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20. Juli 2009

Blogs in der Lehre - Feedback von Studierenden

In dem Beitrag 'Blogs in der Lehre' habe ich über Blogs als Leistungsnachweis in der Lehre berichtet; und zwar konkret im Rahmen der Lehrveranstaltung "Informationsgesellschaft, -ethik und -politik" im Bachelorstudiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur (4. Semester) im Frühjahrssemester 2009.

Der Leistungsnachweis an sich bestand neben dem Führen eines Blogs zum gewählten Thema während des gesamten Semesters aus einer Unterrichtslektion von 45 Minuten (incl. Diskussion, Interaktion), die auch entsprechend dokumentiert werden musste. Dabei sollten die verwendeten Literaturstellen mittels citeulike dokumentiert werden.
Dieses elektronische Dossier der Studierenden entsprich dem ePortfolio Ansatz, der hier aber nicht weiter vertieft werden soll.

Ziel der Lehrveranstaltung war es, die Studierenden dazu zu animieren,

  • sich über ein Semester hinweg aktiv mit einem Thema auseinanderzusetzen,
  • ihre Gedanken und Argumente im Rahmen des Blogs (öffentlich) zu entwickeln und zu dokumentieren sowie
  • im Rahmen einer Unterrichtslektion aufzubereiten und zu vermitteln.

Nach Abschluss des Semester hat mich natürlich interessiert, wie die Studierenden selbst einen Blog als Teil eines Leistungsnachweises beurteilen. In einem Fragebogen habe ich versucht, die wesentlichen Aspekte abzufragen. Dabei ging es einerseits um das Bloggen an sich, andererseits um den Blog als Leistungsnachweis.

Im Folgenden fasse ich die wichtigsten Ergebnisse der Feedbacks zusammen. Im Kurs waren elf Studierende, alle haben den Fragebogen abgegeben. Die Studierenden gehören alle der Generation der Digital Natives an, das Thema Net Generation war ja auch Teil des Kurses.

Vorherige Blog Erfahrungen
Etwas überraschend war dann doch, dass 10 Studierende bis dato nicht in der Blogosphäre aktiv (= Schreiben/ Kommentieren von Beiträgen) waren und nur ein Studierender einen eigenen Blog hat.

Aufsetzen des Blogs (technisch)
Das Aufsetzen des eigenen Blogs war dann aber für 10 Studierende einfach oder sehr einfach, der Umgang mit dem Web scheint kein Problem zu sein, was Äusserungen wie "intuitiv verständlich" deutlich machen.

Mehrheitlich dauerte das Aufsetzen zwischen zwei und vier Stunden (insg. 7 Nennungen).

Schwierigkeiten gab es u.a. bei diversen Detailaspekten einzelner Funktionalitäten oder bei der Formatierung.

Start und Führen des Blogs (inhaltlich)
Das Erstellen des ersten inhaltlichen Beitrages empfanden zwei als schwierig oder sehr schwierig, sechs dagegen einfach oder sehr einfach, der Rest war unentschieden.

Probleme ergaben sich einerseits durch den Inhalt (u.a. Einstieg finden, Themeneingrenzung), im grösseren Umfang wurden aber technische Herausforderungen genannt wie z.B. Fragen des Formatierens, Bilder- und Links einfügen, Umgang mit dem Editor ganz allgemein, etc.

Im Laufe des Semester hat sich der Zeitbedarf für das Bloggen recht entwickelt: Bei fünf Studierenden hat er sich etwas reduziert, dagegen bei drei leicht oder erheblich erhöht.

Gründe für die Reduktion waren hier z.B. eine gewisse aufkommende Routine des Bloggens. Kompliziertere Recherchen und die Zunahme verwendeter Quellen waren Gründe für eine Zunahme.

Die Angaben der aufgewendeten Zeit für das Bloggen über das gesamte Semester waren sehr breit gestreut und kaum aussagekräftig, die Angaben reichen von 5 bzw. 8 Stunden über 20-25 Stunden (4 Nennungen) bis hin zu 80 Stunden (1).

Die Erfahrungen mit dem regelmässigen Bloggen zu einem Thema lassen sich wie folgt charakterisieren (Anzahl explizite Nennungen):

  • Es ist spannend, so in ein Thema tief einzutauchen, Wissen zu sammeln (4)
  • Insgesamt gute, positive Erfahrung (6)
  • Zeitintensiv, aber interessant, aufschlussreich (3).
Problematisch war dagegen

  • einen roten Faden beizubehalten,
  • das Finden von Ideen und Quellen,
  • die Themenein- und -abgrenzung,
  • die fehlende Zeit für eine vertiefte Auseinandersetzung oder Recherche.
Bezüglich des Wissenszuwachses wurde neun Mal explizit formuliert, dass ein grosser Wissenszuwachs stattgefunden habe; vier Mal wurde explizit eine differenziertere Sicht auf das Thema genannt.

Auf die Frage, ob sie nach Abschluss der Lehrveranstaltung ihren Blog weiterführen werden, antworteten alle mit einem klaren Nein.

Immerhin gaben zwei Studierende an, dass sie sich zukünftig 'auf jeden Fall' bzw. 'gelegentlich' aktiv in der Blogosphäre beteiligen wollen; drei waren unentschieden, der Rest antwortete klar mit nein.

Das Lehrveranstaltungsforma als solches
... wurde durchwegs positiv bewertet: Neun (von elf) halten es für gut oder sehr gut geeignet für diese Art Veranstaltung, keiner als nicht oder schlecht geeignet.

Auch als Teil eines Leistungsnachweises halten alle einen Blog als gut (8) oder sehr gut (3) geeignet.

Blogs wurden in diesem Zusammenhang grundsätzlich wie folgt bewertet:

  • Mehr Möglichkeiten sich auszudrücken
  • Einfache Form der Auseinandersetzung mit dem Thema
  • Kontinuierliche Beschäftigung mit einem Thema
  • Höherer Aufwand als bei einer 'normalen' Hausarbeit
    und auch dies:
  • "Bei einer klassischen Hausarbeit macht man sich eher weniger eigene Gedanken zum Thema".

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass

  • das Bloggen keine Selbstverständlichkeit ist in der Net Generation,
  • das Führen eines Blogs grundsätzlich keine grösseren Schwierigkeiten verursacht,
  • ein Blog als Leistungnachweis in einer Lehrveranstaltung grundsätzlich positiv und auch als willkommene Abwechslung bewertet wird.


Bildquelle: flickr.com/DonnaGrason


Kommentare:

Oliver Gassner hat gesagt…

Könnte es sein dass das Desinteresse auf den engen Fous eine solchen Themenblogs fußt? D.h. würde man ggf. ein Blog über 'alle deine digitalen/akademinschen Interessen' bzw ein "Lertntagebuch" lieber weiterführen?

NoodleGei hat gesagt…

Welche Blog-Software wurde genutzt (Blogger.com )?

Hans-Dieter Zimmermann hat gesagt…

@NoodleGei Die Studierenden nutzten vor allem wordpress, aber auch blogger.com.