digital Natives darüber wissen, wie die Wikipedia eigentlich funktioniert.

Dazu ein anschauliches Beispiel aus den vergangenen Tagen:
Kürzlich wurde ich auf diese Einladung zur Blogparade "Social Media für die Bürgergesellschaft" aufmerksam. Ich weiss in etwa, was eine Blogparade ist, wollte den Begriff aber gerne nochmal nachschauen.

28. Juli 2011

Was lange währt wird endlich gut... oder so - Nachtrag zum Beitrag vom 21.7.2011

Was lange währt wird endlich gut - so ein Sprichwort. Auch in diesem Fall?

Im Beitrag Ignoranz und fehlende Sensibilität beim fairen Umgang mit Quellen an einem bayerischen Gymnasium berichtete ich am 21. Juli 2011 über den vergeblichen Versuch, Schulleitung und Elternvertreter eines bayerischen Gymnasiums auf den wenig sensiblen Umgang mit fremden Quellen auf der Website der Schule hinzuweisen, ohne Erfolg.

Immerhin hat sich ein Mitarbeiter des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken der Sache angenommen und die entsprechende Schule informiert.

Und eigentlich hätte die Angelegenheit einen wunderbaren Anwendungsfall für die Onlinegruppe der Schule geben können: Die Auseinandersetzung mit dem Thema Urheberrecht, geistiges Eigentum, Verwendung von Quellen und Plagiate. 

Aber was macht die Schule? Sie nimmt die Seite einfach so vom Netz. War die fragliche Seite gestern noch Online, so erhält man heute nur noch die Meldung: Error!

21. Juli 2011

Ignoranz und fehlende Sensibilität beim fairen Umgang mit Quellen an einem bayerischen Gymnasium

Das Thema Plagiate ist spätestens seit der Affäre um den Doktortitel des Herrn zu Guttenberg einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Und dass dies kein Einzelfall war, zeigen die jüngsten Fälle aberkannter Doktortitel unter deutschen Politikern und Prominenten.

Aber das Abkupfern fremder Inhalte ist weder ein Kavaliersdelikt noch allein ein Problem der Wissenschaft. In einem Beitrag schrieb ich dazu:
"Der richtige und vor allem faire Umgang mit Quellen insbesondere im digitalen Zeitalter ist Teil der Medienkompetenz – und hier hapert es immer noch gewaltig. Gerade die – vermeintliche – Gratiskultur des Netzes trägt hier zu einem eher lässigen Umgang mit Arbeiten anderer bei – bei Schülern, Studierenden, Wissenschaftlern, Autoren, Journalisten, Bloggern, etc. Erst schnell gegoogelt, dannCtrl C – Ctrl V – innerhalb weniger Augenblick ist heute kopiert. Und dieses Verhalten wird – sicher unbewusst – von vielen Seiten geduldet - und gar gefördert. "

In diesem Kontext entstand dieser Beitrag. Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag veröffentlichen soll, nun habe ich mich dazu entschieden. Der Beitrag zeigt eine besondere Mischung aus fehlender Sensibilität, Verweigerungshaltung und Ignoranz auf. Aber der Reihe nach.

27. Februar 2011

Wissenschaftliches Arbeiten mit der Wikipedia ?!

Die Zeitschrift Forschung & Lehre ("Alles was die Wissenschaft bewegt") hatte wohl mit ihrer Februar-Ausgabe den richtigen Riecher: Sie publizierte einen Artikel zum Thema Plagiateerkennungssoftware sowie ein Pro und Contra zum Thema Wikipedia & wissenschaftliche Arbeiten.

Der Pro-Artikel Gegen ein Anti-Wikipedia-Dogma an Hochschulen von Johannes Becher (Doktorand an der Bucerius Law School, Hamburg) und Viktor Becher (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Uni Hamburg) will mit drei zentralen Vorurteilen über die Wikipedia aufräumen: mangelnde Qualität, "Wikipedia ist chaotisch", mangelnde Verlässlichkeit. Die Autoren wehren sich gegen ein pauschales Wikipedia-Zitierverbot, das es an vielen Hochschulen gibt und plädieren für den reflektierten Umgang mit der Wikipedia.

Maren Lorenz vertritt die Contra-Position im Beitrag Der Trend zum Wikipedia-Beleg. Sie thematisiert die drei Aspekte Qualität, Transparenz, Autorenschaft. Und sie ist der Aufassung, "dass  Zitate aus Wikipedia in wissenschaftlichen Arbeiten nichts zu suchen haben".

17. Februar 2011

Plagiate - weder ein Kavaliersdelikt noch nur ein Problem der Wissenschaft

Etwas Gutes hat die Diskussion um den Plagiatsverdacht beim deutschen Minister zu Guttenberg schon jetzt, unabhängig vom Ausgang: Das Thema plagiieren und Plagiate ist plötzlich in der breiten Öffentlichkeit! Und das ist auch gut so! Denn es ist ein gesellschaftliches Thema! 
Auf wie vielen Websites finden sich beispielsweise Texte oder Bilder, die man irgendwo im Netz gefunden hat, ohne dass man sich um eine korrekte und faire Quellennennung bzw. Verlinkung kümmert?

Bisher haben es kaum Plagiatsfälle in die breite (Medien-) Öffentlichkeit geschafft. Und der breiten Öffentlichkeit war wohl bis vor ein paar Tagen die Begriffe Plagiat bzw. plagiieren kaum wirklich geläufig. 


In der Wirklichkeit der Hochschulen und der Wissenschaft beschäftigt uns dieses Thema schon lange wie z.B. auch die Tagung „Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?“ im September 2009 in Chur gezeigt hat. (vgl. ausführliche Dokumentation in diesem Blog)

15. November 2010

Aktiv sein in Social Media heisst Verantwortung übernehmen

"Do social media matter?" ist eigentlich schon längst nicht mehr die Frage.

Die zentrale Frage ist die, wie wir mit Social Media umgehen; wir, als Individuen, Konsumenten, Bürger, Patienten, Vereinsmitglieder, Sportfans oder Arbeitnehmer.

Wenn wir uns also zunehmend in sozialen Medien aktiv bewegen, ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Aspekt die neue Art der Verantwortung, die wir damit übernehmen.

Social Media ermöglichen uns heute auch jenseits der von Organisationen geplanten Kommunikationskanäle eine Form der Kommunikation, die auch ausserhalb der Reichweite der Kontroll- und Steuerungsmöglichkleiten der Kommunikations- und Marketingabteilungen jeglicher Organisationen liegt.

Damit erhalten wir, jeder einzelne, tatsächlich so etwas wie Macht.
Und Untersuchen zeigen klar, dass Konsumenten heute den Meinungen anderer Konsumenten reativ stark vertrauen (z.B. hier oder hier).


17. Oktober 2010

1. Kongress der Integrata-Stiftung: Mehr Lebensqualität durch IT! - Ein persönlicher Rückblick

Am vergangenen Donnerstag fand in Karlsruhe 1. Kongress der Integrata-Stiftung: Mehr Lebensqualität durch IT! statt, ich habe auf dem FHS eSociety Blog darüber berichtet. Hier möchte ich noch einige eher persönliche Kommentare ergänzen.

Von den drei Keynotes fand ich den Beitrag von Hermann Maurer besonders inspirierend. Es ist durchaus ein Vergnügen im zuzuhören. Maurer, Jg. 1941, hat Mathematik studiert und ist Professor für Informatik an der TU Graz (offizielle Homepage, Eintrag bei Wikipedia). Er ist sicher einer der Pioniere im Bereich Web-basierter Informationssysteme und Wissensmanagement. Ausserdem ist er auch noch als Science Fiction Autor tätigt und hat bereits zahlreiche Werke veröffentlicht.  Und während anderorts um die Rente mit 60, 62, 65 oder 67 gestritten wird, ist Maurer, längst im Rentenalter, immer noch sehr aktiv und beschäftigt sich mit den Fragen der Gegenwart und Zukunft. 

10. November 2009

3. e-inclusion Tagung - eine subjektive Rückschau

Nach 2007 und 2008 fand heute die dritte e-inclusion Tagung des Netzwerks "Digitale Integration Schweiz" zum Thema „Die neuen Medien kompetent nutzen – Voraussetzungen, Bedürfnisse, Massnahmen“ am 10. Nov. 2009 in Solothurn statt. (Ankündigung des BAKOM)

Philipp Metzger, Vizedirektor des BAKOM, eröffnete die Tagung als Vertreter des Gastgebers BAKOM. Er erinnerte daran, dass die Tagung im Rahmen der e-society Strategie des Bundes stattfindet. Ziele der e-society Strategie des Bundes sind nach Metzger den Wohlstand zu fördern und die Nachhaltigkeit zu sichern, die Umsetzung soll rasch, koordiniert und zum Nutzen aller erfolgen. An der Tagung soll die Befähigung der Menschen thematisiert werden – Stichwort Medienkompetenz -,,nachdem im letzten Jahr der „Zugang für Alle“ das Thema war.



3. Juli 2009

Der (N)ONLINER Atlas - eine aktuelle Studie zur Nutzung und Nichtnutzung des Internets

Mit dem (N)ONLINER Atlas ist jüngts eine aktuelle Studie zur Nutzung und Nichtnutzung des Internets in Deutschland publiziert worden.

Der (N)ONLINER Atlas ist eine Studie der
Initiative D21 von knapp 70 Seiten und wurde durchgeführt von Infratest.

Methodisch wurden ca. 30'000 Interviews durchgeführt, die Studie
Während viele Studien und wissenschaftliche Arbeiten das Verhalten derjenigen analysieren, die bereits Online sind, verspricht diese Studie auch eine Analyse der Nicht-Onliner.

Die komplette Studie gibt es als
pdf-Datei (6.3MB) zum Download. Eine Printversion kann kostenlos bestellt werden. Einige der Kernergebnisse:
  • Der Onliner-Anteil in Deutschland liegt bei knapp 70%
  • Der Offliner-Anteil liegt bei 26.6%
    (als Offliner werden Nichtnutzer ohne Nutzungsplanung verstanden)
  • 20% der Männer sind Offliner, aber knapp33% der Frauen
  • 4.3% wollen innerhalb eines Jahres zu Onliner werden
  • Es gibt ein klares Stadt-Landgefälle
  • Das Wachstum bei den Onlinern in der Altersgruppe 60-69 ist überdurchschnittlich hoch, knapp 50% sind Online
  • Das Wachstum bei Personen mit formal einfacher Bildung ist ebenspo überdurchschnittlich hoch und liegt bei 53%
  • 47% der Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 1000 EUR sind Online, auch hier ein überdurchschnittliches Wachstum
  • In der Altersgruppe 70plus sind weniger als 20% Online, das Wachstum ist hier unterdurchschnittlich
  • Zwei Drittel der Onliner nutzen einen Breitbandanschluss.
Der typische Internetnutzer gleicht sich also immer mehr dem Durchschnittsbürger an, die meisten bisher oft unterrepräsentierten Gruppen holen überdurchschnittlich auf - eigentlich erfreulich im Hinblick auf das Thema Digital Divide.

Die Studie umfasst zahlreiche Tabellen und Grafiken und zeigt regionale (bis auf Ebene Regierungsbezirke), demographische und zeitliche Veränderungen auf. Das 5. und 6. Kapitel (S. 32-40) widmet sich dann vor allem den Offlinern mit und ohne Beschaffungsabsichten.


Bildquelle: pixelio/RainerSturm

10. Mai 2009

Qualitätsjournalismus - Wikipedia - Hoax

Unter dem Titel "Qualitätsjournalismus - Wikipedia - Online-Medien" berichteten wir im Februar über einen Fall, bei dem Journalisten von (Qualitäts-) Zeitungen einer Fälschung in Wikipedia aufgesessen sind. Inhaltlich war's eine Bagatelle, aber das Prinzip des ungeprüften Abschreibens ist dass was einen aufhorchen lässt.

Nun ist vor einigen Tagen wiederum ein solcher (Bagatell-?) Fall bekannt geworden.
Ein irischer Student am University College Dublin namens Shane Fitzgerald, 22 Jahre alt, hatte unmittelbar nach dem Tod des Komponisten Maurice Jarre am 29.3.2009 ein gefälschtes Zitat in dem entsprechenden Wikipediaeintrag hinzugefügt.
"Fitzgerald's timing could not have been better."
... schreibt Siobhain Butterworth in der Guardian Rubrik "Comment is Free" am 4.5.2009 im Artikel "The readers' editor on ... web hoaxes and the pitfalls of quick journalism", in dem sie versucht das Missgeschick zu erklären.

Das Timing und das Wissen um den Druck von Journalisten, zeitnah Artikel publizieren zu müssen, war wohl auch für Fitzgerald ein Motiv. Und - erwartungsgemäss? - übernahmen eine Reihe von Zeitungen das falsche Zitat in ihrem berichten über den Tod des Komponisten, darunter der
Guardian:

In dem Nachruf auf Maurice Jarre am 31.3.2009 ("
Maurice Jarre") wurde dieses Zitat offensichtlich ohne die Nennung einer Quelle übernommen. In der Online-Version von heute ist das Zitat nicht mehr enthalten, viemher lesen wir am Ende des Artikels folgendes:
"This article was amended on Friday 3 April 2009. Maurice Jarre died on 28 March 2009, not 29 March. We opened with a quotation which we are now advised had been invented as a hoax, and was never said by the composer: "My life has been one long soundtrack. Music was my life, music brought me to life." The article closed with: "Music is how I will be remembered," said Jarre. "When I die there will be a final waltz playing in my head and that only I can hear." These quotes appear to have originated as a deliberate insertion in the composer's Wikipedia entry in the wake of his death on 28 March, and from there were duplicated on various internet sites. These errors have been corrected."
Soviel also zu den Recherechekünsten eines Qualitätsblattes: Nicht nur hat man ein Zitat ungeprüft und ohne Quellenangaben übernommen, sogar der Todestag an sich wurde falsch berichtet.

Es wäre durchaus ein leichtes gewesen, das Zitat auf seine Echtheit zu überprüfen: Ein falsches Zitat hätte in Suchmaschinen keine bzw. kaum Treffer erhalten können. Das gefälschte Zitat von Fitzgerald hat übringens heute bei google.ch ca.
700 Treffer ... (Und mit diesem Blogbeitrag wieder einen mehr).

Darüber hinaus berichtet
irishtimes.com im Beitrag vom 6.5.2009 "Student's Wikipedia hoax quote used worldwide in newspaper obituaries" davon, dass das Zitat, da ohne Quellenangabe, von den Wikipedia Editoren sehr schnell wieder entfernt wurde:
"The quote had no referenced sources and was therefore taken down by moderators of Wikipedia within minutes. "
... aber anschliessend von Fitzgerald wieder eingefügt wurde, wieder gelöscht wurde, etc. pp.

Soviel also zur Debatte um Qualitätsssicherung in On- und Offline-Medien.


Und zur weiteren Motivation des Studenten lesen wir ebd.:

"Mr Fitzgerald said he placed the quote on the website as an experiment when doing research on globalisation.
He wanted to show how journalists use the internet as a primary source and how people are connected especially through the internet, he said."
Und auch das lernen wir: Online-Zeitungsartikel müssen nicht identisch sein mit der gedruckten Version: In der zugehörigen Article History schreibt der Guardian:
"Obituary: Marice Jarre: This article was first published on guardian.co.uk at 00.01 BST on Tuesday 31 March 2009. It appeared in the Guardian on Tuesday 31 March 2009 on p36 of the Obituaries section. It was last updated at 09.28 BST on Wednesday 29 April 2009. "
Da ist die History des Wikipediaeintrages schon aussagekräftiger ...

Gerade hat die
NZZ am 8.5.2009 über den Wert von (gedruckten) Zeitungen - die notabene nachträglich digitalisert wurden - für die Geschichtsforschung ausführlich berichtet: "Geschichte aus der Forschungsperspektive".

Die Art und Weise, wie der Guardian mit der Online-Version von Artikeln umgeht, sie je nach Gusto abändert, ohne die Änderungen konkret zu benennen und ohne den Originalartikel zu archivieren, ist ein Plädoyer für die gedruckte Ausgabe einer Zeitung, sie ist ein absolutes Muss! Schon aus historischen Gründen.

Sicher, auch dieser Fall ist inhaltlich eine Bagatelle, durch das falsche Zitat ändert sich nichts am Tod von Marice Jarre und auch sein Ruf wird ist nicht beschädigt. Aber jeder kann sich vorstellen, wie einfach Schäden mit gewichtigeren Konsequenten entstehen können!

Dieser Fall könnte somit ein Lehrstück in Sachen (Internet-) Recherche, Qualitätssicherung und Medienkompetenz sein!

Bildquelle: flickr.com/swanksalot

13. Januar 2009

"Wer lehrt die Kinder googeln?"

Die Notwendigkeit der Informations- und Medienkompetenz haben wir hier schon Mal thematisiert. Es geht um das rasante Wachstum des Internet, um das Internet als Leitmedium und um die veränderte Mediennutzung.
In den aktuellen Diskussionen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise werden auch Programme zum Ausbau der Telekommunikationsinfrastrukturen aufgelegt, in den USA wie in Europa. Das ist grundsätzlich absolut begrüssenswert, denn Informations- und Telekommunikationsionfrastrukturen sind in rohstoffarmen Wirtschaften wie der Schweiz oder Deutschalnd essentiell für die zukünftige Entwicklung.
Aber diese Infrastrukturen sind notwendig, aber längst nicht hinreichend! Die Datenautobahn allein reicht nicht, auch nicht viele wunderbare und weniger wunderbare Anwendungen.

Die Problematik einer mangelnden Informations- und Medienkompetenz von Schlülern zeigt der Autor Wolfram Kinzig in seinem F.A.Z. Artikel vom 7. Januar 2009 "
Wer lehrt die Kinder googeln?". Der sehr persönlich geschriebene Artikel zeigt plastisch, woran es heute mangelt. Schüler sind kaum in der Lage, das Internet und seine Anwendungen wie Suchmaschinen oder Wikipedia vernünftig zu nutzen. Offensichtlich - dass ist meine Interpretation - hat man es ihnen auch nicht beigebracht, möglicherweise mangels entsprechend geschulter Lehrkräfte, um es vorsichtig zu formulieren. Aber darüber hinaus fehlt es heute ganz offensichtlich auch um das Wissen und das Bewusstsein im Umgang mit Informationen. 'Im Internet ist doch alles frei verfügbar' scheint die Devise zu sein. Beim wissenschaftlichen Arbeiten im Kontext des Internet und neuer Medien scheinen manchmal alle bisher geltenden Regeln vergessen zu sein. Der Autor leitet aus seinen persönlichen Beobachtungen drei Forderungen ab:
  1. "Es bedarf, erstens, dringend einer Unterrichtseinheit, die den Umgang mit den großen Webportalen, vor allem Suchmaschinen und Internet-Enzyklopädien, behandelt und Fragen thematisiert wie: Woran erkenne ich Websites mit verlässlichen Informationen? Wie unterscheide ich Sinnvolles von Unnützem? Wie und was darf ich zitieren? Was ist geistiges Eigentum? Wann beginnt das Plagiat?"

  2. "Zweitens bräuchten die Schulen Zugang zu den Netzen der großen Universitätsbibliotheken, um es fortgeschrittenen Schülern zu ermöglichen, auf professionelle Datenbanken zurückzugreifen, damit sie nicht der informationellen Unübersichtlichkeit des Internets ausgeliefert sind."

  3. "... müsste es, drittens, zum Unterrichtsstandard gehören, dass bei der Ausgabe von Referaten Listen mit gedruckter Sekundärliteratur und mit geeigneten und geprüften Websites ausgegeben werden."
Dem kann ich mir nur anschliessen!

Die Fachkonferenz '
Lernende Bibliothek 2009' (6.-8. Sept. 2009 in Chur) hat sich dieser Themenstellung angenommen: "Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? - Aktuelle Herausforderungen für die Bibliothek und ihre Partner im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens" . Die Konferenz fragt daher nach

  1. einer genauen Beschreibung des Problems,
  2. nach den Verantwortlichen für die Situation,
  3. nach Lösungsansätzen zur Lösung des Problems und
  4. konkrett nach der Rolle der Bibliothek.



Bildquelle und
©: joujou/ PIXELIO

3. Dezember 2008

Das Internet wird definitiv zum Leitmedium

(blogs.faz.net, 3.12.2008)

Der Netzökonom berichtet von einer Umfrage des europäischen Online-Werbeverbandes EIAA. Ein Ergebnis für Deutschland: Während der Fernsehkonsum stagniert, wächst die Internetnutzung stetig an. Auch in der Altersgruppe der 25 bis 34 Jährigen hat das Internet das Fernsehen nahezu in der Nutzungsdauer überholt. Dabei stieg die Internet Nutzungszeit um 25% gegenüber dem Vorjahr. Weiterhin wird festgestellt, dass das TV zunehmend parallel zu anderen Medien genutzt wird, dass TV wird zum Begleitmedium. Zahlen aus der Schweiz wurden in der Untersuchung leider nicht erhoben.

In einer ebenfalls in diesem Beitrag zitierten Untersuchung von Allensbach wird festgestellt, dass das Internet als Informationsmedium den klassischen Medien den Rang abläuft. Während die klassischen Medien wie Zeitung, TV oder Zeitschriften in der Bedeutung abnehmen, steigt das Internet massiv an. Dies betrifft vor allem die Altersgruppe der 20-29 Jährigen.
Im Grundsatz sind diese Entwicklungen nicht wirklich überraschend; aber sie belegen die Geschwindigkeit, aber auch die Nachhaltigkeit der Veränderungen im Bereich der Medien und Mediennutzung. Unweigerlich kommen einem - neben vielen anderen Fragen - auch die Frage der Informations- und Medienkompetenz in den Sinn. Während die etwas Älteren unter uns mehr oder weniger allmählich an die klassischen Medien wie Zeitung oder TV herangeführt wurden - ich selbst bin mit drei TV Kanälen aufgewachsen, die um werktags ab 17:00 gesendet haben, die Tageszeitung war eine Selbstverständlichkeit -, sind Kinder und Jugendliche dem Internet oft 'ungeschützt' ausgesetzt, da Eltern wie auch Lehrer oft selbst den Umgang mit dem Internet und seiner Möglichkeiten nie gelernt haben und im Wissen um das Internet den Kindern oft hinterher hinken.