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22. September 2009

"Der Untergang der alten Medien-Schweiz" - ein kritischer Blick von Rainer Stadler

In dem Beitrag "Der Untergang der alten Medien-Schweiz" in der NZZ Online vom 21. Feb. 2009 setzt sich der NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler mit "Anspannung, Übersättigung und Entwicklungen im Journalismus" und insbesondere der Medienlandschaft in der Schweiz auseinander.
"Aus dem Ausland hörten wir immer wieder wohlwollende Worte über unsere Medienlandschaft. [...] Bewunderung fand nicht nur der Artenreichtum auf engem Raum, sondern auch die Differenziertheit der Berichterstattung. Journalismus sei hier der Aufklärung verpflichtet, lobte ein Experte vor zehn Jahren."
Und nicht nur der Journalismus an sich hat sich verändert; Stadler beschäftigt sich vor allem auch mit dem Umfeld:
"Denn die technischen und ökonomischen Verwerfungen setzen das Mediensystem derzeit unter höchste Anspannung."
Während andere Autoren fast schon naiv daran glauben, dass die neuen Online- oder Hybrid- Modelle für Zeitungen schon irgendwie auch ökonomisch funktionieren und die Diskussion der tragfähigen Geschäftsmodelle weitgehend ausblenden (z.B. diskutiert in den Blogeinträgen hier, hier, hier oder hier), legt Stadler hier durchaus etwas selbstkritischer den Finger in die Wunde - allerdings ohne Auswege anzubieten.
"Die Entwicklung ist fundamentaler Art. Die Werbung als wichtigster Treibstoff der Medien wird immer knapper. Und dies, obwohl die Werbeausgaben langfristig kaum abnehmen dürften. Es erfolgt jedoch eine Verlagerung, welche für die Schweiz unangenehme Konsequenzen hat."
Es geht um Internationalisierung, restriktive Medienpolitik und neue Player im Medienmarkt - und natürlich um die Digitalisierung:

"Die digitalen Technologien schufen einen grenzenlosen Kommunikationsraum, der die mediale Autonomie kleiner Länder gefährdet. [...] Mitmachen dürfen zwar alle, aber Geld verdienen werden nur wenige. [...] Der Konzentrationsprozess im Blätterwald wird verschärft. Die wachsende Vielfalt im elektronischen Sektor täuscht über die schmale ökonomische Basis der Anbieter hinweg. Kurz und schlecht: Die klassischen Erwerbsmöglichkeiten der Medienhäuser scheinen höchst gefährdet."
Nun, diese Entwicklung ist allerdings nicht wirklich neu. Schon Rayport und Sviokla haben 1994 über die Disaggregation von Content, Context und Infrastruktur in der Medienindustrie berichtet (Managing the Marketspace, HBR, 1994). Spätestens seit Mitte der neunziger Jahre war klar, dass die Medienlandschaft massiv durch das Internet verändert wird. Durch die Optionen des Web 2.0 und zusätzlich durch die aktuelle Wirtschaftskrise haben sich diese Entwicklungen massiv verstärkt und beschleunigt. Den alten Zeiten nachzutrauern im Sinne von 'früher war Alles besser' ist aber ebenso wenig hilfreich den Herausforderungen zu begegnen wie zu naiv darauf zu reagieren.

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