Vor wenigen Tagen wurde die PEW Internet Studie "8% of online Americans use Twitter" veröffentlicht.
In zig Blogs und natürlich via Twitter wurde diese Studie aufgegriffen und verarbeitet. Einige Blogs wie z.B. der Basic Thing Blog schauten etwas genauer hin, analysieren auch einige der Details und berichten sachlich.
Andere, und das ist der Anlass dieses Beitrags, machen aus dem Orignal "8% of online Americans use Twitter" ein "only 8% of online Americans use Twitter" oder "Twitter noch lange kein Massenmedium" - und dies mit einem gewissen skeptischen Unterton.
Ja und? Hat Twitter denn den Anspruch ein Massenmedium zu sein? Und passt hier überhaupt der Begriff des Massenmediums? Ist nur gut, was eine Masse aktiv oder passiv nutzt? Zählen nur noch Einschaltquoten in den Medien?
Man hat tatsächlich den Eindruck, wenn man sich das Gebaren vieler Medien anschaut, insbesondere auch derjenigen mit einem öffentlich-rechtlichen Auftrag, die mittels Zwangsgebühren finanziert werden. Viel zu oft gilt das Primat der Quantität.
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11. Dezember 2010
"Twitter noch lange kein Massenmedium" - na und ?
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St. Gallen, Schweiz
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19. April 2009
Medienkonzentration, lokale Medien und Bürgerdemokratie - empirische Befunde
Im Rahmen der Diskussion um die Zeitungskrise und das Zeitungssterben wird als ein Aspekt immer wieder der Zusammenhang zwischen lokalen Medien bzw. lokaler Medienberichterstattung und der Wahrnehmung demokratischer Rechte durch die Bürger. Z. B. hier: " 'The Public Press" - neues Geschäftsmodell zur Vermeidung eines Demokratiedesasters ?'. Allerdings stehen häufig eher vordergründige Motive im Vordergrund, selten empirisch belegt.
In seinen Beiträgen "Lokale Medien in Not - ist der Patient zu retten?" und "Einheitsbrei statt Vielfalt" (NZZ 15. April 2009) liefert der Autor Felix Oberholzer-Gee, Professor an der Harvard Business School mit Doktortitel von der Universität Zürich, u.a. empirische Befunde für die Zusammenhänge von politischem Engagement von Bürgern und lokaler Medien und ihrer Konzentration. Er beschäftigt sich mit der Frage:
Weiterführende Literatur:
In seinen Beiträgen "Lokale Medien in Not - ist der Patient zu retten?" und "Einheitsbrei statt Vielfalt" (NZZ 15. April 2009) liefert der Autor Felix Oberholzer-Gee, Professor an der Harvard Business School mit Doktortitel von der Universität Zürich, u.a. empirische Befunde für die Zusammenhänge von politischem Engagement von Bürgern und lokaler Medien und ihrer Konzentration. Er beschäftigt sich mit der Frage:
"Ist die Förderung lokaler und regionaler Massenmedien in einer globalisierten Medienwelt noch sinnvoll? Ist nicht das Internet mit seinen sozialen Netzwerken und Bloggern ein perfektes Substitut für lokale Zeitung und Fernsehen? Soll der Staat den Konsumentinnen und Konsumenten lokale Nachrichten aufdrängen, wenn diese globale Inhalte vorziehen? Dies sind einige der Fragen, welcher sich die jüngste wissenschaftliche Forschung ernsthaft angenommen hat."Das erste Beispiel:
"Die Leserinnen und Leser aber, die vom «Fargo Forum» zur «New York Times» wechselten, gewannen wohl Einsichten über die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika – einer der Schwerpunkte der Berichterstattung der «New York Times» –, doch verloren sie gleichzeitig an lokalem Wissen, das es ihnen erlaubt hätte, am politischen und sozialen Leben in Fargo teilzunehmen.Und eine weiterer empirischer Befund:
Schätzungen [...] deuten darauf hin, dass die Stimmbeteiligung gebildeter Wählerinnen und Wähler in Lokalwahlen um 6 Prozentpunkte nachgibt, wenn die lokale Verbreitung der «New York Times» um 1 Prozentpunkt steigt. Wissen über Afrika ist nicht besonders nützlich, wenn es darum geht, einen lokalen Repräsentanten zu wählen."
"Die entscheidende Frage ist deshalb, ob lokale Nachrichten, wie man sie gesetzlich fordert und fördert, selbst im Zeitalter von Fernsehen und Internet noch einen positiven Einfluss haben auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Um diese Frage zu beantworten, studierten mein Kollege Joel Waldfogel und ich, wie sich die Einführung spanischen Lokalfernsehens auf die Stimmbeteiligung spanischsprechender Bürgerinnen und Bürger in den USA auswirkte."Und auch für die Schweiz gibt es empirische Daten:
"Die Grafik zeigt, dass die Stimmbeteiligung in jenen Gebieten, die zwischen 1994 und 2002 neu Lokalnachrichten in spanischer Sprache erhielten, besonders stark anstieg. Und die Steigerung ist nach 1998 ebenso gross wie in der früheren Periode – lokale Nachrichten können also auch im Zeitalter des Internets die politische Beteiligung nachhaltig fördern."
"Ähnliche Effekte lassen sich für die Schweiz finden. In einer aufschlussreichen Arbeit zeigt Christine Benesch (Universität Zürich), dass die hiesige Einführung des Lokalfernsehens die Stimmbeteiligung signifikant gehoben hat. Der Effekt ist besonders ausgeprägt bei weniger gebildeten Bürgerinnen und Bürgern, die lieber fernsehen als Zeitung lesen. Wie diese Forschungsresultate zeigen, bleiben traditionelle Medien auch im Internetzeitalter wichtig."Oberholzer-Gee diskutiert dann auch noch die Implikationen der Ergebnisse auf die Medienstrukturplolitik der Staaten. Die aktuelle Medienpolitik vieler Staaten bewertet e mit einem "Gut gemeint, aber ...". Eine seiner Schlussfolgerungen lautet:
"Beschränkungen der Medienkonzentration, so zeigen zumindest die Ergebnisse für den amerikanischen Medienmarkt, sind allerdings das falsche Mittel, die Meinungsvielfalt nachhaltig zu fördern.
Die Vergabe von Radio- und Fernsehkonzessionen an Unternehmen, die in jedem Markt nur gerade einen Sender betreiben dürfen, führt zu einem Einheitsbrei an Inhalten, der gerade Minderheiten mit besonderen Interessen schlecht schmeckt."
Weiterführende Literatur:
- Berry und Waldfogel (2001): Do Mergers Increase Product Variety? Evidence from Radio Broadcasting (pdf)
- Oberholzer‐Gee und Waldfolgel (2005): Strength in Numbers: Group Size and Political Mobilization
- Oberholzer-Gee und Waldfogel: Media Markets and Localism: Does Local News en Español Boost Hispanic Voter Turnout? (erscheint demnächst in American Economic Review)
Bildquelle: Flickr.com/xinyoureye
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8. März 2009
Bürgerjournalismus - Bereicherung oder Bedrohung der Demokratie?
Das 'Web 2.0' - Phänomen der 'Macht der Massen' beschäftigt und erhitzt die Gemüter. Auf der 'Medien'-Seite der NZZ vom 6. März 2009 sind zu dieser Debatte drei Beiträge erschienen.Ottfried Jarren, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Zürich, formuliert in seinem Beitrag "Unersetzbare soziale Institutionen"* ein Plädoyer für den Erhalt der klassischen Massenmedien:
"Denn moderne Gesellschaften sind auf die Institutionen der Massenmedien zur Realisierung ihrer öffentlichen Kommunikation angewiesen. Medial vermittelte Kommunikation ist immer eine organisierte Form der Kommunikation – und das setzt Organisationen, Rollenträger und aufseiten des Publikums die Kenntnis ebendieser sozialen Strukturen voraus."
Er relativiert aber auch klar die aktuelle Hysterie um den Niedergang der Massenmedien:
"Das vermeintliche Sterben dieser traditionellen publizistischen Riesen wird allerdings nicht im Kontext mit dem erheblichen Ausdifferenzierungsprozess im Bereich der gesamten medial vermittelten Kommunikation und den sich daraus ergebenden ökonomischen Folgen gesehen, sondern generell als Niedergang der Massenmedien gedeutet.
Diese Sichtweise ist verkürzt."
Jarren geht in seinem Beitrag vor allem auf die Funktion der Massenmedien als Intermediäre in einer Gesellschaft ein.
"Die Rezipienten nutzen die Massenmedien, um sich über Themen zu orientieren. Und da sie wissen, dass auch andere Rezipienten so handeln, können sie sich über deren Beobachtungen zugleich orientieren – nicht im Detail, wohl aber in einem allgemeinen Sinn, denn das reicht für das eigene Entscheidungsverhalten bereits aus, zumal für eine Entscheidung über allgemeine soziale Vorgänge. Die Beobachtung der gesamtgesellschaftlichen Entscheidungsagenda über Massenmedien ist aufgrund des einfachen, raschen wie kostengünstigen Zugangs zu ihnen für alle Gesellschaftsmitglieder effizient."
Wenn Jarren sagt, dass in der aktuellen Debatte um die Zukunft der Medien ein "naives Medienverständnis" dominiert, dann ist dem sicher beizupflichten. Denn die allzu oft anzutreffende pauschalierende, oberflächiche und polemisierende Diskussion trifft kaum den Kern.
Nichtsdestotrotz muss man auch den 'neuen Medien' zugestehen, dass sie inzwischen eine Rolle in der Gesellschaft gefunden haben. In seinem Beitrag "Das Internet fördert die Demokratie" diskutiert der Blogger Ronnie Grob, der auch für medienlese.com bloggt, die demokratisierende Wirkung des Internet an sich um im Bereich der Medien speziell. Er spricht von der "Demokratisierung der Produktionsmittel", zitiert die "erzdemokratischen Züge einzelner Webprojekte" anhand von Beispielen, von denen man allerdings nicht weiss, wie nachhaltig sie sind bzw. sein werden oder wie repräsentativ sie sind, denn die genannten Beispiele sind nicht zum ersten Mal beschrieben. Obama muss (wieder einmal) als "Avantgardist" der neuen Medien herhalten. Und wie in vielen Diskussionen wird ein Gegensatz aufgebaut: Hier die 'Weisheit der Vielen', dort die 'Elitären', die gebildete Elite'. Ist das wirklich hilfreich? Sind die Nutzung des Internet als Kommunkikationsmittel einerseits und die klassischen Medien andererseits ein Widerspruch, ein Entweder - Oder? Ganz sicher nicht,und man könnte auch hier Beispiele aufzeigen, wie traditionelle und neue Medien sich wohltuend ergänzen. (Was Jarren übrigens in seinem dem NZZ Artikel zugrunde liegenden Beitrag tut)
Jarren und Grob beschäftigen sich beide aus ihrer Perspektive - hier der Wissenschaftler, dort der Blogger - mit dem gleichen Phänomen und kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Allerdings sind die Ebenen der Diskussionen in den beiden Artikeln weit auseinander, eine Gegenüberstellung der Argumente ist kaum durchführbar. Ein aktuelles, direktes Streitgespräch wäre sicher spannend!
In einem dritten Beitrag mit dem Titel "Ohne Elite geht es nicht" fasst ras. die beiden Artikel zusammen.
* Der Beitrag basiert auf dem Aufsatz "Massenmedien als Intermediäre. Zur anhaltenden Relevanz der Massenmedien für die öffentliche Kommunikation", Medien & Kommunikationswissenschaft, 3-4/2008.
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