Immer wieder wird darüber diskutiert, ob die Wikipedia als wissenschaftliche Quelle erlaubt ist, zuletzt z.B. im Artikel in Wissenschaftler fassen Vertrauen in die Wikipedia bei ZEIT Online. Meine eigene Sicht habe ich vor längerer Zeit hier formuliert.
Und immer wieder bin ich erstaunt, wie wenig die Digital Natives darüber wissen, wie die Wikipedia eigentlich funktioniert.
Dazu ein anschauliches Beispiel aus den vergangenen Tagen:
Kürzlich wurde ich auf diese Einladung zur Blogparade "Social Media für die Bürgergesellschaft" aufmerksam. Ich weiss in etwa, was eine Blogparade ist, wollte den Begriff aber gerne nochmal nachschauen.
Posts mit dem Label Wikipedia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wikipedia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
18. April 2012
Wissen was die Wikipedia kann und ist - ein Beispiel
Labels:
Digital Natives,
Medienkompetenz,
Wikipedia
St. Gallen, Schweiz
9000 St. Gallen, Schweiz
27. Februar 2011
Wissenschaftliches Arbeiten mit der Wikipedia ?!
Die Zeitschrift Forschung & Lehre ("Alles was die Wissenschaft bewegt") hatte wohl mit ihrer Februar-Ausgabe den richtigen Riecher: Sie publizierte einen Artikel zum Thema Plagiateerkennungssoftware sowie ein Pro und Contra zum Thema Wikipedia & wissenschaftliche Arbeiten.
Der Pro-Artikel Gegen ein Anti-Wikipedia-Dogma an Hochschulen von Johannes Becher (Doktorand an der Bucerius Law School, Hamburg) und Viktor Becher (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Uni Hamburg) will mit drei zentralen Vorurteilen über die Wikipedia aufräumen: mangelnde Qualität, "Wikipedia ist chaotisch", mangelnde Verlässlichkeit. Die Autoren wehren sich gegen ein pauschales Wikipedia-Zitierverbot, das es an vielen Hochschulen gibt und plädieren für den reflektierten Umgang mit der Wikipedia.
Maren Lorenz vertritt die Contra-Position im Beitrag Der Trend zum Wikipedia-Beleg. Sie thematisiert die drei Aspekte Qualität, Transparenz, Autorenschaft. Und sie ist der Aufassung, "dass Zitate aus Wikipedia in wissenschaftlichen Arbeiten nichts zu suchen haben".
Der Pro-Artikel Gegen ein Anti-Wikipedia-Dogma an Hochschulen von Johannes Becher (Doktorand an der Bucerius Law School, Hamburg) und Viktor Becher (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Uni Hamburg) will mit drei zentralen Vorurteilen über die Wikipedia aufräumen: mangelnde Qualität, "Wikipedia ist chaotisch", mangelnde Verlässlichkeit. Die Autoren wehren sich gegen ein pauschales Wikipedia-Zitierverbot, das es an vielen Hochschulen gibt und plädieren für den reflektierten Umgang mit der Wikipedia.
Maren Lorenz vertritt die Contra-Position im Beitrag Der Trend zum Wikipedia-Beleg. Sie thematisiert die drei Aspekte Qualität, Transparenz, Autorenschaft. Und sie ist der Aufassung, "dass Zitate aus Wikipedia in wissenschaftlichen Arbeiten nichts zu suchen haben".
St. Gallen, Schweiz
St. Gallen, Schweiz
10. Mai 2009
Qualitätsjournalismus - Wikipedia - Hoax
Unter dem Titel "Qualitätsjournalismus - Wikipedia - Online-Medien" berichteten wir im Februar über einen Fall, bei dem Journalisten von (Qualitäts-) Zeitungen einer Fälschung in Wikipedia aufgesessen sind. Inhaltlich war's eine Bagatelle, aber das Prinzip des ungeprüften Abschreibens ist dass was einen aufhorchen lässt.
Nun ist vor einigen Tagen wiederum ein solcher (Bagatell-?) Fall bekannt geworden. Ein irischer Student am University College Dublin namens Shane Fitzgerald, 22 Jahre alt, hatte unmittelbar nach dem Tod des Komponisten Maurice Jarre am 29.3.2009 ein gefälschtes Zitat in dem entsprechenden Wikipediaeintrag hinzugefügt.
Das Timing und das Wissen um den Druck von Journalisten, zeitnah Artikel publizieren zu müssen, war wohl auch für Fitzgerald ein Motiv. Und - erwartungsgemäss? - übernahmen eine Reihe von Zeitungen das falsche Zitat in ihrem berichten über den Tod des Komponisten, darunter der Guardian:
In dem Nachruf auf Maurice Jarre am 31.3.2009 ("Maurice Jarre") wurde dieses Zitat offensichtlich ohne die Nennung einer Quelle übernommen. In der Online-Version von heute ist das Zitat nicht mehr enthalten, viemher lesen wir am Ende des Artikels folgendes:
Es wäre durchaus ein leichtes gewesen, das Zitat auf seine Echtheit zu überprüfen: Ein falsches Zitat hätte in Suchmaschinen keine bzw. kaum Treffer erhalten können. Das gefälschte Zitat von Fitzgerald hat übringens heute bei google.ch ca. 700 Treffer ... (Und mit diesem Blogbeitrag wieder einen mehr).
Darüber hinaus berichtet irishtimes.com im Beitrag vom 6.5.2009 "Student's Wikipedia hoax quote used worldwide in newspaper obituaries" davon, dass das Zitat, da ohne Quellenangabe, von den Wikipedia Editoren sehr schnell wieder entfernt wurde:
Soviel also zur Debatte um Qualitätsssicherung in On- und Offline-Medien.
Und zur weiteren Motivation des Studenten lesen wir ebd.:
Gerade hat die NZZ am 8.5.2009 über den Wert von (gedruckten) Zeitungen - die notabene nachträglich digitalisert wurden - für die Geschichtsforschung ausführlich berichtet: "Geschichte aus der Forschungsperspektive".
Die Art und Weise, wie der Guardian mit der Online-Version von Artikeln umgeht, sie je nach Gusto abändert, ohne die Änderungen konkret zu benennen und ohne den Originalartikel zu archivieren, ist ein Plädoyer für die gedruckte Ausgabe einer Zeitung, sie ist ein absolutes Muss! Schon aus historischen Gründen.
Sicher, auch dieser Fall ist inhaltlich eine Bagatelle, durch das falsche Zitat ändert sich nichts am Tod von Marice Jarre und auch sein Ruf wird ist nicht beschädigt. Aber jeder kann sich vorstellen, wie einfach Schäden mit gewichtigeren Konsequenten entstehen können!
Dieser Fall könnte somit ein Lehrstück in Sachen (Internet-) Recherche, Qualitätssicherung und Medienkompetenz sein!
Nun ist vor einigen Tagen wiederum ein solcher (Bagatell-?) Fall bekannt geworden. Ein irischer Student am University College Dublin namens Shane Fitzgerald, 22 Jahre alt, hatte unmittelbar nach dem Tod des Komponisten Maurice Jarre am 29.3.2009 ein gefälschtes Zitat in dem entsprechenden Wikipediaeintrag hinzugefügt.
"Fitzgerald's timing could not have been better."... schreibt Siobhain Butterworth in der Guardian Rubrik "Comment is Free" am 4.5.2009 im Artikel "The readers' editor on ... web hoaxes and the pitfalls of quick journalism", in dem sie versucht das Missgeschick zu erklären.
Das Timing und das Wissen um den Druck von Journalisten, zeitnah Artikel publizieren zu müssen, war wohl auch für Fitzgerald ein Motiv. Und - erwartungsgemäss? - übernahmen eine Reihe von Zeitungen das falsche Zitat in ihrem berichten über den Tod des Komponisten, darunter der Guardian:
In dem Nachruf auf Maurice Jarre am 31.3.2009 ("Maurice Jarre") wurde dieses Zitat offensichtlich ohne die Nennung einer Quelle übernommen. In der Online-Version von heute ist das Zitat nicht mehr enthalten, viemher lesen wir am Ende des Artikels folgendes:
"This article was amended on Friday 3 April 2009. Maurice Jarre died on 28 March 2009, not 29 March. We opened with a quotation which we are now advised had been invented as a hoax, and was never said by the composer: "My life has been one long soundtrack. Music was my life, music brought me to life." The article closed with: "Music is how I will be remembered," said Jarre. "When I die there will be a final waltz playing in my head and that only I can hear." These quotes appear to have originated as a deliberate insertion in the composer's Wikipedia entry in the wake of his death on 28 March, and from there were duplicated on various internet sites. These errors have been corrected."Soviel also zu den Recherechekünsten eines Qualitätsblattes: Nicht nur hat man ein Zitat ungeprüft und ohne Quellenangaben übernommen, sogar der Todestag an sich wurde falsch berichtet.
Es wäre durchaus ein leichtes gewesen, das Zitat auf seine Echtheit zu überprüfen: Ein falsches Zitat hätte in Suchmaschinen keine bzw. kaum Treffer erhalten können. Das gefälschte Zitat von Fitzgerald hat übringens heute bei google.ch ca. 700 Treffer ... (Und mit diesem Blogbeitrag wieder einen mehr).
Darüber hinaus berichtet irishtimes.com im Beitrag vom 6.5.2009 "Student's Wikipedia hoax quote used worldwide in newspaper obituaries" davon, dass das Zitat, da ohne Quellenangabe, von den Wikipedia Editoren sehr schnell wieder entfernt wurde:
"The quote had no referenced sources and was therefore taken down by moderators of Wikipedia within minutes. "... aber anschliessend von Fitzgerald wieder eingefügt wurde, wieder gelöscht wurde, etc. pp.
Soviel also zur Debatte um Qualitätsssicherung in On- und Offline-Medien.
Und zur weiteren Motivation des Studenten lesen wir ebd.:
"Mr Fitzgerald said he placed the quote on the website as an experiment when doing research on globalisation.Und auch das lernen wir: Online-Zeitungsartikel müssen nicht identisch sein mit der gedruckten Version: In der zugehörigen Article History schreibt der Guardian:
He wanted to show how journalists use the internet as a primary source and how people are connected especially through the internet, he said."
"Obituary: Marice Jarre: This article was first published on guardian.co.uk at 00.01 BST on Tuesday 31 March 2009. It appeared in the Guardian on Tuesday 31 March 2009 on p36 of the Obituaries section. It was last updated at 09.28 BST on Wednesday 29 April 2009. "Da ist die History des Wikipediaeintrages schon aussagekräftiger ...
Gerade hat die NZZ am 8.5.2009 über den Wert von (gedruckten) Zeitungen - die notabene nachträglich digitalisert wurden - für die Geschichtsforschung ausführlich berichtet: "Geschichte aus der Forschungsperspektive".
Die Art und Weise, wie der Guardian mit der Online-Version von Artikeln umgeht, sie je nach Gusto abändert, ohne die Änderungen konkret zu benennen und ohne den Originalartikel zu archivieren, ist ein Plädoyer für die gedruckte Ausgabe einer Zeitung, sie ist ein absolutes Muss! Schon aus historischen Gründen.
Sicher, auch dieser Fall ist inhaltlich eine Bagatelle, durch das falsche Zitat ändert sich nichts am Tod von Marice Jarre und auch sein Ruf wird ist nicht beschädigt. Aber jeder kann sich vorstellen, wie einfach Schäden mit gewichtigeren Konsequenten entstehen können!
Dieser Fall könnte somit ein Lehrstück in Sachen (Internet-) Recherche, Qualitätssicherung und Medienkompetenz sein!
Bildquelle: flickr.com/swanksalot
13. Februar 2009
Qualitätsjournalismus - Wikipedia - Online-Medien
Sicher, es ist eine Bagatelle, aber der Fall zeigt doch auf, wie einfach es sein kann, die Medien und damit notabene die Öffentlichkeit mit nicht korrekten Informationen zu versorgen – und auch, wie schnell es geht, bis dass der Sachverhalt aufgeklärt wird (BetaBlog auf NZZ Online, 12. Feb. 2009: „Wilhelm und die Wikipedia - Wie deutsche Medien auf eine Fälschung hereinfielen“)*. Und der Fall zeigt auch auf, wie wichtig der Umgang mit Quellen ist, dass man Quellen immer hinterfragen und natürlich auch selbstverständlich angeben sollte.
Aber selbst wenn Journalisten in kritischeren Fällen genauer hinschauen und misstrauisch werden, dann reicht es womöglich, wenn nur ein oder wenige Journalisten doch nicht so genau hinschauen, genügend andere dann ‚abschreiben‘, und man trotzallem eine falsche Nachricht um die Welt verbreitet. Und selbst wenn dieser Fehler genau so schnell wieder korrigiert werden würde, (politische, wirtschaftliche, militärische, persönliche) Entscheidungen, die aufgrund dieser Meldung getroffenen werden würden, liessen sich möglicherweise nicht mehr rückgängig machen.
Wir sind also wieder beim Thema: „Die neue Macht der Online-Medien“.
Spiegel Online entschuldigte sich bei seinen Lesern:
Damit ist das ein wenn auch harmloser Showcase der Berichterstattung im digitalen Zeitalter.
Was war passiert? Ein Autor hat in der Wikipedia beim Eintrag des neuen deutschen Wirtschaftsministers von Guttenberg einen zusätzlichen elften Vornamen hinzugefügt. Dieser falsche, elfte Vorname wurde dann von den Medien weitgehend übernommen:
„Der Folgefehler legitimierte damit den ursprünglichen Fehler - ein verzwickter Kreislauf.“ (BetaBlog NZZ Online 12. Feb. 2009) Klar, eine Bagatelle. Aber sie zeigt durchaus den Mechanismus auf.
„Natürlich wäre es zu begrüssen, wenn Online-Medien mit einem Qualitätsanspruch nicht einfach jeden Quatsch von Wikipedia abschreiben würden, aber wenn sich da ein elfter Vorname in eine Liste von zehn einschleicht, dann erregt das halt in der Hitze des Gefechts nicht sofort Misstrauen. Schliesslich ist es ja nicht so, dass die Journalisten einer digitalen Fälschung der Hitler-Tagebücher aufgesessen wären.“ (ebd.)
Andere Medien kommentieren hier mit Überschriften wie "Recherche Chaos" oder "Miserable Recherchen ...".
Aber selbst wenn Journalisten in kritischeren Fällen genauer hinschauen und misstrauisch werden, dann reicht es womöglich, wenn nur ein oder wenige Journalisten doch nicht so genau hinschauen, genügend andere dann ‚abschreiben‘, und man trotzallem eine falsche Nachricht um die Welt verbreitet. Und selbst wenn dieser Fehler genau so schnell wieder korrigiert werden würde, (politische, wirtschaftliche, militärische, persönliche) Entscheidungen, die aufgrund dieser Meldung getroffenen werden würden, liessen sich möglicherweise nicht mehr rückgängig machen.
Wir sind also wieder beim Thema: „Die neue Macht der Online-Medien“.
Spiegel Online entschuldigte sich bei seinen Lesern:
"Doch hat der Autor beim Schreiben des Textes den Namen leider nur bei Wikipedia verifiziert - und Wikipedia ist bekanntlich keine hundertprozentig verlässliche Quelle. [...] Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. SPIEGEL ONLINE wird künftig noch sorgfältiger recherchieren. Wikipedia bleibt für uns eine wichtige Quelle, darf aber für journalistische Arbeit nie die einzige Quelle sein."(Spiegel Online, 11.2.2009)
Und was lernen wir daraus? Der Umgang mit Quellen muss im digitalen Zeitalter noch sorgfältiger stattfinden als im analogen. Und selbstverständlich sind Quellen jeglicher Art – On- wie Offline – korrekt zu zitieren.
An dieser Stelle sei nochmals auf die zum Thema „Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?“ im September 2009 in Chur stattfindende Tagung ‚Lernende Bibliothek 2009‘ hingewiesen.
* weitere Artikel zum Thema:
An dieser Stelle sei nochmals auf die zum Thema „Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?“ im September 2009 in Chur stattfindende Tagung ‚Lernende Bibliothek 2009‘ hingewiesen.
Bildquelle und ©: freeday/PIXELIO
* weitere Artikel zum Thema:
- Telepolis, 11.2.2009: Ein eklataner Fall der medialen Verbreitung einer falschen Information
- Spiegel Online, 11.2.2009: Falscher Wilhelm bei Minister Guttenberg
- ZEIT Online, 13.2.2009: "Mich hat überrascht, wie viele den Fehler übernahmen"
Abonnieren
Posts (Atom)

