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24. Juni 2019

Die Beiträge: Smart Cities, Regions & Communities - Special Interest Track an der 32. Bled eConference

Im Rahmen der 32. Bled eConference im Juni 2019 in Bled, Slowenien, wurde zum ersten mal der Special Interest Track 'Smart Cities, Regions & Communities' von mir als Track Chair organisiert.

Im Rahmen der Konferenz wurden die drei akzeptierten Beiträge präsentiert.

Der erste Beitrag setzt sich mit der Rolle von lokalen Gemeinschaften im Kontext globaler Plattformen anhand des Beispiels von Taxidiensten auseinander, der zweite beschäftigt sich mit der Rolle von Social Media im Rahmen der Interaktion von Bürgerinnen und Bürgern mit der Verwaltung, hier konkret am Beispiel China, und der dritte Beitrag fokussiert auf das Smart Home und diskutiert die Akzeptanz von sog. Smart Locks

Global service platforms in local markets: case taxi, Jups Heikkilä and Marikka Heikkilä, University of Turku, Finland. (Proceedings pp. 880)
Abstract In this paper we discuss digital platform economy and use theory of Governance of Commons by Elinor Ostrom as a lens through which we look at related problems and social issues, such as tragedy of the commons. We discuss how communities can react to side effects and overgrazing of free, common resources by norms and rules. We illustrate the issue with the opening of taxi service markets to new entrants such as Uber.

Trust, Fear and Social Influence: on the use of Social Media in China’s Aauthoritarian Governance Regime, Vincent Homburg, Erasmus University Rotterdam, DPAS, Netherlands. (Proceedings pp. 222)
Abstract This paper reports on the analysis of results of a survey among Chinese citizens about their intended use of social media to interact with government agencies and associated motivations. Citizens’ use intentions were found to be correlated with citizens’ trust in officials, social influence (peer pressure) and anxiety, but not with trust in government. These results provide building blocks for an explanatory theory of citizens’ use of social media to interact with government, especially in an authoritarian regime like China’s system of public governance. This explanatory theory is consistent with an institutional perspective on technology use, in which use intentions and behaviours are explained by norms, practices and taken-for-granted assumptions, rather than by rational cost-benefit considerations. The paper is concluded with recommendations for comparative research on antecedents of social media in government-citizen relations in various governance systems.

Unlocking the Smart Home: An Examination of Factors Influencing Smart Lock Adoption Intention, Stanislav Mamonov, Montclair State University, United States of America, Raquel Benbunan-Fich, City University of New York, United States of America. (Proceedings pp. 33)
Abstract Smart home technologies are a growing trend, yet little is known about factors that drive their adoption, given the spectrum of potential functional, experiential and esthetic benefits they offer. To address this gap in research, we explore the factorial structure of salient perceived benefits and concerns associated with smart locks, and we examine the effects of the emergent factors on the adoption intention. We find that while potential adopters express a broad range of perceived benefits and concerns associated with smart locks, only the perceived relative advantage of smart locks vis-a-vis conventional locks in providing safety and security is significantly correlated with adoption intention. Our results indicate that this perceived relative advantage is a critical consideration in the adoption of smart home technologies that replace existing solutions.

Alle Beiträge sind in den Proceedings der 32. Bled eConference Online verfügbar. (Proceedings als pdf)


(Der Beitrag wurde zuerst auf dem FHS eSociety Blog publiziert)




6. Oktober 2017

"Eine Beteiligungs-App macht noch keine Bürgerbeteiligung" - eine Replik

(Bildquelle: citizenlab.co)
Auf dem Blog von polit@ktiv erschien gestern der Beitrag Eine Beteiligungs-App macht noch keine Bürgerbeteiligung. Er bezieht sich auf den Artikel Bürgerbeteiligung mit dem Smartphone: Die Tübinger dürfen app-stimmen im Schwäbischen Tagblatt aus Tübingen.

Ich schätze die Arbeit von Politaktiv, einer zivilgesellschaftlichen Initiative, die sich mit viel Engagement der Bürgerbeteiligung verschrieben hat und die ich seit ihrem Entstehen verfolge und auch schon an Veranstaltungen referieren durfte, sehr, möchte aber in einer Replik dem Blogbeitrag widersprechen. Dies, nachdem ich selbst bis Frühjahr dieses Jahres in ein ePartizipationsprojekt (mit Fokus auf Kinder und Jugendliche) involviert war. Auch in diesem Projekt spielte eine für die mobile Anwendung optimierte Website eine wichtige Rolle.
"Für gute Bürgerbeteiligung braucht man keine Beteiligungs-App. Statt auf sachorientierte Dialoge und zielgruppenspezifische Konzepte zu setzen, wird eine technische Lösung entwickelt, die letztlich nur ein Feigenblatt kommunaler Mitbestimmung sein kann."
So beginnt der Blogbeitrag und gibt den Tenor vor. Auch wenn es möglicherweise nicht so absolut gemeint ist, so finde ich diese Einschätzung doch sehr pessimistisch und negativ, ja sogar kontraporduktiv. Im Beitrag werden fünf Aspekte zur Begründung aufgeführt, die ich kurz kommentieren möchte.
"Fazit 1: Statt spezifischen Lösungen beschränkt sich eine Beteiligung per App auf „One-Size-Fits-All“, d.h. eine Beteiligung umfasst grundsätzlich (nur) all jene, die die App besitzen."
Ich glaube kaum, dass traditionelle Bürgerbeteiligungsformate mehr Menschen zur aktiven Teilhabe auf den verschiedenen Stufen der Partizipation motivieren können als eine - gut gemachte - App bzw. mobile optimierte Website.
"Fazit 2: Umfassende Informationen laufen dem Prinzip einer App entgegen."  
Hiermit wird insinuiert, dass man sich per App bzw. Smartphone nicht umfassend informieren kann, was zumindest meiner Erfahrung diametral widerspricht. Sich nicht zu informieren hängt sicher nicht vom benutzen Medium ab. Sicher, gewissen Dokumente, wie etwa umfangreiche Pläne, lassen sich auf einem Smartphone weniger gut betrachten als auf einem PC Bildschirm oder im ausgedruckter Version. Ich persönlich fühle mich umfassend informiert, obwohl ich vorwiegend Apps auf dem Smartphone z.B. während des Pendelns im öV dafür nutze. Notabene habe ich auch die Beiträge, um die es hier geht, via App während einer Zugfahrt gelesen...
"Fazit 3: Eine App eignet sich nicht dafür, gestalterisch in Dialoge einzugreifen und diese zu strukturieren. Man denke an WhatsApp-Gruppen, in denen schnell unklar wird, wer was wann gesagt hat und welche Argumente bereits eingebracht wurden."
Wie auch in dem von mir mitentwickelten Leitfaden zur Einbindung von Kindern- und Jugendlichen in die politische Arbeit einer Gemeinde nachzulesen ist, können Onlineformate bestehende Offlineformate der Partizipation sinnvoll ergänzen und unterstützen sowie neue Formen der Partizipation ermöglichen - immer abhängig von der gewählten Stufe der Partizipation. Den Dialog via Smartphone kategorisch auszuschliessen halte ich schlichtweg für kontraproduktiv.
"Fazit 4: Eine App bietet lediglich eine oberflächliche Meinungsabfrage."
Wie gesagt, es hängt von der Zielsetzung der Partizipation ab, ob eine App sinnvoll genutzt werden kann. Im Handbuch für offene gesellschaftliche Innovation* haben wir Kriterien für den Einsatz von Tools für offene, gesellschaftliche Innovation - wozu auch die Partizipation zählt - entwickelt; so hängt die Auswahl von Werkzeugen u.a. ab von der Phase der Innovation (bzw. Partizipation), dem Grad der Interaktion und den Aspekten von Raum und Zeit. Eine Meinungsabfrage per se als oberflächlich zu werten, finde ich ebenfalls kontraproduktiv.
"Fazit 5: Eine Abstimmung per App fördert Polarisierung statt Dialog."
Ja, möglicherweise, aber sicher nicht zwingend. Ich halte Onlineabstimmungen durchaus für ein Instrument, um im Rahmen der Partizipation Meinungsbilder zu erhalten, die alternativ kaum verfügbar wären.
"Fazit: Eine Beteiligungs-App führt nicht zu guter BürgerbeteiligungEine Beteiligungs-App kann gute Bürgerbeteiligung nicht ersetzen. Sie macht sie auch per se nicht besser. Warum soll sie dann zum Einsatz kommen?"
Nein, eine App alleine macht noch keine gute - was heisst hier gut? - Bürgerbeteiligung. Und durch eine App die Bürgerbeteiligung ersetzen will sicher auch niemand, der sich seriös mit Partizipation beschäftigt. Aber eine App bzw. ein geeignetes Onlineformat kann Partizipationsverfahren ganz sicher bereichern! Apps bzw. Onlineformate kategorisch als Instrument auszuschliessen, ist kontraproduktiv und passt schlichtweg nicht ins Jahr 2017.

Zur Auswahl geeigneter Online-Werkzeuge im Rahmen der Kinder- und Jugendpartizipation möchte ich nochmals auf den Leitfaden zur Einbindung von Kindern- und Jugendlichen in die politische Arbeit einer Gemeinde hinweisen, insbesondere auf die Seite 22: Konkretisierung des ePartizipations-Formats:

Leitfaden zur Einbindung von Kindern- und Jugendlichen
in die politische Arbeit einer Gemeinde
, S. 22

Zum Hintergrund:
eParticipation für Kinder und Jugendliche - Motivation aus Sicht der Forschung

* Raffl, C., von Lucke, J., Müller, O., Zimmermann, H.-D., & vom Brocke, J. (2014). Handbuch für offene gesellschaftliche Innovation. Beiträge des Forschungsprojektes der Internationalen Bodensee-Hochschule „eSociety Bodensee 2020“ zur offenen gesellschaftlichen Innovation. Friedrichshafen: ePubli, S. 129-171. 


17. September 2017

Methodischer Optimismus - was der Detailhandel von Hernán Cortés lernen kann

Cortés versenkt seine Schiffe
(Wikipedia)
Beim Tagblatt findet man heute den Artikel Ladensterben: Ratlos in der Einkaufsmeile. Es geht einmal mehr um das Ladensterben - und den Onlinehandel, der als Haupschuldiger, neben dem Einkaufstourismus, identifiziert wird.
"Noch wissen die Detailhändler nicht, wie sie ihm begegnen sollen."
Es gibt auf Facebook dazu passend eine Gruppe zur Trauerbewältigung - auch wenn das Ziel der Gruppe ein anderes ist.

Die Ratlosigkeit wird schon im Anriss deutlich. Und etwas ratlos machen mich einige der zentralen Aussagen im Text selber.

Wie aus einer anderen Zeit klingt der erste Satz im Text, der die Reaktion eines Detailhändlers wiedergibt:
"Dass seine Facebook-Seite so viel beachtet werde, hätte er nicht erwartet"
Wie gesagt, das ist aus dem September 2017, im Jahr 14 von Facebook und Social Media.

Und selbst wer von den Detailhändlern Online geht, gibt den Grossen die Schuld am mangelnden Erfolg. Und dummerweise kostet eine Onlinepräsenz auch noch etwas:
"Aber die Kunden müssen den auf Google auch finden können. Und auch das kostet."
Der Kollege Thomas Rudolph weisst dann dankenswerterweise auf das veränderte Kundenverhalten hin:
"Und auch wer in die Stadt zum Shoppen geht, sucht erst im Internet nach Geschäften, die die gewünschten Produkte anbieten. [...] «Cross-Channel» heisst das Zauberwort der Branche: Wer Online und Laden geschickt verbindet, der gewinnt, ist man überzeugt."
Aber die Aussagen scheinen zu verhallen. So wird der Inhaber von Mode Weber mit der Aussage zitiert, dass er auf keinen Fall einen Onlineshop eröffnen will. Und die zitierte Aussage «Die meisten Shops sind defizitär.» macht mehr als deutlich, dass man von Cross- oder Omnichannel nocht Nichts gehört hat. Zu recht sagt Herr Weber, dass Online ein anderes Geschäft ist. Aber gleichzeitig wird ein Café eröffnet. Immerhin, man ist auf Instagram und Facebook präsent und hat eine Bonus-App.

Dann wird das Beispiel der Papeterie Markwalder genannt:
"Auch die Papeterie Markwalder setzt neue Produkte auf Facebook, Pinterest und Instagram in Szene. «Das Resultat ist schwer zu messen», sagt Geschäftsführer Ralph Bleuer. «Aber man muss auf allen Wegen versuchen, das rettende Ufer zu erreichen.» "
Fragt sich nur, wo das rettende Ufer ist...

Sicher, Spontaneinkäufe im Laden gibt es immer noch, aber selbstverständlich auch Online! Aber wer davon überzeugt ist, dass Trendartikel oder Geschenke Online schwer zu finden seien und fast verwundert feststellt "Aber auch im Internet winkt schon das schnelle Schnäppchen", der kennt den Onlinehandel nicht wirklich. Als gäbe es Onlineshops für Schnäppchen wie Qoqa oder Daydeal erst seit kurzem (für's Protokoll: die beiden Shops sind Online seit 2005 bzw. 2009).

Ein (subjektiver) Erfahrungsbericht drüben bei kurzverbloggt.ch spricht darüber hinaus Bände.

Zwar werden die Realitäten des Handels durchaus gesehen und anerkannt - «Der klassische Laden ist ein Auslaufmodell» -  aber anstatt Trauerbewältigung täte etwas mehr Mut, etwas Neues zu wagen, auch dem stagller Detailhandel gut! Aber solange Online als böse Konkurrenz, die sich sowieso nicht rechnet, betrachtet wird, solange wird man das tiefe Tal der Tränen kaum verlassen.

Sicher, einfach ist es nicht, Patentrezepte gibt es auch nicht, aber ist es nicht gerade auch der Mut, etwas Neues zu machen, ein Kennzeichen eines Unternehmers?
Beispiele für eine Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung gibt es durchaus im Markt, vgl. z.B. hier und hier.

Mein geschätzter Kollege Reto Eugster hat auf der 7. Ostschweizer Gemeindetagung am vergangenen Freitag ein wunderbares und durchaus provokantes Referat zum Thema Pessimisten haben recht, Optimisten Erfolg: gehalten. U.a. sprach er über den methodischen Optimismus.

Zum erwähnten Hernán Cortés - Modell nur soviel: Nachdem Hernán Cortés Mexiko entdeckt hatte, versenkte er seine gesamte Flotte, um es seinen Gefolgsleuten zu verunmöglichen, das Neuland zu verlassen. (Mehr zum historischen Hintergrund bei Wikipedia)


Update 18.9.2017
Passend zum Thema das Interview mit dem Tommy Hilfiger Chef in der NZZaS vom 17.9.2017: Tommy-Hilfiger-Chef: «Ein Drittel unserer Kunden kauft online ein»


25. Juli 2016

Die Ambivalenz von Social Media - nicht nur bei den Mächtigen

Facebook Safety Check während
des Amoklaufs in München am
22. Juli 2016
Social Media gehören inzwischen zu unserem täglichen Leben wie vieles andere auch; und wie vieles andere auch kann man mit Social Media Gutes und Sinnvolles oder weniger Gutes und weniger Sinnvolles anstellen. Was gut oder weniger gut ist, liegt letzendlich im Auge des Betrachters. Zentral ist, dass freie Medien und notabene auch freie soziale Medien zu einer offenen  und pluralistischen Gesellschaft gehören.

Vor allem die Mächtigen in Ländern mit weniger offenen Gesellschaften und weniger demokratischen Strukturen haben ihre Mühe mit Social Media, wie etwa China oder immer wieder die Türkei, wo Social Media Plattformen nach Belieben blockiert werden, wie zuletzt beim Putschversuch am 15. Juli 2016.

Social Media spielen als moderne Kommunikationsmittel eine wichtige Rolle für die Menschen: Im Rahmen des sog. arabischen Frühlings wurde dies vielfach diskutiert, in China dienen Social Media den Menschen aktuell als Informationsquelle und Protestmedium im Rahmen der aktuellen Überflutungen und konterkarieren die (Des-) Informationspolitik des Staates.

Aber die Mächtigen machen sich Social Media auch selbst zunutze. Nicht nur dass sie ihre Bevölkerung Online überwachen und bespitzeln; sie nutzen Social Media Kanäle auch aktiv. So hat der türkische Präsident im Rahmen des Putschversuchs bereits kurz nach dem Aufstand des Militärs Social Media genutzt, um sich an die Bevölkerung zu wenden - nachdem nur wenige Stunden zuvor Social Media Plattformen blockiert wurden. Der gleiche Präsident, der noch 2013 als Regierungschef Social Media als die grösste Bedrohung für die Gesellschaft ansah.
Fachleute sind der Meinung, dass der Putschversuch auch daran gescheitert ist, dass die Putschisten offenbar die Wirkung von Social Media unterschätzt haben und sowohl die Regierenden als auch die Bevölkerung sich entsprechend artikulieren und organisieren konnten:
"But the putschists failed to sufficiently update the standard coup playbook to take into account the realities of social media and mobile technology."
Auch der Amoklauf in München  vom 22. Juli 2016 hat die Bedeutung von Social Media, aber auch deren Ambivalenz, deutlich gemacht.

Einerseits waren Social Media eine wichtige Informationsquelle für die Bevölkerung, die z.B. auch von der Polizei intensiv genutzt wurde. Facebook aktivierte seinen Saftey Check, mit Hilfe dessen man den Verbleib von Freunden und Bekannten während einer Krisensituation feststellen kann. Und ebenfalls waren Social Media zentral bei der Unterstützung von in München Gestrandeten durch die Bevölkerung.

Gleichzeitig wurden aber auch ungesicherte und falsche Informationen via Social Media verbreitet. Nicht zuletzt gezielte Falschmeldungen sowie gefälschte Fotos mit ihrer emotionalen Kraft haben bei der Bevölkerung Ängste ausgelöst und Polizeikräfte unnötig gebunden. Allerdings kann z.B. die Polizei über die gleichen Mechanismen Falschmeldungen auch wieder aus der Welt schaffen.

Aus Sicht der Nutzer steht man hier vor der Herausforderung, die relevanten und korrekten Inhalte aus dem Rauschen der Timeline herauszufiltern, und das nicht nur in Krisensituationen. Dies setzt entsprechende Medienkompetenz und Informationskompetenz der Nutzer und einen verantwortungsvollen Umgang mit Social Media voraus.

Zentrale Grundvoraussetzung ist aber, dass Medien incl. Social Media frei, offen und nicht zensiert sind. Im Rahmen der Aktivitäten zur Massenüberwachung auch in demokratischen Ländern ist dieser Grundsatz aber leider in Gefahr.

(aktualisiert 25.7.2016, 15:00, 26.7.2016 08:00)




26. April 2016

Der Einsatz von Social Media auf Gemeindeebene

Toggenburger Tagblatt, 26.4.2016
Das Themenfeld Politik 2.0 beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Themen rund um die Nutzung des Social Web bzw. Web  2.0 in der Politik, bei Abstimmungs- und Wahlkämpfen oder im Rahmen von eParticipation - Aktivitäten behandle ich in der Aus- und Weiterbildung sowie in Projekten im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit an der FHS St. Gallen.

Im Rahmen des Zertifikatskurses (CAS)  Gemeindeentwicklung der FHS St. Gallen habe ich die Freude im Modul Medien und Politik den Teil der neuen Medien mit den Teilnehmern zu behandeln. Nach wie vor stossen die Themen wie die Nutzung von Social Media in der politischen Gemeindearbeit verbreitet auf Skepsis. Man scheut das Neue, fürchte den Aufwand oder stellt den Nutzen in Frage.

Im heutigen Beitrag Nur Lichtensteig ist medial sozial kommt Ruben Schönenberger vom Toggenburger Tagblatt zu einem ähnliche, duirchaus ernüchternden Ergebnis. Er untersucht den Social Media Auftritt von Toggenburger Gemeinden - und lediglich Lichtensteig verfügt über einen Facebook-Auftritt (einen Link von der Homepage auf die Facebookseite sucht man allerdings vergeblich).
Bei der Vorbereitung des Beitrag durfte ich meine Einschätzung zur Nutzung von Social Media in Gemeinden abgeben:
"«Mit Social Media kann man die Bürger dort erreichen, wo sie sowieso sind.» Hans-Dieter Zimmermann, Dozent für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule St. Gallen, ist vom Nutzen von Social Media wie Facebook überzeugt. «Die Kultur der direkten Demokratie erfordert es, den Puls der Bevölkerung zu spüren.» Das werde schwierig, wenn man nicht die Medien nutze, die von den Bürgern genutzt würden."

30. September 2015

Social Media und Wahlkampf - Nachlese zum 16. Social Media Snack

Social Media und Wahlkampf, so lautete das Thema des 16. Social Media Snacks am 17. September 2015 in St. Gallen. Für einmal mehr trafen einen Monat vor den Wahlen drei Politiker aufeinander, die allesamt für einen Sitz im Nationalrat kandidieren – aber diesmal nicht um über Politik zu diskutieren, sondern über Social Media.

Die drei Kandidierenden präsentierten aus einer persönlichen Perspektive, welche Social Media Kanäle sie wie und warum für ihren Wahlkampf nutzen. Auch kritische Töne kamen nicht zu kurz.

Drüben bei socialmediasnck.ch habe ich die drei Beiträge zusammengefasst. 

Mein Fazit: Alle drei Kandidierenden setzen Social Media durchaus überlegt und durchdacht ein, für alle drei sind Social Media – mit unterschiedlicher Gewichtung -Teil eines gesamthaften Mix verschiedener Kanäle, und alle drei legen Wert auf Authentizität.



9. August 2015

Social Media im Wahlkampf

Am 18. Oktober sind Nationalratswahlen – aber auch im Jahr 2015 ist der Einsatz von Social Media im Wahlkampf längst noch keine Selbstverständlichkeit. Mich selbst hat das Thema Online- und Social Media in der politischen Kommunikation und insbesondere im Wahlkampf immer wieder beschäftigt; aus meiner - eher subjektiven - Brille habe ich verschiedentlich Social Media Aktivitäten von Kandidierenden im Wahlkampf beobachtet und kommentiert.

Auf ihrem Blog hat Marie-Christine Schindler im März diesen Jahres verschiedene Arten der Social Media Nutzung im Wahlkampf dokumentiert, ebenfalls basierend auf ihren Beobachtungen einer Veranstaltung, bei der es um dieses Thema ging. 

Zu den bevorstehenden Nationalratswahlen haben wir in St. Gallen einen Social Media Snack organisiert zum Thema Social Media und Wahlkampf. Drei Kandidierende von drei Parteien, die bisher nicht im Nationalrat vertreten sind, kandidieren für einen Sitz im Nationalrat. Vier Wochen vor der Wahl, am 17.9.,  werden sie von ihren bisherigen Erfahrungen aus einer persönlichen Sicht berichten - wir können sehr gespannt sein. 

Aufgrund meines Interesses an dem Thema und der Online- bzw. Social Media - Kommunikation im Allgemeinen ist mir natürlich eine ganz spezielle Kampagne nicht entgangen. 

Seit einigen Tagen sieht man in St. Gallen ein Plakat, das auf orangen Hintergrund lediglich die Worte Wo ist Beda? sowie einen QR Code zeigt. Zuerst dachte ich an eine Werbekampagne, die mich als Konsumenten neugierig machen soll; und ich fing an zu grübeln, welche Marke, welches Produkt, welcher Hersteller denn vor einem möglichen (Re-) Launch stehen könnte. Habe ich eine Ankündigung verpasst?


Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)
Plakat am stgaller Bahnhof
(7.8.2015)



Scannt man den QR Code ein, kommt man auf eine Webseite, die auch nicht viel mehr zeigt. 

Screenshot woistbeda.ch (8.8.2015)

Erst nach ein Gespräch mit einem Studierenden, der sich in seiner Masterarbeit ebenfalls mit dem Thema Social Media und Wahlen beschäftigen wird, konkretisierte sich der Gedanke, dass es sich um eine politische Kampagne im Zusammenhang mit den Nationalratswahlen 2015 handeln könnte - aber eine Bestätigung gibt es bisher nicht. Auch die Googlesuche nach "Wo ist Beda" führt bis heute zu keinem relevanten Treffer.

Suche nach "wo ist beda"
bei google.ch am 9.8.15

Die Kombination der Farbgebung und des Namens lassen eine bestimmte Vermutung zu. Aber wie auf der Webseite zu lesen ist: wir erfahren es in Kürze ... nun denn. 

Mein Zwischenfazit zu dieser Kampagne:
  • Das Plakat hat meine Aufmerksamkeit erhalten - wahrscheinlich aber nur aus professioneller Neugier heraus.
  • Eine politische Kampagne habe ich nicht dahinter vermutet. 
  • Mit etwas Neugier, Kenntniss und Geschick lässt sich zumindest eine Vermutung anstellen, was die Kampagne will und er dahinter stecken könnte. 
  • Die Kampagne ist sicherlich in ihrer Art kreativer als viele andere (politische) Kampagnen. 
  • Die Gestaltung der Kampagne bisher (8.9.2015) erscheint mir aber zu abstrakt, als dass sie beim Wähler bzw. Konsumenten genügend Aufmerksamkeit generiert. 
  • Meine Vermutung ist, dass sehr wenige Leute den QR Code gescannt haben.
  • Wer den QR Code scannt, ist durchaus enttäuscht, denn er erfährt Online nur unwesentlich mehr als beim Lesen des Plakats. 
  • Ob die Kampagne ein Erfolg oder eher ein Rohrkrepierer wird, werden wir sehen. 

Update 10.8.2015, 08:00
Inzwischen wurde das Geheimnis um Beda gelüftet. Heute morgen, pünktlich zum Ende der Schulferien, begrüsst uns ein eher typisches Wahlplakat:

Plakat am stgaller Bahnhof
(10.8.2015)
Und wiederum ist ein QR Code aufgedruckt; er führt zur Website beda-mit-sicherheit.ch:

Screenshot beda-mit-sicherheit.ch
(10.8.2015)

Dort sind links zu finden auf die zugehörige Facebook Seite sowie zum Twitter Account @bedasartory.

Die Website woistbeda.ch ist nach wie vor unverändert aktiv.

Ob sich diese Kampagne Online- wie Offline noch weiter entwickelt? Wir werden sehen.




2. April 2015

Social Media und Wahlkampf: "Der Wahlherbst zwitschert leise"

Im Regionaljournal auf SRF1 hatte ich heute in einem längeren Interview die Gelegenheit, zur Social Media Nutzung im bevorstehenden Nationalrats- und Ständeratswahlkampf Stellung zu nehmen und die aktuellen Aktivitäten einiger Kandidaten und Kandidatinnen aus der Ostschweiz und Graubünden zu kommentieren.

Ich möchte Pius Kessler (@keschpi) vom Team des Regionaljournals danken, dass er das Thema Social Media und Politik immer wieder aufgreift und platziert.

Link zum Online Beitrag Der Wahlherbst zwitschert leise

Link zum gesendeten Radiobeitrag (ab ca. Minute 12:00) (mp3 Datei)


13. März 2015

eParticipation - Warum Online keine politische Diskussion aufkommt: eine Momentaufnahme

Die Idee der eParticipation ist es, Beteiligungsprozesse mit Hilfe der Mitteln der Informations- und Kommunikationstechnik, heute zumeist dem Internet und seiner Dienste, zu unterstützen und zu ergänzen. Insbesondere der Einsatz von Social Media soll dazu führen, dass Bürger z.B. einer Gemeinde sich intensiver an politischen Prozessen beteiligen.

Eine Studie des IPMZ an der Uni Zürich zum Thema Internet und Politik in der Schweiz 2013 zeigt deutlich, dass nur sehr wenige Bürger Online an politischen Diskussionen teilnehmen, sie aber sehr wohl Offline mitdiskutieren.

Nutzung"des"Internet"für"politische"Beteiligung (Quelle IPMZ)

Dass politische Meinungsäusserungen, Diskussionen und Dialoge Online kaum stattfinden, zeigt auch ein Blick auf die Online Präsenzen und insbesondere Social Media Profile von Politikern oder Gemeinden. Damit beschäftigt sich auch der NZZ Artikel Wie Parteien Social Media nutzenSelfies, tote Seiten und ein bisschen Wahlkampf von heute. 

Aber woran liegt das?

Ich frage immer wieder Studierende danach, so auch heute die Studierenden der Informationswissenschaft der HTW Chur im Fach 'Informationsgesellschaft, -ethik und -politik' (IGEP).

Ihre Antworten kreisen alle um die folgenden Argumente:
  • Eine (synchrone) Face-to-Face Diskussion ist leichter zu führen, man kann unmittelbar auf Aussagen und Argumente reagieren, auch seine eigene Meinung präzisieren oder revidieren. 
  • Verbal ist es einfacher sich spontan auszudrücken als schriftlich.
  • Verbale Aussagen in einer Face-to-Face Diskussion haben grundsätzlich eine geringe Reichweite und eine kurze Halbwertzeit.
  • Aussagen in Online Diskussionen können – möglicherweise aus dem Kontext oder Zusammenhang gerissen - digital weiterverbreitet – auch an nicht intendierte Nutzer - und archiviert werden. 
Der Respekt vor der Online Meinungsäusserung hat zweierlei Hintergründe: Einerseits die Unsicherheit oder gar die Unwissenheit darüber, was mit meinen Aussagen geschehen kann („jeder kann lesen was ich denke“), andererseits das durchaus ausgeprägte Bewusstsein, dass digitale Inhalte anders als verbale Aussagen zu bewerten sind und hier notabene Vorsicht geboten ist.

Tatsächlich ist es so, dass digitale Beiträge, egal ob gründlich reflektiert oder sehr spontan und situativ entstanden, (möglicherweise) auch nach Monaten und Jahren noch auffindbar sind. Dagegen sind verbale Aussagen von gestern Morgen in aller Regel bereits vergessen.

Aus diversen Gründen haben es politische Diskussionen auf Online Plattformen also schwer. Ggf. wäre es zu überlegen, ob Online Diskussionen mit einer Art Verfallsdatum versehen werden und danach schlichtweg gelöscht werden - womit sicher längst nicht alle Probleme gelöst wären - und ggf. lediglich Kernargumente in einer Art Zusammenfassung präsentiert werden. Zumindest ein Teil der hier angesprochenen Beweggründe könnte man so adressieren.

Nachtrag 16.3.2015
Eine Idee zum Thema Verfallsdatum hatte @adfichter in einem Tweet: Politische Online Diskussionen nach dem Snapchat Prinzip.
Bildquellen: eigenes Photo und Bernet ZHAW Studie Social Media Schweiz 2013



22. Januar 2015

eParticipation für Kinder und Jugendliche - Motivation aus Sicht der Forschung

10532701395_fae5e101e8_zEin gemeinsamer Beitrag von Rosmarie Arnold und mir (Crossposting vom FHS eSociety Blog)

Die Autoren beschäftigen sich an der FHS St. Gallen in der Aus- und Weiterbildung wie auch in der Forschung und Dienstleistungsprojekten mit dem Thema eParticipation für Kinder und Jugendliche aus einer interdisziplinären Perspektive. Im folgenden Beitrag zeigen die Autoren die Motivation für das Thema aus Sicht der Forschung auf.  

Die eParticipation für Kinder und Jugendliche, wie sie z.B. in diesem Projekt in Grabs umgesetzt werden soll oder im Projekt Scoop-it 2.0 bearbeitet wird, fokussiert auf die Nutzung der Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere neue bzw. soziale Medien, im Rahmen der gesellschaftlichen Partizipation von Kindern. Die eParticipation für diese Altersgruppe ist bis dato nicht systematisch untersucht und aufbereitet worden, es finden lediglich weitgehend isolierte Aktivitäten statt.

Das übergeordnete Thema der offenen gesellschaftlichen Innovation wurde erst jüngst mit wissenschaftlichen Ansätzen untersucht (z.B. (Chesbrough & Minin, 2014Herzberg, 2012Lucke et al., 2012)). Die Themenstellung ist deswegen als hoch innovativ einzuordnen.

Die einzelnen Bausteine sind demgegenüber durchaus gut erforscht und dokumentiert. So geht die Forschung zur politischen Partizipation bereits auf die 60er Jahre zurück (vgl. z.B. (Arnstein, 1969)). Die politische Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist ebenfalls gut dokumentiert (z.B. (Fatke & Niklowitz, 2013Wittwer, 2014)). Die Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich ebenfalls mit der Rolle der IKT in diesem Kontext (z.B. (Buhl, 2011)). Der Themenkreis Kinder/ Jugend und Partizipation wird in der Sozialpädagogik spätestens seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts in der Öffentlichkeit - auch kontrovers – thematisiert und hat durch den sozialen Wandel neue Herausforderungen im Zusammenhang mit den neuen sozialen Medien erhalten (z.B. (Leistert & Röhle, 2011)). Dies geht einher mit der zunehmenden Besorgnis über das abnehmende Interesse der Jugendlichen an der Mitwirkung an politischen Fragen (z.B.(Oser & Biedermann, 2003)). Die aktuelle Studie "Von der Stimme zur Wirkung“ zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz, deren Ergebnisse vollumfänglich Anfang 2015 publiziert werden sollen, kommt zum Schluss: „…und auf Gemeindeebene ist die Partizipation immer noch gering“ (Rieker, 2014) (vgl. dazu auch Zimmermann, 2014).

Das Konzept der offenen Innovation ist in der Wirtschaft seit längerem bekannt, wird erfolgreich angewendet und ist intensiv beforscht. Die Anwendung der Konzepte offener Innovation im gesellschaftlichen bzw. im sozialen Kontext ist dagegen bisher kaum systematisch untersucht worden. Man spricht hier entsprechend von ‚offener gesellschaftlicher Innovation‘ (Lucke et al., 2012) bzw. von ‚offener sozialer Innovation‘ (Chesbrough & Minin, 2014).

Die Partizipation ist ein zentrales Element offener gesellschaftlicher Innovation; sie bindet Bürger und Bürgerinnen in Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse von Politik und Verwaltung bzw. des Gemeinwesens ganz allgemein ein. Bürger und Bürgerinnen haben so die Möglichkeit zur Lösung gesellschaftlicher und sozialer Herausforderungen des Gemeinwesens beizutragen. Die Bedürfnisse von Gemeinwesen nach einer stärkeren Einbindung von Bürgern und Bürgerinnen allgemein und Kindern und Jugendlichen im speziellen stellen eine allgemeine Entwicklung dar. Die Stärkung der Partizipation, insbesondere von informellen Partizipationsverfahren, ist aktuell ein zentrales Thema auch in der Schweiz, wie auch im Bericht der Bundeskanzlei an den Bundesrat zum Ausdruck kommt (Schweizer Bundeskanzlei, 2011).

Insbesondere die Einbindung von Kindern und Jugendlichen in gesellschaftliche und soziale Prozesse ist gegenwärtig ein zentrales Anliegen. Dies zeigt sich u.a. in den Programmen des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) im Rahmen der „Finanzhilfen Kinder- und Jugendförderungsgesetz KJFG“, bei denen das Thema Partizipation im Mittelpunkt steht. Die Relevanz des Themas zeigte u.a. auch die Diskussion rund um die Analyse des Abstimmungsverhaltens Jugendlicher im Februar 2014 (vgl. z.B. (Bühler, 2014)).

Im Rahmen der offenen gesellschaftlichen bzw. sozialen Innovation werden dabei heute zunehmend die Möglichkeiten des Einsatzes der Mittel der Informations- und Kommunikationstechnik, hier insbesondere die sog. „neuen Medien“ bzw. „sozialen Medien“ geprüft. Man spricht in diesem Zusammenhang von der eParticipation. eParticipation verknüpft die Methoden der Partizipation mit IKT gestützten Instrumenten. In ihrem Bericht widmet die Bundeskanzlei dem Thema „E-Demokratie und E-Partizipation“ ebenfalls grosse Aufmerksamkeit (Schweizer Bundeskanzlei, 2011).
Insbesondere Kinder und Jugendliche, die sog. Digital Natives, nutzen diese Medien heute selbstverständlich in ihrem Alltag in Schule, Ausbildung und Freizeit, wie zahlreiche Studien und Untersuchungen zeigen und thematisieren. (vgl. z.B. (Wampfler, 2014)). In der aktuellen Studie von Golder et al. wird hierzu unter der Überschrift „Reformimpuls 1“ explizit festgehalten: „… Um das politische Interesse bei Jungen zu stärken, müssen allerdings elektronische und soziale Medien verstärkt berücksichtigt werden.“ (Golder et al., 2014, 6).
Kinder- und Jugendmitwirkung auf Gemeindeebene wird in vielen Gemeinden von verschiedenen Kantonen formuliert und praktiziert. Diese Mitwirkung nutzt aber bisher eher traditionelle Methoden. Instrumente, welche Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) einsetzen, werden bisher nicht oder nur vereinzelt und zufällig eingesetzt.

Bildquelle: undpeuropeandcis on flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

10. Dezember 2014

#stparl - Ein Lehrstück in offener und transparenter Demokratie: Wie das stgaller Stadtparlament live via Twitter informiert

Quelle: tagblatt.ch
Gestern diskutierte und verabschiedete das stgaller Stadtparlament das Budget 2015; dazu gibt es einen ausführlichen Bericht bei tagblatt.ch.

Seit Anfang 2012 wird live aus den Sitzungen des stgaller Statdtparlemtents getwittert. Live Tweets aus einer Parlamantsdebatte schaffen Transparenz und erlauben Interessierten das Verfolgen der Sitzung. So auch gestern. Und wie.

Während der mehr als sechstündigen Sitzung wurde laufend via @sanktgallen über den Verlauf der Budgetdebatte getwittert. Ein grosses Lob gebührt ^sh von der Kommunikation der Stadt St. Gallen.


Sechs Stunden lang eine Debatte zu verfolgen, die wichtigsten Beiträge, Diskussionen und Entscheide in 140 Zeichen zu verpacken, das ist Knochenarbeit.

Und wen  es einmal eine Unklarheit gab, wurde sie sofort korrigiert.


Aus dem Parlament selbst twitterten (nur) zwei Abgeordnete: @angelozehr @stefangrob76 und @hugentoblersg. Die Frage nach weiteren twitternden Abgeordneten blieb leider offen. Auch das Account der Abgeordneten @BAFrei blieb nach der Stadtratswahl auffällig ruhig.

@marcelbaur hat inzwischen eine Liste aller twitternden Stadtparlamentarier angelegt. (ergänzt 10.12., 11:30)

Eine Sammlung aller Tweets, die mit #stparl getagged waren, gibt's bei storify.

Aber auch ausserhalb von #stparl gab es Diskussionen und Feedbacks.


Und auch die Medien schätzen den Service:


Erfreulich auch, dass Stadtpräsident Scheitlin voll und ganz hinter den Investitionen für die Social Media Aktivitäten der Stadt steht.



Mein Fazit: Wie auch schon getwittert, die Berichterstattung über die Budgetberatungen war ein Musterbeispiel für gelebte offene Demokratie. Das Beispiel zeigt auf wie der Einsatz neuer Medien die Ziele von Open Government unterstützt.



2. Dezember 2014

Beobachtungen zum Social Media Wahlkampf zur stgaller Stadtratswahl am 30. November 2014

Leserbriefe im St.Galler
Tagblatt (24.11.2014)
Am Sonntag, 30. November 2014, wurde in St. Gallen ein neuer Stadtrat gewählt - offiziell "Ersatzwahl eines Mitglieds des Stadtrates für den Rest der Amtsdauer 2013 bis 2016" -, Peter Jans hat die Wahl deutlich im ersten Wahlgang gewonnen. Dazu herzlichen Glückwunsch.

Der Offline Wahlkampf verlief durchaus intensiv, wie auch zu erwarten bei drei Kandidaten für einen Posten. Es gab Stände in der Stadt, Podiumsdiskussionen und Radio- und TV-Auftritte. Dazu zahlreiche Leserbriefe in der Lokalpresse - deren Verteilung im Stadtgebiet sogar analysiert wurde. Und natürlich lächelten uns die Konterfeis der Kandidaten von Plakatwänden im ganzen Stadtgebiet an.

Und wie verlief der Wahlkampf in den Social Media, im Jahre 2014?
Das wollte ich - wie schon früher - wissen und habe deswegen seit Anfang Oktober den Wahlkampf in den Social Media beobachtet.

Um es gleich zu sagen: Genauso zäh wie die Verkündigung der Wahlergbnisse via Online- bzw. Social Media am Sonntag war auch der Wahlkampf an sich, eher träge und zäh, ohne echte Dynamik. Social Media eher als Alibi. Online und Social eher als (lästiges?) Add On zu Offline.
Bei @tagblatt_ch gab es keinen einzigen Tweet zu den Wahl- und Abstimmungsergebnissen vom Sonntag. Und Online hat man beim Tagblatt sogar ein falsches Bild des Wahlgewinners publiziert.

Im folgenden möchte ich aufzeigen, wie die beiden Kandidaten Barbara Frei und Peter Jans auf Facebook und Twitter zwischem dem 1.10. und 26.11.2014 aktiv waren. Der Kandidt This Bürge wird nicht weiter analysiert, da er kein Facebookprofil unterhalten hat und in dem genannten Zeitraum genau einen Tweet veröffentlicht hat.


Quelle: Facebook, 30.11.2014
Barbara Frei ist seit 23.7.2014 mit ihrem Profil Barbara Frei in den Stadtrat aktiv.
Im Zeitraum 1.10. bis 26.11.2014 (8 Wochen) wurden insgesamt 23 Beiträge veröffentlicht. Diese wurden 182 Mal geliked und 10 Mal kommentiert. (Daten gemäss fanpage karma)
In praktisch allen Postings wurden entweder Bilder und/oder Links zu Medienberichten oder auf die eigene Homepage geposted, in einigen wenigen Beiträgen wurden Hinweise auf Wahlkampfveranstaltungen oder -aktivitäten publiziert. Einen Beitrag, der ein bestimmtes Thema aufgreift und diskutiert und ggf. zur Reaktion aufruft, sucht man vergebens.
Die folgende Grafik zeigt die Postings, Likes und Kommentare je Woche. Die Daten geben jeweils das Enddatum der beobachteten Woche an.

Quelle: Facebook/ fanpage karma

Quelle: Facebook, 1.12.2014
Peter Jans ist seit dem 14.8.2014 als Kandidat auf Facebook präsent.

Er hat im gleichen Zeitraum 1.10. bis 26.11.2014 (8 Wochen) insgesamt 41 Beiträge publiziert, die 444 Likes und 45 Kommentare erhielten, vgl. Grafik.
Auch hier wurden überwiegend Photos und/oder Links auf andere Quellen publiziert, originäre inhaltliche Beiträge findet man im Prinzip nicht.
Insgesamt also einerseits höhere Zahl von Beiträgen, andererseits auch eine höhere Quote an Interaktivität bei ca. 10 Likes je Beitrag im Durchschnitt.
Peter Jans war also etwas aktiver auf Facebook als seine Mitbewerberin, auch konnte er mehr Facebooknutzer für sich gewinnen.

Quelle: Facebook/ fanpage karma

Diese Entwicklung lässt sich auch mit der höheren Zahl von Fans erklären:
Was die Zahl der "Gefällt mir" Angaben angeht, so konnte Barbara Frei die Zahl ihrer Fans innerhalb der acht Wochen von 185 auf 209 (113%) steigern, Peter Jans dagegen von 247 auf 335 (136%). Peter Jans konnte hier stärker zulegen als Barbara Frei. Kurz vor der Wahl hatte Peter Jans 60% mehr Fans als Barbara Frei.

Quelle: Facebook

Auch wenn die Art der Beiträge auf Facebook ähnlich sind, so konnte Peter Jans insgesamt mehr Nutzer für sich aktivieren.


Und wie lief es drüben bei Twitter?

@BAFrei ist seit 9. April 2011, @PeterJansSG seit 11. Sept 2014 mit einem Twitterkonto aktiv. Bis zum 30.11.2014 hatte Barbara Frei total 38 und Peter Jans total 26 Tweets verschickt.

Getwittert hat Barbara Frei im betrachteten Zeitraum mehr als Peter Jans, aber beide auf niedrigem Niveau.

Quelle: Twitter

Was die Inhalte der Twets angeht, so gleicht sich das Bild mit Facebook. Im Wesentlichen wurden Links und/oder Photos vertwittert. Einen Dialog oder Interaktion gab es nur dann, wenn die beiden Kandidaten von anderen Twitteren direkt angesprochen wurden.


Bei beiden Kandidaten hat sich die Zahl derjenigen, den sie folgen, im Prinzip nicht verändert während des Zeitraums von acht Wochen; beide liegen hier etwa auf gleichem Niveau zwischen 35 und 40 Followees. Dies ist ein Indiz dafür, dass Twitter kein wirklich aktiv gepflegter Kanal war und ist.

Die Zahl der Follower hat sich dagegen recht unterschiedlich entwickelt. Bei Barbara Frei hat sich die Zahl der Follower nach einem ersten Anstieg seit Mitte Oktober nicht weiter entwickelt, sie ging in der letzten Woche vor der Wahl sogar zurück.

Peter Jans dagegen konnte die Zahl seiner Follower dagegen von 29 auf 47 (162%) steigern. Dies spricht dafür, dass Peter Jans seine Anhänger besser mobilisieren konnte, so wie sich dies bereits bei Facebook gezeigt hat.

Quelle: Twitter

Quelle: Twitter


Twitonomy stellt folgende Twitter Analysen zur Verfügung:

Twitonomy Tweet Analytics@BAFrei

Twitonomy Tweet Analytics@PeterJansSG


Sammlung aller Tweets von @BAFrei und @PeterJansSG.

Eine Sammlung aller Tweets, die im Rahmen des Wahlkampfs abgesetzt und ausgetauscht wurden, findet sich hier.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Social Media, hier insbesondere Facebook und Twitter, eine untergeordnete Rolle im Wahlkampf zur Wahl des Stadtrats vom 30.11.2014 in der Stadt St. Gallen gespielt haben. Inhaltlich haben beide Kandidaten Facebook und Twitter im Wesentlichen zum Verbreiten von Links verwendet, Interaktion und Dialoge haben nur in einem äusserst eingeschränkten Umfang stattgefunden und meist nur dann, wenn andere Nutzer die Kandidaten direkt angesprochen haben. Festzuhalten ist auch, dass insbesondere auf Twitter letztendlich nicht viel mehr als eine Handvoll Nutzer sich aktiv am Austausch beteiligt haben. Insofern bestand also auch keine Notwendigkeit seitens der Kandidaten, aktiver zu werden.

Der Kandidat Peter Jans konnte schlussendlich seine Anhänger besser mobilisieren als seine Mitbewerberin, ohne dass er Facebook oder Twitter wesentlich intensiver oder inhaltlich anders genutzt hätte. Bei der Schlussauszählung der Wahl bestätigte dies sich dann ebenfalls: Peter Jans konnte ca. 44% mehr Stimmen auf sich vereinen als Barbara Frei.

Es bleibt abzuwarten, wie der neue Stadtrat Peter Jans und die Stadtparlamentarierin Barbara Frei künftig ihre Social Media Kanäle nutzen werden.



21. Juni 2014

Workshop "Gemeindepräsident gesucht: Wie unterstützen neue Medien die Suche nach neuen Kandidatinnen und Kandidaten?" an der 4. Ostschweizer Gemeindetagung

Gestern fand an der FHS St. Gallen die 4. Ostschweizer Gemeindetagung zum Thema "Gemeindepräsident/in gesucht" (Programm) statt. Eine Sammlung der Tweets zur Tagung findet sich bei Storify.

Einer der vier Workshops mit dem Mit neuen Medien politische Talente mobilisieren wurde von mir moderiert. Zielsetzung war, die Teilnehmer für die Rolle neuer Medien und insbesondere Social Media zu sensibilisieren.

Zunächst habe ich einen ca. zehn-minütigen Input: Gemeindepräsident gesucht: Wie unterstützen neue Medien die Suche nach neuen Kandidatinnen und Kandidaten? gegeben, den ich mit drei Thesen abgeschlossen habe:
  • Transparenz schafft Neugier und Interesse: Open Government/ Offenens Verwaltungshandeln als Trend
  • Neue Medien/ Social Media ermöglichen Transparenz, Feedback und Dialog – niederschwellig und zeitnah
  • Transparenz geschaffen durch neue Medien motiviert mehr Bürger und Bürgerinnen, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen

Anschliessend waren die Teilnehmer aufgefordert ihre Gedanken, Ideen, Pro- und Kontra-Argumente auf Kärtchen zu schreiben. Nach einer ersten Clusterung haben wir diese dann gemeinsam diskutiert. 

Aus der Kartenabfrage und der anschliessenden Diskussion hier einige Hauptaussagen:

Der Generationen Clash, wie es auf einer Karte formuliert war: Es ging hier um die eher pauschalierende und undifferenzierte Aussage, dass vor allem die junge Generation empfänglich sei für Social Media - was durchaus den Fakten widerspricht. 
Positiv wurde erwähnt, dass man neue Zielgruppen erreichen könne. 

Es wurde auch darauf hingewiesen, dass Social Media als Ergänzung zu sehen seien und dass es ein Miteinander von On- und Offline benötige. 

Grundsätzlich war ein grosser Respekt, um nicht zu sagen Angst, bzgl. Social Media zu spüren. Sehr häufig wurden Aspekte wie Shitstorm, Manipulationsmöglichkeiten, Skandalisierung, Oberflächlichkeit oder auch Betroffenheitsdemokratie genannt. 

Es steht ausser Frage, dass Social Media gewisse Meinungen und Aussagen schneller und mit höherer Reichweite verbreiten können. Aber dies ist einerseits nicht nur ein Problem elektronischer Medien, sondern eher ein Phänomenon unserer Zeit, wenn man an die reisserischen Beiträge mancher Boulevard- und Gratiszeitungen denkt; eine differenzierte und eher nüchterne Berichterstattung ist kaum mehr gefragt. Andererseits weiss man, dass die richtige Reaktion auf Shitstorms dessen Wirkung durchaus verpuffen lassen kann. Und sofern ein Shitstorm tatsächlich auf unberechtigt Argumenten basiert, wird dieser durchaus mit gleicher Intensität durch die Netzbenutzer ausgehebelt. 

Auch die sog. Betroffenheitsdemokratie ist kein Problem der Social Media; dass Menschen sich dann empören und zur Wehr setzen, wenn Sie direkt betroffen sind, gehört zur täglichen Erkenntnis jeden Kommunalpolitikers. 

Erkannt wurde durchaus auch, dass die Nutzung von Social Media eine Form des quasi permanenten Monitorings bedarf und notabene die traditionelle Kommunikation von Teilzeitpolitikern - welche Gemeindepolitiker in der Schweiz mehrheitlich sind - vor Herausforderungen stellt. In diesem Zusammenhang wurde dann auch das Kosten-Nutzen Verhältnis thematisiert. 

Nur selten wurde erwähnt, dass Social Media auch eine Chance sind, Feedback von der Basis zu erhalten, neue Chancen der Vernetzung ermöglichen oder vor allem die kleine, informelle Kommunikation ermöglichen. Eine Karte lautete dazu Stammtisch Meinungen kommen an die Oberfläche (worauf ein Teilnehmer spontan sagte "Was interessieren mich die Stammtischmeinungen" ...). 

Das Thema vermehrte Transparenz wurde grundsätzlich durchaus positiv kommentiert: Transparenz schafft Vertrauen oder Einblick in Alltag von Gemeinderat/Verwaltung waren hier Äusserungen. 
Aber auch Nachdenkliches wie Erschlagen von Transparenz wurde erwähnt, ein durchaus bedenkenswerter Aspekt (lesenswert dazu das Buch von Byung-Chul Han: „Transparenzgesellschaft“). 

Als Fazit des zweimal durchgeführten Workshop bleibt festzuhalten, die die Teilnehmer zwar grundsätzlich die Potentiale von Social Media sehen und erkennen, andererseits einen (noch zu) grossen Respekt vor deren Nutzung haben. Dies mag durchaus auch mit der mangelnden Erfahrung und dem Wissen rund um Social Media zu tun haben.