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18. Juli 2017

Faktencheck als erste Bürgerpflicht

Winnie in the dark, fact checking!
Im Zeitalter von sog. Fake News sind Faktenchecks aktuell en vogue, für viele Medien gehören sie inzwischen zum guten Ton, denn zu Tun gibt es viel.

Aber das ist längst nicht genug:
An der re:publica 17 wiess Klaus Kleber darauf hin, dass auch und vor allem die Zivilgesellschaft verstärkt gegen Fake News aufbegehren muss und den Job nicht nur den Journalisten überlassen darf. In der Tat, eine Demokratie braucht aufmerksame, aktive, interessierte, kritische und engagierte Bürger:
"Es gibt in jeder Gesellschaft, gerade in einer demokratisch verfassten, eine Verantwortung des Einzelnen, die der Staat nicht übernehmen kann. Demokratie ist die edelste Staatsform, aber es ist eine Staatsform, die nicht nur Freiheit gewährt und schützt, sondern auch Verantwortung verlangt. Demokratie verlangt Engagement und zwar über Wahlen hinaus. Sie verlangt Meinungsbildung, Beschäftigung mit den Themen, die das Gemeinwesen prägen und verändern." (faz.net 9.7.2017)
Das bedeutet im Zusammenhang mit Medien, dass jeder Einzelne sich aktiv und kritisch mit den Medien, die er oder sie konsumiert, auseinandersetzt. Vorausgesetzt natürlich, der Bürger oder die Bürgerin verfügt über die o.g. Eigenschaften und will sich auch engagieren - und nicht unkritisch in seiner Filterblase verharren, in der man es sich gemütlich einrichtet und - frei nach Pipi Langstrumpf - die Welt so sieht, wie sie einem gefällt, Fakten hin oder her.
"Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt." (Wikipedia

Dazu ein kleines, aktuelles Beispiel:

Heute entdeckte ich zufällig eine Meldung auf Twitter mit dem Titel "Dank Viktor Orbán: Ungarn gehört mit zu den 15 sichersten Ländern der Welt"; gemäss Google Suche wurde der zugehörige Beitrag einer deutschen Website weit über 200 Mal auf weiteren Websites und Blogs geteilt und kopiert, nicht zuletzt auch von Pegida und einer G+ Community Freunde der AfD.

Der Teaser zum Text:
"Diese Nachricht wird vielen EU-Regierungschefs und Mainstreammedien gar nicht schmecken: Ungarn ... rangiert laut der jährlichen Studie über die sichersten Länder des Erdballs des »Global Peace Index« auf Rang 15." *
Und weiter im Text:
"Neben Tschechien, der Slowakei und Polen gehört Ungarn zu den EU-Ländern, die sich mit aller Kraft gegen die von  der Merkel-Regierung aufgezwungene „Willkommens- und Verteilungskultur“ für „Flüchtlinge“ aus aller Welt zur Wehr setzen." *
Die In­si­nu­a­ti­on des Textes wird bereits mit diesem zwei Zitaten deutlich: Die rigorose Flüchtlingspolitik Ungarns macht das Land sicher, Merkels Politik dagegen bewirkt das Gegenteil.

Quelle: Global Peace Index
Leider versäumt es der Artikel wie auch alle Kopien und zugehörige Tweets die Originalquelle zu verlinken, oder gar Werte gegenüber zu stellen. Aber dies ist noch die kleinste Hürde für einen Faktencheck: Global Peace Index.

Ungarn ist tatsächlich auf dem 15. Platz, aber direkt dahinter Deutschland. Schaut man sich die Werte des Indexes an, so liegt Ungarn bei einem Wert von 1494, Deutschland bei 1500, das sind 0.4% Differenz. Die Nr. 1, Island, liegt übrigens bei 1111, und das Schlusslicht Syrien bei 3814, auf Position 163. Ach ja, Tschechien liegt auf Position 6, die Slowakei auf 26 und Polen auf Position 33.

Somit relativiert sich die insinuierte Aussage des Textes gewaltig, Deutschland und Ungarn sind faktisch gleichauf, was den Index angeht.

Interessant wird es, wenn man die 23 Indikatoren, die den Index ergeben, einzeln anschaut. Darunter sind Indikatioren wie Perceptions of Criminality (wahrgenommene Kriminalität), Homicide (absichtliche Tötungen), oder Incarceration (Gefängnisinsassen je 100'000 Einwohner) - bei diesen, und weiteren, Werten schneidet Ungarn deutlich schlechter ab als Deutschland. Natürlich gibt es auch Indikatioren, bei denen es umgekehrt aussieht, z.B. bei Opfern von Terroranschlägen.

Wie die Autoren dazu kommen, dass die Position Ungarns Victor Orban zu verdanken sei, bleibt deren Geheimnis, aus der angegebenen Quelle geht dies selbstverständlich nicht hervor.

Hier werden auf der Basis einer durchaus seriösen Quelle mit einem objektiven Index, der für alle Länder die gleichen Quellen zur Berechnung der Indikatoren heranzieht, abenteurliche Schlussfolgerungen gezogen und sie so notabene scheinbar legitimiert, somit für das Klientel der eigenen Filterblase missbraucht.

Und alle Indikatioren wie auch den gesamten Index kann man bis zum Jahr 2008 zurück abrufen. Dabei ergibt sich für den Gesamtindex für die Länder Deutschland, Ungarn und die Schweiz folgendes Bild:




Bildquelle: flickr / Seth Dodson (CC BY-NC 2.0)

* Quelle: philosophia-perennis.com/2017/07/17/viktor-orban-ungarn, 18.7.2017


18. September 2013

Chromecast in der Schweiz - erste Erfahrungen

Es war einmal eine Suchmaschine namens Google, anno 1998 ....

Und heute? Google, Gmail, Youtube, Streetview, Maps, Earth, Picasa, Google+, Hangout, Chrome, Android, Nexus, und vieles mehr - und jetzt Chromecast.

Mit Chromecast will Google jetzt auch unsere Wohnzimmer erobern, die Couch Potatoes bedienen.

Mit Chromecast wird das teure Fernsehgerät zu einem Bildschirm mit direktem Internetanschluss und einer Art Fernsteuerung degradiert - oder sollte man bei dem Angebot an TrashTV besser von befördert sprechen?

Das kleine Ding könnte tatsächlich das Fernsehen drastisch verändern.

Bisher gibt es Chromecast leider noch nicht in der Schweiz. Über Umwege, sagen wir mal so, habe ich seit gestern Chromecast - und es ist kaum zu glauben wie ein Gerät, das gerade einmal 35 Dollar kostet, im Handumdrehen die Nutzung des TV Geräts verändern kann!

"If you can plug an HDMI cable into a television, you can use Chromecast." schreiben sie bei Techradar, und genau so einfach ist die Installation tatsächlich. Ok, man muss auch noch in der Lage sein, via Webbrowser ein paar Klicks zu machen und man sollte den Namen und das Passwort seines WLANs kennen. Keine fünf Minuten und das System ist startklar.

TV Bildschirm bei der Installation von Chromecast

Zur Installation gibts z.B.  hier bei android-schweiz.ch einen guten Erfahrungsbericht (man liest länger als die Installation tatsächlich dauert....). Einen ausführlichen Bericht gibt's auch beim Technikblog.

Und was gibt's zur Nutzung zu sagen?

"What makes the Chromecast so good is its simplicity" schreibt JR Raphael bei der Computerworld in seinem Review nach einem Monat Chromecast Nutzung. Dem kann ich grundsätzlich nur zustimmen.

Aus Schweizer Sicht ist die Nutzung noch eingeschränkt:
Das zu nutzende Angebot ist (noch) beschränkt, da Chromecast offiziell nicht in Europa verfügbar ist. Da Chromeast nur mit diversen Chromecast-fähigen Apps wie z.B. Netflix funktioniert, die eben bei uns gar nicht funktionieren, ist das Angebot auch nicht nutzbar.

Ich habe Chromecast auf drei Endgeräten kurz ausprobiert:

Am meisten überzeugt mich nach dem aktuellen Stand die Nutzung via Windows 7 Notebook. Sämtliche Inhalte des Chrome Browsers lassen sich nach der Installation der Google Cast Erweiterung auch auf dem TV Gerät zeigen (nein, ich habe keinen extragrossen externen Monitor). Das macht eher weniger Sinn für normale Webseiten. Aber wer z.B. die Mediatheken der Fernsehanstalten nutzt, ist mit Chromecast nicht mehr darauf angewiesen, die Doku, den Film oder die Serie auf dem PC Bildschirm anzusehen. Und natürlich lassen sich so alle Videos, Fotos, etc. - eben sämtliche Browserinhalte - auf dem TV Gerät ansehen. Beim Videokonsum sollte man darauf achten, möglichst hochauflösende Videos abzuspielen, ansonsten ist der Sehgenuss doch eher limitiert.

Chromecast streamt keine lokalen Inhalte: will man etwas auf dem TV Gerät ansehen oder zeigen, z.B. eine Fotoserie, müssen die Inhalte Online, z.B. in einer Cloud, verfügbar sein. Aber das dürfte sowie bei vielen Nutzern Standard sein.

Die Apps für mein Adroid Nexus 4 Smartphone und das iPad muss man sich in den jeweiligen App Stores in den USA besorgen, vielleicht der kniffeligste Teil für den eher unbedarften Nutzer.

Chromecast Android App

Die Android App bietet vier verschiedene Anwendungen, davon gibt es aber zwei - Netflix und Play Movies - nicht in der Schweiz. Youtube funktioniert wunderbar, bei Play Music habe ich keine Option gefunden, die Inhalte via Chroemcast abzuspielen - was bei Musik wohl auch kaum wirklich Sinn macht.

Chromecast iPad App

Die iPad App bietet momentan zwei Anwendungen, Youtube und Netflix (das in der Schweiz nicht angeboten wird).

Die mobilen Browserversionen sind weder für Android noch für iOS Chromecast fähig.

Nach ein paar Stunden Nutzung lässt sich zusammenfassend sagen:

Das Angebot für Chromecast ist auf den ersten Blick noch relativ gering, insbesondere bei uns in der Schweiz. Faktisch sind die Browserinhalte des Chrome Browsers auf dem Windows 7 Notebook/PC sowie Youtube Inhalte auf allen Plattformen via Chromecast auf dem TV Gerät konsumierbar. Das klingt zunächst eher wenig, ist aber doch sehr viel in Anbetracht der Möglichkeiten, die vor allem die Darstellung von Inhalten aus dem Chrome Browser auf dem TV Gerät erlauben.
Und man darf sich sicher sein, dass Google einerseits die Zahl der Anwendungen rasch erweitern wird, andererseits Chromecast wohl auch in absehbarer Zeit offiziell nach Europa kommt.

Das wenige Herumprobieren mit Chromecast zeigt auch deutlich, wie wir uns weiter von der starren Programmstruktur der TV Anbieter und deren Inhalten lösen können und werden. Chromecast erlaubt es uns, eigene Inhalte zusammenzustellen und via dem TV Gerät in der guten Stube zu konsumieren - und diese Inhalte kommen je länger desto weniger von den traditionellen TV Anbietern. Wenn Netflix und Googles Play Movies auch bei uns angeboten werden bzw. den Durchbruch schaffen, gibt es keinen Grund mehr, z.B. Spielfilme oder TV Serien - incl. der Werbeunterbrechungen - von einem TV Anbieter zu konsumieren.

Verify - Install - Run

Während der Installation

Go!


Ergänzung 11.12.2013:
Inzwischen gibt es eine Reihe weiterer Appsfür Chromecast:





24. September 2011

Millenials und die Social Media Nutzung - eine Momentaufnahme

Im laufenden Herbstsemester betreue ich wie schon 2009 die Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" (IGEP) im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur im Rahmen eines Lehrauftrags. Die Studierenden im 3. Semester sind vom Alter her sog. Millenials, d.h. nach 1980 geboren.
Immer wieder gehen wir davon aus, dass diese Generation ebenso wie schon die Digital Natives ganz selbstverständlich mit den neuen bzw. sozialen Medien umgehen, da sie bereits mit ihnen aufgewachsen sind. Persönlich habe ich schon seit geraumer Zeit meine Zweifel an dieser Annahme. Zuletzt wurde dies mir auch deutlich im Rahmen der Sonderschau Lernen im digitalen Zeitalter der FHS St. Gallen an der oba in St. Gallen.

28. Oktober 2010

Social TV - Wohin geht die Reise?

http://blog.digitalingredients.co.uk
Initiiert durch den Blogbeitrag "Gemeinsam Fernsehen mit Twitter" auf leumund.ch  hat sich am letzten Sonntag im Rahmen des Blogbeitrags und auf Twitter eine kurze Diskussion zum Thema TV & Twitter ergeben.

Ich selbst habe diese Verknüpfung zu Beginn des sonntäglichen Tatorts dann in einem Tweet eher spontan als SocialTV bezeichnet.

Soweit so gut. Am Montag war diese kurze Diskussion via Blog und Twitter für mich dann passé.


29. Juni 2010

Die digitale Kulturrevolution – haben Bücher und Zeitungen ausgedient?

Im Rahmen der der öffentlichen Vortragsreihe «wOrt 2010: Wissen vor Ort» (Flyer) der FHS St. Gallen habe ich gestern in Flawil referiert (Ankündigung auf dem FHS eSociety Blog). Mit der Veranstaltungsreihe geht die FHS St. Gallen in die Regionen hinaus, um den Dialog mit der Bevölkerung zu suchen und Einblicke in ihren Alltag zu geben.
Schulratspräsident Elmar Metzger vertrat die Gemeinde Flawil.
Meinen Vortrag habe ich überschrieben mit "Die digitale Kulturrevolution – haben Bücher und Zeitungen ausgedient?".
Trotz Konkurrenz durch das Sommerwetter und der Fusball WM kamen 34 Zuhörer, 20-30 wurden erwartet.

4. Februar 2010

Teenager: Bloggen ist out, Social Networks sind in

Vor wenigen Tagen wurde in den USA eine Studie zum Medienkonsum der Generation M2 publiziert.

Heute erreicht uns die Nachricht einer Studie zum Thema Social Media & Mobile Internet Use Among Teens and Young Adults des PewResearchCenter.

Die grundsätzlichen Ergebnisse sind letztendlich nicht weiter überraschend, in der Studie erfährt man aber zahlreiche Details:
  • Die Teenager bloggen weniger als noch 2006, Erwacsene dagegen mehr
  • Die Nutzung von Social Networks hat dagegen massiv zugenommen, sowohl bei Teenagern als auch bei den anderen Altersgruppen. 
  • Twitter spielt kaum eine Rolle bei den Teenagern: "Twitter is an exception".
  • Ein Handy zu besitzen ist auch bei Teenagern inzwischen mainstream geworden
  • Annähernd 100% der Teenagr ab 12 Jahren nutzen das Internet.

Weitere Quellen:

Bildquelle: flickr.com/ Marco Gomes

20. Januar 2010

Medienkonsum der Generation M2

Die Kaiser Family Foundation haht heute eine Studie zum Medienkosum der 8- bis 18-jährigen in den USA veröffentlicht: "Generation M2: Media in the Lives of 8- to 18-Year-Olds". Der Internet Kritiker Andrew Keen kommentierte dazu via Twitter:
"if this report about kids' media habits doesn't disturb you, then you don't have kids".
Worüber ist Keen so entsetzt? Gemäss der Studie ist der Medienkonsum der 8- bis 18-jährigen Kinder und Teens in den USA markant angestiegten seit der letzten Untersuchung 2004. So verbringen sie im Durchschnitt knapp acht Stunden (7:38) mit elektronischen Medien, konsumieren aber Inhalte im Umfang von knapp elft Stunden (10:45) durch Mehrfachnutzung verschiedener Medien. Die NYT titelt dazu heute:
"If Your Kids Are Awake, They’re Probably Online".
Die representative Studie wurde nach 1999 und 2004 2009 zum dritten Mal durchgeführt.

Der Anstieg des Medienkonsums wird gemäss der Studie vor allem durch den Gebrauch mobiler Endgeräte getrieben. Die mobilen Alleskänner werden im Durchscnitt 33 Minuten täglich zum telefonieren genutzt , aber 49 Minuten für anderes wie Musik hören, spielen oder TV. Wer Beschränkungen des medienkonsums durch die Eltern auferlegt bekommt, konsumiert deutlich weniger als diejenigen ohne Beschränkungen. Je nach Medium geben aber nur ca. ein Drittel an, überhaupt Einschränkungen in der Nutzung zu haben. Kinder mit Beschränkungen seitens der Eltern nutzen Medien im Schnitt fast drei Stunden (2:52) weniger als solche ohne jegliche Einschränkungen. Inwieweit der Medienkonsum die schulischen Leistungen beeinflusst, lässt die Studie letztendlich offen.

Ein weiterer Grund für die Zunahme wird in den Aktivitäten in Social Networks zugeschrieben.

Weitere Ergebnisse sind der ausführlichen Pressemitteilung oder der Präsentation der Studie zu entnehmen. Der vollständige Bericht (85 Seiten) ist ebenfalls Online erhältlich. In einem Video werden drei Profile der Generation M2 vorgestellt. 

Bildquelle: flickr.com/ Marco Gomes

3. Juli 2009

Der (N)ONLINER Atlas - eine aktuelle Studie zur Nutzung und Nichtnutzung des Internets

Mit dem (N)ONLINER Atlas ist jüngts eine aktuelle Studie zur Nutzung und Nichtnutzung des Internets in Deutschland publiziert worden.

Der (N)ONLINER Atlas ist eine Studie der
Initiative D21 von knapp 70 Seiten und wurde durchgeführt von Infratest.

Methodisch wurden ca. 30'000 Interviews durchgeführt, die Studie
Während viele Studien und wissenschaftliche Arbeiten das Verhalten derjenigen analysieren, die bereits Online sind, verspricht diese Studie auch eine Analyse der Nicht-Onliner.

Die komplette Studie gibt es als
pdf-Datei (6.3MB) zum Download. Eine Printversion kann kostenlos bestellt werden. Einige der Kernergebnisse:
  • Der Onliner-Anteil in Deutschland liegt bei knapp 70%
  • Der Offliner-Anteil liegt bei 26.6%
    (als Offliner werden Nichtnutzer ohne Nutzungsplanung verstanden)
  • 20% der Männer sind Offliner, aber knapp33% der Frauen
  • 4.3% wollen innerhalb eines Jahres zu Onliner werden
  • Es gibt ein klares Stadt-Landgefälle
  • Das Wachstum bei den Onlinern in der Altersgruppe 60-69 ist überdurchschnittlich hoch, knapp 50% sind Online
  • Das Wachstum bei Personen mit formal einfacher Bildung ist ebenspo überdurchschnittlich hoch und liegt bei 53%
  • 47% der Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 1000 EUR sind Online, auch hier ein überdurchschnittliches Wachstum
  • In der Altersgruppe 70plus sind weniger als 20% Online, das Wachstum ist hier unterdurchschnittlich
  • Zwei Drittel der Onliner nutzen einen Breitbandanschluss.
Der typische Internetnutzer gleicht sich also immer mehr dem Durchschnittsbürger an, die meisten bisher oft unterrepräsentierten Gruppen holen überdurchschnittlich auf - eigentlich erfreulich im Hinblick auf das Thema Digital Divide.

Die Studie umfasst zahlreiche Tabellen und Grafiken und zeigt regionale (bis auf Ebene Regierungsbezirke), demographische und zeitliche Veränderungen auf. Das 5. und 6. Kapitel (S. 32-40) widmet sich dann vor allem den Offlinern mit und ohne Beschaffungsabsichten.


Bildquelle: pixelio/RainerSturm

1. März 2009

Mediennutzung - Zwei aktuelle Studien aus Deutschland

Der Netzökonom auf FAZ.NET, Holger Schmidt, berichtet in zwei Beiträgen über aktuelle Studien zur Mediennutzung.

Im Beitrag "
3 von5 Internetnutzern sind in sozialen Netzwerken aktiv" wird über eine Studie von web.de berichtet, die sich mit der E-Mail als dominantes Kommunikationsmittel beschäftigt.
"E-Mail ist unverändert das mit Abstand stärkste Kommunikationsmittel im Internet. Soziale Netzwerke haben keinen nachhaltigen Einfluss auf die Nutzung von E-Mail. Solche Kommunikationsservices werden vielmehr als zusätzliches Angebot verstanden"
lautet die Schlussfolgerung der Repräsentativumfrage „Kommunikationsverhalten deutscher Internet-Nutzer", die im Auftrag von web.de durchgeführt wurde. Und weiter aus den Ergebnissen:
"Während nahezu jeder Internet-Nutzer über eine E-Mail Adresse verfügt, habe die Befragung gezeigt, dass lediglich 58 Prozent in sozialen Netzwerken aktiv sind. 'Soziale Netzwerke und Instant Messenging sind Teenager-Phänomene'."
Dazu der Netzökonom:
"Lediglich 58 Prozent sind in sozialen Netzwerken aktiv? Und gar 96 Prozent der jugendlichen Nutzer? Nach gerade einmal drei Jahren, in denen es soziale Netzwerke in breiter Form gibt, sind diese Zahlen nicht schlecht. Und dass die E-Mail-Nutzung gar nicht darunter leidet, dass viele Menschen nun in ihren Netzwerken oder per Twitter kommunizieren, erscheint auf Dauer wenig plausibel".
Und der Netzökonom zweifelt nochmals an der Plausibilität der Ergebnisse:
"Spannend ist die Analyse der tatsächlichen Nutzung der sozialen Netzwerke, deren Ergebnisse allerdings nicht unbedingt plausibel sind."
Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse scheint also angebracht! Zur Methodik erfährt man beim Convios Consulting, die die Studie durchgeführt jhaben, noch folgendes:
"Die Umfrage wurde unter 1000 Internetnutzern ab 16 Jahren in Deutschland auf Basis einer Onlinebefragung (Computer Assisted Web Interviewing; CAWI) durchgeführt. Dabei wurden die Befragten repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Nielsen-Region ausgewählt und im Zeitraum November 2008 jeweils etwa 15 Minuten befragt."
Im Beitrag "State of the Internet" berichtet der Netzökonom über eine Repräsentativstudie von PriceWaterhouse Coopers, die recht breit die Internetnutzung in Deutschland analysiert. Für die Studie "Internet 2009 - Wer macht was im World Wide Web?"
"wertete PwC die Antworten von 1.006 repräsentativ befragten Endverbrauchern ab 16 Jahren aus. "
Also so ziemlich die gleiche Grundgesamtheit wie bei der web.de Studie.
"Gut jeder zweite Befragte nutzt das Internet regelmäßig, 37 Prozent sind allerdings nie online. Das liegt vor allem am hohen Anteil der älteren Bevölkerung (60+), die das Internet eher selten oder gar nicht nutzen (83 Prozent)."
Und zur Nutzung sozialer Netzwerke:
"Soziale Netzwerke setzen sich durch
Das Internet wird nicht nur als wichtige Informationsquelle angesehen, sondern gilt auch gemeinhin als wichtiges Kommunikationsmedium, denn die weitaus meisten Befragten pflegen ihre Kontakte über das Internet. Das bevorzugte Medium ist nach wie vor die E-Mail, die 90 Prozent häufig oder wenigstens gelegentlich schreiben. In Communities wie Facebook, StudiVZ oder Xing sind mittlerweile 38 Prozent der Nutzer vernetzt.
Besonders populär sind die sozialen Netzwerke in der Altersgruppe unter 30. Hier sind drei von vier Internet-Nutzern auch Mitglied mindestens einer Online-Community. Knapp sechs von zehn der Befragten (56 Prozent) geben an, ihre Kontakte im persönlichen Online-Netzwerk häufig zu pflegen."
Das deckt sich grundsätzlich mit den Ergebnissen der web.de Studie. Blogs werden dagegen wesentlich seltener genutzt:
"Auf ein deutlich geringeres Interesse als soziale Netzwerke stoßen Online-Tagebücher oder Journale, so genannte Blogs. Fast zwei von drei Internetnutzern wissen mit diesem Begriff nichts anzufangen. Nur jeder fünfte Befragte liest zumindest gelegentlich ein Blog, jeder zehnte bloggt selbst.
Während Blogs in anderen Ländern durchaus als vertrauenswürdige Informationsquelle gelten, überwiegt bei den Befragten in Deutschland die Skepsis. Von denen, die Blogs kennen, halten diese 38 Prozent für unglaubwürdig, nur 23 Prozent für glaubwürdig."
Die Mehrheit der Befragten bewertet den Wahrheitsgehalt von Informationen aus dem Internet ganz allgemein generell zurückhaltend. 61% der Befragten unter 30 Jahren geben ein Glaubwürdigkeitsprobleman - diese hohe Zahl ist dann doch duchaus überraschend. Allerdings wird der Wert nicht weiter differenziert. Allerdings ist auch bei dieser Studie bezüglich Palusibilität Vorsicht geboten. Bei den Aussagen zur Nutzung von Online-Angeboten im Servicebereich ist die Zahl der Nichtnutzer relativ hoch: 54% der Befragten wickeln angeblich nie Bankgeschäfte Online ab, und bei der Nutzung von Online-Partnerbörsen geben nur 5% an, dass sie diese gelegentlich nutzen, 95% nutzen sie nie, und niemand häufig.

23. Januar 2009

Die gedruckte Zeitung als episches Medium mit Zukunft !?

Mit der Zukunft der gedruckten Zeitung und damit zusammenhängend dem Qualitätsjournalismus haben wir uns schon verschiedentlich beschäftigt (Link). Bei allem Pessimismus, was die Zukunft der gedruckten Zeitung angeht, der durch die aktuelle Wirtschaftskrise noch verstärkt wird, versucht Miriam Meckel uns in einem Beitrag in der F.A.Z. vom 22. Januar 2009 etwas Mut zu machen: "Zukunft der Zeitung: Das epische Medium". (persönliche Hompage von Miriam Meckel und ihre Homepage bei der Universität St. Gallen)

Die Autorin macht aber auch unmissverständlich klar: Wenn bei den Zeitungen alles bleibt wie es ist, dann sind sie tatsächlich dem Untergang geweiht - und damit das Milieu der Informationsbohème*. Damit spricht sie Aspekte an wie die fehlende Kreativität bei der Nutzung der Netzwelt - möglicherweise basierend auf dem fehlenden Verständnis dieser Online-Welt - oder das Verharren in 'alten' Kulturen, in denen Online kaum Platz hat und wo ein Schwarz-Weiss - Denken vorherrscht und Online grundsätzlich etwas Subversives darstellt. Ebenfalls werden die Zeitungen und der Qualitätsjournalismus kaum überleben, wenn weiterhin dort gekürzt wird
"wo das Herz der Zeitung schlägt: bei Recherche und eigenen Inhalten, also dort, wo Journalismus richtig Geld kostet, aber eben auch Qualitätsprodukte und Preiswürdiges hervorbringt."
Und die Lösung? Das definierte Miteinander von On- und Offline, die komplementäre Ergänzung:
"Die Zeitung der Zukunft wird zwei Gesichter haben: ein gedrucktes und ein vernetztes."
Und Miriam Meckel ist überzeugt, dass das gedruckte Wort und der Qualitätsjournalismus überleben werden:

"Eine andere Art des Journalismus wird weiter mit dem gedruckten Wort arbeiten, am Kiosk zu kaufen oder per Abo im Briefkasten zu finden sein. Das sind die Geschichten, die nicht in Häppchen als Schnäppchen im Sekundentakt im Netz plaziert werden, sondern die recherchiert, korrigiert, gegengelesen, überarbeitet, also weiterhin in einem aufwendigen Prozess entstehen. Sie sind Meisterstücke, Ergebnisse von Individualität, Kreativität und den richtigen verlegerischen Investitionen in Köpfe, die das können. Dazu braucht man keinen Newsroom, dazu braucht man Schreiber, die die Welt erzählen. Auf eine Weise, die wir im Netz oft vergeblich suchen, und wenn wir sie finden, dann sind es meist Printgeschichten, die ins Netz gestellt wurden."
Aber: Im Artikel wird auch deutlich gemacht, das guter Journalismus "richtig Geld kostet" und dass die Nachrichtenportale im Netz rasante Nutzungszuwächse verzeichnen. Gleichzietig wissen wir, dass die Auflagen von (Qualitäts-) Zeitungen tendenziell sinken, das Anzeigenvolumen zurückgeht und wider jeder Vernunft - aus Sicht des "Informationsbohème" eben doch Stellen von Korrespondenten und Journalisten gestrichen werden. Auf die nahe liegende Frage 'Wer soll den Qualitätsjournalismus bezahlen?' gibt der Artkel leider keine Antwort. Eine Schlussfolgerung aus dem Geschriebenen wäre aber, dass das eine Gesicht der Zeitung - Online - das andere - Print - finanziert, da es sich ja um zwei Gesichter einer Zeitung handelt, "zwei Seiten einer Medallie". Die zentrale Frage des Geschäftsmodells der Zeitung von Morgen bleibt weiter offen.

* "Diese lose Gruppierung unangepasster Informationsjunkies, die so gut zum Internetzeitalter passt und doch fast anachronistisch nicht auf ihre Zeitungslektüre verzichten will. Mit der Zeitung unter dem Arm ins Café, zum Termin oder auf den Zug, darin steckt nicht nur der analoge Zugang zu Aktualität und Wissen, darin spiegelt sich ein Selbstentwurf."

Bildquelle und ©: Ernst Rose/PIXELIO

8. Januar 2009

Deloitte-Studie zur Mediennutzung „The State of Media Democracy“

Am 7. Jan. 2009 publizierte Deloitte Ergebnisse der repräsentativen Studie "The State of Media Democracy". In fünf Ländern - Brasilien, Japan, USA, England und Deutschalnd - wurden 8'800 Verbraucher zum Mediennutzungsverhalten befragt (Pressemitteilung). Aus jedem der fünf Länder werden Stärken und Schwäschen berichtet. Die Deutschen werden hier als 'zurückhaltend' und 'reserviert' beschrieben, "Faktoren wie „Faszination“ und „Lifestyle“ spielten für sie im Zusammenhang mit Technologie kaum eine Rolle", "Insgesamt besteht somit noch ein erhebliches Potenzial für den Ausbau von „Multimedia“ in Deutschland." Für mediale Aktivitäten verwenden die Deutschen am wenigsten Zeit im Vergleich der Länder (63Std./Woche), in Brasilien die meiste Zeit; die Deutschen informieren sich tendenziell libeer eher klassisch, insbesondere die Älteren vorwiegend durch klassiche Medien. Die Jungen setzen aber auf eigenen Content und nutrzen das Internet als soziales Medium. Obwohl sich die ältere Generation als eher "online-abstinent" beschrieben wird, wird an anderer Stelle hervorgehoben: "In Deutschland gehört die Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren wie auch in Japan zu den ältesten weltweit – davon sind hierzulande 64 Prozent online." Klar festgehalten wird aber auch, dass die Deutschen keinesfalls technikfeindlich sind: "Zwar lesen sie im Vergleich mehr Bücher, hören konventionelles Radio und sehen „normales“ TV. Jedoch nutzt mehr als die Hälfte ihren Computer häufiger zur eigenen Unterhaltung als den Fernseher, über ein Viertel verwendet das Mobiltelefon als Entertainment-Plattform."

Interessant ist die Aufteilung in Altergruppen im deutschen Teil der Studie: "Millenials", das sind die 14 bis 25-jährigen, "Xers", das sind die 26 bis 42-jäjhrigen, und der Rest gehört dann wohl zum alten Eisen, zu den "Older Adults", von 43 bis 75 Jahre, wie der Pressemitteilung der Studie zu entnehmen ist. Vielen Dank Deloitte! Wo kann ich meine Rente beantragen? ;-)

25. Dezember 2008

Mediennutzung - Zeitungen vs. Internet in den USA

Quelle: people-press.org
Vor ein paar Tagen habe ich hier über den Niedergang der Zeitungen in den USA im Zusammenhang mit der Mediennutzung berichtet.

Dazu passend berichtet Heise Online heute über eine aktuelle Untersuchung aus den USA: "Internet konkurriert mit TV als primäre Nachrichtenquelle". Zitiert wird eine Untersuchung des Pew Research Center for the People & the Press mit dem Titel "Internet Overtakes Newspapers As News Source".

Danach steht das Internet als primäre Nachrichtenquelle an zweiter Stelle nach dem TV, aber erstmals vor den Zeitungen. Während in diesem Zusammenhang TV und Zeitungen kontinuirlich an Bedeutung abnehmen, steigt die Releavanz des Internet rapide an: Von 24% 2007 auf 40% 2008.

Bei den Jugendlichen zwischen 18 und 28 ist die Aussage noch deutlicher: Mit je 59% stehen Internet und TV auf gleicher Höhe, die Nutzung der Zeitungen ist mit 28% weit abgeschlagen - auch wenn hier eine Zunahme von 2007 auf 2008 zu verzeichnen ist.


[Quelle der Grafik: http://people-press.org/report/479/internet-overtakes-newspapers-as-news-source]

19. Dezember 2008

Mediennutzung - Zeitungen in den USA

Über die Mediennutzung haben ich hier bereits berichtet. Dass Tageszeitungen es gegenwärtig in der Schweiz und auch in Deutschland nicht leicht haben, ist auch bekannt. Die Auflagen gehen zurück (vgl. z.B. „Auflagen: 30% runter bis 2018“). Dass die Entwicklungen aber auch ganz anders verlaufen können, zeigt das Beispiel aus Japan (link), hier legen Qualitätszeitungen sogar zu.

In der Ausgabe vom 19. Dez. 2008 berichtet nun die Neue Zürcher Zeitung NZZ in ihrem Medienteil über aktuelle Entwicklungen aus den USA, genauer genommen aus Kalifornien: „Der Niedergang beschleunigt sich - Die Presse-Entwicklung im Grossraum San Francisco als Blick in die Zukunft?“. In Kalifornien, mit 6 Millionen Einwohnern fast so gross wie die Schweiz, stellt sich die Entwicklung der Tageszeitungen offensichtlich sehr drastisch dar, auch drastischer als in anderen Ballungsräumen in den USA. Dort existieren offensichtlich keine nennenswerten Blätter mehr, die den Namen Qualitätszeitung verdienen würden. Der Beitrag zeigt an konkreten Beispielen den Niedergang einzelner Objekte auf. So verliert der San Francisco Chronicle in vier Jahren 30% seiner Auflage. Aber was sind die Ursachen? Einerseits werden falsche strategische Entscheide, Rechtsstreitigkeiten und Übernahmen als Ursachen angeführt. Aber auch hier in Kalifornien – der Wiege vieler Internet Firmen - wird die Schuld beim Internet gesucht: „«Die Bay Area ist eine sehr innovative Region»,[…], technische Neuerungen schlügen hier «stärker und schneller» durch – soll heissen: Internet und Web 2.0.“ So wird Phil Bronstein zitiert, ein Zeitungskenner aus der Region. Aber wie ist dies gemeint? Heisst das als eine mögliche Schlussfolgerung, dass die überdurchschnittlich verdienenden und ausgebildeten Bewohner des Grossraums San Francisco schneller sich von der traditionellen Zeitung abwenden? Wenn man die Beobachtungen aus Deutschland für die USA hochrechnet, mag dies wohl eine zutreffende Annahme sein. (hierzu ein Beitrag des Netzökonom:
Akademiker informieren sich meist im Internet).

Wie weit die Qualität gesunken ist, macht die Schlusspassage des NZZ Beitrags deutlich:

„Theodore Glasser, Journalismusprofessor an der Stanford University, findet die Zeitung «grässlich». Seine Kollegin Dawn Garcia, die früher selbst einmal als leitende Redaktorin bei den «Mercury News» gearbeitet hat, überlegt sich, ob sie das Blatt nicht abbestellen soll – eigentlich sei es überflüssig geworden. Aber ganz so weit ist es noch nicht: «Ich bin hier aufgewachsen. Und ich lese die Nachrufe!», sagt sie mit schwarzem Humor. Und: «Das Beste ist inzwischen die Heim-und-Garten-Beilage.»“

15. Dezember 2008

Demographie und Mediennutzung - Zeitungen in Japan

"Das Internet wird zum Leitmedium", das war der Titel eines Posts in diesem Blog vom 3. Dezember 2008. U.a. wird hier auch erwähnt, dass Zeitungen an Bedeutung verlieren, während die Internetnutzung rasant ansteigt. Der Auflagenrückgang von Zeitungen wird in Europa wie in den USA allenthalben konstatiert.
Dass dies aber nicht ein globales Phänomen ist, lehrt uns ein Artikel im Feuilletion der NZZ vom 13./14. Dezember 2008: "Die Treue der Senioren". Auch Japans Gesellschaft altern, und auch in Japan nutzen die Älteren COmputer und das Internet: "Japan zählt, was die Nutzung von Computern durch ältere Menschen betrifft, zur Weltspitze." Dann lesen sie doch sicher auch weniger Zeitung? Nein: "Dessen ungeachtet zeigt sich beim Medienkonsum, dass die überwiegende Zahl der älteren Japaner die Zeitung dem Bildschirm vorziehen. Japans Senioren sind sehr treue Zeitungsleser."

Nicht nur bei den Älteren, sonder insgesamt hält Japan die weltweite Spitzenstellung bei den Zeitungslesern: "Hier werden täglich 624 Tageszeitungen pro 1000 Erwachsene verkauft. Dies ist zweieinhalbmal mehr als in den USA." Und während man bei uns bei den auflagenstärksten Zeitungen an Blick oder Bild denkt: Die auflagenstärkste Zeitung der Welt ist eine japanische Qualitätszeitung der Meinungspresse mit dem Titel "
Yomiuri Shimbun" (englische Version). Auf Platz sechs der Liste der auflagenstärksten Zeitungen der Welt erscheint die Bild, die Ränge zwei bis fünf sind ebenfalls japanische Zeitungen. (World's 100 Largest Newspapers) Und Yomiuri Shimbun ist kein Aussreisser: "..., konnten alle fünf grossen nationalen Qualitätszeitungen ihre Auflage halten."
Ein Grund dafür sieht der Autor des NZZ Artikel, Urs Schoettli, im grundsätzlichen Medien- und Kommunikationsverhalten der Japaner, der u.a. durch einen hohen Informationsanspruch charakterisiert sei: "Der Leser, sei er nun Baseball-Fan oder Kleinanleger an der Börse, will in seinem Fachgebiet bis ins kleinste Detail und auf jeden Fall seriös informiert werden."

Indirekt wird allerdings auch die Problematik angesprochen, dass Jugendliche offensichtlich weniger eifrige Zeitungsleser sind wie ihre Eltern und Grosseltern.

3. Dezember 2008

Das Internet wird definitiv zum Leitmedium

(blogs.faz.net, 3.12.2008)

Der Netzökonom berichtet von einer Umfrage des europäischen Online-Werbeverbandes EIAA. Ein Ergebnis für Deutschland: Während der Fernsehkonsum stagniert, wächst die Internetnutzung stetig an. Auch in der Altersgruppe der 25 bis 34 Jährigen hat das Internet das Fernsehen nahezu in der Nutzungsdauer überholt. Dabei stieg die Internet Nutzungszeit um 25% gegenüber dem Vorjahr. Weiterhin wird festgestellt, dass das TV zunehmend parallel zu anderen Medien genutzt wird, dass TV wird zum Begleitmedium. Zahlen aus der Schweiz wurden in der Untersuchung leider nicht erhoben.

In einer ebenfalls in diesem Beitrag zitierten Untersuchung von Allensbach wird festgestellt, dass das Internet als Informationsmedium den klassischen Medien den Rang abläuft. Während die klassischen Medien wie Zeitung, TV oder Zeitschriften in der Bedeutung abnehmen, steigt das Internet massiv an. Dies betrifft vor allem die Altersgruppe der 20-29 Jährigen.
Im Grundsatz sind diese Entwicklungen nicht wirklich überraschend; aber sie belegen die Geschwindigkeit, aber auch die Nachhaltigkeit der Veränderungen im Bereich der Medien und Mediennutzung. Unweigerlich kommen einem - neben vielen anderen Fragen - auch die Frage der Informations- und Medienkompetenz in den Sinn. Während die etwas Älteren unter uns mehr oder weniger allmählich an die klassischen Medien wie Zeitung oder TV herangeführt wurden - ich selbst bin mit drei TV Kanälen aufgewachsen, die um werktags ab 17:00 gesendet haben, die Tageszeitung war eine Selbstverständlichkeit -, sind Kinder und Jugendliche dem Internet oft 'ungeschützt' ausgesetzt, da Eltern wie auch Lehrer oft selbst den Umgang mit dem Internet und seiner Möglichkeiten nie gelernt haben und im Wissen um das Internet den Kindern oft hinterher hinken.