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15. November 2010

Aktiv sein in Social Media heisst Verantwortung übernehmen

"Do social media matter?" ist eigentlich schon längst nicht mehr die Frage.

Die zentrale Frage ist die, wie wir mit Social Media umgehen; wir, als Individuen, Konsumenten, Bürger, Patienten, Vereinsmitglieder, Sportfans oder Arbeitnehmer.

Wenn wir uns also zunehmend in sozialen Medien aktiv bewegen, ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Aspekt die neue Art der Verantwortung, die wir damit übernehmen.

Social Media ermöglichen uns heute auch jenseits der von Organisationen geplanten Kommunikationskanäle eine Form der Kommunikation, die auch ausserhalb der Reichweite der Kontroll- und Steuerungsmöglichkleiten der Kommunikations- und Marketingabteilungen jeglicher Organisationen liegt.

Damit erhalten wir, jeder einzelne, tatsächlich so etwas wie Macht.
Und Untersuchen zeigen klar, dass Konsumenten heute den Meinungen anderer Konsumenten reativ stark vertrauen (z.B. hier oder hier).


Was das heisst, sollen exemplarisch zwei Beispiele der letzten Tage aufzeigen:

In der letzten Woche wurde in verschiedenen Medien darüber berichtet, wie die Migros, Emmi und Zweifel Produkte (wieder) eingeführt haben, weil zahlreiche Konsumenten auf Social Media Plattformen wie Facebook und Migipedia sich dafür per Klick eingesetzt haben: "Die Macht von Web 2.0 auf Migros, Emmi, Zweifel und Co. Hintergrund".

Amazon sah sich starker Kritik durch Konsumenten ausgesetzt, weil sie einen Pädophilen-Ratgeber im Kindle-Store angeboten haben. Amazon berief sich dabei Freiheitsgrundsätze (vgl. z.B. Beiträge bei TechCrunchCNN und sueddeutsche.de):

"Amazon believes it is censorship not to sell certain books simply because we or others believe their message is objectionable. Amazon does not support or promote hatred or criminal acts, however, we do support the right of every individual to make their own purchasing decision."

Nach massivem Protest in diversen Social Media und auch im Amazon Forum hat Amazon schlussendlich das eBook aus dem Programm genommen.

Das Verhalten von Amazon wurde und wird im Internet heftig diskutiert, u.a. analysiert die Autorin Jennifer Kane Social Media Firestorm: The anatomy of a social media firestorm: what lessons can we learn from the Amazon controversy conversations?

Beide Beispiele zeigen, wie Individuen, die sich über Social Media Plattformen vernetzen und entsprechend artikulieren - manchmal nur mit einem einfachen iLike Klick - Entscheidungen von Unternehmen quasi 'erzwingen' können.
Sicher, Marktforschung, Fokusgruppen, Kundenbefragunen sowie Beschwerden hat es schon immer gegeben, aber Social Media Plattformen bieten heute Individuen die Möglichkeit, sich rasend schnell und global zu vernetzen und zu artikulieren, und das weitgehend unkontrollierbar und nicht steuerbar von den Marketing- und Kommunikationsabteilungen.

Die aufgezeigten, durchaus unterschiedlichen Beispiele dokumentieren Unternehmensentscheide, die sich unmittelbar auf das wirtschaftliche Ergebnis auswirken, ganz zu schweigen von Image und Reputation.

Deswegen muss jedem Einzelnen, der auf einer der vielen Social Media Plattformen für oder gegen etwas stimmt (klickt), bewusst sein, dass er damit auch Verantwortung für seinen Entscheid übernimmt, übernehmen muss. Und Verantwortung beim Umgang mit Social Media ist ein Teil der Medienkompetenz.

Bildquelle: flickr.com/Marco Buonvino (CC Lizenz)

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