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29. Januar 2009

Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?

"Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? Aktuelle Herausforderungen für die Bibliothek und ihre Partner im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens" -

das ist das Rahmenthema der Konferenz Lernende Bibliothek 2009, die vom 6. bis 8. September 2009 in Chur stattfindet und vom Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft SII der HTW Chur ausgerichtet wird. Im Zentrum der Konferenz steht die Veränderung des wissenschaftlichen Arbeitens mit Information durch die Digitalisierung. Was ist wissenschaftliches Arbeiten? In der Welt der digitalen Information stellt sich diese Frage unter neuen Vorzeichen. Die Informationsproduktion verändert sich grundlegend. Etablierte Mittlerinstanzen der Wissenschaft werden in Frage gestellt. Sie suchen nach neuen Rollen und neue Mittler kommen hinzu. Besteht noch Konsens darüber, was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet? Die ethische Frage danach, was wissenschaftliches Arbeiten meint und wie es unterstützt werden kann, betrifft auch wissenschaftliche Bibliotheken und Schulbibliotheken jeden Typs. Die Herausforderungen, die sich hier stellen, teilen die Bibliotheken mit ihren Partnern: den Verlegern, Gesetzgebern, Hochschulen und voruniversitären Bildungseinrichtungen mit deren Lehrkräften. Die Fachtagung „Die Lernende Bibliothek“ lädt die Bibliotheken und ihre Partner zur Standortbestimmung und zum Dialog über zukünftige Entwicklungen ein. Die Tagung richtet sich an die folgenden Zielgruppen, welche sowohl zur Eingabe von Beiträgen als auch für die Teilnahme besonders eingeladen sind:
  • Bibliothekarinnen und Bibliothekare (u.a. an universitären und voruniversitären Ausbildungsinstitutionen)
  • Dozierende an Pädagogischen Hochschulen, welche künftigen Lehrkräften Informations- und Medienkompetenz vermitteln
  • Dozierende an Universitäten und Fachhochschulen, die Studierende im Bereich „Wissenschaftliches Arbeiten“ ausbilden
  • Forschende im Themenbereich der Fachtagung
  • E-Learning- und Software-Spezialisten (u.a. für Spezialsoftware im Bereich Literaturverwaltung und Plagiatserkennung)
  • Interessierte Lehrkräfte aus allen Ausbildungsstufen
  • Rektorate, Stabsstellen und Rechtsdienste an Hochschulen
  • Wissenschaftliche Buch- und Zeitschriftenverlage
  • Wissenschaftsverbände, Fachgesellschaften und Akademien.
Das Tagungsthema wird in vier thematischen Blöcken vertieft:
Block 1 ("Was ist das Problem?") fragt nach einer genauen Definition des Problems und seiner Ursachen: Wie haben sich die Rahmenbedingungen des wissenschaftlichen Arbeitens durch die Digitalisierung verändert? Was wissen wir über Relevanz und Verbreitung von fehlerhaftem, unethischem Verhalten in der Wissenschaft?


Block 2 ("Wer trägt die Verantwortung?") konzentriert sich auf einige zentrale Akteure (u.a. Ausbildungsinstitutionen, Verlage und wissenschaftliche Suchmaschinen) und deren unterschiedliche Verantwortlichkeiten im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens.


In Block 3 ("Wie kann man das Problem behandeln?") werden Lösungsmöglichkeiten aus den Bereichen wissenschaftliche Ausbildung sowie Erkennung und Sanktion von unethischem wissenschaftlichem Verhalten vorgestellt.


Block 4 ("Die Verantwortung der Bibliothek") fokussiert auf die Bibliotheken als bedeutsame Akteure im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens, deren traditionelle Verantwortung für den Bestandsaufbau und die Benutzerschulung in einer digitalisierten Welt durch neue Fragen und Herausforderungen geprägt ist.
Weitere Informationen zur Konferenz sind der Konferenzhomepage www.lernendebibliothek2009.ch zu entnehmen. Den Call for Papers mit weiteren Angaben finden Sie unter der Adresse www.lernendebibliothek2009.ch/programm. Die Eingabefrist für Beiträge ist der 15. März 2009.

Wir freuen uns auf zahlreiche Einreichungen!

13. Januar 2009

"Wer lehrt die Kinder googeln?"

Die Notwendigkeit der Informations- und Medienkompetenz haben wir hier schon Mal thematisiert. Es geht um das rasante Wachstum des Internet, um das Internet als Leitmedium und um die veränderte Mediennutzung.
In den aktuellen Diskussionen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise werden auch Programme zum Ausbau der Telekommunikationsinfrastrukturen aufgelegt, in den USA wie in Europa. Das ist grundsätzlich absolut begrüssenswert, denn Informations- und Telekommunikationsionfrastrukturen sind in rohstoffarmen Wirtschaften wie der Schweiz oder Deutschalnd essentiell für die zukünftige Entwicklung.
Aber diese Infrastrukturen sind notwendig, aber längst nicht hinreichend! Die Datenautobahn allein reicht nicht, auch nicht viele wunderbare und weniger wunderbare Anwendungen.

Die Problematik einer mangelnden Informations- und Medienkompetenz von Schlülern zeigt der Autor Wolfram Kinzig in seinem F.A.Z. Artikel vom 7. Januar 2009 "
Wer lehrt die Kinder googeln?". Der sehr persönlich geschriebene Artikel zeigt plastisch, woran es heute mangelt. Schüler sind kaum in der Lage, das Internet und seine Anwendungen wie Suchmaschinen oder Wikipedia vernünftig zu nutzen. Offensichtlich - dass ist meine Interpretation - hat man es ihnen auch nicht beigebracht, möglicherweise mangels entsprechend geschulter Lehrkräfte, um es vorsichtig zu formulieren. Aber darüber hinaus fehlt es heute ganz offensichtlich auch um das Wissen und das Bewusstsein im Umgang mit Informationen. 'Im Internet ist doch alles frei verfügbar' scheint die Devise zu sein. Beim wissenschaftlichen Arbeiten im Kontext des Internet und neuer Medien scheinen manchmal alle bisher geltenden Regeln vergessen zu sein. Der Autor leitet aus seinen persönlichen Beobachtungen drei Forderungen ab:
  1. "Es bedarf, erstens, dringend einer Unterrichtseinheit, die den Umgang mit den großen Webportalen, vor allem Suchmaschinen und Internet-Enzyklopädien, behandelt und Fragen thematisiert wie: Woran erkenne ich Websites mit verlässlichen Informationen? Wie unterscheide ich Sinnvolles von Unnützem? Wie und was darf ich zitieren? Was ist geistiges Eigentum? Wann beginnt das Plagiat?"

  2. "Zweitens bräuchten die Schulen Zugang zu den Netzen der großen Universitätsbibliotheken, um es fortgeschrittenen Schülern zu ermöglichen, auf professionelle Datenbanken zurückzugreifen, damit sie nicht der informationellen Unübersichtlichkeit des Internets ausgeliefert sind."

  3. "... müsste es, drittens, zum Unterrichtsstandard gehören, dass bei der Ausgabe von Referaten Listen mit gedruckter Sekundärliteratur und mit geeigneten und geprüften Websites ausgegeben werden."
Dem kann ich mir nur anschliessen!

Die Fachkonferenz '
Lernende Bibliothek 2009' (6.-8. Sept. 2009 in Chur) hat sich dieser Themenstellung angenommen: "Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? - Aktuelle Herausforderungen für die Bibliothek und ihre Partner im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens" . Die Konferenz fragt daher nach

  1. einer genauen Beschreibung des Problems,
  2. nach den Verantwortlichen für die Situation,
  3. nach Lösungsansätzen zur Lösung des Problems und
  4. konkrett nach der Rolle der Bibliothek.



Bildquelle und
©: joujou/ PIXELIO