Seiten

Posts mit dem Label Wahl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wahl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

9. August 2015

Social Media im Wahlkampf

Am 18. Oktober sind Nationalratswahlen – aber auch im Jahr 2015 ist der Einsatz von Social Media im Wahlkampf längst noch keine Selbstverständlichkeit. Mich selbst hat das Thema Online- und Social Media in der politischen Kommunikation und insbesondere im Wahlkampf immer wieder beschäftigt; aus meiner - eher subjektiven - Brille habe ich verschiedentlich Social Media Aktivitäten von Kandidierenden im Wahlkampf beobachtet und kommentiert.

Auf ihrem Blog hat Marie-Christine Schindler im März diesen Jahres verschiedene Arten der Social Media Nutzung im Wahlkampf dokumentiert, ebenfalls basierend auf ihren Beobachtungen einer Veranstaltung, bei der es um dieses Thema ging. 

Zu den bevorstehenden Nationalratswahlen haben wir in St. Gallen einen Social Media Snack organisiert zum Thema Social Media und Wahlkampf. Drei Kandidierende von drei Parteien, die bisher nicht im Nationalrat vertreten sind, kandidieren für einen Sitz im Nationalrat. Vier Wochen vor der Wahl, am 17.9.,  werden sie von ihren bisherigen Erfahrungen aus einer persönlichen Sicht berichten - wir können sehr gespannt sein. 

Aufgrund meines Interesses an dem Thema und der Online- bzw. Social Media - Kommunikation im Allgemeinen ist mir natürlich eine ganz spezielle Kampagne nicht entgangen. 

Seit einigen Tagen sieht man in St. Gallen ein Plakat, das auf orangen Hintergrund lediglich die Worte Wo ist Beda? sowie einen QR Code zeigt. Zuerst dachte ich an eine Werbekampagne, die mich als Konsumenten neugierig machen soll; und ich fing an zu grübeln, welche Marke, welches Produkt, welcher Hersteller denn vor einem möglichen (Re-) Launch stehen könnte. Habe ich eine Ankündigung verpasst?


Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)
Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)



Scannt man den QR Code ein, kommt man auf eine Webseite, die auch nicht viel mehr zeigt. 

Screenshot woistbeda.ch (8.8.2015)

Erst nach ein Gespräch mit einem Studierenden, der sich in seiner Masterarbeit ebenfalls mit dem Thema Social Media und Wahlen beschäftigen wird, konkretisierte sich der Gedanke, dass es sich um eine politische Kampagne im Zusammenhang mit den Nationalratswahlen 2015 handeln könnte - aber eine Bestätigung gibt es bisher nicht. Auch die Googlesuche nach "Wo ist Beda" führt bis heute zu keinem relevanten Treffer.

Suche nach "wo ist beda"
bei google.ch am 9.8.15

Die Kombination der Farbgebung und des Namens lassen eine bestimmte Vermutung zu. Aber wie auf der Webseite zu lesen ist: wir erfahren es in Kürze ... nun denn. 

Mein Zwischenfazit zu dieser Kampagne:
  • Das Plakat hat meine Aufmerksamkeit erhalten - wahrscheinlich aber nur aus professioneller Neugier heraus.
  • Eine politische Kampagne habe ich nicht dahinter vermutet. 
  • Mit etwas Neugier, Kenntniss und Geschick lässt sich zumindest eine Vermutung anstellen, was die Kampagne will und er dahinter stecken könnte. 
  • Die Kampagne ist sicherlich in ihrer Art kreativer als viele andere (politische) Kampagnen. 
  • Die Gestaltung der Kampagne bisher (8.9.2015) erscheint mir aber zu abstrakt, als dass sie beim Wähler bzw. Konsumenten genügend Aufmerksamkeit generiert. 
  • Meine Vermutung ist, dass sehr wenige Leute den QR Code gescannt haben.
  • Wer den QR Code scannt, ist durchaus enttäuscht, denn er erfährt Online nur unwesentlich mehr als beim Lesen des Plakats. 
  • Ob die Kampagne ein Erfolg oder eher ein Rohrkrepierer wird, werden wir sehen. 

Update 10.8.2015, 08:00
Inzwischen wurde das Geheimnis um Beda gelüftet. Heute morgen, pünktlich zum Ende der Schulferien, begrüsst uns ein eher typisches Wahlplakat:

Plakat am stgaller Bahnhof
(10.8.2015)
Und wiederum ist ein QR Code aufgedruckt; er führt zur Website beda-mit-sicherheit.ch:

Screenshot beda-mit-sicherheit.ch
(10.8.2015)

Dort sind links zu finden auf die zugehörige Facebook Seite sowie zum Twitter Account @bedasartory.

Die Website woistbeda.ch ist nach wie vor unverändert aktiv.

Ob sich diese Kampagne Online- wie Offline noch weiter entwickelt? Wir werden sehen.




2. April 2015

Social Media und Wahlkampf: "Der Wahlherbst zwitschert leise"

Im Regionaljournal auf SRF1 hatte ich heute in einem längeren Interview die Gelegenheit, zur Social Media Nutzung im bevorstehenden Nationalrats- und Ständeratswahlkampf Stellung zu nehmen und die aktuellen Aktivitäten einiger Kandidaten und Kandidatinnen aus der Ostschweiz und Graubünden zu kommentieren.

Ich möchte Pius Kessler (@keschpi) vom Team des Regionaljournals danken, dass er das Thema Social Media und Politik immer wieder aufgreift und platziert.

Link zum Online Beitrag Der Wahlherbst zwitschert leise

Link zum gesendeten Radiobeitrag (ab ca. Minute 12:00) (mp3 Datei)


2. Dezember 2014

Beobachtungen zum Social Media Wahlkampf zur stgaller Stadtratswahl am 30. November 2014

Leserbriefe im St.Galler
Tagblatt (24.11.2014)
Am Sonntag, 30. November 2014, wurde in St. Gallen ein neuer Stadtrat gewählt - offiziell "Ersatzwahl eines Mitglieds des Stadtrates für den Rest der Amtsdauer 2013 bis 2016" -, Peter Jans hat die Wahl deutlich im ersten Wahlgang gewonnen. Dazu herzlichen Glückwunsch.

Der Offline Wahlkampf verlief durchaus intensiv, wie auch zu erwarten bei drei Kandidaten für einen Posten. Es gab Stände in der Stadt, Podiumsdiskussionen und Radio- und TV-Auftritte. Dazu zahlreiche Leserbriefe in der Lokalpresse - deren Verteilung im Stadtgebiet sogar analysiert wurde. Und natürlich lächelten uns die Konterfeis der Kandidaten von Plakatwänden im ganzen Stadtgebiet an.

Und wie verlief der Wahlkampf in den Social Media, im Jahre 2014?
Das wollte ich - wie schon früher - wissen und habe deswegen seit Anfang Oktober den Wahlkampf in den Social Media beobachtet.

Um es gleich zu sagen: Genauso zäh wie die Verkündigung der Wahlergbnisse via Online- bzw. Social Media am Sonntag war auch der Wahlkampf an sich, eher träge und zäh, ohne echte Dynamik. Social Media eher als Alibi. Online und Social eher als (lästiges?) Add On zu Offline.
Bei @tagblatt_ch gab es keinen einzigen Tweet zu den Wahl- und Abstimmungsergebnissen vom Sonntag. Und Online hat man beim Tagblatt sogar ein falsches Bild des Wahlgewinners publiziert.

Im folgenden möchte ich aufzeigen, wie die beiden Kandidaten Barbara Frei und Peter Jans auf Facebook und Twitter zwischem dem 1.10. und 26.11.2014 aktiv waren. Der Kandidt This Bürge wird nicht weiter analysiert, da er kein Facebookprofil unterhalten hat und in dem genannten Zeitraum genau einen Tweet veröffentlicht hat.


Quelle: Facebook, 30.11.2014
Barbara Frei ist seit 23.7.2014 mit ihrem Profil Barbara Frei in den Stadtrat aktiv.
Im Zeitraum 1.10. bis 26.11.2014 (8 Wochen) wurden insgesamt 23 Beiträge veröffentlicht. Diese wurden 182 Mal geliked und 10 Mal kommentiert. (Daten gemäss fanpage karma)
In praktisch allen Postings wurden entweder Bilder und/oder Links zu Medienberichten oder auf die eigene Homepage geposted, in einigen wenigen Beiträgen wurden Hinweise auf Wahlkampfveranstaltungen oder -aktivitäten publiziert. Einen Beitrag, der ein bestimmtes Thema aufgreift und diskutiert und ggf. zur Reaktion aufruft, sucht man vergebens.
Die folgende Grafik zeigt die Postings, Likes und Kommentare je Woche. Die Daten geben jeweils das Enddatum der beobachteten Woche an.

Quelle: Facebook/ fanpage karma

Quelle: Facebook, 1.12.2014
Peter Jans ist seit dem 14.8.2014 als Kandidat auf Facebook präsent.

Er hat im gleichen Zeitraum 1.10. bis 26.11.2014 (8 Wochen) insgesamt 41 Beiträge publiziert, die 444 Likes und 45 Kommentare erhielten, vgl. Grafik.
Auch hier wurden überwiegend Photos und/oder Links auf andere Quellen publiziert, originäre inhaltliche Beiträge findet man im Prinzip nicht.
Insgesamt also einerseits höhere Zahl von Beiträgen, andererseits auch eine höhere Quote an Interaktivität bei ca. 10 Likes je Beitrag im Durchschnitt.
Peter Jans war also etwas aktiver auf Facebook als seine Mitbewerberin, auch konnte er mehr Facebooknutzer für sich gewinnen.

Quelle: Facebook/ fanpage karma

Diese Entwicklung lässt sich auch mit der höheren Zahl von Fans erklären:
Was die Zahl der "Gefällt mir" Angaben angeht, so konnte Barbara Frei die Zahl ihrer Fans innerhalb der acht Wochen von 185 auf 209 (113%) steigern, Peter Jans dagegen von 247 auf 335 (136%). Peter Jans konnte hier stärker zulegen als Barbara Frei. Kurz vor der Wahl hatte Peter Jans 60% mehr Fans als Barbara Frei.

Quelle: Facebook

Auch wenn die Art der Beiträge auf Facebook ähnlich sind, so konnte Peter Jans insgesamt mehr Nutzer für sich aktivieren.


Und wie lief es drüben bei Twitter?

@BAFrei ist seit 9. April 2011, @PeterJansSG seit 11. Sept 2014 mit einem Twitterkonto aktiv. Bis zum 30.11.2014 hatte Barbara Frei total 38 und Peter Jans total 26 Tweets verschickt.

Getwittert hat Barbara Frei im betrachteten Zeitraum mehr als Peter Jans, aber beide auf niedrigem Niveau.

Quelle: Twitter

Was die Inhalte der Twets angeht, so gleicht sich das Bild mit Facebook. Im Wesentlichen wurden Links und/oder Photos vertwittert. Einen Dialog oder Interaktion gab es nur dann, wenn die beiden Kandidaten von anderen Twitteren direkt angesprochen wurden.


Bei beiden Kandidaten hat sich die Zahl derjenigen, den sie folgen, im Prinzip nicht verändert während des Zeitraums von acht Wochen; beide liegen hier etwa auf gleichem Niveau zwischen 35 und 40 Followees. Dies ist ein Indiz dafür, dass Twitter kein wirklich aktiv gepflegter Kanal war und ist.

Die Zahl der Follower hat sich dagegen recht unterschiedlich entwickelt. Bei Barbara Frei hat sich die Zahl der Follower nach einem ersten Anstieg seit Mitte Oktober nicht weiter entwickelt, sie ging in der letzten Woche vor der Wahl sogar zurück.

Peter Jans dagegen konnte die Zahl seiner Follower dagegen von 29 auf 47 (162%) steigern. Dies spricht dafür, dass Peter Jans seine Anhänger besser mobilisieren konnte, so wie sich dies bereits bei Facebook gezeigt hat.

Quelle: Twitter

Quelle: Twitter


Twitonomy stellt folgende Twitter Analysen zur Verfügung:

Twitonomy Tweet Analytics@BAFrei

Twitonomy Tweet Analytics@PeterJansSG


Sammlung aller Tweets von @BAFrei und @PeterJansSG.

Eine Sammlung aller Tweets, die im Rahmen des Wahlkampfs abgesetzt und ausgetauscht wurden, findet sich hier.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Social Media, hier insbesondere Facebook und Twitter, eine untergeordnete Rolle im Wahlkampf zur Wahl des Stadtrats vom 30.11.2014 in der Stadt St. Gallen gespielt haben. Inhaltlich haben beide Kandidaten Facebook und Twitter im Wesentlichen zum Verbreiten von Links verwendet, Interaktion und Dialoge haben nur in einem äusserst eingeschränkten Umfang stattgefunden und meist nur dann, wenn andere Nutzer die Kandidaten direkt angesprochen haben. Festzuhalten ist auch, dass insbesondere auf Twitter letztendlich nicht viel mehr als eine Handvoll Nutzer sich aktiv am Austausch beteiligt haben. Insofern bestand also auch keine Notwendigkeit seitens der Kandidaten, aktiver zu werden.

Der Kandidat Peter Jans konnte schlussendlich seine Anhänger besser mobilisieren als seine Mitbewerberin, ohne dass er Facebook oder Twitter wesentlich intensiver oder inhaltlich anders genutzt hätte. Bei der Schlussauszählung der Wahl bestätigte dies sich dann ebenfalls: Peter Jans konnte ca. 44% mehr Stimmen auf sich vereinen als Barbara Frei.

Es bleibt abzuwarten, wie der neue Stadtrat Peter Jans und die Stadtparlamentarierin Barbara Frei künftig ihre Social Media Kanäle nutzen werden.



25. August 2012

Social Media Einsatz beim Wahlkampf in St. Gallen: Fehlanzeige

Kandidaten als Zaungäste von Social Media
Die Stadt St. Gallen ist in Sachen Social Media durchaus fortschrittlich und ganz vorne dabei: So ist die Stadt auf diversen Social Media Plattformen aktiv und betreibt darüber hinaus eine eigene Plattform, mysg.ch. Erst kürzlich wurde das Projekt St.Galler Wireless gestartet, und auch eine Smartphone-App für Realtime-Daten für den öV in St.Gallen und Umgebung gibt es seit einigen Tagen. Ganz zu schweigen von der App der Stadt für iPhone und iPad. Und auch die Politik zeigt sich offen für Neues: Aus dem Stadtparlament wird live getwittert.

Da lag es irgendwie nahe anzunehmen, dass auch im Rahmen des Wahlkampfes zu den Erneuerungswahlen des Stadtparlamentes und des Stadtrats 2012 am 23.9.2012 Social Media eine Rolle spielen würden; dies auch insbesondere deswegen, weil für die fünf Plätze im stgaller Stadtrat neun Kandidaten kandidieren, davon sechs neue. Aber die Annahme, dass Social Media im Wahlkampf im Jahre 2012 intensiv genutzt werden, war wohl naiv: Social Media werden in stgaller Wahlkampf im Spätsommer 2012 nur marginal eingesetzt.
Zu den neuen Kandidaten schreibt das Tagblatt, dass sie zu wenig bekannt seien – das sollte doch erst recht eine Motivation sein, die Medien der Zeit aktiv zu nutzen. Schlagzeilen macht aber der Social Media – Wahlkampf höchstens mit Berichten wie ‚Die CVP und der Cyber War‘.

Von den neun Kandidaten sind drei bereits bisher im Amt, darunter der Stadtpräsident Scheitlin. Schauen wir uns ihre Online- und Social Media Aktivitäten einmal genauer an. Zunächst die Stadträte, die wieder antreten:

Thomas Scheitlin, der wieder für das Amt des Stadtpräsidenten antritt, hat eine eigene Homepage sowei ein privates Facebook Profil, das er aber nicht für den Wahlkampf nutzt. Als Autor auf dem Stadtratblog war der Stadtpräsident zuletzt vor über einem Jahr aktiv.

Auch Stadtrat Fredy Brunner tritt wieder an: Er verfügt über eine (statische) Homepage, das war’s dann. Auch der letzte Eintrag auf dem Stadtratblog ist lange her: Juni 2011.

Das gleiche Bild bei Nino Cozzio: Klassische Homepage, und wenige Aktivitäten auf dem Stadtratblog (letzer Eintrag Okt. 2011).

Und diese sechs Kandidaten bewerben sich um einen Sitz im Stadtrat:

Patrizia Adam-Allenspach, bereits im Stadtparlament tätig, verfügt über ein persönliches Facebook Profil, dies nutzt sie aber nicht für den Wahlkampf. Die Suche nach einer eigenen Homepage erweist sich als schwierig, ein Wähler hätte wohl längst aufgegeben. Im Netz findet man als erstes eine Seite ihrer Partei, der CVP, mit ihrem Konterfei, aber ohne weitere Informationen, die für den Wähler von Interessen sein könnten. Dann stösst man nach einigem Suchaufwand auf die gemeinsame Seite mit dem Parteikollegen Cozzio. Auch hier sind die Informationen eher knapp. Auch auf der Seite der Stadtpartei gibt’s dann noch ein paar Zeilen Information. Die im Tagblatt vom 22.8. abgebildete Seite konnte ich leider nicht finden. Ein Wähler wohl hätte schon längst aufgeben.

Bei der Onlinesuche nach der Kandidatin kam als zweiter Treffer der Link zur Seite für die Kantonsratswahlen vom März 2012, eher irritierend.

Gemeinsame Seiten scheinen im Trend zu sein, denn auch die SP hat eine Gemeinschaftsseite für ihre beiden Kandidaten für den Stadtrat, von denen Ruedi Blumer der eine ist. Auf der Homepage gibt es immerhin die Möglichkeit, die Seite via Social Media zu teilen. Und gemeinsam sind sie auch auf einer Facebookseite präsent, mit aktuell 59 Likers und zwei Einträgen innerhalb der letzten Woche. Die Homepage verweist auf die Facebookseite, und umgekehrt.

Markus Buschor ist ein Politneuling – und vielleicht deswegen stärker in Social Media vertreten: Da ist zum einen die Homepage mit der Adresse buschor.sg. Sie enthält immerhin eine aktuelle Agenda sowie ein gepflegtes Tagebuch. Direkt verlinkt sind die Facebookseite des Kandidaten Buschor mit sechs Likern und vier Einträgen aus der letzten Woche sowei das Twitter Account @markusbuschor mit bisher fünf Followern und 11 Tweets.

Christian Hostettler war bereits im Stadtparlament und will jetzt für eine neue Partei Stadtrat werden. Auch er verfügt über eine persönliche Facebookseite, die aber nicht für den Wahlkampf benutzt wird und keine öffentlichen Einträge aufweist. Eher peinlich ist die persönliche Homepage des Kandidaten, die noch Wahlwerbung für die Wahl im Jahr 2004 macht, notabene für seine damalige Partei, die SVP – immerhin wurde Hostettler 2006 aus der SVP Fraktion ausgeschlossen (Quelle). Mit der Fusszeile „2012 Atlantis Web“ wird Aktualität suggeriert, potentielle Wähler sind wohl eher verwirrt.

hostettlerchristian.ch (Stand 24.8.2012)
Auf der bereits erwähnten gemeinsamen Homepage der SP Kandidaten ist auch Sylvia Huber präsent, ebenso auf der Facebookseite. Auch ihre persönliche Facebookseite nutzt Huber für Wahlkampfzwecke. Dazu betreibt sie auch eine eigene Homepage mit Hinweis auf ihre persönliche Facebookseite.

Markus Straub betreibt eine eigene Homepage. Die persönliche Facebookseite nutzt er nicht (öffentlich) für den Wahlkampf.

Das Fazit dieser kleinen Analyse ist durchaus ernüchternd:
  • Von neun Kandidaten sind immerhin acht mit einer Homepage Online vertreten. 
  • Die Homepages sind im Wesentlichen statisch und enthalten kaum aktuelle, den Wahlkampf betreffende, Mitteilungen. Ausnahme ist hier Markus Buschor. 
  • Auf keiner der Homepages findet sich eine Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen; ein Feedback ist nur via eMail bzw. Gästebuch möglich. 
  • Drei Kandidaten nutzen eine Facebookseite für den Wahlkampf. 
  • Vier Kandidaten verfügen zwar über eine persönliches Facebookprofil, nutzen dieses aber nicht für ihren Wahlkampf – zumindest nicht mit öffentlich sichtbaren Einträgen. Hier scheint Facebook als rein private Plattform genutzt zu werden, was auch die sichtbaren Einträge zeigen. Da diese Profile über mehrere Hundert Freunde verfügen, ist zumindest Facebook als Plattform nicht gänzlich unbekannt. 
  • Twitter wird lediglich von einem Kandidaten genutzt, allerdings äusserst sparsam. 
  • (Persönliche) Blogs werden nicht genutzt.
  • Interaktivität und Dialogbereitschaft, der Austausch mit potentiellen Wählern, ist ganz offensichtlich nicht vorgesehen. 
  • Aktivitäten der Kandidaten auf weiteren Social Media Plattformen wie z.B. Flickr, Youtube oder Slideshare konnten nicht identifiziert werden. 
  • Der Altersdurchschnitt der Kandidaten für den Stadtrat liegt bei 56 Jahren, kein Kandidat ist jünger als 50 - vielleicht ein Grund für die sehr zurückhaltende Verwendung von Social Media Instrumenten. 
Die Zusammenstellung der Social Media Aktivitäten der Kandidaten beruht auf einer Suche via Google nach entsprechenden Aktivitäten sowie Verlinkungen auf Seiten, z.B. der Parteien, sofern überhaupt vorhanden. 
Für ergänzende Hinweise bin ich jederzeit dankbar.

Ergänzung 26.8.2012:
Ein Interview mit mir im im Regionaljournal Ostschweiz auf DRS1 vom 26.8.2012: Kommunale Wahlen: Wenig Politik im Netz

Ergänzung 29.8.2012:
Gemäss der aktuellen Übersicht bei smartvote.ch haben mit Stand heute sechs der neun Kandidaten ein entsprechendes smartspider-Profil.

Liste mit allen Kandidaten mit Twitter-Account (... soweit bekannt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
(Besten Dank an Marcel Bauer für seine Zusammenstellung)

Ergänzung 8.9.2012:
Der Kandidat Christian Hostettler hat seit dieser Woche eine überarbeitete Website; allerdings besteht diese aus genau einer Seite, der Hompage mit Bild, ansonsten ist ein CV als pdf-Datei angehängt. Politische Positionen sucht man bisher vergebens. 

Bildquelle: flickr.com/sympra (CC Lizenz)

29. April 2012

Was ist eigentlich Demokratie? - Zwei Momentaufnahmen von heute

Abstimmung an der Landsgemeinde
in Appenzell am 29. April 2012
Was ist eigentlich Demokratie? - mit dieser Frage begann die heutige Landsgemeinde in Appenzell. Der Landammann besann sich auf den Ursprung des Begriffs:
"griechisch Δημοκρατία, von δῆμος [dēmos], „Volk“, und κρατία [kratía], „Herrschaft“, vgl. -kratie; wörtlich: Herrschaft des Volkes" (Quelle: Wikipedia).

Herrschaft des Volkes also. Aber wie äussert sich diese denn?
Ganz aktuell wird diese Frage europaweit heiss diskutiert im Zusammenhang von modernen und offenen Bürger- und Zivilgesellschaften oder neuen Formen der Partizipation.

Dazu gab es heute zwei Anschauungsbeispiele:

1. Die Landsgemeinde in Appenzell selbst:
Die Landsgemeinde ist eine Form der direkten Demokratie: die anwesenden Stimmberechtigen diskutieren über die zu entscheidenden Sachverhalte, jeder Anwesende hat das Recht sich zu äussern. Die Abstimmung geschieht offen durch Handzeichen, ausgezählt wird in aller Regel nicht. Sind die Mehrheitsverhältnisse nicht eindeutig erkennbar, wird nochmals abgestimmt. So geschah es heute in Appenzell zwei Mal.
Und die Geschäfte sind zum Teil von weitreichender Bedeutung: Sei es die Wahl von Regierungsmitgliedern, die Abstimmung über eine Strukturreform oder ein neues Baugesetz. Herrschaft des Volkes.

(Weitere Bilder von der Landsgemeinde in Appenzell)

2. die Regierungswahlen im Kanton St. Gallen: Für einen Sitz in der Kantonsregierung standen zwei Kandidaten aus unterschiedlichen Lagern standen zu Wahl. Die Stimmbeteiligung lag bei 31.6 Prozent.  Herrschaft des Volkes.

27. November 2011

Beobachtungen zum Social Media Wahlkampf zur stgaller Ständeratswahl am 27. November 2011

An dieser Stelle habe ich vor zwei Wochen die Online- und Social Media Aktivitäten der Kandidaten zu den Ständeratswahlen im Kanton St. Gallen von heute vorgestellt.

Nachdem ich die Aktivitäten seit dem 4. Nov. einigermassen systematisch beobachtet habe, präsentiere ich im Folgenden einige Beobachtungen aus dem Zeitraum 4. Nov. abends bis 25. Nov. abends.
Die drei Kandidaten werden in alphabetischer Reihenfolge dokumentiert, der Focus liegt auf den Social Media Aktivitäten.

Was genau habe ich angeschaut?
Zum einen habe ich zu den Stichtagen 4., 11., 18. und 25.11., je ca. gegen 20:00, die Twitter Accounts bzgl. ihrer Zahlen sowie die Anzahl Freunde, Fans bzw. Gruppenmitgliedern der Präsenzen auf Facebook dokumentiert. Mit Stand 25.11. 20:00 habe ich aktive Facebookseiten von zwei Kandidaten ausgezählt bzgl. der Zahl der Postings insgesamt, der Postings durch Dritte sowie der Anzahl Kommentare und Likes.

Eine inhaltliche Analyse der Postings wurde dagegen nicht durchgeführt. Ich habe auch nicht recherchiert, was die Kandidaten ggf. selbst gepostet haben und was sie durch Helfer haben posten lassen. Bei Hüppi gab es einen Hinweis dazu via Twitter, auf Rechsteiners Blog wird als Autor z.B. 'Von Komitee' oder 'Komitee Rechsteiner Ständerat' angegeben.

5. November 2011

Online- und Social Media Wahlkampf zur stgaller Ständeratswahl am 27. November 2011

Am 27. November findet im Kanton St. Gallen der entscheidende, zweite Wahlgang  für den Ständerat statt.
Es gibt drei Bewerber für einen Sitz, davon ist einer neu angetreten.

Findet der Wahlkampf auch Online statt, insbesondere in den Social Media?

Eine kurze, erste Momentaufnahme vom 4. November abends, drei Wochen vor der Wahl.


Facebook
Michael Hüppi, der neu angetretene Kandidat nach dem ersten Wahlgang, verfügt über eine persönliche Seite Michael Hüppi mit 502 Freunden. Hier findet man einige Postings von Freunden sowie aktuell einen Link auf die neue Flickr Seite von Hüppi.

Desweiteren gibt es die Seite Michael Hüppi, der Ständerat für alle mit 173 Fans. Hier findet man Fotos, Links auf Zeitungsartikel, aber auch Kommentare von Fans.


24. Oktober 2011

Wie Social Media offensichtlich doch eine Wahl beeinflussen können


Die Schweiz hat gewählt - und Social Media haben offensichtlich (noch) keine wirkliche Rolle im Wahlkampf gespielt, wie z.B. diese erste Analyse zeigt oder wie bereits hier diskutiert.

Aber dass es auch anders geht, zeigt die Wahl des Oberbürgermeisters in der deutschen Stadt Nürtingen.

Die F.A.Z. berichtete am 21. Okt. darüber, dass eine Frau, Claudia Grau, die bereits in der Stadtregierung aktiv ist, zur Oberbürgermeisterin gewählt werden soll, obwohl sie gar nicht antritt. (Beiträge dazu in der Stuttgarter Zeitung vom 18. Okt. und vom  22. Okt.)
Da offensichtlich genügend Bürger mit dem Amtsinhaber und den offiziellen Kandidaten unzufrieden waren, wurde für die inoffizielle Kandidatin vor allem via Social Media Wahlkampf gemacht.