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31. Januar 2009

Die Eule abschiessen Was darf ein Blogger? – Die Enttarnung von «Minerva» und die Finanzkrise

Im Beitrag vom 17. Januar 2009 ("Blogs in den Printmedien - vom Feuilleton in den Wirtschaftsteil") habe ich den Fall des Bloggers Park Dae Seung alias Minerva aus Südkorea kurz angesprochen.

In der Ausgabe vom 30. Janur 2009 berichtet nun die NZZ zum zweitwen Mal* über den Fall: "Die Eule abschiessen: Was darf ein Blogger? - Die Enttarnung von "Minerva" und die Finanzkrise". Park Dae Seung (oder auch geschrieben als Park Dae-sung) wurde verhaftet, weil er mit angeblichen Falschaussagen in seinem Blog der südkoreanischen Wirtschaft geschadet haben soll. "Das Blog habe nicht nur international das Vertrauen in Korea untergraben, sondern auch dem Staat einen konkret bezifferbaren finanziellen Schaden zugefügt. [...] Nun darf man auf das Urteil gespannt sein."

Am 11. Januar 2009 berichtete THE KOREA TIMES über den Fall: "Foreigners Puzzled Over Minerva's Arrest".

* Weitere Beiträge der NZZ zum gleichen Fall:
"Blogger wegen Verbreitung von Gerüchten verhaftet" (13. Januar 2009),
"Schauplatz Südkorea: Wenn der Wind über die Türschwelle streicht" (15. Dezember 2008)


Bildquelle: Reuters/ daylife.com



29. Januar 2009

Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel?

"Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? Aktuelle Herausforderungen für die Bibliothek und ihre Partner im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens" -

das ist das Rahmenthema der Konferenz Lernende Bibliothek 2009, die vom 6. bis 8. September 2009 in Chur stattfindet und vom Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft SII der HTW Chur ausgerichtet wird. Im Zentrum der Konferenz steht die Veränderung des wissenschaftlichen Arbeitens mit Information durch die Digitalisierung. Was ist wissenschaftliches Arbeiten? In der Welt der digitalen Information stellt sich diese Frage unter neuen Vorzeichen. Die Informationsproduktion verändert sich grundlegend. Etablierte Mittlerinstanzen der Wissenschaft werden in Frage gestellt. Sie suchen nach neuen Rollen und neue Mittler kommen hinzu. Besteht noch Konsens darüber, was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet? Die ethische Frage danach, was wissenschaftliches Arbeiten meint und wie es unterstützt werden kann, betrifft auch wissenschaftliche Bibliotheken und Schulbibliotheken jeden Typs. Die Herausforderungen, die sich hier stellen, teilen die Bibliotheken mit ihren Partnern: den Verlegern, Gesetzgebern, Hochschulen und voruniversitären Bildungseinrichtungen mit deren Lehrkräften. Die Fachtagung „Die Lernende Bibliothek“ lädt die Bibliotheken und ihre Partner zur Standortbestimmung und zum Dialog über zukünftige Entwicklungen ein. Die Tagung richtet sich an die folgenden Zielgruppen, welche sowohl zur Eingabe von Beiträgen als auch für die Teilnahme besonders eingeladen sind:
  • Bibliothekarinnen und Bibliothekare (u.a. an universitären und voruniversitären Ausbildungsinstitutionen)
  • Dozierende an Pädagogischen Hochschulen, welche künftigen Lehrkräften Informations- und Medienkompetenz vermitteln
  • Dozierende an Universitäten und Fachhochschulen, die Studierende im Bereich „Wissenschaftliches Arbeiten“ ausbilden
  • Forschende im Themenbereich der Fachtagung
  • E-Learning- und Software-Spezialisten (u.a. für Spezialsoftware im Bereich Literaturverwaltung und Plagiatserkennung)
  • Interessierte Lehrkräfte aus allen Ausbildungsstufen
  • Rektorate, Stabsstellen und Rechtsdienste an Hochschulen
  • Wissenschaftliche Buch- und Zeitschriftenverlage
  • Wissenschaftsverbände, Fachgesellschaften und Akademien.
Das Tagungsthema wird in vier thematischen Blöcken vertieft:
Block 1 ("Was ist das Problem?") fragt nach einer genauen Definition des Problems und seiner Ursachen: Wie haben sich die Rahmenbedingungen des wissenschaftlichen Arbeitens durch die Digitalisierung verändert? Was wissen wir über Relevanz und Verbreitung von fehlerhaftem, unethischem Verhalten in der Wissenschaft?


Block 2 ("Wer trägt die Verantwortung?") konzentriert sich auf einige zentrale Akteure (u.a. Ausbildungsinstitutionen, Verlage und wissenschaftliche Suchmaschinen) und deren unterschiedliche Verantwortlichkeiten im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens.


In Block 3 ("Wie kann man das Problem behandeln?") werden Lösungsmöglichkeiten aus den Bereichen wissenschaftliche Ausbildung sowie Erkennung und Sanktion von unethischem wissenschaftlichem Verhalten vorgestellt.


Block 4 ("Die Verantwortung der Bibliothek") fokussiert auf die Bibliotheken als bedeutsame Akteure im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens, deren traditionelle Verantwortung für den Bestandsaufbau und die Benutzerschulung in einer digitalisierten Welt durch neue Fragen und Herausforderungen geprägt ist.
Weitere Informationen zur Konferenz sind der Konferenzhomepage www.lernendebibliothek2009.ch zu entnehmen. Den Call for Papers mit weiteren Angaben finden Sie unter der Adresse www.lernendebibliothek2009.ch/programm. Die Eingabefrist für Beiträge ist der 15. März 2009.

Wir freuen uns auf zahlreiche Einreichungen!

27. Januar 2009

Die Scheichs investieren in den Rohstoff von morgen: Wissen

Nachdem die Finanzkrise auch die reale Wirtschaft erreicht hat, werden die Regierungen der Welt nicht müde, nach der Bankenwelt auch nach und nach weitere Branchen mit ordnungspolitisch zu hinterfragenden Konzepten zu 'retten'.

Die Autoindustrie wird mit Hunderten von Millionen Dollar, Yen und Euro 'gestützt', in der Geschwindigkeit der Entscheidungen übertrumpfen sich die Regierungen. Sicher, man soll und darf die diversen Branchen nicht einfach untergehen lassen, aber alle Probleme auf die aktuelle Krise zu schieben ist auch naiv. So schreibt z.B. die BusinessWeek vom 12. Januar 2009 zur Situation in der Autoindustrie:
"Having indulged in a global orgy of factory-building in recent years, the industry has the capacity to make an astounding 94 million vehicles each year. That's about 34 million too many based on current sales, according to researcher CSM Worldwide, or the output of about 100 plants."*
(Online erschienen am 31. Dez. 2008)

Das hat wohl kaum nur mit der aktuellen Krise zu tun, sondern zeigt strukturelle Probleme auf.


Und Frankreich stützt mit 600 Millionen Euro die Printindustrie - und in den USA verlangt sogar die Pornoindustrie nach Staatsgeldern. Wer kommt als nächster?


Auch in den Emiraten, in denen der Reichtum schier endlos schien, schlägt die Krise zu, Bauvorhaben werden gestoppt, rauschende Parties abgesagt, Luxushotels teilweise geschlossen. Aber: In einer Mitteilung im CASH Daily las man am 26. Januar 2009 vom "Bildungsboom bei den Scheichs". Ein ähnlicher Artikel erschien im deutschen Handelsblatt am 26. Januar 2009 ("Bildungsboom im Wüstensand"), aber sonst nahm man offensichtlich kaum Notiz von dieser Meldung.

"Der Rohstoff von morgen heißt Wissen. Um ihre Zukunft unabhängig vom Öl zu sichern, setzen die Scheichs in Saudi-Arabien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten wie Dubai und Abu Dhabi oder in den Nachbarstaaten Oman und Katar verstärkt auf Bildung."

Im Oman feiert die German University of Technology (GUtech), ein Ableger der RWTH Aachen, ihren ersten Geburtstag und soll bald rund 2'000 Studenten haben, heute 60. Und in Dubai hat der Herrscher "trotz Kreditklemme eine Zehn-Mrd.-Dollar-Stiftung angekündigt, um Wissen und Forschung voranzutreiben und um noch unabhängiger vom Öl zu werden."
Und weiter:
"Bei den Nachbarn am Persischen Golf dagegen heißt es nicht kleckern, sondern klotzen: Allen voran will der saudische König an seiner neuen Hochschule die internationale Wissenschaftselite versammeln. Er hat dazu 12,5 Mrd. Dollar bereitgestellt."
Zum Vergleich: Die Exzellenzinitiative in Deutschland stellt insgesamt 1.9 Mrd. Euro zur Verfügung. (Quelle: BMBF)
Sicher, die Bedingungen und Voraussetzungern in den verschiedenen Ländern sind schlichtweg nicht vergleichbar, aber ein solches klares Bekenntnis zu Investitionen in "Wissen" und "Bildung" einschliessch der Bereitstellung der Ressourcen ist durchaus beeindruckend.

* Diese Grafik der BusinessWeek zeigt die aktuellen Kapazitäten nach Kontinenten.


Bildquelle und ©: Schnecki/PIXELIO

23. Januar 2009

Die gedruckte Zeitung als episches Medium mit Zukunft !?

Mit der Zukunft der gedruckten Zeitung und damit zusammenhängend dem Qualitätsjournalismus haben wir uns schon verschiedentlich beschäftigt (Link). Bei allem Pessimismus, was die Zukunft der gedruckten Zeitung angeht, der durch die aktuelle Wirtschaftskrise noch verstärkt wird, versucht Miriam Meckel uns in einem Beitrag in der F.A.Z. vom 22. Januar 2009 etwas Mut zu machen: "Zukunft der Zeitung: Das epische Medium". (persönliche Hompage von Miriam Meckel und ihre Homepage bei der Universität St. Gallen)

Die Autorin macht aber auch unmissverständlich klar: Wenn bei den Zeitungen alles bleibt wie es ist, dann sind sie tatsächlich dem Untergang geweiht - und damit das Milieu der Informationsbohème*. Damit spricht sie Aspekte an wie die fehlende Kreativität bei der Nutzung der Netzwelt - möglicherweise basierend auf dem fehlenden Verständnis dieser Online-Welt - oder das Verharren in 'alten' Kulturen, in denen Online kaum Platz hat und wo ein Schwarz-Weiss - Denken vorherrscht und Online grundsätzlich etwas Subversives darstellt. Ebenfalls werden die Zeitungen und der Qualitätsjournalismus kaum überleben, wenn weiterhin dort gekürzt wird
"wo das Herz der Zeitung schlägt: bei Recherche und eigenen Inhalten, also dort, wo Journalismus richtig Geld kostet, aber eben auch Qualitätsprodukte und Preiswürdiges hervorbringt."
Und die Lösung? Das definierte Miteinander von On- und Offline, die komplementäre Ergänzung:
"Die Zeitung der Zukunft wird zwei Gesichter haben: ein gedrucktes und ein vernetztes."
Und Miriam Meckel ist überzeugt, dass das gedruckte Wort und der Qualitätsjournalismus überleben werden:

"Eine andere Art des Journalismus wird weiter mit dem gedruckten Wort arbeiten, am Kiosk zu kaufen oder per Abo im Briefkasten zu finden sein. Das sind die Geschichten, die nicht in Häppchen als Schnäppchen im Sekundentakt im Netz plaziert werden, sondern die recherchiert, korrigiert, gegengelesen, überarbeitet, also weiterhin in einem aufwendigen Prozess entstehen. Sie sind Meisterstücke, Ergebnisse von Individualität, Kreativität und den richtigen verlegerischen Investitionen in Köpfe, die das können. Dazu braucht man keinen Newsroom, dazu braucht man Schreiber, die die Welt erzählen. Auf eine Weise, die wir im Netz oft vergeblich suchen, und wenn wir sie finden, dann sind es meist Printgeschichten, die ins Netz gestellt wurden."
Aber: Im Artikel wird auch deutlich gemacht, das guter Journalismus "richtig Geld kostet" und dass die Nachrichtenportale im Netz rasante Nutzungszuwächse verzeichnen. Gleichzietig wissen wir, dass die Auflagen von (Qualitäts-) Zeitungen tendenziell sinken, das Anzeigenvolumen zurückgeht und wider jeder Vernunft - aus Sicht des "Informationsbohème" eben doch Stellen von Korrespondenten und Journalisten gestrichen werden. Auf die nahe liegende Frage 'Wer soll den Qualitätsjournalismus bezahlen?' gibt der Artkel leider keine Antwort. Eine Schlussfolgerung aus dem Geschriebenen wäre aber, dass das eine Gesicht der Zeitung - Online - das andere - Print - finanziert, da es sich ja um zwei Gesichter einer Zeitung handelt, "zwei Seiten einer Medallie". Die zentrale Frage des Geschäftsmodells der Zeitung von Morgen bleibt weiter offen.

* "Diese lose Gruppierung unangepasster Informationsjunkies, die so gut zum Internetzeitalter passt und doch fast anachronistisch nicht auf ihre Zeitungslektüre verzichten will. Mit der Zeitung unter dem Arm ins Café, zum Termin oder auf den Zug, darin steckt nicht nur der analoge Zugang zu Aktualität und Wissen, darin spiegelt sich ein Selbstentwurf."

Bildquelle und ©: Ernst Rose/PIXELIO

20. Januar 2009

Neue Mechanismen für den akademischen Publikationsprozess?

In einem Artikel in der Rubrik Viewpoint in der Januar Ausgabe der Communications of the ACM machen sich die Autoren Jon Crowcroft, S. Keshav und Nick McKeown Gedanken um den akademischen Publikationsprozess: "Scaling the academic publication process to internet scale"*.
Sie analysieren den Publikationsprozess von akademischen Konferenzen im Bereich der Informatik. Die Aussagen des Artikels sind aber durchaus auch für anderen Disziplinen anwendbar.

Zunächst stellen sie fest, dass das Aufkommen des Internet den Publikationsprozess kaum verändert hat. Sie stellen das Ergnis ihrer Analyse vor, ohnen allerdings deutlich zu machen, wie die Analyse methodisch durchgeführt wurde. Sie identifizieren 5 Problemkreise:
  • "A steady increase in the total number of papers"
  • "Skimpy reviews"
  • "Declining paper quality"
  • "Favoritism"
  • "Overly negative reviews".

19. Januar 2009

Shakespeare lesen auf dem Handy?

eBook-Reader waren auf der Frankfurter Buchmesse 2008 das dominate Thema. Neben den unterschiedlichen technischen Lösungen wurde (erwartungsgemäss) auch der potentielle Untergang der abendländischen Kultur diskutiert - na ja, so klang es zumindest bisweilen -, Schlagzeilen aus dem Herbst 2008 lauteten z.B. „eBooks werden den Buchhandel erschüttern“ (Tagesanzeiger 8. Oktober 2008), „Ist dies das offizielle Ende des Buches?“ (Süddeutsche Zeitung 8. Oktober 2008) oder „Die Messe und das E-Book - Das Buch ist unverbesserlich“ (F.A.Z. 14. Oktober 2008).

Viele können sich inzwischen gut vorstellen, Bücher nicht mehr (nur) in Papierform, sondern eben auch mit Hilfe eines elektronischen Lesegeräts zu lesen. Allerdings ist die Hürde hoch: Ein entsprechender Reader verlangt Investitionen in ein Lesegerät, was für den Buchleser etwas Neues ist, im Gegensatz zum Abspielen, Hören und Ansehen von Musik und Filmen. Und nachdem das Mobiltelefon, zumindest das gehobene Segment der Smartphones und PDAs, inzwischen zum Multifunktionsgerät wird, sollen wir zukünftig auch via Smartphones und PDAs wie das iPhone unsere Bücher lesen. So jedenfalls schreibt Olga Kharif in der BusinessWeek vom 19. Jan. 2009: "Shakespeare's On the (Cell) Phone".

Immer mehr eBooks werden heute auch für mobile Endgeräte zur Verfügung gestellt: Entweder von den Verlagen selbst oder durchaus innovativen Startups wie z.B. Readdle aus der Ukraine, die u.a. das komplette Werk von Shakespeare für das iPhone anbieten. "Some publishing houses see the growing popularity of digital books for cell phones as a promising opportunity to boost sales. "There's a chance for us as publishers to reach a wider audience, maybe people who weren't walking into the bookstore," says Matt Shatz, vice-president for digital at Random House. [...] "The opportunity is a lot greater via a phone than for a physically printed book," he says." Während bisher wohl nur weniger als eine Millionen eBook Reader verkauft wurden, gibt es gemäss des Artikels knapp 300 Millionen eBook fähige mobile Endgeräte. "Our job is to help our authors reach the widest audience possible." wird Shatz weiter zitiert.


Also demnächst Shakespeare auf dem PDA? Schöne neue eBook Welt!

Bildquelle: www.businessweek.com

17. Januar 2009

Blogs in den Printmedien - vom Feuilleton in den Wirtschaftsteil

Wenn bisher über Blogs in den Printmedien berichtet wurde, dann oft im Feuilletion oder Medienteil, z.B. "Verdienen im Internet: Gehen Sie weg, und kommen Sie bald wieder" (F.A.Z. 29.11.2008), "Blogger vs. Printmedien: Mit uns die neue Zeit?" (F.A.Z. 4.12.2008), oder "Robert bloggt hier nicht mehr" (F.A.Z. 7.1.2009). Machmal finden Blogs auch Erwähnung in der politischen Berichterstattung, z.B. in der Berichterstattung aus dem US-amerikanischen Wahlkampf.
Und natürlich haben auch die Qualitätszeitungen wie F.A.Z. (link) oder die NZZ (link) ihre eigenen Blogs.

Am Samstag, den 17. Januar 2009, brachten es zwei Blogs in den Wirtschaftsteil der F.A.Z.: "Ein Blog ohne Blogger" ist der Titel eines Artikels von ht. auf der ersten Wirtschaftsseite, der sich mit dem Verkauf des Basic Thing Blogs beschäftigt - und das immerhin auf fast einer halben Seite incl. Farbbild.

Weiter hinten, auf der sechsten Seite des F.A.Z. Wirtschaftsteils vom 17. Januar 2009 berichtet pwe. über den Blog von Park Dae-sung aus Südkorea: "Blogger soll südkoreanische Währung geschwächt haben". Der Blogger mit dem Pseudonym 'Minerva' soll angeblich durch Falsschaussagen negativen Einfluss auf die südkoreanische Währung genommen haben. Dafür wurde er verhaftet! Park Dae Seung ist ein arbeitsloser Akademiker und Autodidakt in Wirtschaftsfragen. Er war in den vergangenen Monaten in Südkorea zur Berühmtheit geworden, hatte z.B. den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers vorhergesagt.

Sind Blogs inzwischen so mächtig, dass ein einziger Blogger eine Währung beeinflussen kann?

13. Januar 2009

"Wer lehrt die Kinder googeln?"

Die Notwendigkeit der Informations- und Medienkompetenz haben wir hier schon Mal thematisiert. Es geht um das rasante Wachstum des Internet, um das Internet als Leitmedium und um die veränderte Mediennutzung.
In den aktuellen Diskussionen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise werden auch Programme zum Ausbau der Telekommunikationsinfrastrukturen aufgelegt, in den USA wie in Europa. Das ist grundsätzlich absolut begrüssenswert, denn Informations- und Telekommunikationsionfrastrukturen sind in rohstoffarmen Wirtschaften wie der Schweiz oder Deutschalnd essentiell für die zukünftige Entwicklung.
Aber diese Infrastrukturen sind notwendig, aber längst nicht hinreichend! Die Datenautobahn allein reicht nicht, auch nicht viele wunderbare und weniger wunderbare Anwendungen.

Die Problematik einer mangelnden Informations- und Medienkompetenz von Schlülern zeigt der Autor Wolfram Kinzig in seinem F.A.Z. Artikel vom 7. Januar 2009 "
Wer lehrt die Kinder googeln?". Der sehr persönlich geschriebene Artikel zeigt plastisch, woran es heute mangelt. Schüler sind kaum in der Lage, das Internet und seine Anwendungen wie Suchmaschinen oder Wikipedia vernünftig zu nutzen. Offensichtlich - dass ist meine Interpretation - hat man es ihnen auch nicht beigebracht, möglicherweise mangels entsprechend geschulter Lehrkräfte, um es vorsichtig zu formulieren. Aber darüber hinaus fehlt es heute ganz offensichtlich auch um das Wissen und das Bewusstsein im Umgang mit Informationen. 'Im Internet ist doch alles frei verfügbar' scheint die Devise zu sein. Beim wissenschaftlichen Arbeiten im Kontext des Internet und neuer Medien scheinen manchmal alle bisher geltenden Regeln vergessen zu sein. Der Autor leitet aus seinen persönlichen Beobachtungen drei Forderungen ab:
  1. "Es bedarf, erstens, dringend einer Unterrichtseinheit, die den Umgang mit den großen Webportalen, vor allem Suchmaschinen und Internet-Enzyklopädien, behandelt und Fragen thematisiert wie: Woran erkenne ich Websites mit verlässlichen Informationen? Wie unterscheide ich Sinnvolles von Unnützem? Wie und was darf ich zitieren? Was ist geistiges Eigentum? Wann beginnt das Plagiat?"

  2. "Zweitens bräuchten die Schulen Zugang zu den Netzen der großen Universitätsbibliotheken, um es fortgeschrittenen Schülern zu ermöglichen, auf professionelle Datenbanken zurückzugreifen, damit sie nicht der informationellen Unübersichtlichkeit des Internets ausgeliefert sind."

  3. "... müsste es, drittens, zum Unterrichtsstandard gehören, dass bei der Ausgabe von Referaten Listen mit gedruckter Sekundärliteratur und mit geeigneten und geprüften Websites ausgegeben werden."
Dem kann ich mir nur anschliessen!

Die Fachkonferenz '
Lernende Bibliothek 2009' (6.-8. Sept. 2009 in Chur) hat sich dieser Themenstellung angenommen: "Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel? - Aktuelle Herausforderungen für die Bibliothek und ihre Partner im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens" . Die Konferenz fragt daher nach

  1. einer genauen Beschreibung des Problems,
  2. nach den Verantwortlichen für die Situation,
  3. nach Lösungsansätzen zur Lösung des Problems und
  4. konkrett nach der Rolle der Bibliothek.



Bildquelle und
©: joujou/ PIXELIO

9. Januar 2009

Unternehmerisch denkende Journalisten als Rettung für den Qualitätsjournalismus?

In einem Interview der NZZ vom 9. Jan. 2009 - "Es ist alles keine Katastrophe" - äussert sich der US-amerikanische Journalismus-Fachmann Jay Rosen zur Zukunft des Journalismus. Rosen ist Professor für Journalismus an der New York University (NYU Homepage, Wikipediaeintrag) und ist selbst als Blogger aktiv (u.a. PressThink). Er beschäftigt sich vor allem mit dem Bürgerjournalismus („What are journalists for?“ (1999)).
Ganz grundsätzlich sieht Rosen im Internet eher eine Chance denn eine Gefahr für den Journalismus, Gleiches gilt für Google. Er spricht von „gigantischen Möglichkeiten für Qualitätsjournalismus“ und auch davon, dass die traditionellen Geschäftsmodelle der Zeitungen nicht mehr funktionieren. Als Verfechter des Bürgerjournalismus plädiert er dafür, dass eine „Menge von Menschen“ mit ihrem „Begabungen“ heute mitmachen können, allerdings äussert sich Rosen nicht zum Qualitätsaspekt. Das Mitmachen vieler garantiert ja noch längst keinen Qualitätsjournalismus. Das Mitmachen der Bürger stellt sich Rosen offenbar so vor, dass sie mit Journalisten zusammenarbeiten; Zeitungsverlage sollten Wege finden, „die Unterstützung der Bürger in ihre Berichterstattung einzubinden.“ Also eine Art kontrollierter, kanalisierter Bürgerjournalismus? ‚Echte‘ Bürgerjournalisten werden das sicher kaum akzeptieren wollen, und ob die ‚echten‘ (Qualitäts-) Journalisten sich durch die Bürger auf diese Art unterstützen lassen, sei ebenfalls dahingestellt. Trotz aller offenen Fragen glaubt Rosen, „dass der Journalismus aus der gegenwärtigen Situation gestärkt hervorgeht.“ Vor allem die Journalisten müssen sich nach Rosen an die neue Situation anpassen: „Sie werden viele Dingen ändern müssen, vor allem ihre Einstellung zur Technologie“. Er meint damit vor allem, dass Journalisten „auf mehreren Ebenen publizieren“ sollen. Soweit so gut, das ist ja durchaus noch nachvollziehbar. Aber wie ist die Aussage zu verstehen, dass Journalisten „durch die von Lesern bereitgestellten Informationen die Qualität ihrer eigenen Berichterstattung und ihre Recherche“ optimieren sollen? Journalisten sollen sich neu erfinden, fordert Rosen und sagt dazu: „Die guten alten Zeiten sind vorbei“. Journalisten sollen zukünftig „lernen, unternehmerisch zu denken, eigene Unternehmen zu gründen“. Ist das Naivität oder einfach die amerikanische Sicht? Aus traditioneller europäischer Sicht stellt sich mir hier die Frage, wie ein Journalist unabhängigen und kritischen (Qualitäts-) Journalismus entstehen lassen soll, wenn er gleichzeitig vom wirtschaftlichen Erfolg seines Schaffens abhängig ist? Das scheint mir die Quadratur des Kreises zu sein.
Zwar konstatiert Rosen, dass die traditionellen Geschäftsmodelle der Zeitungen nicht mehr funktionieren, aber ob dieser Weg die Lösung ist, darf bezweifelt werden.
Da sind die Ideen der F.A.Z. möglicherweise eher geeignet, dem Anzeigenschwund entgegen zu wirken*: Mit Hilfe semantischer Suchsysteme will man Onlineangebote entwickeln, die dem Leser entsprechend seiner Interessen zu „Informationsnetzwerken“ verknüpfte Artikel bereitstellen. So will man einen wesentlich grösseren Anteil am Online-Werbekuchen erzielen als bisher. Man darf auf die Lösung gespannt sein.


*1000 Artikel und 1000 Leser – Wie die FAZ ihre Website stärken will“, NZZ 9. Jan. 2009 und „Die Zukunft deer Medien - Branchenvertreter diskutieren neue Geschäftsmodelle“, NZZ 7. Jan. 2009.


Weitere Beiträge über Jay Rosen z.B. in der Süddetschen Zeitung findet man hier.

8. Januar 2009

Deloitte-Studie zur Mediennutzung „The State of Media Democracy“

Am 7. Jan. 2009 publizierte Deloitte Ergebnisse der repräsentativen Studie "The State of Media Democracy". In fünf Ländern - Brasilien, Japan, USA, England und Deutschalnd - wurden 8'800 Verbraucher zum Mediennutzungsverhalten befragt (Pressemitteilung). Aus jedem der fünf Länder werden Stärken und Schwäschen berichtet. Die Deutschen werden hier als 'zurückhaltend' und 'reserviert' beschrieben, "Faktoren wie „Faszination“ und „Lifestyle“ spielten für sie im Zusammenhang mit Technologie kaum eine Rolle", "Insgesamt besteht somit noch ein erhebliches Potenzial für den Ausbau von „Multimedia“ in Deutschland." Für mediale Aktivitäten verwenden die Deutschen am wenigsten Zeit im Vergleich der Länder (63Std./Woche), in Brasilien die meiste Zeit; die Deutschen informieren sich tendenziell libeer eher klassisch, insbesondere die Älteren vorwiegend durch klassiche Medien. Die Jungen setzen aber auf eigenen Content und nutrzen das Internet als soziales Medium. Obwohl sich die ältere Generation als eher "online-abstinent" beschrieben wird, wird an anderer Stelle hervorgehoben: "In Deutschland gehört die Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren wie auch in Japan zu den ältesten weltweit – davon sind hierzulande 64 Prozent online." Klar festgehalten wird aber auch, dass die Deutschen keinesfalls technikfeindlich sind: "Zwar lesen sie im Vergleich mehr Bücher, hören konventionelles Radio und sehen „normales“ TV. Jedoch nutzt mehr als die Hälfte ihren Computer häufiger zur eigenen Unterhaltung als den Fernseher, über ein Viertel verwendet das Mobiltelefon als Entertainment-Plattform."

Interessant ist die Aufteilung in Altergruppen im deutschen Teil der Studie: "Millenials", das sind die 14 bis 25-jährigen, "Xers", das sind die 26 bis 42-jäjhrigen, und der Rest gehört dann wohl zum alten Eisen, zu den "Older Adults", von 43 bis 75 Jahre, wie der Pressemitteilung der Studie zu entnehmen ist. Vielen Dank Deloitte! Wo kann ich meine Rente beantragen? ;-)