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28. Februar 2009

Standards zur Informationskompetenz - Diskussion im Hapke-Weblog

In seinem Weblog "Hapke-Weblog" setzt sich Thomas Hapke von der Universitätsbibliothek Hamburg-Harburg schwerpunktmässig mit dem Thema Informationskompetenz bzw. Information Literacy auseinander.

Der Eintrag vom 27. Feb. 2009 "Standards zur Informationskompetenz werden zu wichtig genommen" beschäftigt sich mit der Diskussion nationaler Standards zur Informationskompetenz in Deutschland. Ausführlich Stellung nimmt Hapke zu dem Vorschlag, eine Kurzform der “Standards der Informationskompetenz für Studierende” des Netzwerkes Informationskompetenz Baden-Württemberg (2006) als nationale Standards zu präsentieren.

Für Alle, die sich für das Thema Information Literacy interessieren, ist der Hapke-Weblog mit dem Untertitel "About information literacy, history, philosophy, education and beyond" eine wertvolle Ressource.

27. Februar 2009

Zeitungen als “Bannwald der Demokratie schützen” !?

Ein Beitrag zur Zeitungs- und Medienkrise ist heute, 27. Feb. 2009, in der NZZ erschienen:


Den Bannwald der Demokratie schützen – Ein Beitrag zur Debatte um die Zeitungs- und Medienkrise“.
Autor ist Norbert Neininger-Schwarz, Verleger und Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten.

In dem Beitrag geht es insbesondere um die Presseförderung und damit notabene um den Ruf nach dem Staat zur Erhaltung der Qualitätspresse. Der Autor knüpft an die Prognosen des NZZ Beitrags von Rainer Stadler vom 21. Feb. 2009 an und kommt – anders als Stadler – zum Schluss, dass zur Rettung der Medienvielfalt (auch) der Staat eingreifen müsse. Weiterhin suggeriert der Beitrag (zumindest indirekt), dass es nur dank staatlich gefestigter Medienvielfalt einen informierten und mündigen Bürger geben kann, der wiederum Basis ist für die direkte und föderalistische Demokratie der Schweiz.


"Was für das Gemeinwesen wichtig ist, muss erhalten werden“
so seine Forderung.
Neininger-Schwarz beklagt, dass im Gegensatz zu anderen Ländern in der Schweiz „strukturelle Vergünstigungen [...] rigoros gekürzt“ wurden.
Aufhorchen lassen den interessierten Beobachter sowohl die Analyse als auch die Vorschläge einer indirekten staatlichen Unterstützung:


„Zum einen muss mit einem anhaltenden Rückgang der Inserateeinnahmen gerechnet werden, zum anderen bedrängen Werbe- und Informationsalternativen das klassische Geschäftsmodell.“
Aha. Auch Stadler schrieb schon vor wenigen Tagen „Die klassischen Erwerbsmöglichkeiten der Medienhäuser scheinen höchst gefährdet.“ Werbe- und Informationsalternativen, gefährdetes Geschäftsmodell? Die Diskussion ist allerdings kaum eine neue! Wie schon im Beitrag „"Der Untergang der alten Medien-Schweiz" - ein kritischer Blick von Rainer Stadler“ angemerkt, sind diese Fragen seit mindestens 15 Jahren ein Thema, z.B. in der wissenschaftlichen Literatur.
Und ich kann mich an ein spannendes Gespräch mit dem Verleger eines regionalen Anzeigenblattes in der Ostschweiz erinnern, in dem der Verleger eben jene Entwicklungen kommen sah – das Gespräch hat 1994 stattgefunden!


Als Unterstützungsmassnahmen des Staates schlägt der Autor u.a. vor:
Unterstützung der Ausbildungsinstitute“: Wer immer damit gemeint ist, als Mitarbeiter einer Bildungseinrichtung kann ich Investitionen in Bildung nur begrüssen. Aber wie stützt das die Medienvielfalt?

Unterstützung der Leserschaftsforschung“: Was soll diese herausfinden, was den Zeitungen wirklich hilft? Dass die Menschen tatsächlich weniger die gedruckte Zeitung lesen und Online-Formate – seien es ‚Zeitungen‘ oder andere Formate – bevorzugen? Über die Mediennutzung in diesem Kontext haben ich auch an dieser Stelle des Öfteren berichtet.


Unterstützung qualitätsfördernder Institutionen“: Ohne zu wissen, was hiermit konkret gemeint ist, bleibt festzustellen, dass das Thema ‚Qualität‘ schön des Öfteren als Rezept vorgeschlagen und thematisiert wurde (Stichwort Qualitätsjournalismus), aber bisher nicht klar wird, mit welchem Geschäftsmodell diese Qualität erreicht und nachhaltig gesichert werden soll.


Auch Miriam Meckel hat sich schon um den Untergang des Informationsbohème (die dürfte wohl dem von Neininger-Schwarz zitierten „wohlinformierten Bürgertum“ ein Stück weit entsprechen) gesorgt ("Zukunft der Zeitung: Das epische Medium"), aber sie hat auch unmissverständlich festgestellt: Wenn bei den Zeitungen alles bleibt wie es ist, dann sind sie tatsächlich dem Untergang geweiht.

Und das scheint die Crux zu sein. Auch der Beitrag von Neininger-Schwarz geht offensichtlich vom Erhalt einer traditionellen Medienlandschaft aus:

Zum einen kommt der Begriff Online erst gar nicht im Beitrag vor
(oder nur indirekt als ‚Informationsalternative‘) und damit auch nicht die Auseinandersetzung mit den Online-Medien; Medienvielfalt scheint also nur Offline möglich zu sein.

Zum anderen deuten Vorschläge für die indirekten staatlichen Eingriffe wie „Verbilligung der Zeitungszustellung“ deutlich darauf hin.


Bei aller Sympathie einer vielfältigen Medienlandschaft – auch in Printform, aber solange man im Jahr 2009 noch so tut, als wären gewisse Phänomene neu und im Übrigen der Finanz- und Wirtschaftskrise eine (Teil-) Schuld an den Entwicklungen zuweist, erweist man der Erhaltung der Medienvielfalt einen Bärendienst.

Bildquelle und ©: S. Hofschlaeger/PIXELIO

24. Februar 2009

Die Open Access Debatte zwischen Polemik und Sachlichkeit

Über die Diskussion rund um Open Access habe ich in diesem Blog schon verschiedentlich berichtet (vgl. Einträge mit dem Tag 'Open Access').

Bei FAZ.NET fand kürzlich hierzu ein weiterer Schlagabtausch statt.
Am 11. Feb. 2009 wurde zunächst der Beitrag von
Roland Reuß, Professor für Germanistik in Heidelberg, veröffentlicht: "Forschungspublikationen: Eine heimliche technokratische Machtergreifung". Die markige Überschrift bestimmt den Tenor des Beitrags. Der Autor lässt kein gutes Haar an Open Access, Wissenschaftsrat, DFG und die Kultusministerkonferenz in Deutschland. Auch die Praxis an der Universität Konstanz und die Universität Zürich mit den Open Access Repository ZORA wird in die pauschalierende Kritik einbezogen. Die Sprache ist deutlich - und kaum einer objektiven Diskussion dienend: Er spricht von "ideologischen Forderungen der Open-Access-Aktivisten" oder von einem "staatsmonopolistischen Verwertungskreislauf", den die DFG in Gang bringen will. Im Fall ZORA der Uni Zürich ist die Rede von einer "autoritären Diktion, die an einen Gestellungsbefehl gemahnt".

Recht hat Reu
ß mit der Mahnung, Open Access nicht unkritisch einfach so zu akzeptieren und anzuwenden:
"Was für die Einführung einer gentechnischen Pflanze in freiem Feld Standard ist, muss erst recht für so etwas wie Open Access und seine Nebenwirkungen gelten."
Mit dem gleich anschliessenden Satz hat er zwar inhaltlich durchaus recht, aber die Wortwahl scheint kaum akzeptabel und macht den Autor damit auch gleichzeitig unglaubwürdig:
"Dabei muss scharf zwischen Tatsachen und Propagandaphrasen (Globalisierungsdruckgeschwätz) unterschieden werden."
Eine ausführliche Diskussion des FAZ.NET Beitrags findet man z.B. im Blog Wissenschaftsurheberrecht im Beitrag "Open Access 'unsittlich und verwerflich'?" oder im Blog PHILOBAR.

Eine indirekte Replik auf den Beitrag von
Reuß erschien an gleicher Stelle am 18. Feb. 2009 von Gudrun Gersmann: "Wer hat Angst vor Open Access?" Die Autorin ist Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Paris und Vorsitzende des Unterausschusses „Elektronische Publikationen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

"Statt auf Polemik mit Gegenpolemik zu antworten, sei hier zu einer kurzen und nüchternen Bestandsaufnahme eingeladen. Was bedeutet Open Access in der Praxis?"
Gersmann berichtet also über die Open Access Praxis des im Jahre 1958 gegründeten Deutschen Historischen Institut in Paris. Sie zeigt die konkrete Praxis des Umgangs mit Open Access in einer konkreten geisteswissenschaftlichen Institution auf und macht deutlich, warum Open Acess in diesem Kontext sinnvoll und richtig ist. Ihre Aussagen werden in vier zentralen Beobachtungen zusammengefasst.
"Erstens ist die Nachfrage der Wissenschaftler selbst nach Open Access inzwischen groß und drängend. [...] Open Access Publizieren ist zweitens qualitätsbewusstes Publizieren. [...] Drittens: Als die von den Kritikern an die Wand gemalte Enteignung empfinden unsere Autoren den freien Zugang zu ihren Werken wahrlich nicht. [...] Zu guter Letzt begreifen wir die Open-Access-Politik unseres Instituts als einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung und Demokratisierung der Geisteswissenschaften."
Am Ende kommt die Autorin zum Schluss:

"Mir scheint, Open Access bedeutet keine Gefahr für das Abendland, im Gegenteil."
Es bleibt natürlich dem Leser überlassen, welchen der beiden Beiträge er als hilfreich für die eigene Arbeit bewertet.

19. Februar 2009

'New York Times 2.0' - ein Vorbild für die Branche?

'New York Times goes Web 2.0', und zwar in fast voller Konsequenz. Der "Netzökonom" Holger Schmidt fasst in seinem Beitrag "New York Times und die Revolution im Internet" im F.A.Z. Blog Netzökonom die jüngtsten Entwicklungen bei der NYT zusammen. "Verleger müssen wie Google denken" titelte die F.A.Z. am 3. Feb. 2009 und bezog sich damit auf die Hauptaussage des Medienforschers Jeff Jarvis in einem Interview. Und das tut die NYT jetzt offensichtlich: Sie veröffentlicht Schnittstellen (APIs) zu ihren Inhalten, über die dann jeder im Web auf den entsprechenden NYT Content zugreifen kann: Article Search API, TimesPeople API, Best Sellers API, Movie Reviews API, New York Times Campaign Finance API, etc.

Der Netzökonom fasst es so zusammen:

"Alle Internetseiten können sich darüber mit der New York Times verbinden, deren Inhalte kostenlos in ihre eigenen Seiten einbauen und sie mit anderen Inhalten zu sogenannten Mashups verknüpfen - genauso wie es Google mit seinen Landkarten oder Videos macht. Die New York Times wird also zu einem Anbieter von Daten, die von Maschinen und nicht nur von Menschen gelesen werden können. Nur dann, so die Strategie, können sich die Inhalte wirklich schnell und flächendeckend im Internet verbreiten. "
So weit so gut. Aber erschüttert dieses Vorgehen nicht grundlegend das Geschäftsmodell einer Qualitätszeitung wie der NYT? Wie werden die Inhalte der NYT zukünftig generiert? Wie werden sie finanziert? Wie die Qualität sichergestellt? Fast beiläufig bemerkt der Netzökonom weiter:
"Das löst zwar noch nicht das Problem, wie der Besucherstrom in Erlöse umgewandelt wird, ist aber der bisher ehrgeizigste Ansatz eines Medienhauses, sich im Web 2.0 dauerhaft gegen Powerhäuser wie Google oder Facebook zu behaupten. "
Sicher, ein durchaus spannender Ansatz, der mehr verspricht als so manches absurdes Konzept der Mitbewerber (vgl. z.B. "US Verlage brechen alle Tabus", FTD 7. Feb. 2009). Weitere Beiträge dieses Blogs über Strategien zur Zukunftsicherung von Qualitätszeitungen sind u.a. ""der Freitag" - Erfolg als hybride Qualitätszeitung !?", "Qualitätssteigerung als Mittel gegen den Untergang der Qualitätszeitungen?!", "Die gedruckte Zeitung als episches
Medium mit Zukunft !?", "Unternehmerisch denkende Journalisten als Rettung für den Qualitätsjournalismus?".

Oder ist doch EPIC, "The Evolving Personalized Information Construct", dass 2014 von der Firma Googlezon angeboten wird, die Zukunft? In dem Bericht des Museums of Media History aus dem Jahr 2015 (deutsche Fassung), der die Medienentwicklung rückblickend aufzeigt, klagt die NTY gegen Googlezon (ein Zusammenschluss von Google und Amazon) vor dem obersten amerikanischen Gericht wegen Urheberechtsverletzungen, die NYT verliert, 2014 geht die NYT schlussendlich Offline, ist als gedrucktes Mitteilungsblatt nur noch für "die Elite und die Älteren" verfügbar - hat sich so Miriam Meckel "das epische Medium mit Zukunft" vorgestellt?

Bis 2014 - das sind gerade einmal fünf Jahre ... - Nichts ist spannender als die Zukunft!


Bildquellen:
The New York Times Blog Open
Flashfilm Epic 2015

13. Februar 2009

Qualitätsjournalismus - Wikipedia - Online-Medien

Sicher, es ist eine Bagatelle, aber der Fall zeigt doch auf, wie einfach es sein kann, die Medien und damit notabene die Öffentlichkeit mit nicht korrekten Informationen zu versorgen – und auch, wie schnell es geht, bis dass der Sachverhalt aufgeklärt wird (BetaBlog auf NZZ Online, 12. Feb. 2009: „Wilhelm und die Wikipedia - Wie deutsche Medien auf eine Fälschung hereinfielen“)*. Und der Fall zeigt auch auf, wie wichtig der Umgang mit Quellen ist, dass man Quellen immer hinterfragen und natürlich auch selbstverständlich angeben sollte.

Damit ist das ein wenn auch harmloser Showcase der Berichterstattung im digitalen Zeitalter.

Was war passiert? Ein Autor hat in der Wikipedia beim Eintrag des neuen deutschen Wirtschaftsministers von Guttenberg einen zusätzlichen elften Vornamen hinzugefügt. Dieser falsche, elfte Vorname wurde dann von den Medien weitgehend übernommen:

Der Folgefehler legitimierte damit den ursprünglichen Fehler - ein verzwickter Kreislauf.“ (BetaBlog NZZ Online 12. Feb. 2009) Klar, eine Bagatelle. Aber sie zeigt durchaus den Mechanismus auf.
„Natürlich wäre es zu begrüssen, wenn Online-Medien mit einem Qualitätsanspruch nicht einfach jeden Quatsch von Wikipedia abschreiben würden, aber wenn sich da ein elfter Vorname in eine Liste von zehn einschleicht, dann erregt das halt in der Hitze des Gefechts nicht sofort Misstrauen. Schliesslich ist es ja nicht so, dass die Journalisten einer digitalen Fälschung der Hitler-Tagebücher aufgesessen wären.“ (ebd.)
Andere Medien kommentieren hier mit Überschriften wie "Recherche Chaos" oder "Miserable Recherchen ...".

Aber selbst wenn Journalisten in kritischeren Fällen genauer hinschauen und misstrauisch werden, dann reicht es womöglich, wenn nur ein oder wenige Journalisten doch nicht so genau hinschauen, genügend andere dann ‚abschreiben‘, und man trotzallem eine falsche Nachricht um die Welt verbreitet. Und selbst wenn dieser Fehler genau so schnell wieder korrigiert werden würde, (politische, wirtschaftliche, militärische, persönliche) Entscheidungen, die aufgrund dieser Meldung getroffenen werden würden, liessen sich möglicherweise nicht mehr rückgängig machen.
Wir sind also wieder beim Thema: „Die neue Macht der Online-Medien“.

Spiegel Online entschuldigte sich bei seinen Lesern:
"Doch hat der Autor beim Schreiben des Textes den Namen leider nur bei Wikipedia verifiziert - und Wikipedia ist bekanntlich keine hundertprozentig verlässliche Quelle. [...] Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. SPIEGEL ONLINE wird künftig noch sorgfältiger recherchieren. Wikipedia bleibt für uns eine wichtige Quelle, darf aber für journalistische Arbeit nie die einzige Quelle sein."(Spiegel Online, 11.2.2009)
Und was lernen wir daraus? Der Umgang mit Quellen muss im digitalen Zeitalter noch sorgfältiger stattfinden als im analogen. Und selbstverständlich sind Quellen jeglicher Art – On- wie Offline – korrekt zu zitieren.

An dieser Stelle sei nochmals auf die zum Thema „Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?“ im September 2009 in Chur stattfindende Tagung ‚Lernende Bibliothek 2009‘ hingewiesen.
Bildquelle und ©: freeday/PIXELIO


 * weitere Artikel zum Thema:

9. Februar 2009

"der Freitag" - Erfolg als hybride Qualitätszeitung !?

"der Freitag", das ist die Zeitung des Verlegers Jakob Augstein, Sohn des Spiegel-Gründers. Entstanden aus einer ursprünglich ostdeutschen Zeitung names 'Sonntag' (F.A.Z., 26. Mai 2008, "Augstein kauft Freitag") will das Wochenblatt nichts weniger werden als eine "linke F.A.Z.". Sein Untertitel lautet "Das Meinungsmedium", man versteht sich als Qualitätszeitung und kooperiert mit dem englischen "Guardian", vom dem für jede Ausgabe mehrere Artikel übernommen werden sollen. Das Blatt erschien am Donnerstag, 5. Feb. 2009, mit seiner ersten physichen Ausgabe; die Online Ausgabe ist seit Ende Januar 2009 aktiv.

Damit aber nicht genug: "der Freitag" verfolgt ein ambitioniertes Ziel, nämlich

"die Gleichberechtigung von Print und Online. Was heißen soll, dass nicht nur die Zeitung kostenlos ins Netz gestellt wird, sondern Leser sich intensiv an den Debatten beteiligen. Der „Freitag“ möchte Qualitätsjournalismus und Social Networking verbinden und, wenn alles gutgeht, ein Meinungsforum aufbauen, das die Professionalität der Journalisten nutzt für das basisdemokratische Internet und umgekehrt."

(F.A.Z., 7. Jan. 2009: "Ein Wort soll das andere geben")

"Nahezu alle Texte sind mit Internetadressen verknüpft oder verweisen auf die neugestaltete Website der Zeitung (www.freitag.de) Hier sind nicht nur das komplette redaktionelle Angebot und Analysen zu finden, sondern auch Räume für die «Freitag»-Leser. Sie können die Artikel der Redaktoren unter deren Moderation nicht bloss kommentieren, sondern auch eigene Blogs einrichten, von denen die gelungenen Stücke wiederum den Weg in die gedruckte Ausgabe finden sollen."

(NZZ, 6. Jan. 2009; "Für «souveräne Sinnsucher»")
Wie man 'vom Blogger zum Publizisten' bei "der Freitag" wird, zeigt dieses Video: der Freitag - Community.

Mit Hilfe des Online-Angebots will "der Freitag" die jungen Menschen als Leser anziehen, eine Community aufbauen, die - gemäss dem Vorbild Guardian - gut sein soll für das so notwendige Anzeigengeschäft.
Also Qualitätsjournalismus einerseits, kostenloser Online-Content andererseits, dazu das Vorhaben genügend aktive junge Leser binden, die regelmässig eine linksliberale Zeitung lesen und sich aktiv mit den Inhalten auseinandersetzen und somit eine für Werber attraktive Zielgruppe bilden.

Das scheinen wirklich sehr ambitionierte Ziele zu sein!


P.S. Dass man auch bei "der Freitag" den Umgang zwischen Bloggern und Redakteuren erst noch lernen muss, zeigt dieses Beispiel eines entsprechenden Wortgefechts: "Eklat beim Freitag: Redakteurin beleidigt Blogger".

4. Februar 2009

Die neue Macht der Online-Medien

Kürzlich haben habe ich hier über die Verhaftung eines Bloggers in Südkorea berichtet, weil er mit seinem Blog mit angeblichen Falschaussagen der südkoreanischen Wirtschaft geschadet haben soll. Und er soll sogar dem Land einen konkret bezifferbaren finanziellen Schaden zugefügt haben. Das ist durchaus ein bemerkenswerter Vorfall!

Blogs - und andere Formen der Online-Kommunikation - sind inzwischen definitiv in der realen (Medien-) Welt angekommen, werden wahrgenommen, spielen eine Rolle, und sind nicht mehr nur das Produkt von Nerds.


Dazu gibt es auch weitere aktuelle Beispiele:

Das mehrfach ausgezeichnete Blog netzpolitik.org veröffentlichte am 31. Jan. 2009 einen Beitrag zur Rasterfahnung bei der Deutschen Bahn, dabei wurde auch ein Memo des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten veröffentlicht. Am 3. Feb. erhielt der Blogautor eine Abmahnung der Deutschen Bahn, die er ebenfalls veröffentlichte. Mit Stand heute, 4. Feb., 18:00, sind dazu als direkte Reaktion mehr als 300 Antworten eingegangen. Wenige Stunden später berichtet der Autor über die ersten Reaktionen des Blogbeitrages und des entsprechenden Twitter Tweets - diese scheinen überwätigende zu sein. Auch die traditionellen Medien nehmen den Fall inzwischen in ihren Online-Angeboten auf, fast 40 Einträge zeigt aktuell allein Google News hierzu, von Spiegel Online über das Handelsblatt und Heise bis Golem und horizont.net. Ein aktueller Twitter Tweet des Blogautors meldet, dass das Dokument inzwischen über 40'000 Mal angeschaut wurde.


Unabhängig von der rechtlichen Bewertung der Veröffentlichungen zeigt das Beispiel, wie schnell und auch mächtig die neuen Formen der Online Kommunikation heute sein können. Ebenfalls ist der Fall ein Beispiel für ein (misslungenes) Kommunikationsmanagement.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) in Deutschland hat mit Entscheidung vom 04.12.2008 (Nr. 5601) erstmals einen Blog im Internet indiziert; dies berichtet der beck-blog (Rechts-Blog des Fachverlages C. H. Beck)) am 22. Jan. 2009. Und dieses Verbot wurde nicht etwa wegen pornographischer oder gewaltverherrlichender Inhalte auf den Index gesetzt, sondern wegen der Verherrlichung von Magersucht! Es handelt sich um ein Blog, das
“Anorexie und Magersucht (Anorexia nervosa) in Gedichten, so genannten ‘Glaubensbekenntnissen’, Handlungsanweisungen und ‘Motivationsverträgen’ extrem positiv darstellt und glorifiziert”.
Wegen der Indizierung darf die Website Kindern und Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden. In Deutschland reicht dazu laut BeckBlog ein “Ich bin über 18″-Link nicht aus. Der Zugang darf nur mit individuellen Zugangsdaten gestattet werden, bei denen das Alter des Konto-Inhabers über das PostIdent-Verfahren festgestellt wurde. Hier ist durchaus bemerkenswert, dass das Gremium der Bundesprüfstelle einem Blog in der fast unendlichen Welt der Blogosphäre den "Tatbestand der Jugendgefährdung" zutraut. Dem Gremium wird damit die Arbeit wohl nicht ausgehen ...

Aus einem Land, in dem die Zensur der Medien und des Internet zum Alltag gehört, kommt ein drittes Beispiel über die Macht von Blogs bzw. der Online-Medien:

Nachdem das Werfen mit Schuhen auf Politiker scheinbar zur Mode geworden ist, traf es am 2. Feb. 2009 auch den chinesischen Ministerpräsident Jiabao, und zwar bei einer Rede in Cambridge. Dass chinesische Staatsfernsehen verschwieg diesen Vorfall zunächst, Meldungen im Internet fielen (fast) flächendeckend der Zensur zum Opfer. Aber eben nur fast, denn der Vorfall machte auch in China die Runde - dank dem Internet. Der entsprechende Ausschnitt wurde bei Youtube bis dato fast eine Millionen Mal angeschaut - obwohl man nicht wirklich etwas sieht! Deswegen sah sich das Staatsfernsehen dann doch gezwungen, auch über diesen Vorfall zu berichten. Klaus Kleber berichtete dazu auch im ZDF Heute Journal am 3. Feb. 2009 von der Macht der Online-Medien in China.
Ach ja, und auch der spektakuläre Absturz eines Flugezugs in New York vor einigen Tagen wurde ja auch zunächst via einem Tweet verbreitet, dessen Foto dann von den traditionellen Medien wie auch dem Fernsehen übernommen wurden.

Und das Fazit?
Nun, ganz offensichtlich können Blogs und weitere Formen der Online-Kommunikation schneller und effizienter Nachrichten verbreiten als die traditionellen Medien, auch wie das Fernsehen. Und zum zweiten haben Unternehmen wie Staaten offensichtlich ihre Mühe im Umang mit den neune Kommunikationsformen.


Bildquelle und ©: pepsprog/PIXELIO

Qualitätssteigerung als Mittel gegen den Untergang der Qualitätszeitungen?!

Das Thema der Qualität von (traditionellen) Zeitungen beschäftigt auch weiterhin die Fachwelt wie auch diesen Blog. (Tags 'Qualitätsjournalismus', 'Zeitungen').

In einer europaweiten Studie des Journalistikprofessors Michael Haller von der Universität Leipzig wird zum einen festgestellt,
"dass die Gratiszeitungen in Europa ein Übergangsmedium sind. Den Zeitungslesermarkt haben sie dennoch bereits nachhaltig beschädigt."

Die Studie wurde im Fachmagazin für Journalismus, Message, Ausgabe 1-2009' (dessen Herausgeber Haller ist) publiziert ("Untergang einer Geschäftsidee"), die NZZ berichtet am 30. Januar 2009 darüber ("Pendlerblätter schaden der ganzen Branche"). Haller entdeckt in der Studie Hinweise,
"dass die Marktverstopfung mit Billigprodukten nun die gesamte Gattung Tageszeitung beschädigt".
Bereits im Februar 2008 hat die NZZ dazu ein Interview mit Haller publiziert: "Die Laufzeit dieses Modells ist begrenzt".
"Haller bestreitet nicht, dass die Tagespresse insbesondere in Frankreich und Italien bereits lange vor der Einführung der Pendlerblätter unter Reichweiten- und Auflagenverlusten litt. Doch seien deren «Schwundraten» seit dem Erfolg der Gratistitel überproportional gestiegen. In Deutschland, wo die Verleger die Gratispresse durch Abwehrstrategien nicht eindringen liessen, seien die Reichweite und die Anzeigenerlöse der Kaufpresse im selben Zeitraum weniger stark zurückgegangen."
Spätestens wenn mobile Geräte mit billigem und einfachem Internet-Zugang sich durchgesetzt haben, werden die Gratisblätter nach Haller wieder verschwinden, da
"das junge Publikum über Online-Plattformen viel besser mit Infotainment bedient werden, als dies heute Gratisblätter zu tun vermöchten."
Demnach sind in spätestens 10 Jahren die Pendlerzeitungen vom Markt verschwunden. Und auch die Frage, was die Qualitätszeitungen gegen diese Entwicklungen unternehmen können, beantwortet Haller:
"Den Verlegern empfiehlt Haller, die klassischen Zeitungen zum hochwertigen Produkt umzubauen, «für das eine Minderheit der Erwachsenen auch den doppelten Preis bezahlen würde». Die Zukunft der Zeitungen liege in der Hand der Verleger: «Stärken sie die publizistische Qualität, oder schwächen sie dieselbe über neue Sparprogramme?», fragt Haller rhetorisch."
So einfach ist das also. Immerhin wird - indirekt - anerkannt, dass Qualitätsjournalismus "richtig Geld kostet", wie schon Miriam Meckel hier festgestellt hat. Aber während Miriam Meckel auch unmissverständlich klar macht, dass die Zeitungen sich ändern müssen, wenn sie überleben wollen, geht Haller nicht weiter auf das Geschäftsmodell für die Zeitung der Zukunft ein - zumindest nach Vorlage der verfügbaren Quellen, die Studie ist leider nicht Online frei verfügbar. Es bleibt also offen, was das Mittel gegen die Auflösung der Grundfeste des Geschäftsmodells der traditionellen (Qualitäts-) Zeitung ist.

Aber die Qualität scheint ein zentraler Schlüssel zu sein, zumindest nach Meinung der Vertreter der traditionellen (Qualitäts-) Zeitungen. Auch auf der DLD (Digital, Life, Design) - Konferenz der Hubert Burda Media von Ende Januar 2009 in München war das ein Thema. Und Hubert Burda stellt genervt fest:

"Wir dachten alle, im Web gäbe es ein gutes Werbemodell", sagte der Verleger, "aber es hat nicht geklappt. Google hat alles verändert."
Also Google ist an Allem schuld. Und die Tatsache, dass man Online kein Geld druch Werbung verdienen kann. So jedenfalls das Fazit gemäss dem Beitrag "Werbekrise: Nur Qualität kann Google schlagen" in Spiegel Online vom 30. Januar 2009. Oder in der F.A.Z. vom 3. Febraur 2009: "Verleger müssen wie Google denken".

Google also als Vorbild für das Überleben des Qualitätsjournalismus, der Qualitätszeitungen? Man darf skeptisch bleiben.

Die Schweizerische Post versucht aber genau das: Die schöne neue Google (Online-) Welt von Google News wird mit der traditonellen, gedruckten Zeitung verknüpft: Im Projekt PersonalNews wir der Leser sein eigenener Chefredakteuer.

"Was ist PersonalNews?
PersonalNews ist, was Sie lesen möchten. Sie bestimmen den Inhalt aus über 20 nationalen und internationalen Zeitungstiteln. Wählen Sie zum Beispiel den Wirtschaftsteil aus Zeitung A und den Sportteil aus Zeitung B. Am nächsten Tag wird Ihnen Ihre persönliche PersonalNews per Post in den Briefkasten oder per E-Mail zugestellt."
(FAQ zu PersonalNews, Beitrag im Medienspielge.ch)
Zumindest bis zum Ende des Pilots Ende Februar 2009. Ein spannender Versuch! Aber eine geeignete Massnahme zur Erhaltung der (Qualitäts-) Zeitung?

Und noch das: Im Magazin 'the Atlantic' fragt Autor Michael Hirschorn: "Can America’s paper of record survive
the death of newsprint? Can journalism? End Times" und zeichnet ein düsteres Bild:


"Regardless of what happens over the next few months, The Times is destined for significant and traumatic change. At some point soon—sooner than most of us think—the print edition, and with it The Times as we know it, will no longer exist. And it will likely have plenty of company."
Die Diskussion über die Entwicklungen und effiziente Massnahmen - wofür oder wogegen auch immer - bleibt spannend!

Bildquelle und ©: Stephanie Hofschläger/PIXELIO

1. Februar 2009

Runderneuert: Schweizer Portal für Recherche im Internet (SPRINT)


Das Schweizer Portal für Recherche im Internet (SPRINT) wurde umfassend überarbeitet. Das Portal, mit seinen zwölf Jahren ein Urgestein im Internet, wurde im Laufe des Winters 2008/2009 von Studenten der Informationswissenschaft der HTW Chur einer grossen Revision unterzogen. Weitere Informationen zum Relaunch und Hintergründe zum Portal hat Etienne Ruedin in seinem Blog INFORMATIONSWISSENSCHAFT- SCIENCE DE L'INFORMATION zusammengestellt.

Herzlichen Glückwunsch den Studierenden zu diesem Ergebnis!