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3. Juni 2013

Stell dir vor wir leben in der Informationsgesellschaft und keiner kann sie weiterentwickeln

Schüler an der FHS eBusiness Challenge 
Wir leben in der Informations-gesellschaft, ohne Zweifel, unser tägliches Leben als Bürger, Patient, Arbeitnehmer, Konsument, Studierender, Lehrender, etc. ist ohne die Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) kaum mehr vorstellbar.

Ein Leben ohne IKT, das hiesse ein Leben ohne Handy und Smartphone, keine Apps, kein Googlen, kein Billetautomat, kein MP3 Player, keine Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation, keine moderne Heizungssteuerung, keine Verkehrssteuerung, kein modernes und sicheres Auto, kein moderner Kaffeevollautomat oder moderne Waschmaschine, keine moderne Maschine in den Unternehmen, kein ... you name it.
Wir alle nutzen die IKT, aber kaum mehr jemand will die Anwendungen auch entwickeln.

Seit Jahren beklagt die Branche einen grossen Mangel an Fachkräften. Deswegen wurde 2008 das Jahr der Informatik ausgerufen, mit mässigem Erfolg. Und im März 2013 hat eine Gruppe von St.Galler IT-Unternehmen gemeinsam mit der Standortförderung der Stadt St.Gallen die Kampagne «IT St.Gallen rockt!» gestartet. ("St. Gallen soll Silicon Valley werden", "St. Gallen putzt sich raus für IT-Spezialisten").

Ein Kritikpunkt ist die mangelhafte Berücksichtigung der IKT bereits in den Lehrplänen der Schulen. Informatikkenntnisse: Software nicht nur brauchen, sondern machen schreibt heute die NZZ und greift das Thema Informatik in der Schule auf. "Die Informatik verändert, was unter Allgemeinbildung zu verstehen ist" sagt der emeritierter ETH-Professor Carl August Zehnder ebenfalls in der NZZ und fordert einen Ausbau der Informatik an den Gymnasien.

Und auch in Deutschland beschäftigt das Thema aktuell die Medien: Streit über Schul-Informatik: "Wir machen eine Rolle rückwärts". Informatik ist in lediglich drei Bundesländern ein Pflichtfach in der Schule.

Es kommt nicht von ungefähr, dass praktisch alle grossen IT Unternehmen, deren Anwendungen wir kaum missen möchten und doch über sie und ihr Verhalten gerne klagen, nicht aus Europa kommen. (Sicher, die Gründe hierfür sind vielfältiger als schulische Lehrpläne.)

Das Erlernen der Grundlagen und Möglichkeiten der IKT sowie der verantwortungsbewusste Umgang mit den Mitteln der IKT - Stichwort Medienkompetenz - gehören deswegen auf jeden Lehrplan. 



21. Oktober 2012

"Digital gefordet" - Schulen und Hochschulen tun sich schwer im Umgang mit der IKT

Dass die modernen Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) unser tägliches Leben in weiten Teilen durchdrungen haben und kaum mehr wegzudenken sind, ist offensichtlich. Schaut man sich aber an Schulen und Hochschulen um, sind die IKT noch lange nicht im Mainstream angekommen, weder bei den Lernenden noch bei den Lehrenden - das kann ich nicht zuletzt aus eigener Erfahrung bestätigen.

Und immer hört man in diesem Zusammenhang das Argument, die Studierenden seien doch alle sowieso Digital Natives und seien deswegen quasi automatisch auch medienkompetent.

Dass man es sich mit der - naiven - Unterscheidung in Digital Natives und Digital Immigrants etwas zu einfach macht und auch die Realität nicht abbildet, kann man wissen, wenn man will - und wird von der Realität täglich bestätigt.

In der heutigen NZZ am Sonntag widmet sich die 15-seitige Beilage Bildung dem Thema  Digital gefordert:
"Die Informationstechnologien verändern die Welt im Eiltempo – die Schule hinkt hinterher. Warum sich Pädagogen oft schwer tun mit Computern. Und wie der Unterricht der Zukunft aussehen könnte."


28. Juli 2011

Was lange währt wird endlich gut... oder so - Nachtrag zum Beitrag vom 21.7.2011

Was lange währt wird endlich gut - so ein Sprichwort. Auch in diesem Fall?

Im Beitrag Ignoranz und fehlende Sensibilität beim fairen Umgang mit Quellen an einem bayerischen Gymnasium berichtete ich am 21. Juli 2011 über den vergeblichen Versuch, Schulleitung und Elternvertreter eines bayerischen Gymnasiums auf den wenig sensiblen Umgang mit fremden Quellen auf der Website der Schule hinzuweisen, ohne Erfolg.

Immerhin hat sich ein Mitarbeiter des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken der Sache angenommen und die entsprechende Schule informiert.

Und eigentlich hätte die Angelegenheit einen wunderbaren Anwendungsfall für die Onlinegruppe der Schule geben können: Die Auseinandersetzung mit dem Thema Urheberrecht, geistiges Eigentum, Verwendung von Quellen und Plagiate. 

Aber was macht die Schule? Sie nimmt die Seite einfach so vom Netz. War die fragliche Seite gestern noch Online, so erhält man heute nur noch die Meldung: Error!

21. Juli 2011

Ignoranz und fehlende Sensibilität beim fairen Umgang mit Quellen an einem bayerischen Gymnasium

Das Thema Plagiate ist spätestens seit der Affäre um den Doktortitel des Herrn zu Guttenberg einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Und dass dies kein Einzelfall war, zeigen die jüngsten Fälle aberkannter Doktortitel unter deutschen Politikern und Prominenten.

Aber das Abkupfern fremder Inhalte ist weder ein Kavaliersdelikt noch allein ein Problem der Wissenschaft. In einem Beitrag schrieb ich dazu:
"Der richtige und vor allem faire Umgang mit Quellen insbesondere im digitalen Zeitalter ist Teil der Medienkompetenz – und hier hapert es immer noch gewaltig. Gerade die – vermeintliche – Gratiskultur des Netzes trägt hier zu einem eher lässigen Umgang mit Arbeiten anderer bei – bei Schülern, Studierenden, Wissenschaftlern, Autoren, Journalisten, Bloggern, etc. Erst schnell gegoogelt, dannCtrl C – Ctrl V – innerhalb weniger Augenblick ist heute kopiert. Und dieses Verhalten wird – sicher unbewusst – von vielen Seiten geduldet - und gar gefördert. "

In diesem Kontext entstand dieser Beitrag. Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag veröffentlichen soll, nun habe ich mich dazu entschieden. Der Beitrag zeigt eine besondere Mischung aus fehlender Sensibilität, Verweigerungshaltung und Ignoranz auf. Aber der Reihe nach.

13. Januar 2009

"Wer lehrt die Kinder googeln?"

Die Notwendigkeit der Informations- und Medienkompetenz haben wir hier schon Mal thematisiert. Es geht um das rasante Wachstum des Internet, um das Internet als Leitmedium und um die veränderte Mediennutzung.
In den aktuellen Diskussionen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise werden auch Programme zum Ausbau der Telekommunikationsinfrastrukturen aufgelegt, in den USA wie in Europa. Das ist grundsätzlich absolut begrüssenswert, denn Informations- und Telekommunikationsionfrastrukturen sind in rohstoffarmen Wirtschaften wie der Schweiz oder Deutschalnd essentiell für die zukünftige Entwicklung.
Aber diese Infrastrukturen sind notwendig, aber längst nicht hinreichend! Die Datenautobahn allein reicht nicht, auch nicht viele wunderbare und weniger wunderbare Anwendungen.

Die Problematik einer mangelnden Informations- und Medienkompetenz von Schlülern zeigt der Autor Wolfram Kinzig in seinem F.A.Z. Artikel vom 7. Januar 2009 "
Wer lehrt die Kinder googeln?". Der sehr persönlich geschriebene Artikel zeigt plastisch, woran es heute mangelt. Schüler sind kaum in der Lage, das Internet und seine Anwendungen wie Suchmaschinen oder Wikipedia vernünftig zu nutzen. Offensichtlich - dass ist meine Interpretation - hat man es ihnen auch nicht beigebracht, möglicherweise mangels entsprechend geschulter Lehrkräfte, um es vorsichtig zu formulieren. Aber darüber hinaus fehlt es heute ganz offensichtlich auch um das Wissen und das Bewusstsein im Umgang mit Informationen. 'Im Internet ist doch alles frei verfügbar' scheint die Devise zu sein. Beim wissenschaftlichen Arbeiten im Kontext des Internet und neuer Medien scheinen manchmal alle bisher geltenden Regeln vergessen zu sein. Der Autor leitet aus seinen persönlichen Beobachtungen drei Forderungen ab:
  1. "Es bedarf, erstens, dringend einer Unterrichtseinheit, die den Umgang mit den großen Webportalen, vor allem Suchmaschinen und Internet-Enzyklopädien, behandelt und Fragen thematisiert wie: Woran erkenne ich Websites mit verlässlichen Informationen? Wie unterscheide ich Sinnvolles von Unnützem? Wie und was darf ich zitieren? Was ist geistiges Eigentum? Wann beginnt das Plagiat?"

  2. "Zweitens bräuchten die Schulen Zugang zu den Netzen der großen Universitätsbibliotheken, um es fortgeschrittenen Schülern zu ermöglichen, auf professionelle Datenbanken zurückzugreifen, damit sie nicht der informationellen Unübersichtlichkeit des Internets ausgeliefert sind."

  3. "... müsste es, drittens, zum Unterrichtsstandard gehören, dass bei der Ausgabe von Referaten Listen mit gedruckter Sekundärliteratur und mit geeigneten und geprüften Websites ausgegeben werden."
Dem kann ich mir nur anschliessen!

Die Fachkonferenz '
Lernende Bibliothek 2009' (6.-8. Sept. 2009 in Chur) hat sich dieser Themenstellung angenommen: "Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? - Aktuelle Herausforderungen für die Bibliothek und ihre Partner im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens" . Die Konferenz fragt daher nach

  1. einer genauen Beschreibung des Problems,
  2. nach den Verantwortlichen für die Situation,
  3. nach Lösungsansätzen zur Lösung des Problems und
  4. konkrett nach der Rolle der Bibliothek.



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©: joujou/ PIXELIO