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14. April 2016

"Kaufen Sie auch im Internet?"

"Kaufen Sie auch im Internet?"
St. Galler Nachrichten,
14.4.16, S. 14
* (Titel angepasst 19.4.16, vgl. Fussnote)
In der gedruckten Ausgabe der St. Galler Nachrichten vom 14. April 2016 hat die innerstädtische Vereinigung von Unternehmen des Detailhandels Pro City St. Gallen auf der Seite  14 diverse  Anzeigen stgaller Detailhändler geschaltet (vgl. unten). Dies unter der Überschrift JA zur Schweiz. So weit so gut.

Im rechten oberen Rand der Seite wird seitens der Redaktion die Frage gestellt: Kaufen Sie auch im Internet? * (Formulierung angepasst 19.4.16, vgl. Fussnote)

Ich fühle mich irgendwie angesprochen, eine Antwortmöglichkeit gibt es aber nicht; deswegen antworte ich gerne auf die gestellten Fragen hier öffentlich. Ich hoffe nur, ich habe sie auch richtig verstanden.


Wann hat Ihnen das Internet zuletzt einen Job angeboten?
Das Internet? Wer oder was ist das Internet? Sie meinen wohl Anbieter und Plattformen, die das World Wide Web, einem Dienst des Internets, nutzen. Nun, ich bin nicht auf Stellensuche, aber ich bekomme jedes Mal, wenn ich auf LinkedIn, XING oder auch ResearchGate bin, Jobs angezeigt, die zu mir passen. 

Wo werden Sie arbeiten, wenn es Ihren Arbeitgeber nicht mehr gibt, weil das Internet ihn vernichtet hat?
Was ist denn das für eine mar­ti­a­lische Wortwahl? Also der IS vernichtet Kulturgüter. Aber das Internet? Ja, es gibt einen Strukturwandel in der Wirtschaft und im Handel, wenn das gemeint sein soll, und zwar einen tiefgreifenden. Deswegen sprechen wir auch von der vierten industriellen Revolution, Industrie 4.0, Industrie 2025Digitalisierung oder Transformation. Und Strukturwandel gab es schon immer und wird es immer geben. Sich dem zu verschliessen, den Kopf in den Sand zu stecken, das Internet als Feind des Detailhandels zu verstehen, das ist töricht und dumm. 
Eigentlich könnte man heute, im Frühjar 2016, wissen, dass es ein Miteinander von On- und Offline gibt, die verschiedenen Kanäle werden miteinander kombiniert - das Stichwort ist hier Cross-Channel. Sicher, Veränderungen sind oft schmerzhaft, aber bieten viele neue Chancen! Oder wie der Kollege Gerrit Heinemann schreibt: Online-Handel ist nichts für Warmduscher. Ja, es verschwinden Unternehmen und Berufe, so wie der Kutscher, der Hufschmied oder der Heizer bei der Eisenbahn. Aber es entstehen auch faszinierende neue Berufe und Berufsfelder! Sollen wir Elektro- und selbstfahrende Autos verhindern, nur damit der traditionelle Automechaniker auch zukünftig noch seinen Job hat?
Im Übrigen hatte ich die Freude und Ehre bereits im Februar 2012 vor etwa hundert Vertretern des stagaller Gewerbes ein Referat zum Thema Social Media - Herausforderungen und Chancen für das Gewerbe zu halten.  

Aber zur Frage zurück: Als Lehrender und Forschender bietet mir das Internet viele spannende Möglichkeiten, meinen Job auszuführen. Ich behaupte sogar, dass ich meinen Job mit all seinen Facetten und Anforderungen ohne das Internet kaum mehr ausüben könnte. Und die Nachfrage nach solchen Tätigkeiten ist gerade in Zeiten des Wandels hoch! 

Wie viele Jugendliche aus Ihrer Region haben einen Ausbildungsplatz im Internet bekommen? 
Das vermag ich nicht zu sagen; aber ich weiss, dass Jugendliche auf der Suche nach einer Schnupperlehre oder Lehrstelle intensiv im Internet recherchieren,  z.B. bei www.berufsberatung.ch, www.lehrstellenboerse.ch, lehr-stelle.ch/region/st-gallen, www.berufsberatung.sg.ch etc. sowie auf den Websites der Firmen, und sich teilweise auch Online bei den jeweiligen Firmen bewerben. 

Wie viele Steuern zahlt das Internet für Ihre Gemeinde?
Nun, das Internet zahlt ebenso wenig Steuern wie das Nationalstrassennetz. Aber es gibt viele Firmen in unserer Region, die dank des Internets vielen Menschen einen spannenden und hochqualifizierten Job bieten können. Vielleicht verrät das Steueramt, wie viele Steuern diese Firmen abliefern.

Wann hat Sie das Internet vor Ort kompetent und schnell beraten?
Vor Ort, also an dem Ort wo ich mich gerade aufhalte, zuhause, im Büro, unterwegs? Oh, sehr oft, eigentlich täglich. 

Haben Sie schon mal vom Internet einen Auftrag erhalten?
Kaum zu glauben, aber über das Internet, oder besser von Firmen und Organisationen, die das Internet nutzen, habe ich schon so manche Anfrage oder gar Auftrag erhalten.

Vielleicht kann diese Frage aber auch die Firma Pius Schäfler beantworten, die auf genau der Seite, auf der auch dieser Fragebogen abgedruckt ist, für ihren Onlineshop Werbung macht. 

Wie würde Ihre Stadt aussehen, wenn es keine lokalen Geschäfte mehr gibt? Wollen Sie in einer Geisterstadt leben?
Nein, sicher nicht. Und ich trage meinen Teil als Konsument wie auch in meinem Job dazu bei, dass aus St. Gallen keine Geisterstadt wird; aber wenn die lokalen Geschäfte lieber den Kopf in den Sand stecken als sich mit dem Wandel zu beschäftigen, dann ist das wohl vergebliche Liebesmüh. 

Wie sieht Ihre Umgebung aus, wenn es keine Unternehmen und Geschäfte mehr gibt, die Steuern zahlen? 
Der beste Weg keine Steuern mehr zahlen zu müssen können, ist sich dem Wandel zu verschliessen. Wie gesagt, eine Geisterstadt St. Gallen möchte ich nicht. 

Ich möchte ein lebendiges, innovatives St. Gallen, in dem der Wandel mit allen seinen Begleiterscheinungen als Chance begriffen wird!

Solche Fragen, die hier gestellt werden, schüren lediglich Angst, bedienen Vorurteile und sind sicher nicht dazu geeignet, die Zukunft und damit notabene den Wandel zu gestalten.

ergänzt 19.4.2016:
* Der hier thematisierte Fragebogen erweckt den Anschein, als sei er von Pro City St. Gallen entworfen worden; dies war auch meine Wahrnehmung. In einem Telefonat mit dem Präsidenten von Pro City St. Gallen, Herr Bleuer, hat dieser nun richtig gestellt, dass der Fragebogen nicht von Pro City St. Gallen stammt, sondern ein redaktioneller Beitrag der St. Galler Nachrichten ist, wie die Redaktion auf Anfrage per eMail bestätigte:
"Zudem möchten wir betonen, dass dies kein „Fragebogen“ ist, den es zu beantworten oder auszufüllen gibt. Diese Fragen sind lediglich ein Gedankenanstoss in einer Zeit, in der mehr und mehr Geschäfte im Internet anstatt „lokal - nebenan“ getätigt werden."
Herr Bleuer betonte mir gegenüber, dass Pro City St. Gallen sehr wohl die Herausforderungen der Digitalisierung im Handel annehme und eine Darstellung des Internets als Sündenbock nicht der Intention von Pro City St. Gallen entspricht. 


St. Galler Nachrichten,
14. April 2016, S. 14





24. Februar 2016

IECER 2016 Research Track: Digital Business Transformation

iecer-conference.org
Vom  7.-9. September 2016 findet an der HTW Chur die 14. Interdisciplinary European Conference on Entrepreneurship Research IECER statt.

Im Rahmen der Konferenz organisiere ich den Research Track Digital Business Transformation.

Ziel ist es das Thema vor allem auch der Perspektive der KMU zu beleuchten. Neben full papers sind auch ausdrücklich short papers (work-in-progress) erwünscht. Weitere Details sind hier zu finden.

Einreichungen sind bis zum 29. Mai 2016 möglich, die Autoren werden bis zum 30. Juni benachrichtigt.

Call for Papers als pdf-Datei



20. Januar 2016

Beiträge zum Themenkomplex "Digitalisierung der Wirtschaft" bzw. "Industrie 4.0"

Das Thema der Digitalisierung der Wirtschaft bzw. Industrie 4.0 ist aktuell viel diskutiert und in den Medien fast omnipräsent. Nicht zuletzt beschäftigt sich auch das WEF schwerpunktmässig mit dem Thema (vgl. z.B. hier und hier).

Anlässlich der Veranstaltung Digitalisierung kennt keine Grenzen am 15. Januar in Konstanz war ich eingeladen einige Gedanken aus meiner Sicht zum Thema zu präsentieren. Nachdem mich das Thema seit vielen Jahren beschäftigt, bin ich der Einladung  gerne nachgekommen.


Auf suedkurier.de erschein ein Bericht zur Veranstaltung, ebenso bei der HTWG

Ein paar Tage später, am 19. Januar, hat dann das Ostschweizer Fernsehen TVO das Thema im Zusammenhang mit dem beginnenden WEF thematisiert und wollte dazu ein paar Statements haben. Auch dieser Einladung bin ich gerne nachgekommen. 


Die von mir erwähnten Initiativen für die KMU sind einerseits die angekündigten IBH Labs, andererseits die in Konstanz offiziell lancierte Bodensee-Plattform Innovation 4.0
Wie sich die beiden Projekte entwickeln werden, bleibt abzuwarten. 





8. Januar 2016

Digitale Transformation bei Konsumentenprodukten: "Produkte mit Zusatznutzen dank App"

Die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist aktuell in aller Munde, der Begriff wird inzwischen inflationär gebraucht und könnte bald zum Unwort werden. Unabhängig von Begriffen finden tatsächlich grundlegende Veränderungen statt.

Mich selbst beschäfitgt das Thema ebenfalls bereits seit jetzt mehr als zwei Jahrzehnten.
In meinen Lehrveranstaltungen zum eBusiness und eCommerce diskutiere ich die Implikationen der Digitalisierung und die sich daraus ergebenden Herausforderungen anhand der Teilaspekte

  • der (inter-organisatorischen) Wertschöpfungsstrukturen,
  • der (inter-organisatorischen) Wertschöpfungsprozesse,
  • der Produkten und Dienstleistungen und
  • der Infrastrukturen, verstanden im Sinne der technischen Infrastruktur, aber auch der notwendigen Marktplattformen und Marktdienste.
Alle vier Aspekte haben jeweils wechselseitige Einflüsse. 
Mit Hilfe dieser Betrachtungsweise lassen sich sowohl die grundlegenden Veränderungen sichtbar machen und einordnen als auch die konkreten Herausforderungen für das einzelne Unternehmen ableiten. 

Bei der täglichen Lektüre im Web wie auch Online bin ich natürlich immer auf der Suche nach aktuellen Beispielen, die ich in der Lehre einsetzen kann. 

Im Bereich der Produkte und Dienstleistungen haben 2015 die mit dem WLAN verbundene Barbiepuppe oder der die privaten Gespräche mithörende smarte TV-Apparat für einigen Gesprächsstoff gesorgt; und es sind nur zwei Beispiele für die neuen Möglichkeiten - und Herausforderungen - der Verschmelzung der Online- mit der Offlinewelt bei Produkten für uns Konsumenten. 

Bei der gestrigen Lektüre der NZZ - via App auf dem Tablet - habe ich auch die Beilage von Galaxus.ch durchgeblättert. Und auf den Seiten 20 und 21 habe ich weitere wunderbare Beispiele für Konsumentenprodukte gefunden, welche das Zusammenwachsen von On- und Offline deutlich machen: Produkte mit Zusatznutzen dank App

Dass unsere Digitalkamera, die Fitnessuhr und das Babyfon mit dem Netz bzw. einer App kommunizieren kann, wissen wir längst. 

Aber es gibt noch mehr: den Staubsauger, die Waschmaschine, den Schnellkochtopf oder das drahtlose Pflanzenüberwachungsgerät.

Welcome to the smart home!


Prospekt von galaxus.ch, Januar 2016





26. März 2015

Die Transformation der Wirtschaft zur digitalen Wirtschaft ist noch am Anfang

In der Studie Leading a Digical℠ transformation haben Bain & Company die Transformation der Wirtschaft zur digitalen Wirtschaft untersucht. Dabei wird vor allem auf das Verschmelzen der digitalen mit der realen Welt fokussiert.
"The truth is that both the digital world and the physical one are indispensable parts of life and of business. The real transformation taking place today isn’t the replacement of the one by the other, it’s the marriage of the two into combinations that create wholly new sources of value. This is a phenomenon we at Bain call Digical"  (Quelle: Bain & Company)
Es wird deutlich, dass in den meisten Branchen das Transformationspotential noch beträchtlich ist.

Quelle: Bain & Company

Zum Beispiel in der Automobilindustrie.

Dazu passt der Bericht über eine Medienkonferenz eines Automobilherstellers. Aber was soll kommuniziert werden? Neue Motoren? Neue Austattungsvarianten? Neue Modelle?

Nein. Es wir ein Software Update kommuniziert.

Und weiter:
"Denn das Software-Update erfolgt wie beispielsweise bei Smartphones aus der Luft. Man spricht von OTA (over the air), und dies ist die eigentliche Neuigkeit für den Automobilbereich." (NZZ 26.3.2015)
Und das ist erst der Beginn der Transformation in der Automobilbranche. Apple, Google, Tesla und Co. werden die Trends setzen.