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27. Januar 2009

Die Scheichs investieren in den Rohstoff von morgen: Wissen

Nachdem die Finanzkrise auch die reale Wirtschaft erreicht hat, werden die Regierungen der Welt nicht müde, nach der Bankenwelt auch nach und nach weitere Branchen mit ordnungspolitisch zu hinterfragenden Konzepten zu 'retten'.

Die Autoindustrie wird mit Hunderten von Millionen Dollar, Yen und Euro 'gestützt', in der Geschwindigkeit der Entscheidungen übertrumpfen sich die Regierungen. Sicher, man soll und darf die diversen Branchen nicht einfach untergehen lassen, aber alle Probleme auf die aktuelle Krise zu schieben ist auch naiv. So schreibt z.B. die BusinessWeek vom 12. Januar 2009 zur Situation in der Autoindustrie:
"Having indulged in a global orgy of factory-building in recent years, the industry has the capacity to make an astounding 94 million vehicles each year. That's about 34 million too many based on current sales, according to researcher CSM Worldwide, or the output of about 100 plants."*
(Online erschienen am 31. Dez. 2008)

Das hat wohl kaum nur mit der aktuellen Krise zu tun, sondern zeigt strukturelle Probleme auf.


Und Frankreich stützt mit 600 Millionen Euro die Printindustrie - und in den USA verlangt sogar die Pornoindustrie nach Staatsgeldern. Wer kommt als nächster?


Auch in den Emiraten, in denen der Reichtum schier endlos schien, schlägt die Krise zu, Bauvorhaben werden gestoppt, rauschende Parties abgesagt, Luxushotels teilweise geschlossen. Aber: In einer Mitteilung im CASH Daily las man am 26. Januar 2009 vom "Bildungsboom bei den Scheichs". Ein ähnlicher Artikel erschien im deutschen Handelsblatt am 26. Januar 2009 ("Bildungsboom im Wüstensand"), aber sonst nahm man offensichtlich kaum Notiz von dieser Meldung.

"Der Rohstoff von morgen heißt Wissen. Um ihre Zukunft unabhängig vom Öl zu sichern, setzen die Scheichs in Saudi-Arabien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten wie Dubai und Abu Dhabi oder in den Nachbarstaaten Oman und Katar verstärkt auf Bildung."

Im Oman feiert die German University of Technology (GUtech), ein Ableger der RWTH Aachen, ihren ersten Geburtstag und soll bald rund 2'000 Studenten haben, heute 60. Und in Dubai hat der Herrscher "trotz Kreditklemme eine Zehn-Mrd.-Dollar-Stiftung angekündigt, um Wissen und Forschung voranzutreiben und um noch unabhängiger vom Öl zu werden."
Und weiter:
"Bei den Nachbarn am Persischen Golf dagegen heißt es nicht kleckern, sondern klotzen: Allen voran will der saudische König an seiner neuen Hochschule die internationale Wissenschaftselite versammeln. Er hat dazu 12,5 Mrd. Dollar bereitgestellt."
Zum Vergleich: Die Exzellenzinitiative in Deutschland stellt insgesamt 1.9 Mrd. Euro zur Verfügung. (Quelle: BMBF)
Sicher, die Bedingungen und Voraussetzungern in den verschiedenen Ländern sind schlichtweg nicht vergleichbar, aber ein solches klares Bekenntnis zu Investitionen in "Wissen" und "Bildung" einschliessch der Bereitstellung der Ressourcen ist durchaus beeindruckend.

* Diese Grafik der BusinessWeek zeigt die aktuellen Kapazitäten nach Kontinenten.


Bildquelle und ©: Schnecki/PIXELIO

1 Kommentar:

Hans-Dieter Zimmermann hat gesagt…

Aus dem cash vom 2.3.2009: "Indien liegt im Bildungsfieber": Indien verfünffacht (!) die Ausgaben für Bildung. 30 neue Universitäten werden geschaffen. Im Jahr 2035 sollen 30 Mio. Inder die Highschool verlassen - heute sind es 13 Mio., viermal so viel wie vor 15 Jahren.