Seiten

Posts mit dem Label Bodensee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bodensee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

6. Mai 2015

Die Bodenseeregion als Innovationsregion – heute und in Zukunft: Mein Beitrag zum Wirtschaftskonzil

Anlässlich des Wirtschaftskonzils vom 30. April 2015 in Konstanz war ich eingeladen, im Forum 3: "Innovation als Zukunftssicherung im Bodenseeraum" ein einführendes Impulsreferat zu halten. Im Folgenden möchte ich einige Aspekte hier kurz aufgreifen. Meine Kernbotschaften waren Vernetzung und Offenheit bzw. Grenzen überwinden.

In meinem Vortrag habe ich zunächst einen Blick zurück in die Zukunft gemacht. Mit Projekten wie dem regionalen, grenzüberschreitenden Onlinemarktplatz Electronic Mall Bodensee (emb.net) (Start 1995), der Virtuellen Fabrik Euregio Bodensee - ein Netzwerk von Unternehmen (Start 1996) und der Gründung der Internationalen Bodenseehochschule IBH - die Vernetzung von 30 Hochschulen (Start 1999) hat die Bodenseeregion bewiesen, dass sie innovative Konzepte entwickeln und umsetzen kann, insbesondere unter den Aspekten vernetzt und grenzüberschreitend.

Das Projekt Electronic Mall Bodensee hat bereits vor 20 Jahren aufgezeigt, dass technologische Entwicklungen wie das damals aufkommenden World Wide Web Chancen und Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft darstellen.

Das Publikum im Forum 3
Gegenwärtig beobachten wir technologische Entwicklungen, die wiederum für Wirtschaft und Gesellschaft neue Chancen und ebenso Herausforderungen darstellen: Im Vortrag habe ich das Social Web, den 3D-Druck, das Internet der Dinge sowie Industrie 4.0 kurz skizziert. Auch hier geht es um Vernetzung in jeglicher Form: So z.B. die Vernetzung der Menschen, der Dinge, der Unternehmen, der Disziplinen, der Technologien.

Diese Entwicklungen und die darauf aufbauenden Innovationen werden unterschiedlichste Wirkungen mit sich bringen: Neue Wertschöpfungsprozesse, neue Fertigungsverfahren, neue in Form Produkte und Services, neue Formen der Vernetzung, neue Player auf den Märkten, neue Berufsbilder, neue Rollen, veränderte Arbeitsmärkte, neue Anforderungen an Aus- und Weiterbildung und das Lernen an sich.

Das Podium im Forum 3
(Quelle konstanzer-konzil.de)
Das Beispiel der digitalen Baukultur zeigt deutlich auch die gesellschaftlichen und sozialen Implikationen dieser Innovationen auf.

In der Wirtschaft ist es inzwischen üblich, dass Kunden, Lieferanten oder weitere Partner der Unternehmen in die Innovationsprozesse eingebunden werden - man spricht hier von offener Innovation. Somit können Innovationsprozesse optimiert werden, Unternehmen somit den Herausforderungen unserer Zeit, vor allem die hohe Geschwindigkeit der Veränderungen, entgegen treten.

Erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass im Sinne des Open Governments auch im gesellschaftlichen und sozialen Bereichen Konzepte der offenen gesellschaftlichen Innovation (OGI) dazu beitragen können, wertvolle Impulse für die gemeinsame Weiterentwicklung des Gemeinwesens zu liefern. Auch hier hat die Bodenseeregion mit dem Projekt eSociety Bodensee 2020, das von der IBH gefördert wurde, einen wichtigen Beitrag geleistet.

Vernetzung mit Interessierten
auch ausserhalb des Forums
Neben den vielfältigen Optionen und Notwendigkeiten der Vernetzung geht es für die Gestaltung der Zukunft vor allem darum, Grenzen zu überwinden: Neben den Landesgrenzen und dem vereinenden wie gleichzeitig trennenden Bodensee sind die vor allem die immer noch bestehenden Grenzen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, zwischen Wirtschaft und Hochschulen, zwischen Gesellschaft und Politik, zwischen Disziplinen. Wenn wir aus den genannten technologischen Entwicklungen Innovationen entwickeln wollen, müssen wir bereit sein noch viel stärker interdisziplinär zu denken, das Gewohnte zu verlassen, offen zu sein: Offene (gesellschaftliche) Innovation.



Bericht der IBK zum Wirtschaftskonzil
Video zum Wirtschaftskonzil


2. August 2013

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen: 'Neuland' trifft 'Dienstleistungswüste'

Vor wenigen Tagen entdeckte ich auf der Facebooseite von bodensee.de einen Hinweis auf die Marienschlucht.

bodensee.de auf Facebook (Screenshot vom 1.8.2013)

Weitere Informationen fand ich dann auf bodensee.de selbst.

Zu lesen war und ist der Hinweis auf die Anreise via einer Kanutour; und dass man ein entsprechendes Boot beim Strandbad in Wallhausen mieten kann:

'Die Marienschlucht' auf bodensee.de (Screenshot 1.8.2013)

Und auch die Website marienschlucht.de nennt diese Option für die Anreise.

marienschlucht.de (Screenshot 1.8.2013)

... auch wenn die Informationen etwas veraltet sind:

marienschlucht.de (Screenshot 1.8.2013)

Super, genau die perfekte Aktivität für uns drei, zwei Teenager und mich selbst, an einem heissen Sommertag!

Via Google fand ich schnell den Vermieter der Boote, lacanoa.com. Und auch die angegebene Mietstation in Wallhausen.

Kanustation Wallhausen auf www.lacanoa.com (Screenshot 1.8.2013) 

Kanustation Wallhausen auf www.lacanoa.com (Screenshot 1.8.2013) 

Zwar ist die Station Wallhausen in der Liste der Kanustationen nicht erwähnt, auf der Karte aber sehr wohl gelistet, und der Detaileintrag enthält die notwendigen Informationen.

Es ist Ferienzeit und Feiertag in der Schweiz - also dachte ich mir es macht Sinn ein Boot zu reservieren.

Telefonisch war die Station nicht erreichbar, schon komisch, aber wozu gibt's eMail. Per Formular habe ich einen entsprehende Anfrage verschickt; ich bat um Bestätigung per Telefon oder eMail.

Reservation Kanustation Wallhausen auf www.lacanoa.com (Screenshot 1.8.2013) 

Wenige Minuten später wurde mir meine Anfrage bestätigt: "Ihr Eintrag wurde erfolgreich abgeschickt." Auf eine Reaktion warte ich immer noch ...

Trotz fehlender Reservatonsbestätigung fuhren wir in St. Gallen nach dem 1. August Brunch los, nach Wallhausen waren es ca. 75 Minuten.

Dort angekommen machten wir uns voller Vorfreude auf die Suche nach der Vermietstation beim Strandbad Wallhausen ... ohne Erfolg. Es gab keinerlei Hinweise auf La Canoa, kein Schild o.ä. Waren wir richtig?

Eine Frage in einem Kiosk brachte die Ernüchterung: Nein, in diesem Jahr werden hier keine Boote vermietet, die Station ist dieses Jahr wegen Bauarbeiten auf dem Gelände geschlossen (was inzwischen von La Canoa bestätigt wurde). Die Auskuft der Dame im Kiosk war alles andere als freundlich, eher pampig, die Frage nach Alternativen wurde mir nur widerwillig beantwortet.

Die Entäuschung war riesengross.

Was ich kritisere?

  1. Offenbar ist La Canoa nicht in der Lage, ihre Website entsprechend zu aktualisieren. Und auch vor Ort hält man es nicht für nötig, in irgendeiner Weise Paddelwillige zu informieren und ihnen sogar Alternativen aufzuzeigen.  
  2. bodensee.de - offenbar ein kommerzielles Portal, was mir bis dato nicht klar war, betrieben von der Schwäbisch.Media in Ravensburg - publiziert ebenfalls Informationen, die nicht (mehr) korrekt sind. Und verbreitet den Link via Facebook. Im Impressum liest man einerseits "Die Inhalte unserer Seiten wurden mit größter Sorgfalt erstellt.", dann aber sofort "Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen."
    Der Copyright Vermerk der Website sagt am 2.8.2013: "Bodensee-Portal GmbH & Co. KG © 1997–2012" - offenbar ist man noch nicht in 2013 angekommen. 
  3. Und auch marienschlucht.de - eine private Initiative - versäumt es, ihre Informationen zu aktualisieren.


Ist das Web nicht gerade dazu prädestiniert, einfach und schnell aktuelle Informationen zu publizieren? Oder ist es wirklich #Neuland?

Kann man von Dienstleistern im Tourismus nicht erwarten, dass sie die Nichtverbügbarkeit eines breit beworbenen Angebots auch breit kommunizieren? Der Hinweis, dass man die Marienschlucht vom Strandbad Wallhausen mit dem dort zu mietenden Boot erreichen kann, ist auf Dutzenden von Websites zu finden, und offenbar ist keinem Website-Betreiber bisher die Unstimmigkeit aufgefallen.

Oder erwarte ich einfach zuviel?

PS. Die Marienschlucht ist wirklich eine Reise wert, wie auch immer ...

Quellenagabe:
 "Wenn jemand eine Reise tut, So kann er was verzählen."
 aus: Urians Reise um die Welt, Matthias Claudius (1740 - 1815) 



9. Juli 2013

Diskussion zur Jugendbeteiligung am IBK Jugenddialog

(http://www.bodenseekonferenz.org)
Am vergangenen Freitag, 6. Juli 2013, fand in Lindau der IBK Jugenddialog statt.

Als Vertreter des Projekts eSociety Bodensee 2020 hatte ich die Chance als Beobachter daran teilzunehmen.

Seitens der Politik waren u.a. anwesend die Minister und Regierungsräte Beate Merk (Bayern), Gisela Erler (Baden-Württemberg), Claudius Graf-Schelling (TG), Adrian Hasler (FL), Stefan Suter (AI), Ernst Stocker (ZH), Elmar Stegmann (Lkr. Lindau).

Die teilnehmenden  Jugendlichen konnten sich für den Anlass bewerben; notabene waren vor allem diejenigen Jugendlichen anwesend, die sich auch sonst engagieren, z.B. in Jugendparlamenten.

Eröffnung des IBK Jugenddialogs durch Ministerin Merk

Eines der Themen, dass zwischen Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren diskutiert wurde, war Jugendbeteiligung. Während einer Stunde diskutierten ca. 10 Jugendliche mit Staatsrätin Gisela Erler (Wikipedia) zum Thema.
Staatsrätin Gisela Erler im Gespräch mit Jugendlichen

Einige persönliche Wahrnehmungen aus der Diskussion (die natürlich Momentaufnahmen darstellen):

Insbesondere von den deutschen Schülern in der Gruppe wurde bemängelt, dass in den Schulen zu wenig informiert werde. Der Prozess des demokratischen Diskurses wird nicht wirklich geübt.

Eine Jugendliche sagte: "Ich traue mich nicht abzustimmen, weil ich mich nicht informiert fühle".

Ein Schweizer Schüler berichtete dagegen, dass die Themen der vierteljährlichen Volksabstimmungen auch im Unterricht behandelt werden, wenn auch nicht allumfassend.

Für die Jugendlichen ist wichtig, dass sie einen Bezug zu den Themen haben, zu denen sie mitreden sollen bzw. wollen. Dies beginnt bereits in der Schule, wo es z.B. um die Aufstellung von Getränkeautomaten geht. Aber es geht auch genauso um Themen mit globaler Reichweite, wie z.B. Natur- oder Umweltschutz.

Deutlich wurde auch, dass Jugendliche erwarten, dass ihre Meinungen und ggf. Entscheidungen auch ernst genommen werden. Und wenn Entscheidungsprozesse dann ein oder zwei Jahre dauern und kaum etwas voran geht -wie in einem Beispiel einer deutschen Schülerin dargestellt -, dann ist das nicht die Erwartung, die Jugendliche haben.

Deutlich wurde auch die unterschiedliche Wahrnehmung von Politik: Frau Erler zielte mit ihren Fragen und Antworten immer wieder auch auf die Institutionen der Politik wie z.B. Parteien. Die Jugendlichen dagegen wollen sich vor allem mit den sachlichen Themen beschäftigen, Parteipolitik schien für sie keine Rolle zu spielen.

Hier sehe ich durchaus eine wichtige und grundsätzliche Entwicklung: Beteiligung findet zu Sachthemen statt und wird nicht primär durch politische Institutionen und Strukturen abgebildet. Wenn Jugendliche sich also nicht (mehr) in Parteien organisieren (wollen), dann heisst das nicht notwendigerweise, dass sie nicht politisch interessiert sind.
Es stellt sich dann aber u.a. die Frage, wie dass durch Parteien dominierte parlamentarische System zukünftig geeignet ist, die Gesellschaft in allen ihren Facetten abzubilden und Entscheidungen für die Gesellschaft zu treffen. Alternative Formen der Partiziption - jenseits der Wahlen - spielen also für die demokratische Entwicklung unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle - Stichwort offene gesellschaftliche Innovation.  Die Schweiz mit ihrer Tradition der direkten Demokratie ist hier deutlich weiter entwickelt als andere Länder, wie auch die Diskussionen am IBK Jugenddialog gezeigt haben.

Und wenn man die Herkunft des Begriffs Politik anschaut, liegen die Jugendlichen hier durchaus näher am Kern: Politik verstanden als Begriff für diejenigen Tätigkeiten, Gegenstände und Fragestellungen, die das Gemeinwesen betreffen. Trotzdem sagte ein Schweizer Schüler, das man Politik spannender machen müsse.

Und für Schüler und Jugendliche sind nun einmal die Frage der Eintrittspreise für das Freibad der Gemeinde ein wichtiges Anliegen, das mit Parteipolitik nichts zu tun hat - dies war nur eines der Beispiele, die von den Jugendlichen genannt wurden.

... und auch dies wurde gesagt:

Und erstaunlich war durchaus auch dies:
Nicht einmal umschreibend wurden von den Jugendlichen Social Media, Internet oder Facebook erwähnt - und Frau Erler hat auch nicht danach gefragt. Lediglich Frau Erler erwähnte einmal, dass sie Opfer eines Shitstorms geworden sein, aber auch dies ohne weitere Nachfragen oder Diskussionen.

Positiv wurden von den Jugendlichen bewertet, dass sie ganz normal mit den Politikern reden konnten, die in der Tat erstaunlich locker drauf waren am IBK Jugenddialog.

Medienmeldungen zum Event gibt es u.a. bei schwaebische.de und regierung.li; Pressemitteilung der IBK.

Photoalbum und Video zum Jugenddialog (ergänzt 15.7.13)


Gruppenphoto der Teilnhemer am IBK Jugenddialog

19. Juni 2013

Creating smart Regions through Open Societal Innovation - Panel at the 26th Bled Conference

It was a pleasure to organize and moderate the panel Creating smart Regions through Open Societal Innovation as part of the 26th Bled eConference on June 11, 2013.

From the panel abstract: 

“This panel will continue the discussion about eRegions which emerged from the Bled eConference and attempts to embed the concept within a ‘Smart City’ and ‘Open Innovation’ context.

The notion of eRegions mainly refers on utilizing ICT to support commercial activities in a greater regional context. Similarly, the term Smart City usually begins with a focus on ICT utilization to create ‘smart’ urban areas. Although the notion of Smart Cities comprises intellectual and social capital as well many current activities focus on infrastructural and environmental issues such as energy, traffic, or climate. The idea of Open Societal Innovation refers to the utilization of open innovation approaches from business to state and society to solve societal challenges through involving smart people as innovators into idea creation and problem solving processes.

The panel will bring together the different perspectives contributing to a broader understanding of smart regions:

(1) ICT focus: Nowadays, utilization of ICT means are crucial to cope with the current challenges.

(2) Regional focus: Beside megacities and metropolitan areas the interplay of a number of municipalities with complementary profiles creating regional clusters is an important issue in many European countries, but also beyond.

(3) Open innovation focus: The open societal innovation approach includes people living in specific areas into respective processes in order to cope with current challenges reflection a general trend addressing participatory strategies.”

In the discussions Julia Glidden came up with some lessons for regions:
  • Think big, start small 
  • Prioritise regional openness and interoperability from procurement through to architecture design 
  • Promote your region as an innovation platform 
  • Connect the innovation dots.

Geert Mareels impressively presented Flanders as a really smart region and introduced the Citadel on the Move project.

And Bror Salmelin discussed the reinforcement of the attractiveness of innovation hubs pleading for building innovation ecosystems.

Introduction to the panel as presented in Bled:





3. März 2013

Offene gesellschaftliche Innovation als Basis von Innovationsregionen – Ergänzung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Innovationen zum Vorteil einer Region

(Dieser Beitrag wurde am 1. Feb. 2013 auf dem FHS eSociety Blog publiziert)

Heute stehen zunehmend ganze Regionen in einem nationalen wie internationalen Wettbewerb. Um ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und auszubauen und um die Lebensqualität zu erhalten und zu steigern, sind permanente Innovationen notwendig. Innovationsregionen zeichnen sich aus durch ein Miteinander von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Innovation. Das Projekt eSociety Bodensee 2020 zeigt auf, wie offene gesellschaftliche Innovationen im Einklang mit wirtschaftlichen Innovationen die Innovationskultur in einer Region fördern kann.

Innovationen sind wichtige Triebkräfte für Wirtschaft und Gesellschaft. Angesichts der Globalisierung unseres Wirtschaftsraums wird es immer wichtiger, dass sich Regionen vernetzen und sich so als Innovationsstandorte erfolgreich im globalen Wettbewerb behaupten können. Unternehmensnetzwerke wie zum Beispiel die Virtuelle Fabrik Nordwestschweiz Mittelland oder die Virtuelle Fabrik Euregio Bodensee machen dies deutlich.

Open Innovation ist ein Konzept im Rahmen des Innovationsmanagements, das externe Quellen explizit in den Innovationsprozess einbindet. Das Konzept geht dabei über die klassischen Formen der Forschungs- und Entwicklungskooperationen hinaus: Durch offene Aufrufe werde die Akteure in weitgehend undefinierten Netzwerken zur Mitarbeit an Entwicklungsaufgaben motiviert (Reichwald/Piller 2009, 115). Dazu werden heute vor allem Internet-basierte sowie Social Media Plattformen genutzt; bekannte Beispiele sind innocentive.com, atizo.ch odermigipedia.ch.

Auch wenn das Open Innovation Konzept seit längerem bekannt ist und es eine Reihe von Beispielen für die erfolgreiche Anwendung in der Wirtschaft insbesondere bei grösseren Unternehmen gibt, werden Open Innovation Instrumente in der Breite und insbesondere bei KMU eher zögerlich eingesetzt. Dies belegt z.B. der Open Innovation Monitor 2012, der Unternehmen in der Schweiz und Deutschland befragt hat (Rekece et al. 2012). Ein wichtiger Grund für die nur zögerliche Nutzung ist das fehlende Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen von Open Innovation.

Internationales Forschungsprojekt eSociety Bodensee 2020

Die internationale Bodensee-Region zeichnet sich – wie auch andere Regionen in der Schweiz – durch hoch innovative vor allem mittelständische Unternehmen aus. Beispielhaft an dieser Region will das Projekt eSociety Bodensee 2020 aufzeigen, wie wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovation sich zum Vorteil der ganzen Region ergänzen können. Das Projekt hat demnach zum Ziel, die Bodensee-Region durch den Einsatz innovativer Informations- und Kommunikationstechnologie zu einer führenden Region offener Innovationen auszubauen. Das Projekt wird gemeinsam von der Zeppelin Universität, der Universität Liechtenstein und der FHS St. Gallen durchgeführt und von der Internationalen Bodensee Hochschule IBH unterstützt. Das Projekt ‚eSociety Bodensee 2020 wurde im Juli 2012 gestartet.

Im Rahmen des Projektes wird der bestehende Begriff Open Innovation erweitert: Offene gesellschaftliche Innovation bezeichnet die Adaption und anschliessende nachhaltige Nutzung geeigneter betriebswirtschaftlicher Open Innovation - Ansätze zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen durch Staat und Gesellschaft (von Lucke et al. 2012) – die Ideen der offenen Innovation aus der Wirtschaft werden also auch auf den gesellschaftlichen Bereich angewendet.

Besonders erstrebenswert ist die Schaffung einer Innovationskultur, welche alle gesellschaftlichen Akteure gleichermassen anspricht, diese mit einschliesst und so deren Innovationspotenzial für das Gemeinwesen und die gesamte Bodensee-Region verfügbar macht. Somit wird die Standort- und Lebensqualität nachhaltig gefördert.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen müssen sich ergänzen

Der Ansatz für die Bodensee-Region zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Erstens muss wirtschaftliche Innovation der Unternehmen durch gesellschaftliche Innovation begleitet werden, um einen nachhaltigen Raum für Innovation zu schaffen. Beide Bereiche, Innovation “für” und “aus” der Gesellschaft, können sich gegenseitig verstärken. Zweitens sind Informations- und Kommunikationstechnologien nicht nur Gegenstand, sondern auch Mittel der Innovation. Moderne Technologien ermöglichen es, offene Innovationsprozesse zu entwickeln, in denen die Menschen der Region als Bürger, Konsumenten oder Mitarbeitende in Ideenfindungs- und Umsetzungsprozesse involviert werden. Daher verfolgt das Projekt offene Innovationen, denn die gezielte Entwicklung einer offenen Innovationskultur kann einen strategischen Vorteil für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Bodensee-Region gleichermassen bedeuten.

Ziel ist es, dass nicht nur die Wirtschaft gemeinsam mit der Wissenschaft nachhaltige Innovationen mit neuartigen Werkzeugen, Produkten, Dienstleistungen und Veranstaltungen generiert, sondern dass diese Angebote auch von der Gesellschaft, den Bürgern, der Politik, der Verwaltung, den Medien, der Kunst und Kultur sowie im Gesundheitswesen genutzt werden, um so aktiv Innovationen mitzugestalten. Durch dieses Zusammenspiel eröffnen sich für die Bevölkerung im Bodenseeraum ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Vernetzung. Zudem können vollkommen neuartige Innovationsimpulse für und über die Region hinaus entstehen. Gerade die Verknüpfung gezielter Innovationsförderung mit den Chancen sozialer Medien und leicht bedienbarer Webtechnologien unter Einbindung aller Gesellschaftskreise macht die Region zu einer echten Innovationsregion in allen gesellschaftlichen Bereichen. Von einem entsprechenden Innovationsklima bzw. der Innovationskultur profitiert entsprechend auch die Wirtschaft.

Ein Open Innovation Werkzeugkasten

Da Projekt wird Open Innovation Werkzeuge auf ihre Eignung für gesellschaftliche Fragen analysieren; ausgewählte Instrumente werden in Pilotprojekten konkret umgesetzt. Ein Open Innovation-Werkzeugkasten soll den Verantwortlichen helfen, aus der Vielfalt der verwendbaren Methoden jene auszuwählen und zu verwenden, die sich in der jeweiligen Situation besonders eignen.

Das Projekt nutzt die in der Bodensee-Region vorhandene kulturelle Vielfalt, setzt auf die guten Voraussetzungen für Innovationen, baut diese mit Fokus auf eine vernetzte Gesellschaft systematisch aus und beteiligt dabei vor allem die Bürger, die auch Konsumenten und Mitarbeitende der Unternehmen sind. Innovationen sind keine programmatische Vorgabe, sondern entwickeln sich durch die Ideen und Interaktionen der Menschen im Bodenseeraum. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen gehen Hand in Hand und prägen die Region. Damit unterstützt die Idee der eSociety Bodensee 2020 auch die Zielsetzungen der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK), wie sie in ihrem Leitbild von 2008 formuliert sind.

Literatur:

Jörn von Lucke, Johann Herzberg, Ulrike Kluge, Jan vom Brocke, Oliver Müller, Hans-Dieter Zimmermann (2012): Offene gesellschaftliche Innovation: Die Seealemannische Definition. White Paper.

Ralf Reichwald, Frank Piller (2009): Interaktive Wertschöpfung, 2. Auflage. (pdf)

Robert Rekece, Hans-Dieter Zimmermann, Christoph Meili (2012): Open Innovation Monitor 2012 - Studienergebnisse zum Innovationsmanagement unter Führungskräften. White Paper. (www.openinnovationmonitor.ch)

Weiterführende Informationen und Literatur:

Staatsmodernisierung durch Open Innovation: Problemlage, Theoriebildung, Handlungsempfehlungen (Johann Herzberg, 2012)

The Use of ICT to Support Regional Developments: Contributions from the Bled eConference (H.-D. Zimmermann, 2012)

Die Blaupause vom Bodensee (IBH, 2011)

Der Alpenraum auf dem Weg zur innovativen eRegion in Europa (H.-D. Zimmermann, 2010)