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30. November 2008

Das Web, die Wirtschaft und der Konsument

Über die Auswirkungen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Entwicklungen des 'Web 2.0' wird viel diskutiert: Für die einen ist das 'Web 2.0' bereits am Ende, für die anderen entstehen gerade jetzt neue Chancen. Eine der vielen Diskussionsbeiträge findet man z.B. hier bei netzwertig.com.
Hinter allen dieser Diskussionen steckt letztendlich die Frage der Zusammenhänge des Internet bzw. des Web einerseits und Wirtschaft und Gesellschaft andererseits. Welchen Einfluss hat das Web auf Wirtschaft und Gesellschaft, auf das Verhalten von Konsumenten und Unternehmen?

In einem interessanten Beitrag auf dem F.A.Z. Blog 'Netzökonom' erschien kürzlich eine Diskussion zu den Auswirkungen des Web auf das Marketing, genauer gesagt auf das Verhalten der Konsumenten, mit dem Titel 'Online Marketing, zweite Generation'. Quintessenz: Das Online Marketing 2.0 ist erwachsen geworden und spielt eine wichtige Rolle bei uns Konsumenten, auch wenn die Amerikaner uns Europänern hier offensichtlich voraus ist. Eine - für mich - interessante Zahl: "Allein über den Micro-Blogging-Dienst Twitter habe Dell 500000 Dollar Umsatz generiert." Wie das konkret abläuft wird leider nicht diskutiert. Im Netzökonom-Beitrag werden Zahlen aus verschiedenen Studien zitiert.

Eine Allensbachstudie hat fogendes ergeben: "17 Millionen Konsumenten in Deutschland berücksichtigen inzwischen die Kommentare anderer Internetnutzer oder Diskussionsforen in ihrer Produktrecherche". Das Marktforschungsunternehmen hat laut Beitrag einen "digitalen Entscheidungsindex" kreiert: "Der Index setzt sich aus der Zeit, die Menschen mit einem Medium verbringen, und der Einschätzung der Befragten über die Einfluss des Mediums auf ihre Entscheidungen zusammen." Aha. Das Ergebnis für Deutschland: Das Internet führt vor dem Fernsehen und Zeitungen. Während aber Konsumenten zunehmend das Web für ihre Konsumentscheidungen nutzen, scheint es auf der Verkäuferseite noch an Bewusstsein dafür zu mangeln.

Der Einfluss des Web variiert erwartungsgemäss bei unterschiedlichen Produkttypen: "Rund 55 Prozent aller Käufer von Fernsehern, Digitalkameras oder Spielekonsolen schauen sich vor dem Kauf die Bewertungen und Erfahrungen anderer Käufer im Netz an". Geflgt von Sportartikeln, Hotelreservierungen, Urlaubsbuchungen und Versicherungen.

Die typischen 'Web 2.0' Anwendungen wie soziale Netzwerken Blogs, Foren, etc. werden in einer anderen Studie genauer unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis: "Das mit Abstand höchste Gesprächsaufkommen in den sozialen Medien entfällt auf die Autobranche. 29 Prozent aller 1,1 Millionen Gespräche im Web 2.0 drehten sich um Automarken". In dem Blgbeitrag wird dann auch noch bezüglich der Marken differenziert. Wie sich diese Untersuchung wohl für den Schweizer Markt darstellen würde? Nach den Automarken wird auch noch sehr gerne über die Marken der Unterhaltungselektronik diskutiert, desweiteren über das Reisen sowie die Mode(marken). Die Markenpräsenz im Web wird mit einigen Grafik veranschaulicht. Den höchsten Anteil an den Online Marken-Diskussionen hat nach dieser Untersuchung übrigens Google, gefolgt von BMW. Facebook liegt auf Platz 49, eine Marke wie adidas auf Platz 99. Weiterhin wird die Markenpräsenz in den einzelnen sozialen Medien noch untersucht. In den weitaus meisten Fällen wir am Meisten (in aller Regel >80%) in Foren diskutiert, gefolgt von Blogs. Im Bereich Mode/Lifestyle sieht es etwas anders aus: Ca. die Hälfte der Diskussionen findet in Foren statt, ein Viertel bis ein Fünftel in Netzwerken, gefolgt von Blogs.

Und wenn wir schon beim Thema sind:
Die BusinessWeek hat in seiner Ausgabe vom 1. Dez. 2008 auf den Seiten 84ff. ebenfalls das Thema 'Krise und Internet' aufgegriffen, und zwar am Beispiel Facebook: "Facebooks's Land Grab in the Face of a Downturn". "This is not the time for tech companies to be cutting back; this is the time to be hitting the accelerator," says Peter Thiel, a Facebook board member and investor. Facebook executives think they can use the economic downturn to gain ground on the competition." Die Facebook Mamanger sind überzeugt, auch in den kommenden Jahrzehnten im Geschäft zu sein. Mehr dazu und vor allem die Argumente von Facebook liesst man im Artikel.

Zusatzinfos: Facebook - In Search for a Business Model


Bildquelle: F.A.Z. Blog Netzökonom


28. November 2008

"Why books still matter" - aber auch im Westen nichts Neues

"Why books still matter", dies war der Titel einer Konferenz am Yale University's Whitney Humanities Center am 14. November 2008, an der vor allem amerikanische Universitätsverlage präsent waren (Ankündigung).
Eine Zusammenfassung findet man dazu bei Publishers Weekly, ebenso bei Yale Daily News, im Blog der Kollegen aus Berlin (IBI-Weblog) gibt es dazu einen ausführlichen Beitrag.

Nachdem mich dieses Thema ebenfalls aus verschiedenen Perspektiven beschäftigt, war ich neugierig, ob und - wenn ja - wie weit uns die Amerikaner in dieser Diskussion voraus sind. Aber basierend auf der Berichterstattung über die Tagung lässt sich festhalten, dass die 'Fronten' sehr ähnlich verlaufen wie in Europa, mit den gleichen Argumenten. "
The panelists agreed on the importance of the University Press — which [...] acts as a “conduit between consumers and experts — but they offered different interpretations by relating it to their own academic fields." schreibt Yale Daily News. In anderen Worten, die Verlage stellen sich und ihre Rolle im Kontext des wissenschaftlichen Publizierens nicht in Frage, immerhin differenzieren sie aber zwischen den Disziplinen. "But even in the age of information, Rae sees the University Press as having a valuable role in lending credibility to published works. " Auch hier das oft gehörte Argument in solchen Diskussionen zum Thema. Ein Student bringt dann seine Sicht auf den Punkt: "... one student remarked that books matter to his generation only because “they are still on our syllabi.” ". Schlussendlich wurde auch konstatiert, dass das Thema auch bei den Bibliothekaren ein Thema ist: "... a librarian at the Sterling Memorial Library, said the panel tackled an issue that is increasingly relevant to her profession, especially with the emergence of digital publications.".

Alles in Allen, auch im Westen nichts Neues zu dieser Diskussion.

PS Susan Scafidi, Rechtswissenschaftlerin an der Fordham University und eine Referentin der Konferenz, äussert sich in einem Blogbeitrag mit durchaus versöhnlichen Tönen zum Thema.





25. November 2008

Von 'Web 3.0' bis 'Web 7.0'



Während der deutsche IT-Gipfel mit Vertretern aus Politik und IT-Industrie das 'Web 3.0' noch für die Zukunft halten - die Ergebnisse sind in der sog. 'Darmstädter Erklärung vom 20. Nov. 2008' dokumentiert - berichtet das Spektrum der Wissenschaft in seiner Dezember-Ausgabe bereits von der wahren Zukunft, dem 'Web 7.0'. Titel des Beitrags: "Virtuelle Gartenzwerge im Web 7.0". Das macht doch neugierig.

In diesem zugegebenermassen nicht ganz ernst gemeinten Aufsatz (oder vielleicht doch...?) schaut Informatikforscher Gunter Dueck in die Webzukunft. "Das Web 1.0 wurde von Wissenschaftlern eher beiläufig erfunden." Und weiter: "Nun heißt es also Web 2.0, weil Privatmenschen beginnen, das Web selbst wie bislang ihre Schrebergärten zu gestalten. Die Gartenzwerge sieht nun jedermann, der im Netz herumsurft." Das sind sie also, die Gartenzwerge. "Menschen stellen sich dort weit gehend authentisch hinein, soweit das eben virtuell möglich ist. Der Web-2.0-Schrebergarten wirkt so, wie w'enn jeder Mensch in der Tageszeitung oder in der Promigazette »Gala« kostenlos alles über sich selbst publizieren dürfte. Das Web wird unser anderes Zuhause, in dem wir zugleich überall woanders zu Besuch sein können." Nach Dueck ist das Web 1.0 'introvertiert', das Web 2,0 'extrovertiert'.
Und weiter zum Web 3.0: "Die Informatiker aber wollen für
die nächste Webstufe das Wissen ordnen, ein »semantisches Web« bauen, was gut Hingt und was sie daher 3.0 nennen. Sie möchten das Webchaos beenden, indem sie die Myriaden verfallener Lehmhütten des Web 1.0 kartografieren, aus ihnen nützliches Restwissen extrahieren und aufbereiten. Web 1.0 war schön wie einst der Rucksacktourismus. Aber die Web-3.0-Gurus wollen diese bunte Dschungelwelt begradigt wissen wie Hotelsilhouetten auf Mallorca."

Nach 1.0, 2.0 und 3.0 gibts also auch irgendwann das Web 7.0? Aber erst, schreibt Dueck, wenn es den 'webvertierten' Menschen gibt. "Leider gibt es diesen neuen Webmenschen, den Webvertierten, heute noch nicht." Also doch kein Web 7.0? Aber dann dies: "Hochwertigste Bildung 7.0, die nicht nur schneller lernen lässt, sondern die ganze Menschheit eine Stufe höher bildet, das Abitur als Minimum der Breitenbildung." Das lässt uns doch hoffen! Oder ist die Zukunft doch nicht so rosig? "Der Webvertierte denkt und agiert vor allem global. Er wird sich, das ist eine meiner Prognosen, im Web 7.0 in ungeahnter Weise selbst stylen und liften können. Vielleicht verschwindet er sogar in seinen Avatar und bewegt sich mit selbst gestalteter Hülle in den virtuellen Räumen herum - in der Hoffnung, dem global nivellierten Zwang, cool auszusehen, zu entkommen. [...] Zu Hause tragen wir hilfsweise elektronische Kleidung (e-Clothes) und werden so mit unserer jeweiligen Web-7.0-Hülle verlinkt. Wann wird das kommen? Wenn die eBodys billiger werden als reale Schönheitsoperationen." eBodys? Ja, zukünftig, im Web 7.0, interagieren nur noch eBodys miteinander, und der reale Körper wird mit Hilfe der modernen Sensorik mit der virtuellen Welt verknüpft.

Ist das die Phantasie eines Informatikforschers? Mit Nichten: Dueck spinnt nur das etwas weiter, was wir heute schon, im Web 2.0, erleben: Virtuelle Welten und Avatare, die Sensorik a la Ubiquitous Computing, Wearable Computing - und so etwas wie die Anwendung 'Owned' auf Facebook, mittels derer man Freunde Kaufen und Verkaufen kann ("buy and sell your friends") und sie sogar als Geschenk verpacken lassen kannn. Und Gunter Dueck ist zum Zeitpunkt des Schreibens knapp 10 Mio. l$ (lunch dollars) wert, wie er feststellt. Sorry, da bin ich dann wohl doch im falschen Film gelandet! Herrn Dueck hat diese Anwendung offensichtlich fasziniert, aber irgendwie ist das kaum meine Welt, auch wenn ich ein facebook Profil habe. Also, ich bleibe zunächst beim Web 2.0.

Ach ja, der Artikel wird im Untertiel als "... bisweilen satirische Extrapolation" angekündigt.


23. November 2008

'x 2.0' - jetzt auch 'Studieren 2.0' ?!

Inzwischen heisst ja Alles irgendwie '2.0', (also 'x 2.0', wobei x = *.*), was mit dem 'neuen Web', oder besser dem sogenannten 'Web 2.0', zu tun hat. Und jetzt taucht ein Begriff auf, den ich bisher noch nicht vernommen habe: Studieren 2.0.
Das HIS - Hochschul‐Informations‐System GmbH - hat dazu im November 2008 eine Studie veröffentlicht: "Studieren im Web 2.0". (Pressemitteilung, Kurzinformation zur Studie (pdf-Datei)). Man liesst dort zur Studie selbst: "Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen HISBUS-Online-Umfrage, die im September und Oktober dieses Jahres unter mehr als 4.400 deutschen Studierenden durchgeführt worden ist."


Die Zahlen zur zeitlichen Nutzung des Internet sind sicher kaum überraschend. Bei der Untersuchung der genutzten Internetangebote kommt mir unweigerlich die Frage in den Sinn "Studieren 2.0 = Wikipedia + Social Networks"?. Immerhin ist die Wikipedia das am häufigsten genutzte Internetangebot gefolgt von Social Communities bzw. Networks. Bei der Frage nach der studiumsbezogenen Nutzung der Social Networks steht die Kontaktpflege an erster Stelle, danach folgen dann Aspekte wie Klärung von Fragen für das Selbststudium, die Prüfungsvorbereitung und der Austausch von Dokumenten und Literatur.


Wikipedia ist aber nicht nur die am meisten genutzte Wissens- und Informatiionsplattform - sie geniesst bei den Studierenden auch das höchste Vertrauen! Eine Mehrheit hält die Informationen der Wikipedia für sehr verlässlich bis verlässlich, bei den anderen abgefagten Angeboten (Microsoft Encarta, Meyers, Lexikon online, Wissen.de, Spiegel Wissen, Zeit Online) geben die Studierenden dagegen mehrheitlich an, die Verlässlichkeit der Informationen nicht beurteilen zu können. Gründe liefert die Studie hierzu leider nicht. Bei der Frage nach der Verlässlichkeit erhalten 'Meyers Lexikon Online' und die 'Encyclopedia Britannica' gerade einmal die Hälfte der Bewertung im Vergleich zur Wikiperdia. Mich hat dieses Ergebnis durchaus überrascht, sehr sogar! Wenig überraschend ist, dass zwar die passive Nutzung sehr hoch ist, aber die Wenigsten auch aktiv Artikel (mit-) verfassen. Nur 0.3% der Befragten geben an, neue Artikel zu verfassen.
Weitere Fragen in der Studie betreffen das E-Learning und weitere studienbezogenen Informationen im Internet oder Intranet einer Hochschule. Online Lernplattformen kommen hier nicht besonders gut weg.


Der Untertitel der Studie lautet übrigens "Studienbezogene Web‐ und E‐Learning‐Dienste". In der Einleitung heisst es u.a.: "... welchen Einfluss die aktuelle Generation des Internet mit ihren Anwendungen – besser bekannt als „Web 2.0“ – auf die Entwicklung netzgestützter Lehr‐ und Lernformen an den Hochschulen hat."


Interessant wäre in diesem Zusammenhang natürlich auch zu wissen, in welcher Form z.B. 'Bibliothek 2.0' - Angebote, die inzwischen von Hochschulbibliotheken angeboten werden - z.B. angereicherte Bibliothekskataloge - oder als Webanwendung verfügbar sind - z.B. CiteULike, BibSonomy, Connotea, zotero, etc. - von Studierenden genutzt werden. Auch das sind 'Web 2.0' - Anwendungen!


Auch wenn es nicht im Focus der Studie ist, mich würde sehr auch ein Vergleich bzgl. der Nutzung und Einschätzung von Fachdatenbanken wie elektronischen Zeitschriftenkatalogen interessieren. Vielleicht ist das ja dann der Inhalt der nächsten Studie!

19. November 2008

Google Scholar vs. Fachdatenbanken

In einem Beitrag mit dem Titel "Google Scholar als Alternative zu wissenschaftlichen Fachdatenbanken", erschienen in B.I.T. Online, 4/2008, wird mit Hilfe von unterschiedlichen Suchanfragen in unterschiedlichen Disziplinen die Qualität von Google Scholar im Vergleich zu ausgewählten Fachdatenbanken untersucht. Gemäss dem Ergebnis dieser Untersuchung ist zwar ist die Bedienung von Google Scholar wesentlich einfacher und intuitiver, die Ergebnisse der Testrecherchen sprechen aber in allen Fällen für die Fachdatenbanken.
Es wäre Interessant zu prüfen, welche Ergebnisse die gleichen Recherchen in alternativen Fachdatenbanken ergeben hätten. Neben den oft komplizierten und wenig intuitiven Benutzungsschnittstellen stellt sich bei der Nutzung von Fachdatenbanken vor der Recherche das Problem der Auswahl einer geeigneten Quelle. Wer hier eine falsche Wahl trifft, hat im Zweifel wesentlich schlechtere Ergebnisse zu erwarten.Trotzdem: Google Scholar ist keinesfalls eine Alternative zu Fachdatenbanken!

18. November 2008

Open Access: Differenzierung tut Not!

Viel wird zurzeit geschrieben und diskutiert zum Thema Open Access (OA). Dabei wird aber IMHO oft wenig differenziert argumentiert, ja sogar z.T. ‚dogmatisch‘. Dabei geht es doch weniger um eine in der Diskussion häufige Schwarz-Weiss – Malerei – hier die Guten, dort die Bösen. Die Perspektive sollte weiter gefasst werden: Es geht letztendlich um fundamentale Veränderungen im Kontext des wissenschaftlichen Publizierens, OA ist dabei ein, wenn auch zentraler, Aspekt. Letztendlich geht es doch um Veränderungen des gesamten Ökosystems wissenschaftlicher Publikationen bzw. des Publizierens (vgl. Mierzejewska, B. I.: The eco-system of academic journals. Dissertation St. Gallen, 2008).

Die sog. Zeitschriftenkrise, von vielen als Auslöser der OA Debatte betrachtet, ist dabei genauso ein Element des sich verändernden Ökosystems wie die Prinzipien der wissenschaftlichen (Weiter-) Qualifikation, die gut durch den Begriff des
‚publish or perish‘ beschreiben werden kann. Nicht zuletzt sind die Entwicklungen des Internet und seine Dienste ein wichtiger Treiber der Entwicklungen, die z.B. OA gar erst ermöglichen. Wenn man sich mit den genannten Veränderungen beschäftigt, tut man gut daran, nicht alle Wissenschaftsdisziplinen über einen Kamm zu scheren.

So gehen die oft zu wenig differenzierten OA-Diskussionen z.B. an den Rechtswissenschaften fast völlig vorbei. Betrachtet man die Ausgangslage dieser Disziplin, so entdeckt man markante Unterschiede beispielsweise zu den STM (Science, Technology, Medicine) Disziplinen oder den Sozialwissenschaften. Wichtige Eigenheiten sind u.a. die Besonderheit von Rechtsdaten als Gegenstand des wissenschaftlichen Publizierens, die primär nationale Ausrichtung der Märkte, die klar mittelständisch und national geprägte Struktur rechtswissenschaftlicher Verlage, das weitgehende Fehlen einer Zeitschriftenkrise oder die Rolle der wissenschaftlichen Publikationen im Hochschulbereich. Auch die Welt des wissenschaftlichen Publizierens in den Rechtswissenschaften verändert sich, aber mit den kaum differenzierten Argumenten der OA-Debatte erweist man zumindest den Rechtswissenschaften keinen Dienst.
Im November 2008 wurde diesem Thema in Bern die ‚Tagung für Informatik und Recht‘ gewidmet. Ende des Jahres wird eine entsprechende Studie im Auftrag des SVRI fertiggestellt, die dann in geeigneter Form veröffentlicht wird.

16. November 2008

Open Access: From Myth to Paradox

'Open Access: From Myth to Paradox', so lautete der Titel eines Vortrages von Paul Ginsparg, Cornell University, am 11. Nov. 2008 in der Schweizerischen Nationalbibliothek im Rahmen der Library Science Talsk 2008. Ginsparg ist Kernphysiker und in der Fachwelt bekannt geworden duch die Entwicklung des Preprint-Archivs ArXiv.org.

Eines seiner Ziele für den Vortrag war: "I will discuss straightforward applications of existing ideas and services, including citation analysis, collaborative filtering, external database linkages, interoperability, and other forms of automated markup, and speculate on the sociology of the next generation of users."
Gerne hätte ich von Ginsparg seine Vision zu Open Access und die Zukunft der Wissenschaftskommunikation gehört. Aber wie es so ist wenn ein Pionier ins Erzählen kommt, für diesen Teil der Präsentation ('III. Where are we gpoing?') blieb kaum noch Zeit. In kaum mehr als 5 Minuten musste das Thema abgehandelt sein. Schade. Die (leicht angepassten) Vortragsfolien sind glücklicherweise Online verfügbar. Allerdings sind sie kaum wirklich selbsterklärend. Vieles bezieht sich auf ArXiv.org und dessen Entwicklung.

Für den Ausblick in die Zukunft bleiben immerhin ein paar Folien, die eine Idee geben was Ginsparg im Sinn hat. Seine Kernaussage ist in folgenden statement zusammengefasst: "Qualitatively new research and cognitive methodologies, transformation in the way we process scientific information, with academic community as role model for the creation and dissemination of knowledge to the public."
Oder anders formuliert: Das Internet als Medien, das Web mit seinen vernetzten Informationen, mobile und allgegenwärtige Endgeräte und das Verhalten der Generation der Digital Natives führen zu einer neuen Form von 'Wissenschaft' und 'wissenschaftlichem Publizieren'.

Amüsant ist u.a. ein e-mail von Ginsparg aus dem Jahr 1992 an einen Kollegen am CERN auf die Frage, ob er das World Wide Web kenne: "i know nothing of www (what is it?, every other week someone tells me about some new wonderful network that i've never heard of but that will be the solution to everything."


Bildquelle: Homepage Paul Ginsparg


10. November 2008

Blogs in der Wissenschaft: Oder ist die Physik eine Seifenoper?

Das fragt die NZZ in der Ausgabe vom 12. Nov. 2008 (link). Es ist ein Beitrag zur Rolle von Blogs in der Wissenschaftskommunikation. Ohne den Disput zwischen Autoren des betrffenden Papers und der Kritik via Blog inhaltlich wirklich nachvollziehen zu können*, zeigt diese Blogger-Kontroverse die Möglichkeiten des wissenschaftlichen Diskurses mit Hilfe von Blogs auf. Bei allem Für und Wider wirdeine bisher ungekannte Transparenz geschaffen, die zumindest den Fachleuten eine Hilfe sein wird.


* Titel des Papers: “
Study of multi-muon events produced in p-pbar collisions at sqrt(s)=1.96 TeV