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18. November 2009

Es zwitschert an der FHS St. Gallen - das FHS Forum eSociety

"Bildungsziel erreicht" könnte man resümieren nach dem FHS Forum eSociety 2009 am 18. Nov. 2009 in Rorschach. Zu Beginn gab Rektor Sebastian Wörwag nämlich die Losung aus: "Bildungsziel des Nachmittags: Wir wissen was ein Hashtag ist".

Das Forum - eine Veranstaltung für alle FHS Mitarbeitenden - beschäftigte sich inhaltlich mit neuen Formen der Kommunikation und insbesondere konkret mit Twitter. Schon im Vorfeld wurden die Mitarbeitenden aufgefordert ein Twitter-Account anzulegen und ein Note-/ Netbook oder PDA zum Event mitzubringen. 

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Unter dem Tag #fhs09 wurde fast um die Wette gewittert. Vielen Kolleginnen und Kollegen der FHS nutzten Twitter zum ersten Mal und übten fleissig. Und das mit solcher Faszination, dass der Tag #fhs09 zwischenzeitlich der viertmeiste getwitterte Tag aller deutschsprachigen Tweets war! Glückwunsch an alle FHS Twitterer! 

Eröffnet wurde das FHS Forum mit einem Crashkurs zur Nutzung zu Twitter von @raumsinn (Dani Fels).

Es folgte der Vortrag von @centrestage (Martina Göhrig, centrestage): "Lernen zwischen Bildungsinstitution und Twitterwolke".(Vortragsfolien auf Slideshare (link ergänzt 23.11.09))
Sie benutztze ein wie ich finde sehr treffendes Bild, um das Wesen von Twitter zu erklären: 'Geschnattert' wird es überall, im Zug, auf dem Markt, auf der Strasse, im Restaurant, überall - und wenn wir uns mit jemanden unterhalten, kann unsere Umgebung zuhören, oder es bleiben lassen, uns ignorieren oder gestört fühlen. Und so ist es auch bei Twitter, nur dass wir in der Onlinewelt unserer globalen Umwelt zuhören können, oder eben nicht. 

@centrestage machte deutlich, wie die neuen Formen der Kommunikation, z.B. durch Twitter, unser Arbeitsleben, das gesellschaftliche Leben und eben auch das Lernen und Lehren verändert. Anschauliche Beispiele waren u.a. das Buch The World ist Flat und das Phänomen des Long Tail, Im Bereich des Lernens und Lehrens kritisierte sie klar die immer noch vorherrschenden Konzepte des learning 1.0 und postulierte, dass in Zukunft User Generated Content zentraler Bestandteil des Lernens sein werde und kollaborative Methoden der Wissensgenerierung entstehen werden. Und der neue Lerner ist der Edupunk, der einen Ansatz repräsentiert, der aus der aus einer Do it Yourself - Einstellung heraus resultiert. Das wird wohl noch spannend!

Der anschliessende Workshop verband die Vorstellung des Pandemie Simulationstools, dass an der FHS entwickelt wurde, mit der konkreten Anwendung von Twitter: Fragen und Diskussionsbeiträge wurden per Twitter gezwitschert.

Alles in Allem war das FHS Forum ein gelungener Event und hat aus verschiedenen Perspektiven gezeigt, wie sich die Formen der Kommunikation verändern und welche Wirkungen sie haben (können). Und parallel wurde anhand von Twitter dies auch gleich praktisch vermittelt und geübt. Und die Twitterwelt ist um einige Mitglieder grösser geworden!

Bildungsziel mehr als erreicht! Weiter so FHS!



Nachtrag vom 20.11.09: Hier gibt's die Photos vom FHS Forum eSociety.

Bildquelle: Flyer zum FHS Forum

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17. November 2009

Electronic Medical Records (EMR) bringen in den USA bisher kaum Nutzen

Das Thema Gesundheitskosten ist weltweit ein Thema. Erst am Sonntag berichtetet die NZZ im Artikel "Enormes Sparpotenzial im Spital" über die Ineffizienzen in Spitälern in der Schweiz.

Über den Einsatz von Informationssystemen im Gesundheitsbereich in den USA haben wir bereits berichtet: "eHealth in den USA: Bisher ein Flop?". Die in diesem Beitrag zitierte Studie wird hier aktuell nochmals diskutiert.

Zwei aktuelle Publikationen beschäftigen sich mit der Implemetation von Electronic Medical Records (EMR) im amerikanischen Gesundheitssystem. Zu beachten ist bei der Diskussion, dass der EMR sich konzeptionell unterscheidet vom Electronic Health Record (EHR) (vgl. z.B. Electronic Medical Records vs. Electronic Health Records (HIMSS Analytics White Paper)).

Die New York Times berichtet im Beitrag "Little Benefit Seen, So Far, in Electronic Patient Records" vom 15. Nov. 2009 über eine neue Studie zum Thema EMR. Es wurden die Wirkungen von EMR auf nationaler Ebene in den USA analysiert. Dazu wurden 3000 Spitäler untersucht. Die Ergebnisse sind insgesamt ernüchternd:
" 'The way electronic medical records are used now has not yet had a real impact on the quality or cost of health care,'said Dr. Ashish K. Jha, an assistant professor at the Harvard School of Public Health, who led the research project."
... und:
" 'There will be no clear answers on the overall payoff from the wider use of electronic health records until we get further along, five years or more,' said Dr. Bell, senior vice president for health information technology services at Masspro, a nonprofit group. 'But that doesn’t mean we shouldn’t go forward.' "
Der Beitrag "Implementing Electronic Medical Records" von Leah Hoffmann in der November 2009 Ausgabe der CACM ist da etwas positiver:
"Despite a number of challenges, patients' medical records are slowly making the transition to the digital age."
Die Autorin sieht einen Grund der mangelnden Nutzung von EMR im Ungleichgewicht von Aufwand und Nutzen: Wenn Ärzte investieren, profitieren vor allem die Versicherungen.

Neben den falschen oder mangelnden ökonomischen Anreizen sieht Hoffmann aber auch drei weitere Herausfordungen im Zusammenhang mit der Implementation von EMR:"
protocols and standards, privacy, and how physicians practice medicine."

Es gibt in den USA mehrere 100 Systemanbieter, "But standards for the collection, exchange, and retrieval of electronic medical information vary widely from system to system."

Und zur Privacy:
"HIPAA (Health Insurance Portability and Accountability Act) doesn't address data ownership, and though it gives patients access to their records in most situations, it also grants doctors plenty of authority such as the right to share data with insurance companies, for example, and with other medical specialists."
Hier blickt die Autorin nach Europa, wo zumindest auf der legalen Basis die Regeln klarer formuliert sind.

Und auch das ein bekanntes Thema: Ganz offensichtlich sind die EMR Systeme zu wenig auf den Alltag der Ärtze zugeschnitten, Usability-Fragen einernseits, eine adäquate Workflow-Unterstützung andererseits sind die Herausforderungen hier.


Bildquelle (CC Lizenz): flickr.com / robertjasoncross



15. November 2009

Der Bildungsstreik und die Bologna-Reform

Angeregt durch die aktuelle Berichterstattung zu den Studentenprotesten folgen einige Anmerkungen vor allem zum Thema Bologna-Reform.

Studierende protestieren wieder, schon ein interessantes Phänomen (
FAZ.NET, Spiegel Online, sueddeutsche.de, ZEIT Online, NZZ Online).

Eigentlich kann man als Beobachter den Eindruck gewinnen, Schüler und Studierende sind heute relativ apolitisch, fokussieren vor allem auf ihr Studium und engagieren sich eher selten (hochschul-, gesellschafts-) politisch; zumindest weniger laut und weniger polarisierend als auch schon.

Während meiner eigenen Schulzeit am Gymnasium (in D) gab es harte (schul-) politische Debatten, ja sogar Wahlkämpfe bei Schülersprecherwahlen, Jusos gegen Schüler Union waren die Hauptprotagonisten. Und es gab Schülerzeitungen der diversen Lager, die mehr Mut zur politischen Meinung zeigten als die allermeisten Medien heute. Und es gab Flugblattaktionen, die nicht selten von den Rektoraten verboten wurden wegen .. - ja wegen was eigentlich? Und dies alles oft zum Leidwesen von Lehrern und Eltern.


Aber es hat uns gelehrt die Dinge verstehen zu wollen und zu argumentieren. Sicher, die Argumente waren oft viel zu radikal, auf allen Seiten, aber sich daran zu reiben, zu argumentieren, zu diskutieren, und vor allem zu hinterfragen, das war – für mich persönlich – eine Lehre für‘s Leben.
Anfang der 80er nahmen die politischen Auseinandersetzungen und das Interesse daran IMHO rapide ab; am Ende meines Studiums in der zweiten Hälfte der 80er war es eine Minderheit von Studierenden, die an Aktivitäten der Studentenvertretungen teilnahmen oder gar wählen gingen. Und das obwohl Studierendenvertretungen sich um studientische Belange kümmerten und nicht um das Wohlergehen nicaraguanischer Kaffeebauern wie noch Anfang der 80er persönlich erlebt. Und heute? Ein Blick in SchülerVZ oder StudiVZ gibt Aufschluss darüber, was heute die Mehrheit beschäftigt. Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass gerade in diesen Tagen Studierende (wieder) protestieren. Aufhänger ist die Bologna-Reform (Bologna-Reform Seite des BBT).

Aber schaut man etwas genauer hin, dann stellt man fest, dass die berechtigten Klagen der Studierenden in den allermeisten Fällen garnichts mit Bologna zu tun haben.

Bologna ist zehn Jahre alt und nicht mehr zurückzudrehen, aber Korrekturen, und das wird auch allenthalben eingestanden, sind sicher notwendig.
Die Ziele sind nach wie vor richtig: Studienzeitverkürzung, Transparenz, Mobilität und Vergleichbarkeit. Aber die bei der Einführung fehlende (gesellschafts- und bildungs-) politische Diskussion muss nachgeholt werden.

Und auch die Studiengänge an sich müssen auf den Prüfstand. Nur wenige Hochschulen haben die Studiengänge wirklich neu gestaltet, sondern lediglich das Label
Diplom oder Lizenziat mit Master überklebt und aus dem alten Vordiplom oder Fachhochschul-Diplom einen Bachelor gemacht – etwas zugespitzt formuliert. Da verwundert es kaum, dass in der Schweiz 90% der Studierenden an den Universitäten den Master machen, und das obwohl der Bachelor ja berufsqualifizierend und der Master vor allem forschungsorientiert sein soll.
„Wie bereits frühere Untersuchungen gezeigt haben, ist die Übertrittsquote vom UH-Bachelor zum UH-Master sehr hoch (90%) und nur einige wenige Studierende gliedern sich direkt nach dem Bachelor in den Arbeitsmarkt ein.“
(Bologna Barometer 2009, pdf).
Und weiter sagt uns das Bologna-Barometer 2009, dass nur gerade 2% der Bachelorabsolventinnen und -absolventen, die mit dem Masterstudium weitermachen, die Hochschule wechseln; vor Bologna waren das nach meiner Einschätzung auch nicht weniger.

Ich selbst habe nach dem guten alten Vordiplom die Uni gewechselt, das war schwierig und aufwändig genug und wirkte studienzeitverlängernd, aber ob das heute in den Bologna-Studiengängen, zumindest die ich kenne, wirklich einfacher ist, wage ich zu bezweifeln.


Damit sind also wesentliche Ziele der Reform bisher nicht erreicht worden. Und es gibt sogar
Stimmen die behaupten, die Mobilität sei heute sogar erschwert gegenüber der Zeit vor Bologna.

Erreicht wurde dagegen, dass Studierende heute schneller abschliessen und weniger oft abbrechen, das ist sicher begrüssenswert.


Aber erreicht wurde auch – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – dass Studierende heute vor allem „zielorientiert und organisiert“ sind. So titelt auch die
NZZ am Sonntag heute: „Bologna macht die Faulen fleissig. Aber wenn die Jagd nach ECTS-Punkten damit gemeint ist, dann ist das ein zweifelhafter Erfolg der Reform. ‚Punkte sammeln anstatt studieren‘, das scheint ein eher zweifelhaftes (Zwischen-?) Ergebnis der vor zehn Jahren eigeführten Reform zu sein.

Eine ganz persönliche Anekdote dazu: In einer mündlichen Prüfung an einer deutschen Universität in einem Masterstudiengang unmittelbar vor dem Abschluss – notabene die letzte verbliebende mündliche Prüfung – prüften wir, zwei Fachkollegen, den Studierenden fächerübergreifend. Als der Kollege eine Frage stellte, antwortete der Student sinngemäss:
Wieso fragen Sie das noch, das haben wir doch schon im 5. Semester in der Prüfung xyz gemacht, das weiss ich doch jetzt nicht mehr‘.
Das scheint mir leider symptomatisch zu sein für die Jagd nach Punkten. Sicher, die Prüfungen nach dem alten Schema alles am Ende des Studiums zu prüfen waren der Hammer – ich selbst hatte fünf schriftliche (je 4 oder 5 Zeitstunden) und fünf mündliche Diplomprüfungen innerhalb weniger Wochen zu absolvieren über den Stoff von 4-5 Semestern -, aber das schlussendlich zu schaffen, auf den Punkt in mehreren Fächern fit zu sein und notabene auch Zusammenhänge zu begreifen, da auswendig lernen kaum eine Option war, das ist auch eine Leistung! Und auch da musste man perfekt organisiert und zielorientiert sein -vielleicht sogar mehr als heute im verschulten Bolognasystem ...!

Wenn also die aktuellen Proteste bzw. der Bildungsstreik der Studierenden zwar wenig mit Bologna im engeren Sinn zu tun haben, aber dennoch die Bildungspolitik und die Hochschulen zum Nachdenken bringen, ist das gut so!


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ergänzt: 16.11.09: Link zum NZZ-Artikel




11. November 2009

International Conference e-Society 2010: Call for Papers

Weitere Informationen zur Konferenz und zum CfP:

Keynote Speaker (confirmed):
Christina Preston, MirandaNet Founder, UK

Conference Background and Goals
The IADIS e-Society 2010 conference aims to address the main issues of concern within the Information Society. This conference covers both the technical as well as the non-technical aspects of the Information Society. Broad areas of interest are eSociety and Digital Divide, eBusiness / eCommerce, eLearning, New Media and E-Society, Digital Services in eESociety, eGovernment /eGovernance, eHealth, Information Systems, and Information Management. These broad areas are divided into more detailed areas (see below). However innovative contributes that don't fit into these areas will also be considered since they might be of benefit to conference attendees.

Format of the Conference
The conference will comprise of invited talks and oral presentations. The proceedings of the conference will be published in the form of a book and CD-ROM with ISBN, and will be available also in the IADIS Digital Library (online accessible). The best paper authors will be invited to publish extended versions of their papers in the IADIS Journal on WWW/Internet (ISSN: 1645-7641) and other selected Journals.

Types of submissions
Full and Short Papers, Reflection Papers, Posters/Demonstrations, Tutorials, Panels and Doctoral Consortium. All submissions are subject to a blind refereeing process.

Topics related to the Information Society are of interest. These include, but are not limited to the following areas and topics:

eSociety and Digital Divide
Connectivity may imply social coherence and integration. The opposite may result as well, when systematic measures are taken to exclude certain individuals or certain groups. Papers are welcomed on the next keywords:
  • Social Integration
  • Social Bookmarking
  • Social Software
  • E-Democracy
  • Social Integration
eBusiness / eCommerce
  • Business Ontologies and Models
  • Digital Goods and Services
  • eBusiness Models
  • eCommerce Application Fields
  • eCommerce Economics
  • eCommerce Services
  • Electronic Service Delivery
  • eMarketing
  • Languages for Describing Goods and Services
  • Online Auctions and Technologies
  • Virtual Organisations and Teleworking
eLearning
  • Collaborative Learning
  • Curriculum Content Design & Development
  • Delivery Systems and Environments
  • Educational Systems Design
  • E-Citizenship and Inclusion
  • eLearning Organisational Issues
  • Evaluation and Assessment
  • Political and Social Aspects
  • Virtual Learning Environments and Issues
  • Web-based Learning Communities
New Media and E-Society
  • Digitization, heterogeneity and convergence
  • Interactivity and virtuality
  • Citizenship, regulation and heterarchy
  • Innovation, identity and the global village syndrome
  • Internet Cultures and new interpretations of "Space"
  • Polity and the Digitally Suppressed
Digital Services in E-Society
  • Service Broadcasting
  • Political Reporting
  • Development of Digital Services
  • Freedom of Expression
  • E-Journalism
  • Open Access
eGovernment /eGovernance
  • AccessibilityDemocracy and the Citizen
  • Digital Economies
  • Digital Regions
  • eAdministration
  • eGovernment Management
  • eProcurement
  • Global Trends
  • National and International Economies
  • Social Inclusion
eHealth
  • Data Security Issues
  • eHealth Policy and Practice
  • eHealthcare Strategies and Provision
  • Legal Issues
  • Medical Research Ethics
  • Patient Privacy and Confidentiality
Information Systems
  • Electronic Data Interchange (EDI)
  • Intelligent Agents
  • Intelligent Systems
  • IS Security Issues
  • Mobile Applications
  • Multimedia Applications
  • Payment Systems
  • Protocols and Standards
  • Software Requirements and IS Architectures
  • Storage Issues
  • Strategies and Tendencies
  • System Architectures
  • Telework Technologies
  • Ubiquitous Computing
  • Virtual Reality
  • Wireless Communications
Information Management
  • Computer-Mediated Communication
  • Content Development
  • Cyber law and Intellectual Property
  • Data Mining
  • ePublishing and Digital Libraries
  • Human Computer Interaction
  • Information Search and Retrieval
  • Knowledge Management
  • Policy Issues
  • Privacy Issues
  • Social and Organizational Aspects
  • Virtual Communities
  • XML and Other Extensible Languages

Important Dates:
  • Submission deadline (1st call extension): 4 December 2009
  • Notification to Authors (1st call extension): 6 January 2010
  • Final Camera-Ready Submission and Early Registration (1st call extension):
    Until 27 January 2010
  • Late Registration (1st call extension): After 27 January 2010
  • Conference: Porto, Portugal, 18 to 21 March 2010
Conference Location
The conference will be held in Porto, Portugal.


10. November 2009

3. e-inclusion Tagung - eine subjektive Rückschau

Nach 2007 und 2008 fand heute die dritte e-inclusion Tagung des Netzwerks "Digitale Integration Schweiz" zum Thema „Die neuen Medien kompetent nutzen – Voraussetzungen, Bedürfnisse, Massnahmen“ am 10. Nov. 2009 in Solothurn statt. (Ankündigung des BAKOM)

Philipp Metzger, Vizedirektor des BAKOM, eröffnete die Tagung als Vertreter des Gastgebers BAKOM. Er erinnerte daran, dass die Tagung im Rahmen der e-society Strategie des Bundes stattfindet. Ziele der e-society Strategie des Bundes sind nach Metzger den Wohlstand zu fördern und die Nachhaltigkeit zu sichern, die Umsetzung soll rasch, koordiniert und zum Nutzen aller erfolgen. An der Tagung soll die Befähigung der Menschen thematisiert werden – Stichwort Medienkompetenz -,,nachdem im letzten Jahr der „Zugang für Alle“ das Thema war.



5. November 2009

Studie "Die nächsten 20 Jahre der Informationsgesellschaft" veröffentlicht

Im Rahmen der Tagung des Münchner Kreises "Die nächsten 20 Jahre der Informationsgesellschaft" am 5. und 6. November 2009 in Berlin werden die Ergebnisse der internationalen Delphistudie „Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien“ vorgestellt (Pressemitteilung).

Eine Kurzfassung der Studie (20 Seiten) ist hier erhältlich, die komplette Studie (302 Seiten) hier. In der Langversion werden die Ergebnisse in 37 Kapiteln aufbereitet.

Die Studie analysiert die Branchentrends bis 2030 und wagt somit einen weiten Blick in die Zukunft einer sich schnell entwickelnden Branche. Bedenkt man, dass das Web gerade einmal 20 Jahre alt ist, macht der Blick um 20 weitere Jahre voraus neugierig. Wer hat vor 20 Jahren die Entwicklungen, die wir bis heute erlebt haben, tatsächlich vorausgesehen?

Insgesamt wurden 551 Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu den zentralen Entwicklungen ihrer Branchen für die kommenden zwanzig Jahre befragt. Die Studie wurde von TNS Infratest im Auftrag von Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom, TNS Infratest sowie den Förderern und Unterstützern Siemens, Focus, Vodafone, VDE, SAP, Google, IBM durchgeführt und im Rahmen des IT-Gipfelprozesses vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützt.

In der Executive Summary werden die Ergebnisse in fünf Kernbotschaften zusammengefasst.

In der ersten Botschaft wird festgestellt, dass die Entwicklungen zur Informationsgesellschaft unumkehrbar sind und die Durchdringung aller Lebensbereiche mit IKT weiter zunehmen wird. Dabei wird insbesondere ein Gleichlauf technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen angemahnt. Gefordert werden die Verbesserung von Informations- und Medienkompetenz bei Bürgern und insbesondere Kindern und Jugendlichen sowie vor allem ein Bewusstseinswandel bezüglich der Rollle und der Wirkungen der IKT in allen Lebensbereichen. U.a. wird ein Fach 'Medienkunde' an den Schulen gefordert.

In Botschaft zwei werden Akzeptanz und Vertrauen der Bürger thematisiert; man geht davon aus, dass in 6 bis 10 Jahren digital vernetzte Assistenten weit verbreitet sein werden, aber die Herausforderungen des Umgangs mit (multiple) digitalen Identitäten nach wie vor nicht gelöst sind. So werden die Implementierung "weltweit geeignete Massnahmen der IT-Sicherheit" sowie ein "einfach handhabbares Identitätsmanagement" gefordert.

Botschaft drei fordert den Ausbau einer leistungsfähigen Kommunikationsinfrastrukturen als Basis der Informationsgesellschaft. Dadurch soll Innovation und Nachhaltigkeit ermöglicht werden und neue Märkte erschlossen werden.

Die Botschaft vier widmet sich dem mobilen Internet und seiner herausragenden Bedeutung in der Zukunft.

Schlussendlich beschäftigt sich Botschaft fünf mit der Dynamik der IKT und den Auswirkungen auf die Wirtschaft durch entsprechende Innovationen. Die soll u.a. in den deutschen Schlüsselindustrien auch durch den Open Innovation - Ansatz erreicht werden.


Anschliessend werden die Themenblöcke zusammengefasst. Eine ausführliche, detaillierte und grafische aufbereitete Darstellung der Ergebnisse findet man in der 302-seitigen Langversion. Die beschriebenen Entwicklungen bleiben - zumindest in der Executive Summary - eher allgemein und vage. Zum Identitätsmanagement und der informatiellen Selbstbestimmung liesst man z.B.:
"Dies wird es frühestens ab dem Jahr 2020, möglicherweise aber auch noch deutlich später oder nie geben."
Für Deutschland wird es
"als Utopie angesehen, dass der Einzelne die vollständige Kontrolle über die Verwendung seiner persönlichen Daten im Internet hat bzw. diese gewährleistet ist".
Es wird prognostiziert, dass ab dem Jahr 2020 die Bevölkerung in Europa
"ein multimediales mobiles Endgerät als verbindendes Element der klassischen Medien wie Buch, Zeitung und Zeitschrift, Fernsehen und Internet zur Darstellung von Texten, Bildern, Musik und Videos nutzen."
Frühestens im Jahr 2020 kommt das weltweit einsetzbare 'mobile wallet'.
Es folgen Aussagen zur Innovationspolitik und Infrastrukturentwicklung; IPv6 wird ab 2019 verbreitet sein und das Internetprotokoll als solches wird frühestens ab 2030 abgelöst. Das semantische Web ist ab 2019 integraler Bestandteil des Internet.

Auch wenn das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer 1 werden wird, verändert sich der Medienkonsum kaum, Kurzformate wie Videoclips oder User Generated Content werden keinesfalls dominieren. Und die öffentliche demokratische Meinungsbildung wird auch zukünftig den staatliche, öffentlich-rechtlichen Medien obliegen. Klassische Medien wie Zeitungen und Zeitschriften werden "konvergent erweitert", wesentliches ändert sich aber nicht. Ab 2020 werden 75% der Bevölkerung individualisierte E-Tageszeitungen nutzen, dies aber parallel zu den Printversionen. Ab 2015 wird es für eine Mehrheit normal sein, für "professionell erstellte Medieninhalte" zu bezahlen. Dies wird die Medienindustrie sicher freuen, sollte es so kommen. Insgesamt scheinen die Aussagen zur Entwicklung im Medienbereich doch eher konservativ zu sein und bewegen sich entlang eher traditioneller Vorstellungen.

Die "Rund-um-die-Uhr" Betreuung von auf Hilfe angewiesener Menschen mit Hilfe von IKT-Systemen wird 2024 "medizinischer Versorgunsstandard" sein.

Auch wenn das Auto sicherer und effizienter wird, so wird das autonome Fahren frühestens ab 2030 Realität werden.

Soweit einige Erkenntnisse der Studie. Was soll man davon halten? Alles, was hier beschreiben wird, kennen wir bereits heute, von Green IT über Ambient Assisted Living AAL bis hin zu Location Based Services. Es werden im Prinzip keinerlei Entwicklungen oder Szenarien skizziert, die über das heute bereits zumindest in den Köpfen vorhandene hinausgeht. Man findet nichts wirklich überraschendes, das ungläubige Stauen bleibt aus. Die Studie bewegt sich weitgehend in den heutigen Denkschemata. War denn heute vor 20 Jahren auch alles das, was wir heute kennen, bereits angedacht und thematisiert? Kaum vorstellbar ehrlich gesagt. Spontan fallen mir hier z.B. die Aussagen zur maximalen Datenübertragungsrate über Kupferkabel ein ... Und es gibt weitere Beispiele die deutlich machen, wie man vor 20 Jahren nicht im Traum an Dinge dachte, die wir heute selbstverständlich nutzen und erleben.

Wird die Zukunft denn wirklich so wenig überraschend ...?


Bildquelle und ©: flickr.com/ henning (CC Lizenz)




4. November 2009

Die Buchbranche, das Internet und die Krise

Die Diskussion um die Zukunft des (stationären) Buchhandels ist voll entbrannt.

Der Blogbeitrag "
Vom Gatekeeper zur Kundenorientierung: Anmerkungen zur aktuellen Diskussion über die Zukunft des Buchhandels" vom 30. Oktober 2009 im Blog zum Publishing-Business von Ehrhardt Heinold zeigt ein aktuelles Beispiel einer z.T. hitzig geführten Debatte.

Auch die
NZZ vom 28. Okt. 2009 nimmt das Thema auf im Beitrag "Die Buchbranche kommt ziemlich gut durch die Krise".
Tenor des NZZ Beitrages ist die Tatsache dass die Buchbranche an sich weniger unter der aktuellen Wirtschaftskrisew leidet als andere Branchen, ja in Segmenten wie der Kinder- und Jugendliteratur sogar massive Zuwächse verbuchen kann: Plus 11.2% Umsatz im ersten Halbjahr 2009, die gleiche Zahl für beträgt für Deutschland 19% und für Österreich sogar 24.6.%. Kinder und Jugendliche lesen wohl doch noch und sogar mehr, allen Unkenrufen zum Trotz. Sicher, interessant wäre zu wissen, wie sich das Leseverhalten auf dioe Kinder und Jugendlichen verteilt. Ein Argument gemäss NZZ:
"Ausserdem hätten sich die Konsumenten wiederum vermehrt auf das günstige Vergnügen Buch zurückbesonnen. So wachse der Bereich der Kinder- und Jugendliteratur derzeit ausserordentlich stark; schliesslich sei ein Buch günstiger als ein Besuch im Vergnügungspark."
Na ja, wen dem wirklich so ist, dann dürfen wir gespannt auf die Umstzzahlen einer sich erholenden Wirtschaft sein. Konsequenterweise wurde die Reiseliteratur mit zweistelligen Umsatzeinbrüchen voll getroffen.

Die Analysen thematisieren im wesentlichen die folgenden Punkte, ohne sie aber systematisch zu trennen, was wohl auch schwierig zu bewerkstelligen ist:
  • Konkurrenz durch eBooks
  • Internethandel
  • Strukturwandel und Konzentration (Stichwort Ketten)
  • Preisbindung, und oft damit verknüpft, die
  • Kulturdebatte.